
Wenn er Diesel riecht, ist er sogleich im Ferienmodus – schreibt Oliver Lück ganz am Anfang seines Buches. Der Anfang seiner grossen Reise beginnt denn auch mit einem postgelben Bulli, Baujahr 1973, – und einer Landkarte, Drucklegung 1979. Rückblickend findet er, hätte er die Landkarte gar nicht gebraucht, denn er wollte eh immer nur der Küste entlang fahren, von Hamburg bis nach Gibraltar, quer durch Spanien, ans Mittelmeer, der französischen Riviera entlang, hinunter nach Rom und zurück nach Norddeutschland. Und das alles ohne Navigationsgerät und Smartphone. Aber ab 2008 begleitet ihn fast elf Jahre lang die Hovawart-Hündin Locke, die manchmal sogar entscheiden «darf», ob es an einer Kreuzung nach rechts oder nach links weitergeht.
Durchs Buch geht es ohne alphabetische oder chronologische Reihenfolge. Für ganz Ordnungsliebende gibt es am Schluss immerhin ein Ortsregister, aber eigentlich ist das gar nicht nötig. Mit viel Zeit (als Ziel) macht es Freude, das Buch einfach irgendwo aufzuschlagen, um die Bilder und die Geschichte zum jeweiligen Ort oder Menschen zu geniessen. Da geht es von Kopenhagen mit den Wandmalereien zum Chilibauern in Espelette. Im österreichischen Thal trifft er Peter Urdl, einen alten Schulfreund von Terminator Arnold Schwarzenegger, in Oslo hat er ein Fotoshooting mit der Extremsportlerin Cecilie Skog und an der Praia de Foz do Arelho in Portugal stiebt Locke über den Strand und verscheucht die Vögel…
Viele kleine Einblicke und Geschichten vermitteln einen Hauch des Facettenreichtums von Europa. Für so einige europäische Länder hält Oliver Lück auf 316 Seiten die eine oder mehrere Geschichte bereit. Wie gut, dass man mit seinem Buch gedanklich jede Grenze überwinden und reisen kann! Vielleicht hilft ja auch etwas Dieselgeruch…
BUCHINFOS
Titel: Zeit als Ziel
Autor: Oliver LĂĽck
Verlag: ConBook
ISBN: 978-3-95889-245-3
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