Vom Sossuvlei und den toten Bäumen des Dead Vlei haben wir schon so viele Bilder gesehen und Beschreibungen gelesen: Es ist Zeit, das selber zu erleben. Ein Traum wird wahr – wir sind hin und weg! Die Namib ist wirklich bezaubernd, aber auch brütend heiss…
Namibia, Dead Vlei, tote Bäume, Dünen
Die weltberühmten toten Bäume des Dead Vlei im Namib-Naukluft-Nationalpark.

Das Bagatelle Kalahari Farmhouse haben wir relativ früh verlassen, um in Mariental an einer der vielen Tankstellen unseren Benzinvorrat aufzufüllen. Der Tank ist zwar noch mehr als halbvoll, aber sicher ist sicher. An der ersten Tanke wollen sie nur Bargeld und an der zweiten werden die Kunden von jungen Bettlern belagert… Es ist Sonntag, und wie es scheint, haben die Burschen nichts anderes zu tun. Wir lassen uns erst einmal nicht beeindrucken und tanken voll. Allen Dackelblicken zum Trotz: Trinkgeld gibt es nur für den Tankwart! Und weiter geht’s, über die Maltahöhe an den Rand des Namib-Naukluft-Nationalparks, zur Kulala Desert Lodge.

Versorgungszentrum Maltahöhe

Bis zur Maltahöhe, die nicht ganz in der Hälfte der Strecke liegt, ist die Strasse schön ausgebaut. Die Maltahöhe ist ein Ort mit etwa 6000 Einwohnern und hat ihren Namen der Gattin eines deutschen Bezirkshauptmanns zu verdanken, der hier 1895 einen Polizeiposten führte. Der Ort hat einen Supermarkt, der hoffentlich auch eine Toilette hat. Als Frau ist man in Namibia unterwegs arm dran, oft bleibt nur der Gang in die Natur übrig… Was mir nicht so behagt.

Namibia
Während der Fahrt von der Maltahöhe zur Kulala Desert Lodge fühlen wir uns, als würden wir durch ein Nirgendwo fahren…

Also: Supermarkt. Kein Schild, nichts, also frage ich eine der Damen an der Kasse. Ja, man müsse nur rasch den Schlüssel holen. In einem benachbarten Gebäude gab es dann tatsächlich Toiletten, penibel sauber! Und nach mir wird gleich wieder geputzt – was natürlich nicht nötig gewesen wäre. Ein kleines Trinkgeld für die nette Supermarkt-Angestellte und ich kann Heinz erlösen, der auf dem Parkplatz von jungen Namibiern fast schon belagert wird. Es ist immer noch Sonntag. Die Jungs scheinen auch hier nicht besseres zu tun zu haben, als Touristen anzubetteln.

Namibia, Namib-Wüste
Und es geht noch staubiger! Immerhin nähern wir uns dem Namib-Naukluft-Nationalpark.

Die Maltahöhe ist ein Versorgungszentrum für die Farmen der Umgebung – mehr nicht. Eine Sehenswürdigkeit haben wir jedenfalls nicht entdeckt. Also fahren wir wieder auf die C 19, die am Ortsrand abrupt aufhört. Nach rechts geht’s in die Pampa, nach links hat’s immerhin eine Schotterstrasse. An der nächsten Kreuzung wird die Route sichtbar: Zuerst C14, dann wieder C19. Die restlichen 160 Kilometer sind auf einer Schotterpiste zu bewältigen, wobei die letzten die schlimmsten Kilometer sind. Aber Heinz schafft das mit Bravour 😊

Kulala Desert Lodge

Die Kulala Desert Lodge liegt schon fast im Namib-Naukluft-Nationalpark. Das Hauptgebäude und die kleinen «Hütten» sind, aufgereiht wie eine Perlenkette, an den Rand eines Hügels gebaut. Wir haben die dritthinterste erwischt – Pech gehabt! Immerhin kann man mit dem Auto in die Nähe fahren, um die Koffer abzuladen. Und natürlich haben wir Hilfe eines Kofferträgers.

Namibia, Kulala Desert Lodge, Namib-Wüste, Sossuvlei
Die Hüttchen kuscheln sich an den Hügeln und bieten eine traumhafte Aussicht auf die Namib-Wüste.

Unsere Unterkunft ist eine Mischung aus Zelt und Hütte. Die Wände sind aus Canva, einem Zeltstoff, das Dach aus Stroh und das Badezimmer hat gemauerte Wände. Auf dem Badezimmer befindet sich eine Terrasse, die besonders nachts beliebt ist, um Sterne zu beobachten. Vor dem Eingang der Hütte hat es eine Veranda mit Tisch und Stühlen, die wir aber nur in den Morgen- und Abendstunden nutzen. Tagsüber knallt die Sonne hin, dass man es kaum aushält. Die Inneneinrichtung ist einfach, aber durchaus okay und das Bett seeehr breit und bequem.

Namibia, Kulala Desert Lodge, Oryx Antilope
Besuch am Wasserloch bei der Kulala Desert Lodge: eine Oryx-Antilope.

Restaurant, Bar und Grill

Nachdem wir uns eingerichtet haben, spazieren wir zum Hauptgebäude, wobei spazieren eine Verharmlosung ist. Der Weg durch Deep Sand und durch «Täler» schafft mich völlig. Wobei die Hitze schon auch eine Rolle spielt. Durstig kommen wir an der Bar an: Weisswein bitte, und bitte möglichst kühl! Wir setzen uns in den Schatten, geniessen Wein und Aussicht, und zwischendurch erkunden wir das Haupthaus. Ich muss natürlich einen Abstecher in den Shop machen… Ihhh… hier hat es so viele schöne Dinge!! Kleider, Halstücher, Schmuck – Namibia ist ja bekannt für seine Edelsteine… Es ist besser, wenn ich meinen Einkauf überdenke und vertage. Zum Beispiel auf den Abfahrtstag. 😉

Namibia, Kulala Desert Lodge, Terrasse
Die Terrasse des Restaurants der Kulala Desert Lodge bietet eine herrliche Rundumsicht.

Zum Abendessen treffen sich alle Gäste am grossen Büfett. Es gibt Vor- und Hauptspeisen zur Auswahl, das Dessert wird hingegen aus der Küche an den Tisch gebracht. Salat, Spicy Chicken, Reis, Bohnen, Blumenkohl, zwei Töpfe mit etwas Undefinierbarem und Caramelchöpfli! Hungrig geht hier ganz sicher niemand zu Bett! Und wir müssen vorher sowieso noch den Sternenhimmel geniessen.

Sesriem Canyon

Die Wüste erwacht – und wir mit ihr. Über uns schweben bereits zwei Fesselballone am knallblauen Himmel und sorgen für das Bild, das ich in Reisezeitschriften schon hundertmal gesehen habe. Jetzt haben wir es auch (mehrfach) in unseren Kameras. Für die Ballonfahrt müssen die Gäste extra bezahlen – sonst ist hier alles inklusive. Auch unsere Fahrt zum Sesriem Canyon und der Eintritt in den Namib-Naukluft-Park.

Namibia, Kulala Desert Lodge, Heissluftballone
Zwei Heissluftballone überqueren die Lodge Richtung Sossuvlei.

Unser Guide fährt uns zur Schlucht, andere Gäste sind nicht dabei. Also geniessen wir die Möglichkeit, ihn mit Fragen löchern zu können. Sesriem bedeutet sechs Riemen und erklärt sich so: Wenn früher die Fahrer der Ochsenkarren vom Rand des Canyons aus Wasser für ihre Tiere schöpfen wollten, so mussten sie sechs (ses) Gespannriemen (riem) miteinander verknüpfen, damit der Eimer das Wasserloch unten im Canyon erreichen konnte.

Der Canyon hat allerdings schon lange kein fliessendes Wasser mehr gesehen. Nur alle paar Jahre rauscht der Tsauchab durch die etwa einen Kilometer lange Schlucht, um dann weiter zum Sossuvlei zu fliessen. Dann blüht die Wüste in Nullkommanichts auf, muss ein schöner Anblick sein… Doch es dauert nie lange, und schon ist der Canyon wieder ein Trockenflussbett, unter dem allerding stets eine Wasserader verläuft.

Namibia, Sesriem Canyon, Maerua angolensis
Blüten des Maerua angolensis, in Englisch: Bead-bean tree. Keine Ahnung, wie der auf Deutsch heisst.
Namibia, Sesriem Canyon
Dieser kleine Baum im Sesriem Canyon lebt von der Wasserader tief im Boden.

Wir spazieren in die Schlucht hinein, bewundern Blüten und Pflanzen und geniessen die leicht kühleren Temperaturen in dieser Felsenwelt. Ausser ein paar Eidechsen entdecken wir heute keine Tiere, auch nicht am permanenten Wasserloch. Dennoch lohnt sich die kleine Wanderung, denn die Lichtspiele an den Sandsteinwänden sind auf dem Hin- wie auf dem Rückweg bewundernswert.

Wieder an der Oberfläche angelangt, steht die Sonne schon recht tief. Zeit, den richtigen Ort für einen Sundowner zu finden. Unser Guide hat eine Idee und steuert den Flecken Wüste an einem Berghang an. Es windet recht zügig, aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Zum flammend roten Sonnenuntergang geniessen wir einen Gin & Tonic – wie üblich 😄 Danach trudeln wir gerade rechtzeitig zum Abendessen in der Lodge ein. Absacker, Sternenhimmel gucken und dann ab ins Bett. Morgen ist Tagwache um 5:30 Uhr.

Namibia, Namib-Wüste, nach Sonnenuntergang
Bei diesem Sonnenuntergangsbild sind wir nicht ganz sicher, ob es sich bereits um aufkommenden Nebel handelt oder Sand in der Luft…

Sossuvlei und Dead Vlei

Frühstück gibt es um 6 Uhr, Abfahrt ist eine halbe Stunde später. Das Frühstück lassen wir allerdings sein. Ein Kaffee reicht. Wieder haben wir keine mitfahrenden Gäste und somit Manuel, unseren Guide, exklusiv für uns allein. Was für ein Zufall! Der andere Wagen, der vor uns die Lodge verlässt, ist nämlich voll.

Heute ist es nicht so frisch, aber die Daunenjacken haben wir dennoch eine Weile an. Weil wir durch den lodge-eigenen Eingang in den Park fahren, müssen wir auch nicht auf Öffnungszeiten Rücksicht nehmen. Das ist ganz praktisch. Erster Halt ist bei Düne 40. Auf die kann man hinaufkraxeln, genau wie auf Düne 45 und Big Daddy. Düne 45 ist die beliebteste, aber auch die kann uns nicht dazu verleiten, auf dem schmalen Sandgrat hinaufzusteigen. Dass es ein «Chrampf» ist, sehen wir auch von unten…

Namibia, Sossuvlei, Düne 40
Düne Nr. 40 im Sossuvlei.
Namibia, Sossuvlei, Düne 40, Menschen
Aus der Ferne sehen sie aus wie Ameisen, doch aus der Nähe sind die kraxelnden Touristen gut erkennbar.

Das Sossuvlei, das vom Tsauchab alle paar Jahre unter Wasser gesetzt wird, ist ein Senke zwischen den höchsten Dünen der Welt. Doch wer weiss schon so genau, welche Dünen die höchsten sind? Schliesslich werden sie vom Wind stetig verändert. Lassen wir es also dabei, dass die «Berge aus Sand» sehr, sehr hoch sind. Und alt.

Mehrwissen: Namib-Wüste

Die Namib-Wüste ist 80 Millionen Jahre alt und 31 000 Quadratmeter gross. Sie reicht von Lüderitz im Süden bis nach Angola im Norden. Eigentlich ist sie eine Küstenwüste mit einem ganz eigenen Mikroklima: Mit den Luftmassen, die vom Meer her kommen, entstehen über Nacht Nebelschwaden, auf die Pflanzen und Tiere angewiesen sind. Man würde es kaum glauben, aber in der Namib leben etwa 300 Tierarten!

Namibia, Sossuvlei, Wüsteneidechse
Diese Wüsteneidechse gehört ebenfalls zu den Überlebenskünstlerinnen der Namib.

Zu diesen Überlebenskünstlern zählt beispielsweise der Nebelkäfer, der sein Hinterteil so in die Luft hält, dass der Nebel am Körper zu Wassertropfen kondensiert, die dann abwärts direkt in den Mund des Käfers laufen. Auch der Namib-Gecko, den wir leider nirgends entdeckt haben, macht sich den Nebel zu Nutze, indem er die Wassertropfen, die auf seinen Augen kondensieren, mit der langen Zunge ableckt. Der Gecko, der übrigens zu den Little Five zählt, zeichnet sich durch seine mit «Schwimmhäuten» versehen Füsse aus, die das Gehen auf Sand wesentlich erleichtern.

Zu Namibias Little Five zählen der Namib-Gecko, auch Palmato-Gecko genannt, die Riesenkrabbenspinne, das Namaqua-Chamäleon, die Sidewind-Snake (Seitenwinder-Klapperschlange) und die Düneneidechse. Mehr Infos über diese Tiere findest Du hier: Namibialiebe.

Namibia, Sossuvlei,
Das Sossuvlei gibt immer wieder Einblicke in die geologische Vergangenheit. Das war mal der Grund eines Sees.
Namibia, Sossuvlei, Big Mama
Auch die Düne Big Mama (ganz links im Bild) wird erobert.

Wir fahren Richtung Westen weiter bis zum Parkplatz. Danach geht es durch Deep Sand zum Ausgangspunkt der Dünen Big Daddy und Big Mama sowie dem Dead Vlei, der unser eigentliches Ziel ist. Die Schreibweise kann übrigens auch Deadvlei sein, doch ich halte es mit dem Schild, das ich in der Wüste gesehen habe: Dead Vlei – toter See.

Namibia, Sossuvlei, Richtung Dead Vlei
Namibia, Sossuvlei,
Anmarsch zum Dead Vlei.

Ein vier Kilometer langer, ausgeschilderter Weg führt zu dieser ausgetrockneten Salzpfanne. Die abgestorbenen Kameldornbäume sind wohl die am häufigsten fotografierten und weltbekannt. Wir wandern über den Boden eines Sees, den es schon seit sehr langer Zeit nicht mehr gibt – beeindruckend… Es herrscht eine eigenartige Stimmung, die Landschaft wirkt surreal… Man muss sich allerdings die Menschen wegdenken. Je früher am Morgen man dort ist, desto eher hat man die Chance (fast) alleine zu sein.

Namibia, Dead Vlei
Dead Vlei, einer der berühmtesten Orte der Namib-Wüste.
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Dieser tote Baum hat fotografische Berühmtheit erlangt.
Namibia, Dead Vlei,
Der Dead Vlei aus der Nähe.

Nachmittags ist Schatten gefragt

Die Sonne brennt unerbittlich vom Himmel. Wir machen uns auf den Rückweg und geniessen im Schatten der grossen Akazie beim Parkplatz etwas Abkühlung. Dann bringt uns Manuel noch vor dem Mittagessen zur Lodge zurück. Das Büfett und ein Glas Weisswein warten auf uns. Draussen ist es unglaublich heiss. Wir schleppen uns zu unserem Hüttchen, schmeissen den Deckenventilator an, der nicht viel bringt. Er schaufelt einfach heisse Luft durch den Raum. Im Bad ist es hingegen angenehm kühl…

Ich beschliesse, eine Dusche zu nehmen, aber Pech gehabt: Kein Wasser! Das scheint hier am Nachmittag normal zu sein, denn schon am Anreisetag hatte es kein Wasser. Also warten wir geduldig – und ohne Toilettengänge. Schliesslich füllt sich auch der Spülkasten nicht. Immerhin gibt es rechtzeitig vor dem Nature Drive wieder Wasser! Bevor wir uns auf den Weg zum Hauptgebäude machen, rollen wir alle «Seitenfenster» hoch, damit die Luft zirkulieren kann. Das hätten wir ruhig früher machen können 😅

Namibia, Namib-Naukluft-Nationalpark
Nature Drive am Rand der Namib-Wüste.

Den Nature Drive hätten wir uns aber sparen können. Heinz hat sich nicht wohl gefühlt, während wir auf den Pisten der Umgebung durchgeschüttelt werden. Wir entdecken kaum Tiere und halten schliesslich auf einer Düne an, die wir zuvor aus der Ferne fotografiert haben. Unser Kommentar war: Die Wüste frisst den Berg. Was irgendwie stimmt, denn der Sand kriecht mit jedem Windstoss weiter den Berg hinauf. Irgendwann wird er unter der Düne begraben sein.

Manuel bereitet den Sundowner vor: Gin & Tonic. Der räumt wenigstens auf, und Heinz geht es wieder besser. Jetzt ist er wieder fit für weitere Namibia Abenteuer. Das nächste wird allerdings sehr anstrengend werden – der schwierigste Abschnitt der ganzen Rundreise.

Namibia, Kulala Desert Lodge, Feueerstelle
Auch in der Kulala Desert Lodge ist der Sonnenuntergang ein Genuss.

Weiterführende Links

>>> Weiter geht’s nach Swakopmund, kleine Stadt der Abkühlung

>>> Zurück zu Bagatelle Kalahari – unter Nashörnern und Geparden

>>> Zurück zu Windhoek – das Tor zu Namibia

>>> Zurück zu Namibia: Übersicht über unsere Rundreise

>>> Weiter zu Namibia: Allgemeine Reisetipps

>>> Weiter zu Namibia: Tipps für Selbstfahrerinnen und -fahrer

© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch | 2024

Offenlegung: Wir haben die ganze Reise aus der eigenen Tasche bezahlt.