Gustav Klimts Werk war seit Jahrzehnten nicht mehr öffentlich ausgestellt und in Österreich ist es gar 101 Jahre her. Die Dame hat an Attraktivität nicht eingebüsst und ist noch bis Februar 2022 im Wiener Belvedere Museum zu sehen.
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«Dame mit Fächer» von Gustav Klimt, als Leihgabe aus Privatbesitz im Oberen Belvedere zu sehen. – © Belvedere, Wien, Foto: Markus Guschelbauer

Als Klimt-Fan, der im Moment nicht nach Wien reisen darf, ist die Zoom-Pressekonferenz der Belvedere Kunstvermittlung immerhin ein schöner gedanklicher Ausflug ins Museum Oberes Belvedere. Dieses war bereits zum Jubiläum des 150. Geburtstags von Klimt der Dreh- und Angelpunkt in Wien. Den Ausflug ins ausgehende 19. Jahrhundert habe ich in der Reportage «Klimts Kuss und jede Menge Kunst» festgehalten.

Klimts letzte Werke

Belegt ist, dass sich das Bild – wie es heute ist – zum Zeitpunkt des Todes von Klimt, zusammen mit ca. zehn weiteren unvollendeten Werken, in seinem Atelier an der Feldmühlgasse 11 befand. Am 10. Januar 1918 hat er die Ateliertüre zum letzten Mal hinter sich geschlossen, denn am 11. Januar erlitt er einen Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung. Davon hat er sich nicht mehr erholt und ist schliesslich am 6. Februar 1918 an einer Lungenentzündung gestorben. Die unvollendeten Gemälde sind Teil der aktuellen Ausstellung «Klimts letzte Werke» am Belvedere.

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Gustav Klimts Arbeitsraum im Atelier an der Feldmühlgasse 11, Wien 13, mit den (unvollendeten) Gemälden «Die Braut» und «Dame mit Fächer». Das Foto wurde 1918 vom Fotografen Moriz Nähr aufgenommen. – © ONB/Wien Bildarchiv 94884-E, Foto: Moriz Nähr

Varianten und Einflüsse

Erste Skizzen dieses berühmten Bildes sind bereits 1917 entstanden. Sicher ist, dass es sich nicht um eine Auftragsarbeit handelt. Daher ist auch nicht bekannt, wer die abgebildete, selbstsicher blickende Dame tatsächlich war. Das Thema an sich bewegte den Künstler aber schon vor 1900. Er variierte immer wieder die Pose und den Hintergrund. 1909 schliesst er übrigens mit der «Goldenen Phase» ab.

Ostasiatische Kunst nimmt zunehmend Einfluss auf seine Werke. Er legte sich sogar eine Sammlung asiatischer Gewänder zu, auf die er sehr stolz war und die er Besuchern gerne zeigte. Die Farben der Gewänder dienten ihm als Vorlage, beispielsweise das kaiserliche Gelb im Hintergrund der Dame mit Fächer. Der interkulturelle Aspekt war Klimt stets wichtig. Er strebte danach, das Ideal von Schönheit und Harmonie darzustellen – erst recht während und nach dem Ersten Weltkrieg.

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Selbstsicher schaut Gustav Klimts «Dame mit Fächer», entstanden in den Jahren 1917–18. Die Leihgabe aus Privatbesitz ist im Belvedere zu sehen
© Belvedere, Wien, Foto: Markus Guschelbauer

Zitat des Kurators Markus Fellinger

«Es überrascht, dass ein Gemälde von so lichter Farbigkeit und knisternder Erotik von einem zurückgezogen lebenden Melancholiker gemalt wurde. Klimt betrieb die Malerei aber als Heilmittel gegen die Widrigkeiten des Lebens. Dass er mitten im Ersten Weltkrieg solche Bilder malte, wurde und wird häufig als dekadent empfunden. Klimt sah seine Aufgabe aber nicht in einer Kritik der Verhältnisse, sondern darin, der düsteren Wirklichkeit eine Vision der schönen Dinge des Lebens entgegenzusetzen: Farben, Harmonie, Liebe, Erotik.»

Ist das Werk vollendet?

Mit Recht stellt sich die Frage: Ist die «Dame mit Fächer» ein letztes oder doch ein unvollendetes Werk? Kurator Markus Fellinger weist darauf hin, dass die Haut am Oberarm auf einem schmalen Streifen nicht ganz fertig gemalt ist und auch der Hintergrund unfertige Stellen zeigt. Das lässt den Schluss zu, dass das Werk noch nicht ganz vollendet is  – aber trotzdem funktioniert. Deshalb auch der Tipp des Kurators: «Achten Sie in der Ausstellung auf Details, es lohnt sich.»

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Ansicht der «Dame mit Fächer» in der Ausstellung im Oberen Belvedere. – © Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Die Stationen der «Dame mit Fächer»

Nach Klimts Tod ging das Bild an den Industriellen Erwin Böhler, der es 1920 an der Kunstschau in Wien der Öffentlichkeit präsentierte. Danach wurde es an den Bruder Heinrich in der Schweiz weitergegeben, wo es bis in die 1960er-Jahre in Familienbesitz blieb. Dann war es zeitweise Teil der Rudolf Leopold-Sammlung in Wien, später in wechselndem Privatbesitz. 1981 wird eine befristete Ausfuhrgenehmigung beantragt, um das Bild in Tokyo ausstellen zu können. Danach taucht es erst 1992 in den USA wieder auf – ohne Ausfuhrgenehmigung. Diese ist jedoch nur für Österreich von Bedeutung.

An einer Versteigerung in New York gelangt das Werk schliesslich in die Hände des heutigen Besitzers. Sein Name unterliegt der Immunität, die in Ausstellungen für Werke von besonderer Wichtigkeit oft beantragt wird.

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Staatssekretärin Andrea Mayer (r), Generaldirektorin Stella Rollig (M) und Kurator Markus Fellinger vor Gutav Klimts «Dame mit Fächer» in der aktuellen Ausstellung.
© Sandro Zanzinger / Belvedere, Wien

Zu guter Letzt…

Zitat der Generaldirektorin Stella Rollig, Belvedere

«Letzte Werke eines Künstlers umgibt immer eine besondere Aura. So auch ‹Dame mit Fächer› und ‹Die Braut›. Die beiden mutmasslich letzten Gemälde, an die Klimt vor seinem Tod Hand angelegt hat, nach mehr als einem Jahrhundert wieder vereint zu sehen, macht diese Ausstellung zum Must-See des Frühjahres.»

Infos zur neuen Klimt-Ausstellung am Belvedere

Gustav Klimts Werk ist als Leihgabe in der zweiteiligen Ausstellung
«Dame mit Fächer
Klimts letzte Werke»

von 25. März 2021 bis 13. Februar 2022

zu sehen. Es sei denn, die Museen Österreichs würden Corona-bedingt erneut geschlossen. Eine Verlängerung der Ausstellung ist wegen des befristeten Immunitätsgesetzes keine Option. Man müsste in den digitalen Raum ausweichen, um das Bild der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wir drücken alle Daumen, dass die Ausstellung offen bleibt.

Belvedere Museum Wien
Prinz Eugen-Strasse 27
A-1030 Wien
www.belvedere.at  

Klimt-Villa
Feldmühlgasse 11
A-1130 Wien
www.klimtvilla.at 
Es können geführte Besichtigungen gebucht werden.

Weitere Informationen zu Wien:
www.wien.info  

#DamemitFächer

© Text: Inge Jucker, Fotos: gemäss Angaben im Bild | TravelExperience.ch | 2021

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