Juchhee – wir gehen unter die «Gondelichauffeure»! Das funktioniert bei ein paar wenigen der 203 Schweizer Klein-Luftseilbahnen. Sie sind Schweizer Kulturgut – auch zur Freude der «Bähnler» und Wandervögel.
Jungenbahn im Wallis
Es geht steil bergauf und die Aussicht ist grandios: Jungenbahn im Wallis

Das Buch «200 Klein-Seilbahnen Schweiz» von Roland Baumgartner und Reto Canale ist genau zum richtigen Zeitpunkt im Briefkasten gelandet. Ferien und Ausflüge in der Schweiz sind 2020 ja sehr gefragt – auch bei uns! Also stürzen wir uns auf die Lektüre und machen rasch unsere Favoriten aus, die wir mit unserer Reise nach Genf prima verbinden können. Auf geht’s!

Jungenbahn: St. Niklaus–Jungu

Obwohl die Jungenbahn in St. Niklaus startet, entschliessen wir uns, in Grächen, hoch über dem Talgrund, zu übernachten. Am nächsten Morgen fahren wir früh los. In St. Niklaus fahren gleich zwei Kleinbahnen: Die einspurige Pendelbahn nach Sparren und die die Gondelbahn mit zwei Viererkabinen nach Jungen hinauf. Jungu, wie der Ort von Wallisern genannt wird, ist eine alte, ganzjährig bewohnte Siedlung. Für die Bewohner von Alpen, Bergbauernhöfen und Dörfern sind solche Klein-Seilbahnen oft unverzichtbar. Sie sind Transportmittel für Schüler, im Tal Arbeitende, Tiere und Waren. Aber auch für Ausflügler und Wanderer. Es führt zwar ein Saumweg hinauf nach Jungu, doch wir sind ja wegen der kleinen Luftseilbahn hier!

Jungenbahn
Der Ausblick aus der Jungenbahn-Gondel ist überewältigend.
Jungenbahn
Die Jungenbahn-Gondel auf dem Weg nach Jungu.

Gemütlich geht die Fahrt etwa 9 Minuten ins vielseitige Wandergebiet von Jungu. Zweieinviertel Stunden dauert zum Beispiel der Weg zum Maiensäss Sparru hinüber, von wo die Sparrenbahn wieder hinunter nach St. Niklaus führt. Wir spazieren eine Weile auf dem Alpenblumenweg, um dann doch zum Weiher Seewjinen zurückzukehren. Der laut Coop-Werbung «vielleicht schönste Grillplatz der Schweiz» bietet herrliche Aussicht auf ein gutes Dutzend Viertausender. Wir haben keine Würste dabei, deshalb kehren wir im neuen Bergrestaurant Jungenalp ein. Momoll… hier halten wir es gut aus – bis uns die Bahn wieder ins Tal bringt und wir Richtung Berner Oberland aufbrechen.

Seewjinen-Teich
Der Seewjinen-Teich uf der Jungenalp mit Grillplatz und Aussicht.
Jungenalp Restaurant
Auf der Terrasse der Jungenalp bleibt man gerne länger sitzen…

Tällibahn: Gadmen–Berghaus Tälli

Am Sustenpass, ganz in der Nähe von Gadmen fährt unser nächstes Bähnli, die Tällibahn. Und das ist der Ort, wo wir unter die Gondeli-Kapitäne gehen, denn die Bahn muss selber bedient werden. Der Ticketautomat hat vielleicht etwas zu heiss bekommen, jedenfalls streikt er. Gut, dass man auch online zu einer Fahrkarte kommt. Nachdem diese Hürde genommen ist und wir eingestiegen sind, geht es ans Studieren der vielen Knöpfe am Paneel.

Tällibahn
Anfangs geht es mit der Tällibahn noch nicht sooo steil aufwärts.

Gar nicht so kompliziert! Es ist alles gut angeschrieben und so gondeln wir 10 Minuten lang hinauf an den Fuss der «Gadmer Dolomiten». Vom Berghaus Tälli aus geniessen wir den Blick ins idyllische Gadmertal und in die Bergwelt. Für den Tälli-Klettersteig interessieren wir uns weniger, aber der Weg zum Engstlensee… Neeein, den erreichen wir anders, denn wir wollen nochmals mit der Selbstbedienungsbahn fahren.

Ziegen,T ällibahn
Ziegen bei der Bergstation der Tällibahn.
Gadmental
Das Gadmental aus hoher Warte genossen.

Intschibahn: Intschi–Arnisee

In der Zentralschweiz wimmelt es nur so von Kleinbahnen, die Qual der Wahl… Wir entscheiden uns für den Arnisee, den wir von Intschi aus mit der Gondelbahn erreichen. Sie ist bedient und bietet 8 Personen Platz. Auch von Amsteg aus führt eine kleine Bahn zum Höhenplateau hinauf, und die Bergstationen liegen nur 1,5 Kilometer voneinander entfernt. Dazwischen entdecken wir den Arnisee, teils unberührte Natur, aber auch Alpwirtschaft sowie zwei Restaurants. Wir umrunden den See, der leider nicht zum Bade lädt, weil er ein Stau- und Speichersee ist. Schade, irgendwie, aber wir geniessen den idyllischen Ort hoch über dem Reusstal trotzdem.

Intschi-Arnisee-Bahn
Knallrot ist die Gondel der Intschi-Arnisee-Bahn.
Arnisee
In der Arni-Hochebene liegt der Arnisee.
Arni-Hochebene
Die idyllische Alpenlandschaft auf der Arni-Hochebene.

Im Berggasthaus Alpenblick, bei der Bergstation der Intschi-Bahn, geniessen wir ein währschaftes und reichhaltiges Mittagessen. Um 14 Uhr sollte die Bahn eigentlich wieder den Betrieb aufnehmen, doch es bleibt verdächtig ruhig. Immer mehr Leute, die hinunterfahren möchten, sammeln sich vor dem Eingang. Wir gesellen uns dazu und erfahren: Bähnli defekt! In Erwartung eines steilen Wegs tun mir die Knie schon jetzt weh… Aber es kommt alles gut! Die Bahn wird repariert und wir gondeln talwärts.

Und wo ist jetzt die nächste Kleinbahn, die wir uns vornehmen können…?

Infos zu den Klein-Luftseilbahnen

ANREISE
Die Ausgangsorte St. Niklaus, Gadmen und Intschi sind mit Zug und Postauto erreichbar. Für Autofahrer stehen bei den Talstationen Parkplätze zur Verfügung.

HOTELS
Jungenbahn: Wir haben im Grächerhof übernachtet, aber in St. Niklaus würde sich auch noch das Hotel Heimatlodge anbieten.

Tällibahn: Die Gadmer Lodge, Gadmen, liegt in der Nähe der Talstation.

Hotel Grächerhof, Grächen
Das Hotel Grächerhof in Grächen.
Gadmer Lodge
Zimmer in der noch neuen Gadmer Lodge.

Intischi-Arni-Bahn: Hier haben wir nicht übernachtet, aber Hotel Stern und Post, Silenen, scheint gut zu sein.

In einigen Gasthäusern bei den Bergstationen werden übrigens auch einfache Zimmer zum Übernachten angeboten.

RESTAURANTS
In der Nähe der Bergstationen haben wir immer irgendein Restaurant gefunden, manchmal sogar zwei. Alle bieten regionale Speisen an, Währschaftes und oft in grossen Portionen. Die spektakuläre Aussicht ist immer inbegriffen.

BUCHTIPP
«200 Klein-Seilbahnen Schweiz» von Roland Baumgartner und Reto Canale, Werd & Weber Verlag, ISBN 978-3-03818-255-9, CHF 49.–, siehe auch separaten Buchtipp.

MEHR INFOS
www.jungenbahn.ch
www.grimselwelt.ch/bahnen/taellibahn
www.seilbahn-intschi-arnisee.ch

© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch | 2020

Offenlegung: Wir wurden zu keinem dieser Ausflüge eingeladen und haben alles selber berappt.

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