
Soeben bin ich über meine Aufzeichnungen während meiner Irlandreise gestolpert. Ich habe mich so über das Gebaren im Individualtourismus geärgert, dass ich mir sofort den Frust von der Seele schreiben musste. Und das geht so:
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Angebrannt…
Zum ersten Mal ist es mir in Granada mit der Alhambra passiert, dann in der noch ganz neuen Whiskey-Destillerie Teeling in Dublin und schliesslich auch in Newgrange, dem jungsteinzeitlichen HĂĽgelgrab, das in Irland zum UNESCO-Welterbe zählt. Die Besucher werden mit einem Bus vom Visitor’s Center zur Grabanlage und zurĂĽck gefahren. Man kann auch mit dem eigenen Auto hinfahren – wird dann aber nicht eingelassen, obwohl es Zeitfenster gibt, in denen sich kein Mensch im HĂĽgelgrab aufhält. Schade!

In Nuancen war es aber ĂĽberall das Gleiche: Ohne Vorreservierung – unter Umständen mehrere Monate im Voraus! – auf die Stunde und Minute genau, war da kein Reinkommen. Oder es hiess, «man möge es doch am nächsten Tag möglichst frĂĽh nochmals probieren, da hätte es dann vielleicht noch Tickets». Und all die Carladungen voller Tourengäste und Kreuzfahrer passieren ungeniert. Geht’s noch?! Da bin ich doch ein wenig fassungslos – und natĂĽrlich sehr verärgert.

Wer gibt vor Ort Geld aus?
Aha, denkt sich da die Gelackmeierte, die haben es nun nicht mehr nötig. Aber wissen die, wie gefährlich dieses Konzept ist? Denn welcher Kreuzfahrer lässt wirklich Geld in der Stadt liegen? Kaum einer, schliesslich wird er ja von A nach B gekarrt, das Kreuzfahrt-/Tourunternehmen hat schon alle Tickets gekauft und damit profitiert vor allem das gewählte Freilicht- oder Was-auch-immer-Museum und das Carunternehmen. Aber kein Hotelier, kein Bed&Breakfast-Anbieter, kein Restaurant und allerhöchstens der Museumshop und der Getränkeautomat sieht einen müden Cent oder Rappen.

Und überhaupt! Wenn ich meine Ferien Monate im Voraus auf die Stunde und Minute genau vorausplanen muss, dann verleidet mir das Reisen! Wo hat dann noch Spontaneität Platz? Oder die Freiheit, auf den eigenen Zustand (ja, ich bin gerade sehr verschnupft – in jedem Sinne des Wortes) oder das Wetter Rücksicht zu nehmen? Gerade in Irland ist das Wetter ein gutes Argument. Sieht der Himmel dunkelgrau aus, flüchtet man sich doch ganz gerne in eine Whiskey-Destillerie.
Gut gemacht! Bushmills und Giant’s Causeway
So geschehen in Bushmills. Wir müssen nur 20 Minuten warten. Grosse Gruppen werden separat abgefertigt, und wer individuell eintrifft, wird der nächstverfügbaren Führung zugeteilt. First come, first serve, steht an der Kasse, klar und fair, auch für individuell Eintreffende. Die Führungen finden im Zehnminutentakt statt, und wenn der Besucherstrom nachlässt, dann verständlicherweise in grösseren Intervallen. Da könnte sich Teeling in Dublin ruhig ein Vorbild nehmen!

Auch am Giant’s Causeway in Nordirland werden wir trotz Grossaufmarsch – Game of Thrones lässt grĂĽssen – angenehm ĂĽberrascht. Es wimmelt nur so von amerikanischen Kreuzfahrern und Busreisenden, aber wir haben kein Problem, ein Ticket samt Audioguide zu bekommen. Und draussen bei den faszinierenden Basaltsäulen verteilt sich die Menschenmasse – glĂĽcklicherweise!

Lösungen für den Individualtourismus müssen her
Dass man Tickets fĂĽr SehenswĂĽrdigkeiten weit im Voraus kaufen muss, hört man immer öfter. Das ist fĂĽr total durchgetaktete Menschen wohl völlig okay. Aber kann man nicht fĂĽr Kurzentschlossene und Einzelreisende gewisse Zeitfenster einbauen??? Ohne diese – so bin ich ĂĽberzeugt – stirbt ĂĽber kurz oder lang der Individualtourismus, der dem einheimischen Gewerbe etwas Geld in die Kasse spĂĽlt. Na denn, ich bin gespannt, wie sich das entwickelt…

Ich will hier ja nicht gegen Kreuzfahrer wettern, auch wenn sie eines der Hauptprobleme sind (siehe ĂĽberlaufenes Venedig, Barcelona und andere Städte). Viel mehr gilt meine Kritik den Anbietern, den Museen und Stadtverwaltungen, die jegliches Augenmass verloren haben. Oder sehe ich da irgendetwas falsch…?!
Jajaja, ich weiss, der Titel dieses Beitrags ist etwas überspitzt. Es stirbt natürlich niemand, ohne Vorreservierung sowieso nicht. ;-) Aber gelitten wird ganz sicher – je nach dem sogar auf beiden Seiten.
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