
Pepe Lienhard, Musiker, Arrangeur und Bandleader, beeindruckte mich schon in jungen Jahren mit «Sheila Baby» und «Swiss Lady». Später «begegnete» er mir während einer Recherchereise in Appenzell auf einem Werbeplakat – und er mag den Alpenbitter, für den er damals geworben hat, sogar heute noch. Das erzählt er am ersten Abend auf dem Schiff, im Rahmen eines interessanten Gesprächs über sein Musikerleben. Und damit sind wir in der Gegenwart angekommen, auf der schönen und komfortablen Excellence Princess, auf der wir nach der Anreise per Car herzlich von der Schiffs-Crew begrüsst wurden.
Inhalt
Erst mal ankommen an der Donau…
Während wir unseren Apero geniessen, werden unsere Koffer in die Kabine gebracht. Nur auspacken müssen wir dann selber 😉 Unsere Kreuzfahrtleiterin, Andrea Wolfsjäger, stellt sich während des Begrüssungs-Cocktails in der Lounge vor. Sie ist eine echte Wienerin mit viel trockenem Humor. Und wie wir gleich feststellen: Ein Organisationstalent ist sie auch!


Weil sich der Betreiber der Schleuse Gabčíkovo(wohl eherkurzfristig) entschieden hat, die Schleuse für Revisionsarbeiten zu schliessen, stellt das unser Reiseprogramm schon mal richtig auf den Kopf. Klar, mit sowas muss man immer rechnen, und das Vergnügen wird ja dadurch nicht geringer. Es steht uns also ein ganzer Flusstag bevor, denn Kapitän Istvan Blaszej hat die Reise nun so arrangiert, dass wir von Passau bis Budapest durchfahren, die Stadt sowie Szentendre und Esztergom besichtigen, um dann zügig zurück durch die Schleuse nach Bratislava zu fahren. Danach bleibt sich – teilweise zeitverschoben – alles gleich. Aber die tägliche Ausgabe der «Schiffspost» muss natürlich angepasst werden, damit alle Passagiere informiert sind.
MehrWissen: Donau
Gabčíkovo ist das grösste Laufkraftwerk der Slowakei, liefert 11 Prozent des Strombedarfs des Landes und ist deshalb sehr wichtig. Sie ist die letzte Schleuse vor dem «Eisernen Tor», der letzten Schleusengruppe bevor die Donau auf drei Flussarme verteilt im Schwarzen Meer ankommt. Dann hat sie 2857 Kilometer (Quelle: Wikipedia) hinter sich und ist somit nach der Wolga der zweitlängste Fluss Europas. Sie führt durch zehn Länder – kein anderer Fluss weltweit fliesst durch mehr Länder!
Übrigens: Die Flusslänge wird immer mal wieder anders angegeben, weil die Donau ihre «Quelle» in mehreren kleinen Flüsschen bei Donaueschingen hat. Je nachdem, welches Flüsschen eingerechnet wird, ist die Donau dann halt auch mal 2888 Kilometer lang. Kann man sich eh besser merken.

Während unserer Fahrt von Passau nach Budapest legen wir auf der Donau (hin und zurück) 1158 Kilometer zurück und es geht durch 11 Schleusen pro Weg. Von einigen bekommen wir gar nichts mit, weil sie nachts durchfahren werden. Mehr als 300 Brücken führen insgesamt über die Donau. Oft sind aber auch kleine Fähren in Betrieb.
Doch zurück zum Anreisetag, der mit einem feinen Abendessen, dem Talk mit Pepe Lienhard und einem musikalischen Schmankerl in einer wunderbaren Einstimmung endet. Der folgende Flusstag erlaubt dann, ganz offiziell unter die Faulenzer zu gehen und sich am späteren Nachmittag ein wenig schick zu machen für das Excellence-Dinner und den anschliessenden Konzertabend mit Pepe Lienhard & Orchester. Ausnahmsweise wird Nichtstun einmal königlich belohnt! Das Dinner war ausgezeichnet, das Konzert ein Augen- und Ohrenschmaus – was will man mehr?!



Guten Appetit! Auf der Excellence Princess wird auch fürs Auge angerichtet.


Budapest – nicht nur für Frühaufsteher
Eigentlich hatte ich gehofft, während der Reise keinen Wecker stellen zu müssen. Aber Kreuzfahrtleiterin Andrea hat uns sooo ans Herz gelegt, die morgendliche Durchfahrt durch Budapest nicht zu verpassen. Also steigen wir um 5:30 Uhr noch ziemlich verschlafen die Treppen hinauf aufs Sonnendeck – um schlagartig hellwach zu werden. Wow! Was für ein Licht und was für tolle Gebäude! Das frühe Aufstehen hat sich wirklich gelohnt!


Nach dem Frühstück lassen wir uns die Stadtführung natürlich nicht entgehen und stellen dann – aus der Nähe betrachtet – ernüchtert fest, dass viele der beeindruckenden Gebäude Budapests eben doch sehr baufällig sind. An sich schöne Fassaden bröckeln vor sich hin. Schade. Aber die Markthalle, unsere letzte Station der Stadtführung, scheint in Schuss zu sein. Wer bis jetzt nicht hungrig geworden ist – der wird hier garantiert gluschtig . Was da alles an leckeren Sachen angeboten wird! Wären wir nicht mehrere Tage von zu Hause entfernt, hätten wir wohl einen mittelgrossen Einkauf tätigen müssen…


In der wunderschönen Markthalle in Budapest kann man der ärgsten Hitze entfliehen. Wir haben ca. 35 Grad… (l.)
Paprika gefällig? In der Markthalle von Budapest wird man ganz sicher fündig! (r.)
Szentendre für Genussbummler
Am Nachmittag führt uns der fakultative Ausflug nach Szentendre und Esztergom. Ersteres ist so hübsch, dass uns die drückenden 36 Grad nicht davon abhalten, bis zum barocken Hauptplatz zu spazieren. Der ist gerade in einen Drehort umgewandelt; für welchen Film, erfahren wir leider nicht.



Lampenschirme am Hauptplatz – eine originelle Idee (l.). Die Gassen können noch so eng sein, sie sind mit Pflanzen geschmückt (r.).

Die Geschichte der Künstlerstadt, die sieben Gotteshäuser, das Wein- und das Marzipan-Museum lassen wir der Hitze wegen ausfallen und ziehen eine Abkühlung mittels Bier vor. Aber kurz bevor die Fahrt weiter geht, muss noch eine Mini-Shoppingtour sein. Szentendre ist nämlich auch für seine Boutiquen bekannt, die Porzellan (z.B. von der bekannten Künstlerin Margit Kovacs), aber auch Kleider und allerlei Souvenirs anbieten. Mit einem blauen Leinenkleid in der Tasche kehre ich schweissgebadet zum Bus zurück. Weiter nach Esztergom!
Esztergoms Basilika und Schatzkammer
Die Hauptsehenswürdigkeit in Esztergom ist natürlich die Basilika, in der es angenehm kühl ist. Leider ist sie im Moment eine einzige Grossbaustelle. Die Orgel bleibt sogar drei Jahre beim Restaurateur. Über eine Passerelle gelangen wir zur Treppe zur Schatzkammer. Hier darf man leider nicht fotografieren. Deshalb musst Du uns einfach glauben, dass die Ausstellungsstücke in der Tat Schätze und wahre Kunstwerke (oft aus Gold) sind, die es sich lohnt, anzusehen.


Die grösste Basilika Ungarns thront auf dem Burgberg und ist auch eine der grössten Kirchen Europas: Die klassizistische Kathedrale Mariä Himmelfahrt und St. Adalbert (l.). Nicht nur aussen, auch innen wird die Basilika gerade renoviert und gleicht einer Grossbaustelle (r.).


Hinter der Basilika ist die monumentale Statue von Melocco Miklós zu finden. Sie stellt die Krönung von Stephan I. dar (l.). Auch Elisabeth von Österreich-Ungarn, liebevoll Sissi genannt, hat sich öfters in Esztergom aufgehalten und in der Politik mitgemischt (r.).
In der Zwischenzeit sollte die Excellence Princess sich Esztergom nähern, was sie mit leichter Verspätung auch tut. Als sie beim ersten Steg ankommt, stellt der Kapitän fest, dass wegen Niedrigwassers dieser Anleger nicht funktioniert. Also marschieren wir ein wenig flussaufwärts zum Anleger, der weiter in den Fluss hinausragt. Hier klappt das Einsteigen schliesslich problemlos. Und für Abkühlung ist auch gesorgt: Der Himmel hat inzwischen zugezogen und in der Bar gibt es einen Aperol Spritz.
Der Vollständigkeit halber sei hier erwähnt, dass zeitgleich zu unserem Ausflug auch jener zum Schloss Esterhazy in Tata stattgefunden hat.
Bratislava
Die Anlegestelle in Bratislava lädt dazu ein, direkt und eigenständig in die Stadt einzutauchen. Weil wir noch nie in Bratislava waren, entscheiden wir uns für den Stadtrundgang, um einen guten Überblick zu bekommen. Mit dem Bus werden wir zur Bratislaver Burg, zu Deutsch Pressburger Burg, gefahren, um das Freiheitsdenkmal Slavín und einen sagenhaften Ausblick über die Stadt und die Donau zu geniessen.


Wieder unten, vor der Altstadt, steigen wir aus und lassen uns durch die verwinkelten Gassen führen. Vom vielfältigen Kulturgut verleiben wir uns die Pressburger Kipferl ein, die im ältesten Laden der Stadt, «Obchod v Mzúeu» (= Laden im Museum), angeboten werden. In einem Nebenraum sind Museumsstücke ausgestellt, die mit Handel und Waren zu tun haben. Im Laden selber kann man – ausser den Kipferln – allerlei Souvenirs, Wein und Kunsthandwerk erstehen.




Witzig finden wir auch die Bronzefigur Čumil (dt. Gucker), die wie ein Kanalarbeiter ausschaut, der gerade mal etwas frische Luft schnappt, ein Päuschen einlegt und die Passanten begutachtet. Zum Reigen der vielen Skulpturen in Bratislava zählen auch ein Soldat Napoleons, Dichter Hans Christian Andersen und der «schöne Náci» (Ignác Lamár), der zu Lebzeiten stets in Frack, Zylinderhut und Lackschuhen durch die Stadt ging und den Damen hofierte. Rasch wird klar: Für Bratislava würde man mehr Zeit brauchen… Also: Auf ein andermal! Denn jetzt reisen wir erst mal weiter nach Wien.

Wien geht nicht ohne Prater und Steffl
Wir hätten in Wien die Wahl gehabt, auf Stadtrundgang zu gehen, ein klassisches Konzert oder einen Heurigen zu besuchen. Da wir die Stadt bereits recht gut kennen (siehe z.B. Wiener Schnitzel, Schnecken und ein Palais) entschliessen wir uns, auf eigene Faust loszuziehen. Mit dem Anleger bei der Reichsbrücke sind wir auch nur knappe sechs Gehminuten von der U-Bahnstation Vorgartenstrasse entfernt. Die U1 bringt uns bequem zum nahen Prater, wo wir ein kleines Mittagessen geniessen.

Nach dem obligaten Wiener Schnitzel fahren wir mit der U1 zum Stephansdom, von den Wienern auch liebevoll Steffl genannt, weil wir wissen wollen, ob er immer noch in Baugerüste gehüllt ist. Ja, ist er, aber nur noch an zwei kleineren Stellen. Er taugt also endlich wieder als Fotomotiv!


Ausserdem haben wir eine «Neuentdeckung» gemacht: die Lebzelterei Pirker ist in Wien vertreten. Und das schon seit zehn Jahren, wie wir im Geschäft erfahren. Also sowas! Das ist bei den letzten Wien-Besuchen immer an uns vorbei gegangen. Dabei liebe ich doch die Pirker-Lebkuchen über alles! Ich habe sie in Mariazell kennengelernt und vermisse sie seither in jedem Advent. Natürlich haben wir etwas Vorrat gekauft, aber bis Dezember überlebt der ganz sicher nicht 😄

Beim Heurigen-Ausflug sind wir wieder programmmässig dabei, denn so ein Abend mit herrlich wienerischer Musik ist für uns immer wieder ein schönes Erlebnis. Was haben wir nicht schon geschwelgt – zu jungem Wein und alten Akkordeonklängen… Doch bei diesem Heurigen werden wir etwas enttäuscht. Der Wein schmeckt zwar gut, auch das frische Brot mit den Aufstrichen mundet, aber die Musik… nein… die hat – vor allem gegen Schluss – echt nicht gepasst. Was – das muss man ehrlicherweise zugeben – auch an den Musikwünschen der Gäste gelegen hat. Aber: Wäre ich Heurigen-Betreiber, würde ich darauf achten, dass das Kulturerbe «Heurigen» auch der Ernennung Ehre macht. Immerhin steht seit 2019 die Wiener Heurigenkultur im Nationalen UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes Österreichs.

MehrWissen: Was ist eigentlich ein Heuriger?
Ein Heuriger ist ein Wein des aktuellen Jahres und darf nur bis zum 11. November als solcher bezeichnet werden. Entsprechend handelt es sich um einen leichten, recht süffigen Rot- oder Weisswein, der in Gläsern mit Henkel (!) serviert wird. Die Weinbauern dürfen ihre eigenen Heurigenweine in ihren Buschenschänken ausschenken.
Interessant zu erwähnen ist der «Gemischte Satz», eine Wiener «Weinsorte», die sich aus mindestens drei weissen Traubensorten zusammensetzt, die im gleichen Weinberg angebaut, gelesen und schliesslich gemeinsam gekeltert werden. Auf Wiener Stadtgebiet wachsen Reben auf dem Nussberg und dem Kahlenberg. Dort gibt es auch einige gemütliche Buschenschänke mit toller Aussicht auf Wien.
Die Blautöne Dürnsteins
Nächste und letzte Station vor dem Ausschiffen bei Passau, ist Dürnstein in der Wachau, welche zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Wachau wird übrigens mit Betonung auf au ausgesprochen, und die Gegend ist für ihre Weine bekannt – aber auch für tolle Museen und Burgen. Dürnstein, das wir vom Anleger aus in wenigen Gehminuten erreichen, ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Region, was am blau-weissen Kirchturm, der Kirche und dem ehemaligen Kloster, jedoch auch an den hübschen Häusern, verwinkelten Gassen und romantischen Ecken liegt.




Kunst im barocken Kreuzgang des Stifts Dürnstein.
Unsere professionelle Gästeführerin macht uns auf allerlei Eigenarten aufmerksam und zeigt uns auch den barocken Kreuzgang. Der ist für gewöhnliche Museumsbesucher nur einmal täglich, jeweils um 11 Uhr im Rahmen einer deutschsprachigen Führung zugänglich. Wir sind sehr beeindruckt von dem dreiflügeligen Kreuzgang und den vielen Kunstwerken.
MehrWissen: Stift Dürnstein
Das ehemalige Augustiner-Chorherrenkloster, das immer noch den Augustiner Chorherren von Herzogenburg gehört, ist 1410 gegründet und auf der Basis einer Kapelle aus dem Jahr 1372 erbaut worden. Diese war Maria, dem heiligen Andreas, dem heiligen Laurentius und weiteren Heiligen gewidmet. Dass der Bau aus dem Mittelalter stammt, kann die im 17. Jahrhundert erfolgte Barockisierung nicht ganz verbergen, aber sie gibt den Gebäuden enorm viel Eleganz. Mittelalterliche Klöster galten als Kraftorte, waren aber auch Zentren für innovative Landwirtschaft, Kunst und Kultur.
Sein barockes Aussehen hat das Stift dem Propst Hieronymus Übelbacher zu verdanken, der ab 1710 während 30 Jahren in Dürnstein wirkte. Er hatte eine genaue Vorstellung, wie das Stift einst aussehen sollte und hat sich auch um viele Details gekümmert. Schade nur, dass er die Vollendung nicht mehr erlebt hat. Der Turm der Kirche, dessen Frontseite zur Donau hin zeigt, ist der prominenteste Teil des Klosters und hebt sich auch farblich ab: Blau und Weiss.

Blaue Farbe war damals schwierig herzustellen. Jene des Kirchturms wurde aus Smalteblau produziert, aus gepulvertem Kobaltglas. Die Fassaden wurden in den folgenden Jahrhunderten natürlich mehrmals übermalt, doch seit der letzten Renovation erstrahlt der Kirchturm wieder im Originalblau.
Dass er eine so markante Position und Farbgebung hat, ist wahrscheinlich aus Platznot entstanden. Während Stift Melk und Stift Göttweig sich problemlos vergrössern konnten (je grösser, desto wichtiger), war Dürnstein räumlich eingegrenzt. Also versuchte Hieronymus dies mit Pracht auszugleichen. Bescheidenheit war wohl sowieso nicht seine Sache, denn auch der Hochaltar und das Fenster dahinter zeugen von gesundem Selbstbewusstsein: Die Heiliggeisttaube im Fensterkreuz kommt nämlich auch im Petersdom in Rom vor.

Noch mehr zu Dürnstein
Inge war ja schon einmal in Dürnstein. Damals war das Thema Wein eine der «Begleiterscheinungen». Was sie erlebt hat, wo es guten Wein gibt und das Essen besonders fein ist, kannst Du im Beitrag «Dürnstein und Wein» nachlesen.
Und auch Monika und Petar Fuchs von TravelWorldOnline haben ihre Erfahrungen im hübschen Dürnstein
an der Donau in ihrem Blog beschrieben. Insbesondere die Tipps zur Burgruine und den sonstigen Aktivitäten könnten für Dich spannend sein. Schau doch rein!
Auf der Turmterrasse fällt das goldene «brennende Herz» auf. Es geht auf den Ordensvater der Augustiner-Chorherren, den Heiligen Augustinus zurück. «Es ruft dem Betrachter zu, das Herz dafür brennen zu lassen, das Gute zu tun, das Schöne zu bewahren und das Wahre zu suchen.»1


Prominent am Fusse des Kirchturms ist das goldene, brennende Herz zu finden.
Ich bin nicht so sicher, ob ich das wirklich so schreiben darf, aber der sakrale Sinnspruch lässt sich doch ausnahmsweise schon mal auf unsere profane Welt ummünzen, nicht? Auf unsere Reise übersetzt heisst es, dass unsere Herzen für eine Flussreise wie diese brennen, dass wir der Crew (und uns 😉) etwas Gutes tun und mithelfen, all die schönen Gebäude mit unserem Eintrittsgeld zu bewahren. Die Suche des Wahren bleibt jedem Leser, jeder Leserin, natürlich selber überlassen.
Krönender Abschluss – mit Pepe im Interview
Die wahre Kunst der Musik ist auf dieser Reise an Bord der Excellence Princess zu geniessen, nämlich dann, wenn Pepe Lienhard und sein Orchester am letzten Abend an Bord aufspielen. Nach dem Gala-Dinner, das selbstredend sorgfältig und ansprechend präsentiert den letzten Tag abrundet, greifen die Musiker zu ihren Instrumenten. Mit Herzblut und vollem Einsatz sorgen sie zusammen mit vier tollen Gesangssolisten bis spät in den Abend für beschwingte Tanzmusik.

Ein interessanter Tag und eine wundervolle Reise gehen schwungvoll zu Ende. In meinen inneren Ohren erklingen eine berühmte Melodie und ein schönes Schlusswort des Kapitäns… Für viele Gäste und all die Pepe-Fans war es eine traumhaft schöne Flussfahrt. Denn wo kann man seinem Idol oder Lieblingsmusiker näher sein? Pepe ist die ganze Reise über sichtbar gewesen und war stets für ein Schwätzchen zu haben. Seine Nahbarkeit und Bodenständigkeit haben mich einmal mehr sehr beeindruckt. Und natürlich haben auch wir mit ihm gesprochen.
Interview mit Pepe Lienhard
TravelExperience: Dein Orchester hast Du schon seit unglaublichen 54 Jahren. Wie lange bleiben die Musiker ungefähr dabei?
Pepe Lienhard: Viele sind schon 20 Jahre und mehr dabei. Zum Beispiel auch der Sänger Ken Stetler und Sängerin Dorothea Lorene, die hier auch dabei sind. Aber es gibt immer mal Wechsel. Gerade seit Corona, wo sich alles etwas verlagert hat. Die Musiker machen ja auch andere Sachen. Einer ist zum Beispiel Lehrer, und der kann dann ausserhalb der Schulferien auch nicht einfach eine ganze Woche Ferien nehmen.
Und neue Musiker?
Jetzt auf dem Schiff hat es drei Musiker, die das erste Mal mit uns spielen. Zwei Trompeter und der Sänger Axel Marena. Der junge Sänger, ist schon letztes Mal auf dem Flussschiff dabei gewesen. Ein Super-Sänger, der auch jetzt ausgeholfen hat, weil Pino Gasparini nicht dabei sein kann.
Du kennst keinen Fachkräftemangel?
Nein! Überhaupt nicht! Aber man muss schon sehen: Es gibt heute in unserer Branche viel mehr gut ausgebildete Musiker als früher. Klar, in der klassischen Musik war die Ausbildung immer vorgegeben: Die haben das Konservatorium gemacht, ein Instrument gelernt und sind Profis geworden. Aber Jazzmusiker… das waren Autodidakten, Jazz konnte man nicht lernen. Bis Jazzschulen aufkamen.
In den 70er-Jahren musste ich Amerikaner in die Big Band holen, weil es kaum Schweizer gab, die auf gehobenem Niveau spielten. Dann sind immer mehr gute Deutsche gekommen und jetzt eben auch Schweizer. Das liegt an den Jazzschulen, die oft dem Konservatorium angeschlossen sind. Jetzt kann man Jazz lernen und erst dann das Diplom machen. Das ist eben auch ein Kriterium. Du kannst sogar einen Master oder Bachelor im Jazz machen! Dadurch wird der Beruf auch attraktiver. Und deshalb hat es heute auch wirklich viele gute Musiker.
Auf einem Schiff zu spielen, ist nichts Neues für Dich.
Nein, wir haben schon auf einigen Kreuzfahrten gespielt, auf grossen Schiffen. Aber auf einem Flussschiff spielen wir jetzt erst zum zweiten Mal. Im Herbst 2022 haben wir es – auch mit Mittelthurgau – zum ersten Mal gemacht, und es hat super funktioniert! Uns und den Leuten hat es gut gefallen, es ist für uns ein grosser Spass!
Ich mache das gerne, denn man ist viel näher an den Leuten. Die Atmosphäre ist ganz anders, intimer, und das ist genauso schön, oder sogar noch schöner, als in einer grossen Halle zu spielen. Mit Udo Jürgens haben wir ja vor 10 000, 15 000 Menschen gespielt. Das ist dann schon sehr anonym, man spielt eigentlich in ein schwarzes Loch. Aber hier im kleinen Rahmen sieht man die Reaktionen direkt. Das ist wirklich spannend! Und natürlich ist auch das Essen super… das Personal ist wahnsinnig nett – wir geniessen das sehr.

Nun denn… Bleibt nur zu wünschen: Bis bald wieder – auf einer anderen, vielleicht ebenfalls musikalisch begleiteten Flusskreuzfahrt!
Das Filmchen zur Reise
Endlich ist auch der Film zu dieser speziellen Donau-Flussfahrt fertig geworden. Wir bitten, die grosse Verspätung zu verzeihen…
Infos zur Flusskreuzfahrt mit Pepe Lienhard & Orchester
Pepe wird samt Orchester auch 2025 wieder auf Flussfahrt gehen, und das Datum steht auch schon fest: 11.–16.10.2025! Die Reise findet dann allerdings auf dem Rhein statt. Infos zu allen aktuellen und künftigen Flussreisen mit Pepe Lienhard sowie Buchungsmöglichkeiten gibt es hier:
Reisebüro Mittelthurgau.
Spezialtipp für Pepe-Fans
2025 steht «Da capo» mit dem (virtuellen) Udo Jürgens und dem Original Pepe-Lienhard-Orchester auf dem Programm. Die Daten: 9. April–3. Mai 2025. Da freuen sich Udo-Jürgens- wie auch Pepe-Lienhard-Fans jetzt schon! Mehr Infos zu allen Auftritten gibt es auf Pepes Homepage: www.pepe-lienhard.ch
© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch | 2023 | 2025
1 Zitat aus dem sehr informativen Büchlein über das Stift Dürnstein «Entdeckung des Wertvollen», das von den Augustiner-Chorherren von Herzogenburg herausgegeben wird. ISBN: 987-3-200-06305-1.
Offenlegung: Wir waren vom Reisebüro Mittelthurgau zu dieser Recherchereise eingeladen und bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich. Und: Nein, dies hat unsere Eindrücke nicht beeinflusst, aber die Reportage erst möglich gemacht.
Es ist erfreulich zu sehen, wie solche Flusskreuzfahrten nicht nur Luxus und Komfort bieten, sondern auch auf Nachhaltigkeit achten. Die Erwähnung des umweltfreundlichen Konzepts an Bord, wie die Vermeidung von Einwegplastik, zeigt, dass Reisen und Umweltschutz Hand in Hand gehen können.
Danke für Deine Zeilen, Vanessa. Ja, das geht jetzt ziemlich rasch vorwärts. Neue Schiffe verbrauchen auch weniger Kraftstoff, und dass Sonnenkollektoren in die Reeling eingebaut werden können, sieht man bei der MS Thurgau Gold. Kommt gut 😊
Liebe Inge,
lieber Heinz,
diese Fahrt hätten meinem Mann und mir auch sehr gut gefallen. Pepe Lienhard hat auch für Udo Jürgens gespielt oder? Wir waren im Dezember auf der Strecke Passau – Wien unterwegs und haben die Weihnachtsmärkte geschaut. Irgend wann würde ich gerne die Donau bis zur Mündung runter fahren.
Viele Grüße
Renate und Achim
Liebe Renate, lieber Achim,
danke für Deine Zeilen. 😊 Ja, das ist richtig: Pepe hat jahrzehntelang für Udo Jürgens gespielt, und diese Jahre hätten ihn sehr geprägt. Das hat er auf dem Schiff erzählt. Manchmal war es fast ein wenig sentimental! Ich bin sicher, diese Reise hätte Dir sehr gefallen!
Auf Weihnachtsmarkt-Schifffahrt waren wir auch mal. Auf der Mosel. War auch schön 😊
Ich wünsche schon jetzt ein gemütliches Wochenende und grüsse herzlich – Inge & Heinz