Zum 150. Geburtstag des genialen Malers platzt Wien beinahe vor lauter Klimt. Einblicke in seine Kunst und jene seiner Zeitgenossen um 1900.
Beethoven-Fries von Klimt
Klimts Beethoven-Fries (© Belvedere).

Klimts weltberühmter Kuss

Man hat ihn wohl schon hundert Mal gesehen – oder noch mehr! Den Kuss von Klimt. Aber ganz ehrlich: Nur wer vor dem 180×180 cm grossen Werk gestanden und es im Original gesehen hat, weiss wie phantastisch dieses Bild tatsächlich ist!

Klimts Kuss
Klimts berühmtestes Gemälde: Der Kuss (© Belvedere).

Das Belvedere ist im Besitz der weltgrössten Klimt-Sammlung, dabei auch «der Kuss», und präsentiert den Maler anlässlich seines 150. Geburtstages zusammen mit dem kongenialen Architekten und Gestalter Josef Hoffmann. Die beiden Künstler haben sich perfekt ergänzt. Entsprechend eng arbeiteten sie zusammen – für Weltausstellungen, Messen und kunstbegeisterte Kunden. Als Beispiel sei das Palais Stoclet in Brüssel erwähnt. Es ist in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Aber der detailgetreue Nachbau des Treppenhauses ist im Unteren Belvedere zu bewundern.

Schloss Belvedere Wien
Das Schloss Belvedere hütet viele Klimt-Schätze (© Hertha Hurnaus).

Es ist ganz offensichtlich: Klimt und seine Werke kann man nicht geniessen, ohne eine ganze Reihe anderer Künstler in die Betrachtungen miteinzubeziehen. Doch blenden wir zurück: Wien war im ausgehenden 19. Jahrhundert in Aufbruchsstimmung. Aus dieser entsprang in Literatur, bildender Kunst, Architektur und Musik viel Neues, das den Weg in die Zukunft, in die Moderne wies. Wien war zwar schon damals eine grosse Stadt, doch die Künstler kannten sich natürlich untereinander und einige arbeiteten auch gemeinsam.

Gemeinsam erfolgreich

So gründete Gustav Klimt mit seinem Bruder Ernst und Franz Matsch die «Künstler-Compagnie», die den Auftrag bekommen hat, die Deckenbilder im Burgtheater zu malen sowie das grosse Treppenhaus im Kunsthistorischen Museum. 1897 taten sich Klimt, Hoffmann, Olbrich und andere Künstler aus Protest gegen ein überholtes Kunstverständnis zusammen und gründeten die Wiener Secession. Man hatte genug vom reinen Nachahmen älterer Stilrichtungen. Neues musste her! Architekt Joseph Maria Olbrich baute das neue Ausstellungshaus, die Secession, das bis heute eines der originellsten Jugendstilgebäude Europas ist. Und Klimt schuf für das Haus den Beethovenfries.

Secession, Wien
In der Secession ist das Original des Beethoven-Fries zu sehen (© Österreich Werbung).

Ebenfalls eine wichtige Vereinigung war die Wiener Werkstätte, eine Produktionsgemeinschaft bildender Künstler. Produziert wurden Alltagsgegenstände, Schmuck und Möbel. Das geltende Credo: Kein Design ohne Funktion. Das Österreichische Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst – MAK ist Besitzerin des Archivs der Wiener Werkstätte, das etwa 16000 Entwurfszeichnungen umfasst, darunter 5500 aus der Hand Hoffmanns.

Feminine Facette

Wie Klimts Bilder unschwer verraten, war Stoffdesign ebenfalls eines seiner Themen. Und das hängt mit Modeschöpferin Emilie Flöge zusammen, die Klimts Muse und Lebensgefährtin war. Sie betrieb mit ihrer Schwester einen Haute-Couture-Salon, der von Josef Hoffmann im Jugendstil entworfen wurde. Klimt lieferte die Entwürfe für die «Reformkleider». Diese wurden ohne Korsett getragen, hingen lose und hatten weite Ärmel. Klimts textilen Mustern widmet sich das Museum für Volkskunde.

Gustav Klimt mit Katze
Gustav Klimt mit seiner Katze (© Wien Museum).

Nicht vergessen zu erwähnen sei Architekt Otto Wagner, der in Wien nachhaltig seine Spuren hinterlassen hat. Beispielsweise die Stadtbahn-Pavillons am Karlsplatz (in einem ist heute ein kleines Otto-Wagner-Museum eingerichtet). Eine besondere Augenweide ist auch die Kirche St. Leopold am Steinhof, eine für die damalige Zeit sehr moderne Kirche. Wagner wollte im Innern keine gemalten Bilder haben, daher sind prächtige Mosaike zu finden, ausgeführt von den Künstlern der Wiener Werkstätte.

Wien, Karlsplatz, Pavillon
Einer der Stadtbahn-Pavillons am Karlsplatz (© Österreich Werbung).

Fängt man an, sich mit Gustav Klimt zu beschäftigen, so landet man am Ende im Künstlerkreis, der um 1900 den Wiener Jugendstil begründete. Wer diesen und Klimt mag, für den ist Wien dieses Jahr ein MUSS, denn noch nie wurden auf einen Schlag so viele Klimt-Werke präsentiert.

Infos zu Wien und Klimt

ANREISE
Flüge und Züge verbinden täglich mehrmals Zürich mit Wien.

VOR ORT
Vieles ist gut zu Fuss erreichbar. Wer die öffentlichen Verkehrsmittel und reduzierte Museumseintritte nutzen möchte, dem sei die WienCard empfohlen (Euro 18.50 für 72 Std., erhältlich in der Tourist-Info).

BESTE REISEZEIT
Wien ist eine Ganzjahresdestination, wobei im Winter die schönsten Bälle stattfinden, und Ausstellungen das ganze Jahr über Saison haben.

ÜBERNACHTEN
Wie jede Grossstadt bietet auch Wien die unterschiedlichsten Möglichkeiten, von günstig bis kostspielig. Ich war eingeladen, im Hotel Bristol am Kärntner Ring 1 zu nächtigen: In diesem 5-Sterne-Haus, das 1892 eröffnete, gesellen sich wertvolle Antiquitäten des Fin de Siècle harmonisch zu zeitgemässer Technologie. Luxuriös, aber bodenständig. Ein passendes Hotel, wenn man auf Klimts Spuren wandelt.

Hotel Bristol Wien
Eingangsbereich des Hotel Bristol (© Bristol).

Das «Schwesterhotel» Imperial, Kärntner Ring 16, ein historisches Palais, bietet höchsten Service und ist pompöser als das Bristol. In beiden Augenweiden sollte man vorbeischauen, selbst wenn man woanders übernachtet.

Ausserdem kann ich das Hotel Altstadt Vienna empfehlen, über das sich einen separaten Beitrag geschrieben habe. Er ist zuunterst verlinkt.

MUSEEN MIT KLIMT-AFFINITÄT
Wien Museum, www.wienmuseum.at
Künstlerhaus, www.k-haus.at
Österreichisches Theatermuseum, www.theatermuseum.at
Österreichisches Museum für Volkskunde, www.volkskundemuseum.at
Oberes Belvedere, www.belvedere.at
Wiener Secession, www.secession.at

Klimt-Villa
www.klimt.at
Sie diente Klimt bis zu seinem Tod im Jahr 1918 als Atelier.

ESSEN & TRINKEN
Restaurant Huth
im Haus der Musik
Seilerstätte 30
www.zum-huth.at

Plachuttas Gasthaus zur Oper
Walfischgasse 5–7
www.plachutta.at

Augarten
im linken Flügel der Porzellanmanufaktur Augarten
Obere Augartenstr. 1
www.augarten.com

Villa Aurora
Wilhelminenstr. 237
Tel. +43 1 489 33 33

Loos American Bar
Kärntner Durchgang 10
www.loosbar.at

EINKAUFEN
Augarten Porzellan

Obere Augartenstrasse 1
www.augarten.com
Porzellan-Designs aus der Zeit um 1900

Porzellanmanufaktur Augarten, Wien
Handarbeit in der Porzellanmanufaktur Augarten.

Lobmeyr
Kärntnerstr. 26
www.lobmeyr.at
Lüster nach Vorlagen der Wiener Werkstatt

Babette’s – Spice & Books for Cooks
Am Hof 13
www.babettes.at

Gabarage – upcycling design
Schleifmühlgasse 6
www.gabarage.at

© Text & Fotos (wo nicht anders bezeichnet): Inge Jucker | TravelExperience.ch

Offenlegung: Diese Reise wurde unterstützt durch Österreich Werbung und Wien Tourismus.

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