Umgebung bedeutet: Die Fahrt durch den Chiemgau führt zudem entlang dem Chiemsee, durch das Berchtesgadener und das Salzburger Land. Fahrspass und Sehenswertes werden hier von Tourguide Ingrid Hofmeister von Umbria Mia vergnüglich verknüpft.
Cabriolets mit geschlossenen Dächern
Alles Cabrios, darunter sogar ein echter Oldtimer, aber die geschlossenen Verdecke verraten, dass Regen manchmal einfach Realität ist.

Der Titel dieses Beitrages untertreibt ein wenig, aber wenn ich alle Destinationen aufgezählt hätte, würde er ganz einfach zu lang. Also: Eigentlich führt uns diese Tour mit Cabrios, Young- und Oldtimern (eingedampft) ins Chiemgau-Chiemsee-Berchtesgadener und Salzburger Land. Wir Schweizer sagen natürlich das Chiemgau, auch wenn es offiziell der Chiemgau heisst. Man möge mir verzeihen, falls ich zwischendurch ins Schweizerdeutsche verfalle.

Dass wir diese Reise unternommen haben, liegt an zwei Dingen: 1. Ich habe erst kürzlich ein Buch über Oberbayern mit Chiemgau beschrieben und quasi «Blut geleckt» und 2. waren wir vor neun Jahren mit Tourguide Ingrid in der Toskana, Umbrien und Marken unterwegs (die entsprechenden Beiträge sind verlinkt). Und Ingrid bietet auch Touren durch ihre Heimat an – das wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Landhaus Tanner – unsere Ausgangsbasis

An einem Montagnachmittag im Juli erreichen wir unsere Chiemgau-Basis, das Landhaus Tanner in Waging am See. Von hier aus werden wir unsere täglichen Ausflüge unternehmen und uns abends vom Küchen-Team verwöhnen lassen, das erst kürzlich mit einem Grünen Michelin-Stern ausgezeichnet worden ist (der Grüne Michelin Stern wird jährlich vergeben und zeichnet verantwortungsvolle Gastronomiebetriebe aus, die eine Vorreiterrolle übernehmen, sich durch kulinarische Exzellenz auszeichnen und sich in den Bereichen Saisonalität, Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit besonders engagieren).

Aussenaufnahme, Landhaus Tanner, Waging am See
Das Hauptgebäude des Landhauses Tanner in Waging am See.

Unser Zimmer Nr. 19 mit Garten lässt übrigens keine Wünsche offen – wir fühlen uns sehr wohl hier.

Das Porsche-Traumwerk

Nachdem sich die aus Deutschland stammenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer (wir Schweizer sind mal wieder die Ausnahme 😉) am Abend zuvor «beschnuppert» haben, fahren wir am Dienstagvormittag los. Neeein… da ist nix mit Ausschlafen! Um Viertel vor Neun starten wir, denn Ingrid will uns heute so einiges zeigen.

Unterwegs zum Höglwörther See und der gleichnamigen Klosterkirche im Rupertiwinkel fallen uns die seltsam «gefleckten» Häuser auf. Ingrid erzählt, dass es sich um sogenannte Schlackenhäuser handelt, die bis 1925 aus dem Abfall der Schwarz- und Roterzverhüttung am Teisenberg erbaut wurden. Leider können wir dazu kein Foto liefern, denn wir sind immer nur an diesen Häusern vorbeigefahren.

Kloster Höglwörth am Höglwörther See
Das Kloster Höglwörth am gleichnamigen See mit viiiielen Seerosen.

Darüber tröstet uns dann der Besuch im Hans-Peter-Porsche-Museum Traumwerk in Anger hinweg. Weil es nieselt, können wir das von König Ludwig I. 1841 zum «schönsten Dorf Bayerns» erkorene Örtchen gar nicht so recht geniessen. Aber die Autofreaks haben eh nur Augen fürs Museum. Dieses beschäftigt sich – grob zusammengefasst – in erster Linie mit Blech. Ja, es lässt sich tatsächlich nicht besser ausdrücken.

Eingang zum Hans-Peter-Porsche-Museum Traumwerk in Anger, mit Traktor und Bully
Porsche-Traktor und ein Bully am Eingang zum Hans-Peter-Porsche Museum Traumwerk in Anger.

Wir verlieren uns in Blechspielzeug und Miniaturen von Dampf- und Druckmaschinen, Bahnhöfen und Sanitätsbahnwagen sowie alten, auch original grossen Autos. Sehr beeindruckt hat uns die Märklin-Bahnanlage, welche geneigte Betrachter durch Deutschland, Österreich und die Schweiz führt. Sehr schön und detailreich gemacht. Chapeau!

Detail, Märklin-Modelleisenbahn, Anlage im Porsche-Museum Traumwerk in Anger
Die Märklin-Modelleisenbahn-Anlage ist recht gross! Hier ein Ausschnitt aus der Schweiz.

Lunch im Gut Steinbach

Wir unternehmen einen kurzen Ausflug auf österreichisches Gebiet, um dann in Reit im Winkl zum Mittagessen auf Gut Steinbach Halt zu machen. Eigentlich wollte ich (das Abendessen schon im Hinterkopf) hier nichts essen. Es wurde dann aber doch ein (ebenfalls) Grüner-Michelin-Stern-Wiener Schnitzel draus… Sehr gut – sehr gross!

Aussenaufnahme, Gut Steinbach in Reit im Winkl
Ein stattliches Haus, das Hauptgebäude vom Gut Steinbach in Reit im Winkl.
Foodfoto, Wiener Schnitzel
Wiener Schnitzel – lecker, aber viiiel zu gross…

Als Verdauungsspaziergang dient dann die Besichtigung eines der Chalets, die man hier (ausser Hotelzimmern) buchen kann. Für eine grössere Familie kann sich das durchaus lohnen… Jedes Schlafzimmer hat ein eigenes Badezimmer und das Wohnzimmer ist sehr gemütlich eingerichtet. Auch eine kleine Küche ist vorhanden, wenngleich man die des Hotelservices wegen eigentlich nicht braucht. Schön eingerichtet in einer herrlich naturnahen Umgebung!

Chalets vom Gut Steinbach in Reit im Winkl
Das liesse man sich gerne angedeihen: Logieren im Chalet mit Schwimmteich…

Auf fahrfreudigen Umwegen erreichen wir schliesslich wieder unser Landhaus am Waginger See. Zum und nach dem Abendessen (ein kleines, leichtes Rindscarpaccio rettet mich vor dem Überessen! 😉) werden die Gespräche etwas länger…

Viele Seen und eine Brauerei

Heute geht es bereits um halb Neun los, denn wir wollen ganz viele Seen sehen. Etwa fünfzig Seen gibt es in der Region Chiemsee-Chiemgau! Der grösste in Bayern (und drittgrösste Deutschlands) ist der Chiemsee, auch des Ludwigl-Schlosses Herrenchiemsee und der Fraueninsel wegen. Doch für beides bleibt heute leider keine Zeit. Ein Grund, wieder hier her zu reisen.

Ingrid steuert als erstes den Hausberg von Traunstein als Aussichtspunkt an. Von hier, auf 775 Metern Höhe, erahnt man, wie gross der Chiemsee eigentlich ist.

Kirche des Klosters Baumburg
Bei der Anfahrt zum Kloster Baumburg entdecken wir die hübsche Stirnseite der Klosterkirche St. Margareta.

Unsere nächste Verabredung gilt dem Braumeister Alfred Wimmer von der Klosterbrauerei Baumburg. Spannend ist seine Führung, aber weil wir (fast) alle noch Auto fahren müssen, entfällt die Bierverkostung. Leider.

Personenaufnahme, Braumeister Alfred Wimmer in der Klosterbrauerei Baumburg
Braumeister Alfred Wimmer weiht uns in die Geheimnisse der Bierbrauerei des Klosters Baumburg ein.
Aussenaufnahme, Bräustübl, Kloster Baumburg
Im Bräustübl des Klosters Baumburg wird dann doch das Klosterbier verkostet.

Dafür bekommen wir eine Führung in der schönen Rokoko-Kirche, der Baumburger Stiftskirche St. Margareta. Irmi Huber erklärt uns die beeindruckenden Deckengemälde und verrät das eine und andere Detail, das man als «führungsloser» Besucher gar nicht bemerken würde.

Aussenaufnahme, Kirche des Klosters Baumburg
Wird gerade einer Verschönerung unterzogen: die Kirche des Klosters Baumburg.

Gasthaus Zum Roiter

Führungen machen hungrig, wenngleich ich auch heute nichts zu Mittag essen wollte – und es dann doch getan habe. 😄 Einen idyllischeren Biergarten als den vom Gasthaus Zum Roiter kann man sich gar nicht vorstellen. Im Schatten irgendeines tunnelartigen Gewächses über unseren Köpfen geniessen wir das grosszügig bemessene Mittagessen. Aber gut war’s!

Aussenaufnahme, Gasthaus Roiter an der Alz
Foodfoto, Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat
Fleischpflanzerl

Die kleine Fussgänger-/Velofähre ganz in der Nähe führt über die Alz und stammt aus dem Jahr 1899. Das Fährhaus musste wegen Hochwassers mehrmals renoviert bzw. erneuert werden, das letzte Mal nach dem Jahrhunderthochwasser 2013. Wir bewundern Haus und Fähre, benützen letztere aber nicht; denn der Fährmann scheint Mittagspause zu machen.

Detail, Gierseilfähre auf der Alz vom Fährenhaus aus
Gierseilfähre

Kloster Seeon

Nach diesem lauschigen Mittagessen führt uns die für heute letzte Etappe zum Kloster Seeon am Seeoner Klostersee. Im ehemaligen Benediktinerkloster hat der junge Amadeus Mozart einige Male Zeit mit Komponieren verbracht. Das Inselkloster war auch bekannt für die Schreibkunst und Buchmalerei seiner Mönche. Die Geschichte des Klosters und seiner Kirche ist richtig spannend – wie ich dann im Nachhinein lese. Vor Ort geniessen wir die Ruhe und den See – und das schöne Wetter!

Kloster Seeon spiegelt sich im Seeoner See
Das Kloster Seeon ist heute ein Seminar-Hotel-Betrieb am Seeoner See.

Wie in Deutschland so üblich, wird heute zu Kaffee und Kuchen am Ufer des Chiemsees in René’s Café angehalten. Hausgemachte Zwetschgen-Datschi sind hier die Spezialität, auf die ich grosszügig verzichte. Angeblich entgeht mir da etwas, aber ich kann ja nicht dauernd essen. Schliesslich gibt es schon bald wieder Abendessen – diesmal sogar draussen im Garten! Wir bleiben lange sitzen und lernen unsere Mitreisenden besser kennen. Es entwickeln sich spannende Gespräche…

Aussenaufnahme, Renés Café am Chiemsee
Vom Seeweg aus erreichbar: René’s Café direkt am Chiemsee.

fahr(T)raum

An unserem letzten Tourtag ist das Wetter ziemlich bescheiden. Die grenzüberquerende Fahrt über die historische Salzachbrücke in Laufen versinkt im Regen. Wie gut, dass unser nächstes Ziel ein Automuseum ist, eines der besonderen Art: die Ferdinand-Porsche-Erlebniswelt «fahr(T)raum» am Mattsee.

Detail, Austro-Daimerl 14/35 Roadster, 1918, im Museum fahrTraum
Fährt noch: der Austro-Daimler 14/35 Roadster aus dem Jahr 1918.

Das Besondere an all (!) den Ausstellungswagen ist, dass sie nicht nur gepflegt, sondern auch noch auf der Strasse betrieben werden. Oldtimer-Freaks können sie mieten. Und was wir hier nicht alles entdecken! Vom «einäugigen» Lohner-Porsche, ein Pionier in Sachen Elektromobilität, über Austro-Daimler, wie die 28/32-Limousine von 1908, bis zu steinalten Porsche-Traktoren und Flugzeugen.

Detail, Lohner-Porsche aus dem Jahr 1899, elektrisch betrieben, im Museum fahrTraum
Elektroautos gab es schon 1899! Nämlich diesen Lohner-Porsche mit nur einem Scheinwerfer.
Innenaufnahme, Halle mit alten Flugzeugen und Autos im Museum fahrTraum
In dieser Halle sind fliegende und fahrende Oldtimer vereint.

Bei den Gästen sind die Simulatoren sehr beliebt. Auf einem lässt sich ein Oldtimer schalten und chauffieren, doch aufgepasst: Das ist gar nicht so einfach – da landen sogar unsere Fahrfreaks ab und zu im Kornfeld… Auf dem anderen Gerät wird ein Flug simuliert – und auch hier ist mit – glücklicherweise folgenlosen – Bruchlandungen zu rechnen.

Personenaufnahme, Fahrer im Oldtimer-Fahrsimulator
Herrje… schon wieder im Maisfeld gelandet!

Für Kids gibt es eine eigene Abteilung in der sie (altersgerecht) in die Geheimnisse der Porsche-Autowelt eingeweiht werden. An einem Regentag wie heute ist das Museum natürlich sehr beliebt, und so kurz vor den Ferien wird es auch von der einen oder anderen Schulklasse besucht. Gut, dass wir früh in diesem wirklich empfehlenswerten Museum waren…

Fuschlsee und Ramsau

Von diesem See habe ich schon sooo viel gelesen – und jetzt bin ich endlich da! Bei Mistwetter. Da ist der schönste See nicht fotogen. Aber immerhin gibt es hier in der Schloss Fischerei frische Fische. Die geräucherten sind sehr begehrt. Hätten wir in diesem Selbstbedienungsbeizchen draussen sitzen und tafeln können, wäre natürlich alles noch viel schöner gewesen. Aber so ist das Leben…

Landschaft, Steg am Fuschlsee
Es lässt sich nur erahnen wie die Farben des Fuschlsees sein können…

Auf dem Rückweg zum Hotel halten wir zunächst am Wiestalstausee für ein Foto (es regnet gerade nicht!) und in Ramsau bei Berchtesgaden für Kaffee und Kuchen (ich habe ja schon lange nichts mehr gegessen 😅). Statt Kuchen geniesse ich im Steinberg Café & Bistro ein Eis. Das rutscht zügig. Am Schluss muss noch der Spaziergang durchs Dorf sein, denn es gibt hier hübsche Häuser, Kirchen und Kapellen.

Aussenaufnahme, Café Steinberg in Ramsau
Kaffee und Kuchen – oder eben Eis 😊 – gibt’s im Steinberg in Ramsau.
Dorfbild, Ramsau mit Kirche und Fluss
Bei schönem Wetter wäre Ramsau richtig idyllisch…

Den letzten gemeinsamen Abend verbringen wir kulinarisch verwöhnt in der Gaststube des Landhaus Tanner. Die ist allerdings so gut besucht und die Gäste sind derart laut, dass wir uns schon bald in unser ruhiges Zimmer zurückziehen. Und da sind wir nicht die einzigen… Eigentlich schade, für einen letzten Abend, aber wir sehen uns ja beim letzten Frühstück nochmal.

Zu guter Letzt blicken wir zurück auf unterhaltsame und interessante Tage, die wir mit – zunächst unbekannten – Oldtimer- bzw. Cabrio-Freundinnen und -Freunden verbracht haben. Es hat alles gepasst, und dass wir gerne jeweils ein Stündchen früher zurück im Hotel gewesen wären, haben wir Organisatorin Ingrid Hofmeister bereits zugeflüstert. Gut möglich also, dass bei künftigen Touren dieser allseitige Wunsch berücksichtigt wird.

Infos zur Heimat-Tour Chiemgau

Initiantin und Organisatorin dieser wie auch Touren durch Ostfriesland und Italien ist

Ingrid Hofmeister
Umbria Mia
Waldweg 3a
D-83339 Chieming
Tel. +49 170 839 06 16
http://www.umbria-mia.com/

Für Juli/August 2026 sind vier Heimat-Touren mit Routen zwischen Chiemsee und Tegernsee, zwischen den Chiemgauer Alpen und dem Wilden Kaiser sowie im Berchtesgadener Land zwischen Watzmann und Salzkammergut geplant. Abonniere doch einfach Ingrids Newsletter, um immer auf dem Laufenden zu bleiben.

Burghausen, der Bonustipp vom TravelExperience-Team

Wir haben unsere Rückreise nicht direkt angetreten, sondern noch Burghausen besucht, das etwa eine halbe Stunde von Waging am See entfernt liegt. Es handelt sich hierbei um die mit 1051 Metern längste Burg der Welt!

Panoramabild, Burghausen
Auf der Krete über der Altstadt von Burghausen erstreckt sich die längste Burg der Welt von ganz links bis ganz rechts in diesem Panoramabild.

Die Burg, aber auch die kleine Altstadt sind absolut sehenswert. Wir werden später mehr über Burghausen berichten, denn es spielte ja in meiner Reportage zu den «Stille Nacht»-Orten auch eine Rolle. Sobald der Burghausen-Beitrag fertig ist, wird er hier verlinkt.

© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch | 2025

Offenlegung: Die Reise mit allem Drum und Dran haben wir selber finanziert.