
Dieser Beitrag fasst die Eindrücke von zwei Reisen zusammen – eine Presse- und eine Ferienreise, wobei letztere die aktuellere ist. Deshalb stammen nun auch (fast) alle Fotos von dieser Reise. Wir haben uns eine ganze Woche Zeit gelassen, Jersey zu erkunden, zu erleben und zu verinnerlichen. Und am liebsten würden wir gleich wieder hinreisen…
Inhalt
Hallo?! Wo ist das Meer geblieben?
Das erste Mal auf der Insel – muss ich ehrlicherweise zugeben – war ich schlecht vorbereitet. Das hat aber für eine herrliche Überraschung gesorgt. Nach dem köstlichen Abendessen ist der Spaziergang entlang der Promenade von St. Brelade richtig wohltuend. Die Meeresluft ist würzig und lau, die Wellen schlagen rhythmisch an die Ufermauer, am anderen Ende der Bucht leuchten die Parish Church und Little Fishermen’s Chapel – doch die Müdigkeit drängt mich bereits nach kurzem Weg, ins Strandhotel abzubiegen. Im Bett lausche ich – typisch Binnenländerin – genüsslich der Brandung und falle rasch in tiefen Schlaf.
Stunden später erwache ich. Es ist so seltsam ruhig… Haben die das Meer abgestellt?! Der Blick aus dem Fenster macht mich staunen. Über Nacht hat sich die Landschaft komplett verändert: wasserloser Strand bis zum Horizont, einer Mondlandschaft nicht unähnlich, dehnt sich aus, wo vor ein paar Stunden das Meer rauschte. So sieht also St. Brelade bei Ebbe aus. Wie Jersey Tourismus gerne erwähnt, ist die Insel bei Ebbe doppelt so gross wie bei Flut!
Heimbasis Hotel Ommaroo
Unsere Ferienwoche verbringen wir jedoch nicht in St. Brelade, sondern am Strand von St. Helier im viktorianisch anmutenden Hotel Ommaroo, das immer noch in Familienbesitz ist und stetig erweitert wurde. Deshalb gleicht das Innere einem kleinen Labyrinth. Im Haupthaus gibt es einen Lift, der uns zum Zimmer 39 mit Balkon hinauf bringt.





Von dort aus sehen wir vor uns die schmale Uferstrasse, dann den Strand – mal schmaler, mal breiter – mit seinem kreisrunden Schwimmbassin, das bei Ebbe gefüllt bleibt und bei Flut nicht mehr sichtbar ist. Von unserem Balkon aus haben wir die beste Sicht und sind immer wieder fasziniert vom Tidehub. Er kann bis zu 14 Meter betragen – je nach Mondstand. Fast noch faszinierender: viele Inselbewohner gehen auch bei 14 Grad kaltem Wasser täglich schwimmen! Also uns wäre das zu kalt…


Der grosse Unterschied von Ebbe zu Flut sorgt an vielen Stellen für beeindruckende Bilder und Erlebnisse: So kann der Leuchtturm La Corbière am südwestlichsten Zipfel der Insel lediglich bei Ebbe zu Fuss besucht werden. Ebenso Elizabeth Castle. Die bedeutendste Burg der Kanalinseln liegt auf einer Felsinsel in der Bucht von St. Aubin. Doch alles schön der Reihe nach.
St. Helier, die geschäftige Hauptstadt (1)
St. Helier ist sehr lebendig und verkehrsreich. Das Bild wird zeitweise von smarten Geschäftsherren in Anzügen geprägt, denn Jersey lebt zur Hauptsache von einem der (zumindest optisch) saubersten Wirtschaftszweige: vom Finanzwesen. Die meisten Insulaner arbeiten in Banken, Finanzinstituten sowie Versicherungen und finden es wenig erstrebenswert, in der Landwirtschaft, Gastronomie oder Hotellerie tätig zu sein. Dort sind dafür Italiener, Portugiesen und andere Ausländer beschäftigt. Nicht nur natürlich, das Bild ist ein klein wenig überzeichnet.

Zwei Spezialitäten, die immerhin ein wenig wirtschaftlichen Einfluss haben, sind die Austern, die in der Royal Bay of Grouville gezüchtet werden, sowie die Frühkartoffeln Jersey Royal (konnten wir sogar am Flughafen noch kaufen und nach Hause bringen!). Eigentlich sind aber auch alle Krustentiere ein Thema, denn nirgends kommen sie frischer und schmackhafter auf den Teller als auf Jersey (und den anderen Kanalinseln natürlich auch). Aber darauf gehen wir weiter unten noch ein.
Zu Fuss lässt sich die geschäftige Kleinstadt in etwa einem halben Tag kennenlernen, den Besuch des sehenswerten Maritime Museums jedoch nicht eingerechnet. Die Fussgängerzone an der King Street ist DAS Einkaufsparadies von St. Helier. Unkundige Shopper werden allerdings staunen, wie gross so ein Warenhaus sein kann, selbst wenn die Fassade einen eher kleinen Laden vermuten lässt.


Es gibt in der Innenstadt einige Skulpturen zu bewundern, doch die zu Jersey passendste ist The Good Toad (Lé Bouân Crapaud), die gute Kröte, von Künstler Gordon Young. Am Charing Cross, wo die Säule heute steht, war im späten 15. Jahrhundert die Stadt zu Ende. Dahinter lag Marschland, in welchem unzählige Kröten lebten. Deshalb nannte man die Jerseyaner auch Crapauds, Kröten. Allerdings erinnert die Skulptur bzw. die Säule mit Inschrift aus dem Code Le Geyt auch daran, dass hier einst das Gefängnis stand.

Mehrwissen: Wie ist St. Helier zu seinem Namen gekommen?
Bereits im 6. Jahrhundert soll in einer Höhle auf dem Hermitage Rock nahe des späteren Elizabeth Castle der Mönch St. Helier gelebt haben. Nach seinem Tod, so heisst es, sei eine christliche Mission aufgebaut worden, die aber wohl zerstört worden ist. Von der Augustinerabtei, die 1155 auf dem Islet errichtet wurde, ist jedenfalls nichts übriggeblieben. Allerdings wurde später eine Kapelle errichtet, von der die Ruinen noch sichtbar sind (wir haben sie aber nicht besucht). Hermitage Rock war lange ein Wallfahrtsort und auch heute noch finden Prozessionen statt.
In St. Helier leben viele Millionäre, auch prominente, und einige zeigen auch ihren Reichtum – in Form von richtig teuren Autos. Ein Auto-Freak, nämlich der ehemalige Formel-1-Rennfahrer Nigel Mansell, wohnt jedenfalls seit 1997 mit seiner Familie auf der Insel. Ich könnte jetzt aber nicht behaupten, dass er aufgefallen wäre. Nur um das klarzustellen! 😉
Unterwegs auf Jersey
Wer hier einen riesig grossen Wagen fährt, tut sich selber keinen Gefallen: Die Strassen sind nämlich eng und viele Kreuzungen total unübersichtlich. Auch wenn es in St. Helier viel Verkehr hat, so nehmen die Autofahrer dennoch Rücksicht aufeinander. Das ist uns sehr angenehm aufgefallen. Und wer ein Mietauto fährt, wird sowieso erkannt – an der speziellen Autonummer (s. auch Infos: Autofahren auf Jersey).
Wie St. Helier zu Fuss, so ist ganz Jersey per Velo, ÖV oder Mietwagen gut zu erkunden. Obwohl jeder Zipfel der Insel in 20 bis 30 Autominuten erreicht ist, lernt man Jersey nicht an einem Tag kennen. Etwas abseits der Hauptstrassen, lassen sich im Inselinnern idyllische Landschaften und an den Küsten beeindruckende Burgen entdecken…

Eine Spezialität in Sachen Fortbewegung stellen die Green Lanes dar: Auf diesen schmalen, einspurigen Strassen, die meist von hohen Hecken gesäumt sind, haben Fussgänger, Reiter und Radfahrer Vortritt. Oft sind diese in der Nähe von Sehenswürdigkeiten zu finden.
Mehrwissen: So funktioniert die Ausnahmeinsel
Jersey ist rund 120 km2 gross, liegt in der Bucht von Saint-Malo und hat etwa 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner. Davon leben ca. 34 000 in der Hauptstadt St. Helier, wo jeder fünfte im Finanzwesen tätig ist. Trotz der Nähe zu Frankreich (60 km mit der Fähre) wird englisch gesprochen und ein normannischer Dialekt, Jersey-French oder Jèrriais genannt, der so langsam, aber sicher ausstirbt. Leider. Manchmal ist aber auch das Jersey-Englisch nicht ganz einfach zu verstehen, weil sich ein wenig französische Aussprache einmischt.
Die Insel ist weder Kolonie, noch gehört sie zu Grossbritannien, sondern ist im Besitz der britischen Krone und verfügt über eigene Gesetzgebung, Verwaltung und ein eigenes Steuersystem. Bailiwick of Jersey ist eine Vogtei. Der Bailiff, der Vogt, ist Parlaments- und Gerichtspräsident in einem. Eine mächtige Person also.
Seit mehr als 1000 Jahren ist Jersey in zwölf Gemeinden, Parishes, eingeteilt. Die Namen stammen von den Heiligen der jeweiligen Pfarrkirchen. Jede dieser Gemeinden hat Anspruch auf einen Küstenzugang. (Siehe Fishermen’s Chapel weiter unten.)
Die Insel hat auch ihre eigene Währung, das Jersey-Pfund. Es ist nur auf Jersey gültig und wertmässig 1:1 mit dem Sterling-Pfund gekoppelt. Was bedeutet, dass natürlich auch die britische Währung als Zahlungsmittel akzeptiert ist. Nur umgekehrt geht’s nicht.
Alles, was wir besucht haben, findest Du im Folgenden im Uhrzeigersinn von St. Helier ausgehend aufgelistet. Und die Übersichtskarte soll Dir bei der Orientierung helfen. Die Nummern in Klammern am Ende der Zwischentitel stimmen mit jenen in der Karte überein.

Elizabeth Castle, St. Helier (2)
Ich bin sehr auf das Castle gespannt, denn während der Pressereise ist keine Zeit dafür geblieben. Nur schon die Fahrt mit der «Puddleduckferry» (Amphibienfahrzeug) hinüber zum Inselchen verspricht abenteuerlich zu werden. Der Weg ist eben erst vom Meer freigegeben worden, und so fahren wir durch kleinere und grössere Pfützen, während nebenan die Fussgänger auf einem befestigten Übergang unterwegs sind – bis zur nächsten Flut. Dann ist man auf die witzige Fähre angewiesen.



Wir lassen uns viel Zeit auf dem Islet, denn die Burg ist recht gross und bietet viel. Auf die meisten Türme und Plattformen kann man hinaufkraxeln – nur um die Möwennester sollte man einen Bogen machen. Wenn Junge drin sind, können die Eltern recht aggressiv werden. Aber es gibt auch ganz friedliche Möwen, die sich sogar gerne fotografieren lassen. Zumindest wirkt es so. 😉


Jeweils am Mittag (12:30–13 Uhr) wird ein Böllerschuss abgefeuert und eine aussergewöhnliche Show mit freiwilligen Soldaten gezeigt. Wir schauen uns das aber nur kurz an, während viele Besucher brav mitmarschieren, um sich etwas kuriose Militärgeschichte einzuverleiben.


Mehrwissen: die Geschichte von Elizabeth Castle
Die Burg stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde zur Verteidigung in der St. Aubins Bay errichtet, als man erkannte, dass Gorey Castle im Osten nicht mehr ausreichte. Gleichzeitig war die Burg auch der Sitz des Gouverneurs und des Lieutenant-Governors, also den Repräsentanten der Krone.

1646 wurde das Fort Charles, eine weitere Befestigung erbaut, und erlaubte nun die Überwachung Richtung Küste. Weil die Unterkunft der Soldaten nicht gerade die beste war, wurde im 18. Jahrhundert die ganze Anlage modernisiert und im 19. Jahrhundert an die Wasserversorgung von Jersey angeschlossen.

Elizabeth Castle gehörte bis 1923 der britischen Krone, wurde dann aber von den States of Jersey gegen 1500 Pfund übernommen. Auf dem unteren Burghof befindet sich in einem der Gebäude das Museum zur Geschichte des Elizabeth Castle. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurde die Insel zur deutschen Festung ausgebaut. Nach dem Krieg mussten etwa 30 deutsche Kriegsgefangene das Islet aufräumen und wieder instand stellen. Heute steht das bedeutende Kulturgut unter dem Schutz des Jersey Heritage Trust.
Quelle: Teilweise aus dem Reisebuch Baedeker Kanalinseln

St. Matthew’s Glass Church, St. Lawrence (3)
Als grosser René-Lalique-Fan darf ich mir die Glaskirche von St. Lawrence nicht entgehen lassen. Beim ersten Besuch während der Pressereise war sie leider geschlossen. Aber der zweite Versuch hat funktioniert. Von aussen sieht die Kirche nicht nach etwas Besonderem aus. Aber innen faszinieren die Lichtspiele in den vielen Glaskunstwerken des Jugendstilkünstlers Lalique.

Lady Florence Trent, die Witwe des Drogeriekette-Besitzers Jesse Boots, 1. Baron von Trent of Nottingham, hatte die Idee, René Lalique mit der Inneneinrichtung der Kirche zu beauftragen und finanzierte sie auch. Seit 1934 sind die Kunstwerke zu sehen und 1940 wurde die Kirche schliesslich geweiht.

Lalique gestaltete den Altar in der Lady Chapel, der vier Engel mit vor der Brust gekreuzten Armen zeigt, das grosse Kreuz, den Altar sowie die Chorschranke, Fenster, Türen und den bemerkenswerten Tauf«stein». Er ist gänzlich aus Glas hergestellt und trägt den Schriftzug Laliques. Ungewöhnlich ist, dass das Allerheiligste, Altar und grosses Kreuz am Südende der Kirche platziert sind, statt im Osten wie es für anglikanische Kirchen üblich ist.


Die helle, ansonsten schnörkellose Kirche fasziniert des einfallenden Lichtes wegen. Laliques Kunst wirkt beruhigend und friedlich. Ich erinnere mich gerne an meinen Aufenthalt in Wingen-sur-Moder im Elsass, als ich Einblick in die Lalique-Manufaktur nehmen durfte. Seither hält die Faszination an…
Jersey War Tunnel, St. Lawrence (4)
Bevor wir nach St. Aubin fahren, besuchen wir die Jersey War Tunnels. Bereits beim ersten Besuch hat mich dieses Museum zur deutschen Besetzung während des Zweiten Weltkriegs sehr beeindruckt. «Ho8», die Hohlgangsanlage 8, östlich vom St. Peter’s Valley, wurde als Munitionslager in den Fels gehauen. Allerdings wurde es später zum unterirdischen Lazarett umfunktioniert. Vor wenigen Jahren ist die Ausstellung neu gestaltet worden. Sie hat nichts von ihrer erschreckenden Aussagekraft verloren, ist jedoch nicht mehr ganz so beängstigend. Zwischenmenschliches spielt heute eine grössere Rolle.


Zusammen mit dem Ticket haben wir Kopien von Identitätskarten von Menschen bekommen, die während der Besatzungszeit hier gelitten haben. Auf jener von Heinz steht der Name Le Brun, Basil Clarence. Mein «Face of the Occupation» ist Clifford John Cohu. Ich studiere seine ID, erfahre aber erst später in einem der Ausstellungstunnel, was aus dem Pfarrer der Kirche von St. Saviour geworden ist: Weil er im März 1943 eine BBC-News verbreitet hatte, wurde er zu drei Jahren Gefängnis verdonnert und im französischen Dijon bis Dezember 1944 eingesperrt.
Gestorben ist Clifford aber 1945 im Konzentrationslager Spergau. «Sein Geist war stark, aber sein Körper konnte die täglichen, brutalen Schläge nicht mehr aushalten. Er ist durch die Hölle gegangen.» Insassen von Konzentrationslagern war es nicht erlaubt, Bücher zu besitzen oder lesen. Nach Cliffords Tod fand man jedoch auf seiner Brust unter dem Hemd versteckt, eine kleine Bibel…


Wir sind am 5. Juni dort, also einen Tag vor dem D-Day. Es hat wohl einige Besucherinnen und Besucher, welche die Landung in der Normandie 1944 zum Anlass für ihre Reise genommen haben. Aber: Auf Jersey gab es keine Auswirkungen des D-Days. Die Soldaten auf der kleinen Insel wurden quasi «vergessen», sie mussten bleiben und wusste nicht, was mit ihren Familien in der deutschen Heimat war, ob sie noch lebten oder nicht. Für die Insulaner war das Ende des Krieges jedenfalls erst am 7. Mai 1945 besiegelt…
Hamptonne Farm, St. Lawrence (5)
Etwas nördlich der Jersey War Tunnels, eigentlich in der Mitte der Insel, befindet sich das Hamptonne Country Life Museum. Während der Fahrt dorthin, entdecken wir die berühmten Jersey Cows, Kühe von spezieller Zucht, bei der auch die braunen Schweizer Kühe eine Rolle spielten. Berühmtheit erlangten sie, weil ihre Milch besonders fettreich und schmackhaft ist. Selbst wer sich eine Diät verschrieben hat, sollte nicht darauf verzichten, sich gelbe Jersey-Butter aufs Brot zu schmieren. Sie schmeckt einfach unvergleichlich herrlich!

Wir erreichen den ehemaligen Gutsbetrieb, der in ein Museum umgewandelt wurde. Das kommt keineswegs verstaubt daher – wenngleich da und dort schon etwas Staub herumliegt. Eines der Häuser geht auf das Ende des 17. Jahrhunderts zurück, und alle Haupthäuser stammen aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Das ist für Architekturbegeisterte besonders spannend.



Während der Führung erleben die Besucher ein Schauspiel der besonderen Art. «Hier, fühlen Sie mal», sagt die Bäuerin und drückt mir ein samtig weiches Pflanzenblatt in die Hand. «Das war früher unser Klopapier – dieses hier ist natürlich noch unbenutzt – es diente auch als Dünger für unsere Gärten und Felder.» Allgemeines Schmunzeln. Während das Feuer im Kamin lodert erzählt die «Bäuerin», die eine hervorragende Laiendarstellerin ist, sehr eindrücklich, direkt und humorvoll wie hier das Leben früher war.



Wir bestaunen die alte Apfelmühle und die Mostpresse im Syvret-Gebäude, lassen uns die Cider-Produktion erklären und geniessen einen Schluck frischgepressten Apfelsafts. Den können auch die Kinder trinken, während der leicht alkoholische Cider Erwachsenen vorbehalten bleibt.

Während der ganzen Führung entdecken wir immer wieder Hennen, die gerade am Eierlegen sind, sei es in der Sattlerei, in der Küche oder im Stall. Wir machen uns irgendwann einen Spass daraus, die Hühner zu suchen. Manchmal finden wir aber auch «nur» Eier… Später spazieren wir durch die Obstgärten und finden das Landleben sehr idyllisch (wenn man die Arbeit ausblendet).




St. Aubin, St. Brelade (6)
Der kleine, malerische Hafenort ist sehr beliebt. Mal sieht man über die glitzernde Bucht, mal erstreckt sich hier ein sehr breiter Sandstrand – halt je nach Gezeiten. Früher war hier der Haupthafen der Insel, weshalb die Leute rasch zu Wohlstand gekommen sind. Heute besticht der Ort durch seine Hotels, Restaurants und Bars.

Hier, im Salty Dog, habe ich eine der allerbesten Crema Catalana mit Pfirsich genossen – während der ersten Reise. Natürlich war beim zweiten Aufenthalt alles ein wenig anders. Man sollte einfach keine Erwartungen haben… Eher ein wenig schickimicki, reiche Leute, die zeigen, was sie haben, und die Speisekarte ist – logischerweise – etwas moderner geworden. Jedenfalls nix mit Crema Catalana, aber das Abendessen hat dennoch geschmeckt!




Noirmont Point, St. Brelade (7)
Auf der Fahrt Richung St. Brelade machen wir einen Abstecher zur wildromantischen Hochebene auf der Noirmont-Halbinsel. Hier ist eine deutsche Bunkeranlage zu finden, die vor allem durch ihre Aussicht besticht. Okay, das ist jetzt vielleicht etwas unfair, denn die Anlage ist gut erhalten. Und es soll ja Leute geben, die es lieben, durch solche Bunker zu streifen.


Wir würdigen den Beton und bewundern die Natur ringsum, welche die Bauten schon längst vereinnahmt hätte, wären da nicht Denkmalpfleger, die für Ordnung sorgen. Aber wer ein Auge für Blumen und Gräser hat, wird nicht umhinkommen, die Kamera zu zücken.


Wir fahren weiter, biegen um die nächste Ecke, und entdecken ein Restaurant, das über dem Strand liegt, den wir schon vom Noirmont Point aus gesehen haben: Portelet Beach. Sehr idyllisch! Und im Portelet Inn kehren wir ein, denn irgendwann braucht der Mensch ja mal wieder etwas zu trinken und zu essen.


Bevor wir einen Abstecher Richtung Norden zur Lavendelfarm machen, stoppen wir bei der WWII German Gun Battery, einem Bunker mit tollem Strand davor. Hier schlagen die Herzen von Surfern und Strandseglern höher, denn La Pulente liegt am südlichsten Zipfel der langen und zeitweise sehr breiten Westküste von Jersey.

Jersey Lavender, St. Brelade (8)
Jetzt steht der Jersey-Lavendel auf dem Programm. Einmal mehr habe ich ein inneres Bild, das bei weitem nicht an die Realität reicht. Denn leider sind wir ein klein wenig zu früh dran, und die Pflanzen sind noch recht klein. Immerhin finden wir einige Lavendelreihen, die etwas zurückhaltend blühen. Dennoch hat uns der Spaziergang über die Farm beeindruckt – der sonstigen Pflanzen sowie riesigen und alten Bäume wegen. Und ein kleines Restaurant gibt es auch, das uns mit einem kühlen Bier versorgt.



St. Brelade’s Parish Church, St. Brelade (9)
Wieder zurück am Meer erwartet uns am anderen Ende von St. Brelade, das übrigens einige richtig tolle Hotels aufzuweisen hat, die Parish Church. In sie habe ich mich schon vor langer Zeit verliebt. Keine Ahnung, wieso, aber sie fasziniert mich einfach.

Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert, als eine kleine Kapelle dort nahe am Strand stand, wo sich nun der Chor der Kirche befindet. Bald wurde sie um ein Schiff erweitert, verlängert und bekam die Chapel of the Holy Cross. Das Innere der Kirche wirkt rau und archaisch, und dennoch strahlt sie Ruhe und Geborgenheit aus.

Gleich neben der Kirche befindet sich die Fishermen’s Chapel. Auch wenn die meisten Fresken dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen sind, so lassen sich doch noch einige Bilder und Ornamente erkennen. Gleich neben der Kapelle befinden sich ein Tor und einige Steinstufen, die zum Strand hinunterführen, eine sogenannte Perquage, ein Fluchtweg. Es handelt sich um den letzten, gut erhaltenen Küstenzugang einer Kirche. Früher hatte auf Jersey jede Kirche ihren eigenen Zugang zum Meer, was bei St. Saviour eine spezielle Gemeindegrenze verursachte: Es hat zwischen St. Helier und St. Clement nur einen schmalen Küstenzugang bekommen.


Wieso nun aber Fluchtweg? Ganz einfach: Jeder zum Tode Verurteilte durfte nach normannischem Recht Schutz in einer Kirche suchen. Allerdings war die Zeit (Nahrung und Wasser) dort begrenzt. Doch die Verurteilten hatten mit dem Fluchtweg die Chance, ein Boot zu erreichen und die Insel zu verlassen.
Und last but not least lohnt sich hier auch ein kleiner Spaziergang durch den Friedhof, der eine Zeit lang auch ein deutscher Soldatenfriedhof war. 1961 wurden die Gräber von 337 Soldaten aufgehoben und auf das französische Festland, nach Mont de Huisnes bei Mont St. Michel, verbracht.
La Corbière, St. Brelade (10)
Wir fahren weiter Richtung Westen zum berühmten Leuchtturm La Corbière. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Ebbe und Flut besonders gut. Der befestigte Weg, der zum Leuchtturmfelsen hinüberführt, wirkt bei Ebbe recht harmlos. Allerdings sind schon viele Touristen drüben steckengeblieben, denn die Flut steigt hier sehr rasch an. Dann ist vom Weg null und nichts mehr zu sehen, und es bleibt nur, bis zur nächsten Ebbe abzuwarten.

Orchideenfeld, St. Ouen (11)
Nun liegt die ganze Westküste, von La Pulente bis St. Ouens, eigentlich bis Groszes Castle, vor uns. Bei Ebbe ist der Strand riesig und breit und wird gerne von Strandseglern genutzt. Beim Golfplatz entdecken wir Gänse, nur die Orchideen bei Le Noir Pré finden wir erst mit dem zweiten Anlauf. Und auch da müssen wir die blühenden Pflanzen suchen, denn das als Orchideenfeld gepriesene Naturschauspiel hat dieses Jahr Verspätung. Normalerweise blühen auf dem Land des National Trust Anfang Juni Tausende von wilden Orchideen.

Jersey Pearl, St. Ouen (12)
Bei Jersey Pearls erwartet uns ein etwas touristisches Angebot, das mir aber dennoch viel Spass gemacht hat: Pick-a-Pearl-Experience. Ich darf an einer Wand eine geschlossene Muschel aussuchen, die dann vor meinen Augen geöffnet wird. Es kommt eine wunderschöne, 8,1 mm grosse, schön ebenmässig runde und weisse Perle zum Vorschein! Wow! Das nennt man Glück! Bis jetzt ist alles kostenlos. Ich könnte nun mit meiner Perle aus dem Laden marschieren – was ich natürlich nicht mache. Ich gönne der Perle und mir einen Anhänger, damit ich vom hübschen Meeresschmuck auch zu Hause etwas habe.


Dolmen Les Monts Grantez, St. Ouen (13)
Weiter Richtung Norden suchen wir die Domen Les Monts Grantez. Google sei Dank finden wir zumindest in die Nähe und marschieren dann einer Schafweide entlang bis zum 6000 Jahre alten Grab. Die Schafe sind übrigens sehr speziell: sie haben vier Hörner! Wir haben jede Menge Respekt…


Das Ganggrab, ein Vermächtnis der Megalithkultur, ist recht gut erhalten. Sieben Erwachsene und ein Kind sind hier einst beerdigt worden. Es wurden auch Werkzeuge und Gefässe gefunden. Schon beeindruckend, dass das alles so lange überdauert hat…


Auf Jersey gibt es zwölf Dolmen, die man bis jetzt gefunden und ausgegraben hat. Aber die wenigsten sind einfach zu finden. Weil sie eben beispielsweise in einer Schafweide oder an einem dschungelartig überwachsenen Küstenstreifen liegen. Doch dazu später mehr.
Grosnez Castle, St. Ouen (14)
Im nordwestlichsten Zipfel von Jersey erreichen wir Grosnez Castle, bzw. das, was davon übrig ist. Die Anlage bestand einst aus sechs Häusern, heute sind nur der Torbogen, ein paar Treppen und Wände gut erhalten. Die Burg wurde im 14. Jahrhundert als Schutz für die Bewohner in dieser Ecke der Insel errichtet, weil die Franzosen während des Hundertjährigen Krieges immer mal wieder die Insel überfallen haben.


Hier lohnt es sich, nicht nur auf die Ruinen, sondern auch auf die Natur zu achten. Der Frühling und die Aussicht nehmen uns eine ganze Weile gefangen. Hier macht Fotografieren so richtig Spass! Und: An klaren Tagen kann man bis zu den Inseln Guernsey, Jethou, Herm und Sark sehen.


La Mare Wine Estate, St. Mary (15)
Wir finden, wir haben uns jetzt ein Glas Wein verdient und fahren zum La Mare Wine Estate, dem Weinbaugebiet von Jersey. Die Führung buchen wir kurz vorher online, um sicher zu gehen, dass es noch Platz hat. Es wird eine vergnügliche Tour mit Degustationen. Die Kinder, die dabei sind, werden mit Apfelsaft, Lollipops und Schokolade beschäftigt, während die Erwachsenen Wein, Cognac und Gin geniessen.


Also die Weine, naja, die könnten noch etwas zulegen. Aber bei Cognac und Gin gibt es nichts zu meckern. Cider, der hier ebenfalls produziert wird, ist nicht mein Ding. Hingegen sind Fudge und Jersey Black Butter sehr gefragt. Fudge, aus herrlich rahmiger Jersey-Milch gemacht, ist einfach unschlagbar. Black Butter hat nichts mit einem schwarzen Milchprodukt zu tun, sondern ist ein Brotaufstrich aus Äpfeln und Gewürzen. Auch Schokolade wird hier hergestellt. Und klar, dass alles im hübschen Shop käuflich zu erwerben ist.

Wer nicht auf Tour gehen will, kann auch im Café einen Cream Tea geniessen oder im Shop direkt einkaufen gehen.
Devil’s Hole, St. Mary (16)
Der Nachmittag ist ja noch lange nicht zu Ende! Wir machen einen Abstecher zum Devil’s Hole. Beim Ausflugsrestaurant lassen wir unser Auto stehen. Geplant ist, nach dem Teufelsloch im Restaurant Moules zu essen. Sie sollen ausgezeichnet sein. Doch es kommt anders.



Ein kurzer Spaziergang führt uns am Teufel im Teich vorbei zur Küste und zur Teufelshöhle. Von hier geniesst man nicht nur den Blick in die Tiefe, sondern auch auf die zerklüftete Nordküste Jerseys. Wieder zurück beim Restaurant stellen wir fest, dass es heute keines Moules gibt. Pech gehabt!
Jersey Zoo, Trinity (17)
Der kleine Zoo, der 1959 von Autor und Forscher Gerald Durrell gegründet wurde, erfreut sich grösster Beliebtheit. Doch heute haben wir Glück, es hat nicht so viele Besucher. Der Durrell Wildlife Conservation Trust, der für den Erhalt, die Zucht und den Unterhalt des Tierparks zuständig ist, sorgt dafür, dass sich die Tiere wohlfühlen – die Menschen sind zweitrangig. Das bedeutet, dass wir da und dort etwas Geduld aufbringen müssen, bis sich ein Tier zeigt. Das kennen wir ja schon vom Zoo Zürich… 😄


Also kann man hier ruhig etwas Zeit einrechnen, wenn man wirklich Gorillas, Orang-Utans, Lemuren (Link zu unserem Madagaskar-Beitrag), Erdmännchen und mehr sehen will. Es ist eine schöne Anlage, in der viele gefährdete Tiere gezeigt werden. Auch ganz kleine, wie die verschiedenen Pfeilgiftfröschchen. Bei den Terrarien hält es uns jedoch nicht allzu lange – es ist schlicht zu heiss dort drin. Schliesslich kehren wir im Zoo-Restaurant ein, bevor die Fahrt weitergeht.



Rozel Bay, Trinity (18)
Während der ersten Reise habe ich eine Cliff-Wanderung von Bouley Bay nach Rozel Bay unternommen. Sie war sehr aussichtsreich und gemütlich. Und endete beim Hafenkiosk The Hungry Man. Der ist mir in bester Erinnerung geblieben, weil sich Gänse zu uns gesellt haben. Klar, wollten wir bei der zweiten Reise herausfinden, ob die Gänse immer noch vorbeischauen.


Die Cliff-Wanderung konnte ich leider nicht noch einmal machen, da hat mir die Puste gefehlt, aber im Hungry Man an der Sonne sitzen, die Boote im wasserleeren Hafen studieren und ein Bierchen trinken – das passt wunderbar. Nur der tierische Besuch ist ausgeblieben…

Dolmen du Couperon, St. Martin (19)
Im Nordostzipfel von Jersey haben wir uns nochmals auf die Suche nach einem Grab gemacht, dem Dolmen du Couperon. Ohne Google hätten wir den versteckten Parkplatz wohl nie gefunden. Von dort aus kämpfen wir uns auf einem Trampelpfädchen durch mannshohe Wiesenpflanzen bergauf, scheuchen dabei allerlei Gekreuche und Gefleuche auf und erreichen schliesslich den Dolmen.
Das Grab, das zwischen 3250 und 2250 v. Chr. errichtet wurde, ist von 18 Steinen eingefasst und besteht aus 21 Trag- und 7 Decksteinen. Als es gefunden wurde, waren die Decksteine allerdings eingestürzt. Die Megalithanlage wurde wieder zurecht gemacht, aber ob sie ursprünglich wirklich so ausgesehen hat? Einer der Decksteine, der mit dem Seelenloch, ist jedenfalls ans östliche Ende der Grabkammer versetzt worden.


Die Natur rund um die Anlage ist wirklich üppig und vom Parkplatz aus sieht man sogar hinunter aufs Meer. Ein friedliches Plätzchen…
Mont Orgueil Castle, St. Martin (20)
Seit mehr als 800 Jahren bewacht die älteste Burg der Insel den Hafen von Gorey. Der kleine Fischerort schmiegt sich an den Fuss des Burghügels. Es führen zwei Wege zum Mont Orgueil Castle hinauf: vom Ostende des Hafens aus über steile Steintreppen oder auf halber Höhe seitlich von der Route de la Côte (B29) aus. Dieser Weg ist wesentlich angenehmer, allerdings findet man nicht immer einen Parkplatz.

Mehrwissen zum Aufbau von Mont Ogueil Castle
Gebaut wurde Mont Orgueil Castle, auch Gorey Castle genannt, um 1200 herum, als Schutz gegen die angriffigen Franzosen. Die Burg galt zur Zeit des Hundertjährigen Krieges als uneinnehmbar, doch mit der Erfindung der Kanonen war das vorbei. Die Anlage wurde vor einiger Zeit restauriert und ein Rundgang führt von zuunterst bis zuoberst.

Am Harliston Tower vorbei gelangt man vom äusseren Burgring, dem Outer Ward, in den Lower Ward, den unteren Burghof. Durch das Queen’s Gate erreichen wir De Carteret Garden und durch das Queen Elizabeth Gate kommen wir in den Middle Ward, den mittleren Burghof. Der höchstgelegene Teil der Burg mit seinen Wachtürmen wird Mount oder auch Keep genannt und beherbergt einen vierstöckigen Wohnbereich, den Rittersaal sowie die St. Mary’s Crypt. Die Krypta stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist der älteste erhaltene Teil der Burg.
Wir sind stundenlang in der herrlichen Burganlage herumspaziert, Trepp auf, Trepp ab, dicken Mauern entlang, in Türmchen hinauf, in Kellergewölbe hinab und haben immer wieder Sehenswertes entdeckt. Ein Paradies für kleine Ritter und Burgfräuleins, aber auch wir Grossen verlieren uns gerne in diesem Labyrinth von Treppen und Gängen.




Sehr speziell haben wir die Fotoausstellung zu Queen Elizabeth II. empfunden, denn gefühlt ist sie ja «eben erst» gestorben. Dabei ist der 8. September 2022 doch schon wieder ein Weilchen her…

Unser Fazit: An Mont Orgueil kommt man nicht vorbei. Die Burg ist genauso ein Muss wie Elizabeth Castel oder La Hougue Bie.
La Hougue Bie, Grouville (21)
Wir sind am Vormittag losgezogen und erreichen La Hougue Bie knapp rechtzeitig für die öffentliche Führung um 11 Uhr. Davon wussten wir natürlich nichts und so wollten wir erst einmal unseren Wochenpass (4 für 3 Eintritte) ausstellen lassen. Doch die Dame am Schalter meinte, wir könnten dies auch nachher noch machen, wir sollen uns jetzt der Führung anschliessen, die gerade erst losgegangen sei. Den Guide, der hier ehrenamtlich arbeitet, und das kleine Trüppchen Touristen erreichen wir ums Eck des Ticket-Gebäudes.
Und jetzt bekommen wir das vielleicht bedeutendste Megalith-Ganggrab Europas ausführlich erklärt. Es besteht aus etwa 70 Steinen und muss um 3500 v. Chr. angelegt worden sein. Verblüffend finden wir, dass auf dem Hügel über dem Grab gleich zwei christliche Kirchlein erbaut wurden. Doch zuerst schlüpfen wir durch die kleine Öffnung im Hügel, gehen gebückt einen etwa zehn Meter langen Gang und erreichen das eigentliche Grab.

Mehrere Grabkammern liegen rechts und links, geradeaus befindet sich eine spezielle Kammer, die eine Art «Uhr» enthält: Wenn die Sonne zweimal im Jahr, am 21. März und am 23. September, den Gang erhellte, konnte man an der «Steinuhr» ablesen, wann der Sonnenhöchst- bzw. Tiefststand erreicht war. Eine stete Sorge der damaligen Bevölkerung war ja, dass die Sonne nicht mehr aufgehen könnte, auf den Winter kein Frühling und Sommer folgen würde.


Wieder draussen an der frischen Luft, spazieren wir in Runden den Hügel hinauf, um auch die Kirchlein anzuschauen. Notre Dame de la Clarté wurde im 12. Jahrhundert erbaut, die Jerusalem Chapel im 16. Jahrhundert direkt daran angebaut. Hier sind Wandmalereien aus der Entstehungszeit erhalten geblieben.



Unser Guide verabschiedet sich, weil er seine Frau zum Arzt fahren muss – und er nimmt nicht einmal Trinkgeld an! Im Museumszentrum stecken wir unser Nötchen in eine Tippbox und erledigen nun auch das Ausstellen des «Heritage 4 für 3 Pass» (siehe Infos weiter unten).
In La Hougue Bie bin ich auf die Karte gestossen, in der alle Dolmen eingezeichnet sind, die bislang hier gefunden wurden. Bitteschön, ich wünsche viel Spass beim Suchen!

Bontanic Gardens at Samarès Manor, St. Clement (22)
Dank der idealen klimatischen Verhältnisse pflegen viele Jerseyanerinnen und Jerseyaner ihre hübschen Gärten, die da und dort angeblich von Elfen bewohnt sind.


Aber die wohl beeindruckendsten und schönsten Gärten sind auf dem Land des Samarès Manor vereint. Wassergarten, Schattengarten, Japanischer Garten, Orchideengarten… Es gibt wohl keinen idyllischeren Ort auf der Insel, um einfach zu sein, ein Buch zu lesen, einen Tee zu trinken… Einmalig!




Und hier haben wir eine Rose entdeckt, die uns total beeindruckt hat: Nostalgie vom Rosenzüchter Tantau. Den Namen finden wir erst zu Hause heraus, aber für unseren Jersey-Abschluss war das genau die richtige Edelrose: eine unvergessliche.

Zu guter Letzt: die Kulinarik
Nachdem ich das Jersey-Virus ja schon lange in mir trage, hat es den Heinz nun auch erwischt. Diese Insel, kleiner als der Kanton Appenzell Innerrhoden, ist einfach umwerfend schön und vor allem vielseitig. Auf so kleinem Raum haben wir so unglaublich viel gesehen – aber noch lange nicht alles! –, dass die heimliche Hoffnung aufkeimt, im nächsten Frühling möge der Direktflug Zürich–St. Helier wieder aufgelegt werden…
Mit ein Grund, den Frühling auf Jersey verbringen zu wollen, sind die Jersey Royals, die schmackhaften Frühkartoffeln, die es nur dann gibt. Sie passen zu jedem Gericht, sei es nun Fleisch, Fisch oder Krustentiere. Dem sauberen Wasser rund um Jersey ist es zu verdanken, dass hier Langusten und unzählige Muschelarten bestens gedeihen. In den Restaurants und Beizchen in den Häfen oder sonst wie am Meer gelegen, sind die Meerestiere sehr gefragt – und hervorragend zubereitet. Nix englische Küche! Der Einfluss der Normandie ist hier spürbar und sehr willkommen…

In vielen Restaurants ist Gourmetküche angesagt, manchmal geht es aber auch etwas einfacher – jedoch immer gut! Auch wir ernähren uns die ganze Woche lang von Moules, halben Langusten, Fish & Chips, Jakobsmuscheln – und dann alles wieder von vorne…

Einfach herrlich! Nur mit den Öffnungszeiten der Restaurants und Pubs stehen wir etwas auf Kriegsfuss. Am Sonntag schraubt man seine Erwartungen besser ein wenig herunter. Es gibt Restaurants, die schliessen um 18 Uhr. Oder servieren zwar Bier, aber keine Abendessen. Irgendwie seltsam…
Tja, was auch immer, es gibt noch sooo viel zu entdecken auf Jersey! Den Witch Stones möchte ich einmal mehr Beachtung schenken. Mir gefällt die Idee, dass diese speziellen Steine an alten Kaminen, die Hexen dazu einladen sollen, sich zu setzen, anstatt durch den Schornstein ins Haus zu fahren. Legenden und unglaubliche Geschichten – davon gibt es auf Jersey jede Menge!
Infos zur Kanalinsel Jersey
ANREISE
Die Anreisezeit verkürzt sich im Sommer auf zwei Stunden, wenn von Mai bis September der Direktflug ab Zürich aufgelegt wird (Bei Rolf Meier Reisen fragen). Ansonsten ist der Umweg über UK zu machen (Flugzeit via Manchester 4 Std.). Wer lieber mit dem Auto anreist: Eine Autofähre verkehrt täglich zwischen Jersey und Saint-Malo (Fahrzeit Fähre ca. 2 Std.).
MOBIL VOR ORT
Wer sich keinen Mietwagen gönnen möchte, ist mit den ÖVs auf Jersey auch sehr gut bedient. Die Busse fahren zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten.
AUTOFAHREN AUF JERSEY
Auf Jersey herrscht Linksverkehr.
40 Meilen (64 kmh)ist die Maximalgeschwindigkeit auf Jersey. Auf Green Lanes max. 15 Meilen (24 kmh) und Fussgänger, Radfahrer und Reiter haben Vorrang.
Gelbe, ausgezogene Linien parallel zum Strassenrand bedeuten Parkverbot. Eine gelbe Linie quer zum Strassenverlauf markiert den Ausgang einer Nebenstrasse, also Vorfahrt beachten.
Telefon am Ohr während dem Autofahren ist verboten und kommt teuer zu stehen.
PARKGEBÜHREN
Am Sonntag ist parkieren überall kostenlos. Ansonsten empfiehlt es sich, in einem Tankstellenshop Park-Rubbelkarten zu kaufen. Eine Karte (mit richtig aufgerubbeltem Datum und Uhrzeit) hinter die Windschutzscheibe gelegt, erlaubt, eine Stunde lang zu parkieren. Will man zwei Stunden bleiben, rubbelt man zwei Karten auf und legt sie hinter die Windschutzscheibe. Bei drei Stunden, drei Karten. Parkplätze, die Rubbelkarten benötigen, sind gekennzeichnet.
BESTE REISEZEIT
Von April bis Oktober ist es auf Jersey am schönsten, doch auch die Wintermonate haben ihren ganz speziellen Reiz – hat mir ein ansässiges Ehepaar glaubhaft vermittelt.
HOTEL
Hotel Ommaroo
Havre Des Pas, St. Helier
Jersey, Channel Islands, UK, JE2 4UL
www.ommaroo.com/de/
Das Restaurant des Hotels Ommaroo ist zwar gut, aber wir haben nur Übernachtungen mit Frühstück gebucht, weil wir die vielen guten Restaurants der Insel ausprobieren wollten. Wenn einem danach ist, kann man ja trotzdem im Hotel tafeln.

ESSEN & TRINKEN
Man würde es nicht erwarten, aber auf Jersey wird im ganzen Königreich am besten gekocht. Kein Wunder, denn der Einfluss Frankreichs wirkt sich wohltuend aus. Über die Jahre, Jahrzehnte ist eine eigene Jersey-Küche entstanden, und es mangelt nicht an erstklassigen Restaurants. Man achtet darauf, möglichst auf der Insel produzierte Nahrungsmittel zu verarbeiten. Im März findet übrigens das Eat Jersey Food Festival statt.
Roseville Bistro
86 Roseville Street
St. Helier
www.facebook.com/RosevilleBistroJersey/

White Horse
The Dicq
St. Saviour
www.liberationgroup.com/white-horse/


Le Portelet Inn
La Route de Noirmont,
St. Brelade
randalls-jersey.co.uk/the-portelet-inn/
Salty Dog Bar and Bistro
La Neuve Route, St Aubin’s Village
St. Brelade
saltydogbistro.com

The Priory Inn
Priory House, La Grande Rue
randalls-jersey.co.uk/the-priory-inn/
The Hungry Man
Am Hafen von Rozel
www.facebook.com/thehungrymanjersey
Das Lokal ist eine Institution. Hier werden Krabben-Sandwiches und Burger aufgetischt.
ADRESSEN DER SEHENSWÜRDIGKEITEN
Elizabeth Castle
Startpunkt der «Fähre» ist am
Castle Ferry Kiosk bei Les Jardins de la Mer, West Park, St. Aubin’s Bay, St. Helier.
www.jerseyheritage.org/visit/places-to-visit/elizabeth-castle/
St. Matthew’s Glass Church
Millbook
St. Lawence
stmatthews.je/glass-church
Jersey War Tunnels
Les Charrières Malorey,
St. Lawrence
www.jerseywartunnels.com

Hamptonne Country Life Museum
La Rue de la Patente
St. Lawrence
www.jerseyheritage.org/visit/places-to-visit/hamptonne-country-life-museum/

Jersey Lavender Farm
Rue du Pont Marquet
St. Brelade
jerseylavender.co.uk

St. Brelade’s Parish Church
The Rectory, La Marquanderie
St. Brelade
www.stbreladeschurch.com

Jersey Pearl
Five Mile Road, Des Mielles
St. Ouen
www.jerseypearl.com
Grosnez Castle
am nordwestlichsten Zipfel der Insel zu findenwww.jersey.com/things-to-do/attractions/listings/grosnez-castle/
La Mare Wine Estate
La Rue de la Hougue Mauger
St. Mary
www.lamarewineestate.com

Devil’s Hole
Beginn des Weges beim Parkplatz des Priory Inn.www.nationaltrust.je/project/devils-hole/
Jersey Zoo
La Profonde Rue
Trinity
www.durrell.org/visit-jersey-zoo/
Mont Orgueil Castle
Castle Green
Gorey
www.jerseyheritage.org/visit/places-to-visit/mont-orgueil-castle/
La Hougue Bie
La Route de la Hougue Bie
Grouville
www.jerseyheritage.org/visit/places-to-visit/la-hougue-bie/
The Botanic Gardens at Samarès Manor
La Grande Route
St. Clement
www.samaresmanor.com

SPAREN MIT DEM HERITAGE PASS
Heritage 4 for 3 Pass
Besuche innerhalb einer Woche vier der sechs Sehenswürdigkeiten von Jersey Heritage zum Preis von dreien. Der Pass kann online gebucht und bezahlt werden. Ausgestellt wird er dann im ersten Museum bzw. in der ersten Burg.
jerseyheritage.org
DESTINATIONSINFOS
Jersey Tourismus: www.jersey.com
© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | Travelexperience.ch | 2003 | 2015 | 2024
Offenlegung: Zur Pressereise 2003 war Inge für den ReiseBlick eingeladen. Die Ferienwoche 2024 haben wir jedoch von A–Z selbst bezahlt. Insofern enthält dieser Beitrag keine Werbung, sondern nur unsere persönlichen Empfehlungen
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