
Wir haben Windhoek und das B&B House on Olof Palme verlassen und auf der prima asphaltierten Strasse B1 die Abzweigung zur C20 erreicht. Nach 12 Kilometern biegen wir links ab zur Bagatelle Kalahari Game Ranch. Die Strasse ist mittlerweile Schotterpiste geworden. Nach 20 Kilometern gelangen wir zum grossen Eingangstor. Juchheee! Am Ziel! Fast zumindest…
Inhalt
Bagatelle Kalahari
Wir wollen gerade den Haupteingang passieren, als uns der Torwächter anhält und erklärt, wir müssten durch das unscheinbare Tor auf der anderen Strassenseite zum Farmhouse fahren. Und bitte den Vierradantrieb zuschalten, es gehe durch Deep Sand, also tiefen Sand, der einfach nachgibt. Aha! Das wird ja spannend… Heinz fährt los – und ich halte mich fest. Die Sandpiste ist bucklig, doch wir trotzen ihr. Beim Überqueren der Dünen und im tiefen Sand ist unser Toyota kaum zu steuern. Aber Heinz schafft es! 😊 Good driver!

Die Sandfahne, die wir auslösen, verrät der Rezeptionistin, dass wir demnächst eintrudeln. Sie steht schon beim Parkplatz parat und begrüsst uns herzlich. Wir sind eingeladen, erst einmal mit einem Glas Champagner den Staub hinunterzuspülen. Wir sitzen auf der Terrasse und sind ziemlich platt. Ein Pool, ein Wasserloch und der Rand einer Salzpfanne liegen vor uns – was für ein Anblick!

Mehrwissen: Die Kalahari und ihre Bewohner
Die Kalahari ist eine riesige Savanne, geprägt durch trockenes Grasland, Salzpfannen und relativ viel Sand. Deswegen wird sie oft auch als Halbwüste bezeichnet. Ein kleiner Teil der Kalahari liegt in Namibia, der grösste Teil gehört zu Botswana und ein weiterer, etwas kleinerer Teil zu Südafrika. Insgesamt ist die Kalahari mehr als eine Million Quadratkilometer gross.
Sie beherbergt Wildarten wie Giraffen, Kudus, Zebras, Oryx, Gnus und Elenantilopen. Aber auch Elefanten, Nashörner, Geparde, Löwen, Leoparden, Wildhunde, Erdmännchen und viele mehr sind hier zu Hause. Einige von ihnen suchen jeweils unter uralten, wunderschönen Akazienbäumen Schatten. Die Giraffen knabbern die Akazien gerne an – Dornen hin oder her. Die Kalahari ist auch die Heimat von mehr als 150 Vogelarten. Am auffälligsten sind die riesigen Nester der Sozialen Webervögel, auch Siedelweber genannt.

Farmhaus mit Aussicht
In diesem Farmhouse haben die Besitzer der Bagatelle Kalahari Game Ranch früher selber gewohnt, dann haben sie das Haus in ein Boutique-Guesthouse umgewandelt: Vier Luxury Suites und vier Standard Suites, ein Essraum, der auch Lounge ist, und diese umwerfende Aussicht gehören dazu. Unsere Suite ist die 1A, eine der Luxussuiten. Als wir über Rhino Africa buchen liessen, war uns gar nicht so bewusst, dass wir hier das tollste Zimmer haben! Im Detail wussten wir schliesslich nicht, welche Suite wir bekommen würden.



Viel Zeit zum Einrichten in dieser tollen Suite haben wir nicht, denn der «Game Drive mit Cheeta Feeding und Sundowner» geht schon bald los. Wir werden von einem Safarifahrzeug abgeholt und zur Lodge hinübergefahren. Zu dieser gehören mehrere Chalets und ein Haupthaus sowie ein Campingplatz. Hier hat es viel mehr Gäste, als bei uns drüben.
Auf Pirschfahrt
Ziel auf dem ersten Teil der Pirschfahrt ist es, die Nashörner zu finden. Eines heisst Bruno, das andere Grace. Bevor wir sie endlich entdecken, sehen wir jedoch viele andere Tiere: Oryxe, Springböcke, Gnus, Giraffen, eine ziemlich grosse Echse und eine Riesentrappe. Letztere ist der grösste Vogel der Welt, der fliegen kann. Er kann knapp 20 Kilogramm schwer werden! Mit dem möchte man keine Kollision haben…


Noch immer haben wir Bruno und Grace nicht gefunden und sind schon auf dem Weg zur Geparden-Fütterung. Aber da! Plötzlich entdecken wir sie, die beiden Schwergewichte. Friedlich grasen sie vor sich hin – und wir haben Fototermin. 😊 Die Gästeschar ist zufrieden.

Die Geparde des Cheetah Conservaton Fund
Aber ab jetzt haben wir nur noch Augen für die schnellsten Raubkatzen der Welt, die wegen unserer nashornbedingten Verspätung etwas auf ihr Abendessen warten mussten. Im Rahmen des Schutzprojektes Cheetah Conservation Fund, das 1990 gegründet wurde, leben hier Geparde, die als verwaiste Jungtiere gefunden und aufgepäppelt wurden. Sie konnten von ihren Müttern das Leben in der Savanne nicht lernen, weshalb man sie nicht mehr freilassen kann. Menschen können ihnen das Jagen und Überleben nicht beibringen. Aber sie können dafür sorgen, dass es den Tieren gut geht. Immerhin werden die Cheetahs hier gut doppelt so alt wie in freier Natur.

Ihre Gehege, die sie sich lediglich zu zweit teilen, sind riesig. Das ermöglicht ihnen, ihre Geschwindigkeit – bis zu 80 kmh – auszuleben. Als wir ankommen, liegt eine der Gepardinnen entspannt im Gras und beobachtet, wie sich die Safari-Fahrzeuge besammeln. Als alle hier sind, fahren wir ein ganzes Stück weit in die entgegengesetzte Ecke des Geheges, von der aus wir keine Geparde mehr sehen können.

Kaum angelangt, kommen sie wie auf Kommando in gestrecktem Galopp über die Düne angedüst, um sich aufs Futter zu stürzen, das ihnen von den Rangern gereicht wird. Die Raubkatzen verhalten sich recht wild, sind aber an Menschen gewöhnt. Einer unserer Mitfahrer will doch tatsächlich aus dem Safari-Fahrzeug aussteigen! Was Panda, der Fahrer und Guide, natürlich verhindert. Im Gegensatz zu ihm, müssen die Gäste aus Sicherheitsgründen selbstverständlich im Auto sitzen bleiben. Ist doch nichts als logisch, nicht? Aber der Gast scheint gar nicht zufrieden zu sein…

Auf dieser Pirschfahrt habe ich das Glück, neben Panda zu sitzen. Damit bin ich sehr nahe am Geschehen. Bei einer der Fütterungen – wir erleben insgesamt drei – schnappt er sich meine Kamera, die auf manuell eingestellt ist. Ob das gut kommt? Tut es. Ihm haben wir einige tolle Aufnahmen aus nächster Nähe zu verdanken.

Amüsiert stellen wir fest, dass sich grosse Katzen gleich verhalten wie kleine: Nach dem Fresschen wird erst einmal der Latz, also die Brustpartie, geputzt. Dann legen sie sich hin und lecken weiter an ihrem Fell herum, bis alles so sauber ist, wie sie es haben wollen. Wir sind völlig fasziniert von diesen bezaubernd schönen Tieren.
Unser erster Sundowner in Namibia
Mit diesen spannenden Stunden, sind wir definitiv in der Kalahari angekommen. Wir sind ja noch nicht einmal 48 Stunden im Land! Und jetzt haben wir uns auch einen Sundowner verdient. Irgendwo in der Savanne haben Mitarbeiter des Bagatelle Kalahari eine Bar aufgebaut, die gemäss Barkeeper keine Zimmernummern kennt. Allgemeines Gelächter und Prost allerseits! Wir geniessen einen Gin-Tonic – der passt wunderbar hier her – derweil die Sonne am Horizont glutrot versinkt.

Auf dem Rückweg machen wir Halt bei der Lodge, um ein paar Gäste aussteigen zu lassen. Während der Fahrt zum Farmhouse, es ist schon ziemlich dunkel, entdeckt Panda einen Uhu. Er hockt auf einem Baum und wartet wohl, bis die Nacht definitiv hereinbricht und die Zweibeiner in den Häusern verschwinden.

Im Farmhouse werden wir bereits zum Abendessen auf der Terrasse erwartet: Lachstatar zur Vorspeise, dann Oryx – schmeckt sehr gut! – mit Gemüse und Kartoffelgratin, und zum Dessert gibt’s Crème Brulée. Danach fallen wir todmüde, aber zufrieden ins Bett unserer Suite. Morgen werden wir dann in aller Ruhe alles erkunden.
Ein Faultiertag
Eigentlich wollen wir ausschlafen, doch das will nicht so recht gelingen. Wir sind zu neugierig auf die Kalahari, die uns hier umgibt. Perlhühner suchen die Gegend nach Futter ab und einige Ziegen laben sich am Wasserloch. Auf der Veranda vor unserem Zimmer werden wir von einer der Hauskatzen umschnurrt… So kommen wir gemütlich in den Tag. 😊

Als wir fürs reichhaltige Frühstück wach genug sind, wechseln wir von der Veranda auf die Terrasse beim Pool. Auf unseren Tellern haben wir alles, was das Herz begehrt, einfach herrlich! Wir geniessen den Tag im Bagatelle Kalahari Farmhouse, und als die anderen Gäste auf Pirschfahrt gehen, haben wir den Pool für uns. Das Wasser ist eiskalt! Gut erfrischt geht es in unserem geräumigen Badezimmer ab unter die Dusche, währenddessen draussen ein kleiner Sturm aufzieht. Den Rand der Salzpfanne sehen wir plötzlich nicht mehr, und unsere Badehosen müssen wir anbinden, damit sie nicht davongeweht werden. Dafür trocknen sie so innert kürzester Zeit.



Apero und Abendessen gibt es wieder auf der Terrasse, aber diesmal verziehen wir uns wegen des Windes in den hinteren Bereich. Heute werden ein Springbock-Schnitzel frisch vom Grill und Gemüse aufgetischt. Einen Moment lang befremdet es mich, dass ich der lebenden Tiere wegen hier bin und sie dennoch in grillierten Tranchen auf dem Teller vorfinde – und sie auch noch gut finde. Mit diesem Widerspruch muss ich wohl oder übel leben. Zuhause ist es im Grunde genommen ja nicht anders…

Am nächsten Morgen verlassen wir das Bagatelle Kalahari Farmhouse recht früh, denn uns steht eine lange Autofahrt bevor.
Weiterführende Links
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© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch | 2024
Offenlegung: Wir haben die ganze Reise aus der eigenen Tasche bezahlt.
Das klingt ja nach einem tollen Aufenthalt in der Kalahari! Die Lodge sind wunderschön aus. Ach, Nambia – da muss ich auch irgendwann nochmal hin! Danke für den Bericht und die schönen Bilder.
Ja, Namibia lohnt sich wirklich, liebe Sabine! Bei uns stand das Land seit Jahren auf der Bucketlist… 🙂