Wir haben uns rund um Twyfelfontein auf die Tierwelt konzentriert, weil wir unbedingt die Wüstenelefanten sehen wollten. Unser Guide im Adventure Camp hat sie ausfindig gemacht und uns viel über die Natur erzählt. Eine spannende Gegend!
Namibia, Twyfelfontein, Huab, Wüstenelefant
Die beeindruckende Wüstenelefantin futtert sich durch das Flussbett des Huab.

In Swakopmund ziehen wir etwas früher los, denn bis wir den Geldautomaten gefunden und Benzin getankt haben, wird es doch 10 Uhr bis wir die Stadt verlassen. Bei Hentiesbaai geht die Strasse kurz vor Cape Cross rechts weg. Und – oh Wunder! – alles schön asphaltiert. Wir können unser Glück kaum fassen, aber – zu früh gefreut… Nach ca. 40 Kilometern kommt eine Umleitung wegen Baustelle. Und die bleibt uns während langer Zeit erhalten – auf den üblichen Pisten mit viel Sand… Es ist echt mühsam! Etwa 20 Kilometer vor der Lodge in Twyfelfontein ist die Strasse dann wieder asphaltiert. Halleluja!

Twyfelfontein Adventure Camp

Die Natur zeigt sich während der Anfahrt zum Adventure Camp sehr abwechslungsreich und spannend. Wir treffen Kühe auf der Strasse, Steinhügel und schon wieder diese kugeligen Steine, die an riesige Murmeln erinnern. Und wir fragen uns immer wieder, wie sie dort hingelangt sind, wo sie heute sind…

Namibia, Damaraland
Das karge Land ist recht unbewohnt, doch hier kommen wir an ein paar Häusern und Kühen vorbei.

Die Begrüssung im Twyfelfontein Adventure Camp ist sehr freundlich und auch hier bekommen wir einen fruchtigen Drink, um den Staub herunterzuspülen. Nach der Erfahrung in der Kulala Desert Lodge, ist die Freude gross, als wir erfahren, dass unser Zelt gleich das nächste neben dem Haupthaus ist. Das «Zelt» steht auf einer Plattform, ist gross und neu, denn im April 2023 wurde das Camp erweitert und es sind einige Unterkünfte dazugekommen. Das Camp «kuschelt» sich an einen Hügel aus kugeligen Steinen, wie wir sie auf dem Weg von der Kalahari- zur Namib-Wüste auch schon gesehen haben. Oder so ähnlich zumindest. Hoffentlich rollt keiner der Felsen auf das Camp… 😉

Namibia, Twyfelfontein Adventure Camp, Zelt
Unser Zelt sieht eher wie ein Bungalow mit Zeltdach aus. Wir sind sehr beeindruckt.
Namibia, Twyfelfontein Adventure Camp, Zelt innen
Und so sieht das Zelt von Innen aus. Der Hammer, oder etwa nicht?!

Die Einrichtung des Zelts ist mit schwerem Holz-Sekretär und Metall-Sideboard sehr währschaft. Mir fehlen aber Haken und wenigstens ein, zwei Kleiderbügel. So what… Jetzt gibt es erst einmal einen Gin & Tonic. Dann steigt Heinz für den Sonnenuntergang die Metalltreppe hinauf auf einen der kugeligen Felsen. Dort hat es speziell für den Sundowner eine kleine Bar. Für unser leibliches Wohl ist wahrlich gesorgt 😄

Namibia, Twyfelfontein Adventure Camp, Pool
Vom Pool aus führt die Metalltreppe zur Sundowner-Bar hinauf.
Namibia, Twyfelfontein Adventure Camp, Ausssicht
Der Blick vom Sundowner-Aussichtspunkt aus in die steinige Wüste.

Zum Abendessen wird ein Braai, ein grosser Grill, in Betrieb gesetzt. Da kann jeder unter verschiedenen Fleischsorten wählen. Dazu gibt es Salate und Polenta, und zum Dessert ein Stück Kuchen. Nach dem Essen werweissen wir, ob wir die «Rollos» des Zelts schliessen sollen und wie kalt es nachts wohl wird… Wir lassen die vier «Fenster» offen –, um sie nachts um zwei zu schliessen. Viel zu kalt!

Namibia, Twyfelfontein Adventure Camp, Restaurant
Links der Braai-Grill, rechts das gedeckte Restaurant.

Suche nach den seltenen Wüstenelefanten

Bereits um acht Uhr geht die Pirschfahrt los. Wir verzichten wieder aufs Frühstück, was uns mehr Zeit zum Wachwerden verschafft. Ich komme kaum die hohen Tritte ins Safari-Fahrzeug hinauf. Meine Beine sind irgendwie zu kurz… Aber: wir haben die Logenplätze hinter dem fahrenden Guide Calvin erwischt. 😊

Er fährt das trockene Flussbett des Aba-Huab hinauf (oder hinunter?). Giraffen und Springböcke sind die ersten Tiere, die wir sehen. Dann noch ein paar Vögel, darunter Perlhühner. Calvin hält immer mal wieder an, um etwas zu zeigen oder zu erklären. Er macht das super! So erfahren wir, dass die Webervögel an einem Baum viele kugelige Nester aus trockenen Gräsern und Strohhalmen bauen, aber nur eines wirklich benützen. Dieses hat einen Ein- und einen Ausgang. Sollte eine Schlange ins Nest schleichen, ist nur die Brut verloren, aber nicht der Vogel, der durch den Ausgang flüchten kann.

Namibia, Giraffen, Aba-Huab-Fluss
Giraffen sind halt immer noch Inges Lieblingstiere – also, ausser Katzen.
Namibia, Aba-Huab-Flussbett, Guide Calvin
Guide Calvin erklärt uns das Nistverhalten der Webervögel.

Nach etwa eineinviertel Stunden erreichen wir tatsächlich unseren ersten Wüstenelefanten! Juchheee… Die Freude ist gross! Schliesslich war es unser erklärtes Ziel, diese seltenen Tiere sehen zu wollen. Dieser Elefant heisst Oscar und ist schon ziemlich betagt, was man ihm gut ansieht. Ausser ihm lebt hier ein zweiter Bulle, den wir später auf dem Rückweg an der Wasserstelle sehen. Am Huab leben zwei Gruppen Wüstenelefanten, eine mit 15, die andere mit 6 Elefanten. Calvin ist der Meinung, dass sie sich vielleicht bald zu einer Herde zusammenschliessen werden.

Namibia, Aba-Huab-Flussbett, Wüstenelefant, Oscar
Oscar, unser erster Wüstenelefant, den wir sehen!
Namibia, Aba-Huab-Flussbett, fressende Wüstenelefantin
Und schon haben wir eine der beiden Herden erreicht. Es wird gefuttert…

Mehrwissen über Wüstenelefanten

Wüstenelefanten sind während der Regenzeit über das Gebiet von Damaraland verteilt und eher schwierig zu finden, zumal die Anzahl der Tiere arg geschrumpft ist. Doch während der Trockenzeit (Mai bis Oktober) sind sie häufig an Flussläufen wie dem Aba-Huab zu sehen. Auch wenn dieser ausgetrocknet wirkt, so versorgt er doch die Futterpflanzen mit dem unterirdisch verlaufenden Wasser. Die Tiere ziehen also immer dem Grünzeug nach – und das wissen natürlich auch die Guides.

Namibia, Aba-Huab-Flussbett, junger Wüstenelefant
Verspielt wie Jungtiere nun mal sind…

Die seltenen Wüstenelefanten von Damaraland sind an ihre Umgebung bestens angepasst. So sind ihre Beine länger und die Fusssohlen wesentlich grösser als jene ihrer übrigen und etwas grösseren Artgenossen. Die grosse Trittfläche sorgt dafür, dass die Elefanten weniger im Sand einsinken. Ausserdem überliefern die Leitkühe altes Wissen über unterirdische Wasserläufe: Die Elefanten wissen, wo sie mit ihren Rüsseln nach Wasser graben können.

Wir fotografieren die Elefanten, die uns vor lauter Futtern kaum beachten. Natürlich sind sie auch an die «Menschen in Gefährten» gewöhnt. Von ihnen geht keine Gefahr aus. Auch von den Einheimischen nicht mehr, denn sie haben gelernt, mit Wildtieren zu leben. Als die Dorfbewohner merkten, dass die Elefanten immer wieder die Wassertanks zerstörten, weil sie ans Wasser kommen wollten, entschied man sich, die Tanks mit einer zugänglichen Wasserstelle zu versehen. So können die Elefanten trinken und die Tanks bleiben ganz.

Namibia, Aba-Huab-Flussbett, junge Wüstenelefanten
Zwei Youngster unter sich.

Bulle Bruno und Eisenstaub

Auf dem Rückweg entdecken wir den zweiten Elefantenbullen – ich meine, er wird Bruno genannt, bin aber nicht ganz sicher – am Wassertank. Auch er lässt sich durch unsere Anwesenheit nicht stören. Danach geht die Rückfahrt durch die Wüste und bergiges Gebiet. Beim letzten Halt zeigt uns Calvin, wie man mit einem Magnet und etwas Papier die schwarzen Eisenablagerungen auf dem Sand «einfangen» kann. Der Eisenstaub lässt sich mit dem Magnet sogar durch die Hand eines Probanden hindurch bewegen. Faszinierend. Der Eisenstaub liegt auf vielen unbewegten Dünen obenauf. Sich bewegende Dünen enthalten keine schweren Eisenpartikel, denn sonst wären sie nicht mehr beweglich.

Namibia, Aba-Huab-Flussbett, Wüstenelefant, Bulle Bruno
Wenn man für die Tiere sorgt, lassen sie die Menschen in Ruhe. Eine alte Weisheit…

Zurück im Camp gibt es Mittagessen, und wir sind nicht mehr wegzubewegen. Es ist viel zu heiss. Wenngleich beim Camp-Eingang ein Living Museum und in etwa 15 Autominuten Entfernung Felsgravuren, Teil des UNESCO-Kulturerbes, zu bewundern wären. Erst als der Nachmittagswind auffrischt, werden wir wieder fitter.

Namibia, Twyfelfontein Adventure Camp, Bettdeko
Da wir die Wüstenelefanten entdeckt haben, ist auch unsere Bettverzierung entsprechend angepasst worden.

Am Abend wird erneut der Braai «angeworfen», diesmal gibt es zum Fleisch Salate und Kartoffeln. Wir geniessen unseren letzten Abend im Land der Wüstenelefanten, in dem es noch viel mehr zu entdecken gäbe. Das haben wir bereits bei der Routenplanung gemerkt, doch dann hätten wir die Fahrt von Swakopmund nach Twyfelfontein nicht an einem Tag geschafft. Man kann nicht alles haben…

Mehrwissen zum Damaraland

Es ist ein steiniges und karges Land, das die südafrikanische Verwaltung 1964 den einheimischen Stämmen zugewiesen und Damaraland genannt hat. Es erstreckte sich von Karibib bis Sesfontein und Oshakati. Nach der Unabhängigkeit wurde das Gebiet neu aufgeteilt in die Regionen Erongo und Kunene. Und ja, die Damara leben auch in diesem Gebiet, das sich in der Kunene-Region zwischen Sesfontein und dem Brandbergmassiv befindet.

Im Dreieck zwischen Brandberg, Spitzkoppe und Twyfelfontein sind viele Zeugnisse alter afrikanischer Kulturen vereint, ausserdem hat die Natur für viele Schönheiten gesorgt. Da wäre die Spitzkoppe selber, die auch als «Matterhorn Namibias» bezeichnet wird, weil sich der Berg ziemlich isoliert aus der Ebene 700 Meter hoch erhebt und dessen Spitze immerhin auf 1728 m ü. M. liegt. Oder das Erongogebirge, das vulkanischen Ursprungs ist, und dessen Felswände von den Ahnen der Damara und der San mit Felsmalereien verziert wurden. Felsmalereien finden sich auch im Brandbergmassiv und ausserhalb von Twyfelfontein.

Bulls Party ist auch so ein Ort, den wir auf unserem Weg zwischen Swakopmund und Twyfelfontein hätten einbauen sollen. Die runden Steine, die wie Riesenmurmeln anmuten hätten uns bestimmt gefallen. Manchmal ist man eben erst im Nachhinein schlauer…

Weiterführende Links

>>> Weiter zu Ongava – wilde Tiere vor der Haustür

>>> Zurück nach Swakopmund, kleine Stadt der Abkühlung

>>> Zurück zu Die Namib-Wüste – schön und sandig

>>> Zurück zu Bagatelle Kalahari – unter Nashörnern und Geparden

>>> Zurück zu Windhoek – das Tor zu Namibia

>>> Zurück zu Namibia: Übersicht über unsere Rundreise

>>> Weiter zu Namibia: Allgemeine Reisetipps

>>> Weiter zu Namibia: Tipps für Selbstfahrerinnen und -fahrer

© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch | 2024

Offenlegung: Wir haben die ganze Reise aus der eigenen Tasche bezahlt.