Nach der Altstadt sind der «grüne Fluss», die architektonisch fast schon utopische Stadt der Künste und Wissenschaften, Tiere und das Meer dran.
Valencia, Stadt der Künste und Wissenschaften, Hemisferic
Im L’Hemisfèric – von Architekt Santiago Calatrava entworfen – befindet sich ein 3D-IMAX-Kino.

Der Stadtplan zeigt ihn deutlich und beim Anflug über Valencia sieht man ihn auch. Die Rede ist vom langgestreckten Park, der sich wie ein grüner Fluss durch die Stadt zieht. Wo heute der Parque Jardin del Turia mit üppigen Pflanzen für eine grüne Lunge sorgt, strömte einst tatsächlich der Fluss Turia dem Meer entgegen. Allerdings verursachte er immer wieder Überschwemmungen, und nach der schlimmsten Katastrophe 1957 entschloss man sich, den Fluss südlich an Valencia vorbeizuleiten.

Pflanzen und „UFOs“ im Fluss ohne Wasser

In den 1970er-Jahren wurden die Umleitungsarbeiten abgeschlossen und das alte Flussbett trockengelegt. Glücklicherweise fehlte das Geld und protestierte die Bevölkerung gegen den Bau einer Stadtautobahn im Flussbett. Und so kann man sich heute im wohl längsten Park der Welt vom Rummel erholen, Sport treiben oder nur zusehen. Aber rundherum und vor allem in der Altstadt steht man im Verkehrsgewühl, das zeitweise von kakophonischer Huperei untermalt wird. Ein wahres Schauspiel!

Valencia, Stadt der Künste und Wissenschaften, Umbracle
Das schattenspendende «Gewächshaus» Umbracle stellt den Eingang zur Stadt der Künste und Wissenschaften.

Die Stadt wurzelt im Mittelalter und es gibt auch noch Zeugen aus dieser Zeit (s. sep. Beitrag unter Info), aber hier sind auch die «verrücktesten», modernsten Bauwerke zu finden, welche vom Valencianer Santiago Calatrava und von Félix Candela stammen. Insbesondere Calatrava ist den Schweizern ein Begriff, denn seit seinem Studium ist Zürich der Lebensmittelpunkt des Architekten. Seine schwungvollen, verspielten Werke sind jedoch auf der ganzen Welt verteilt. Angefangen beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich und weiteren Grossbauten in der Schweiz, über das Hochhaus «Turning Torso» in Malmö bis hin zum L’Hemisfèric in Valencia. Es wurde 1998 als erstes Gebäude der Stadt der Künste und Wissenschaften im ehemaligen Flussbett des Turia eröffnet. Je nach Blickwinkel sieht das Gebäude wie ein menschliches Auge aus – das Auge der Weisheit. Um dem optischen Sinnbild zu entsprechen, beherbergt das 100 Meter lange Gebäude ein 3D-Imax-Kino. Hier werden stets fünf bis sechs Filme von einer Stunde Dauer vorgeführt.

Valencia, Stadt der Künste und Wissenschaften, Agora
Die Agora, eine riesige Eventlocation, erinnert an einen auftauchenden Wal. Er stellt das Bindeglied zum Oceanografic dar.

Architekturstätte und Unterwasserwelt

Im Palau de les Arts Reina Sofía von Calatrava dreht sich alles um (Opern)Kunst. Das grösste Opernhaus Europas ist derzeit jedoch wegen Renovation geschlossen. Ebenfalls von Calatrava stammt das Naturwissenschaftliche Museum Príncipe Felipe. In der langen Konstruktion aus sich wiederholenden Bauteilen werden Themen wie Elektrizität, physikalische Gesetze und der menschliche Körper spielerisch und interaktiv dargestellt. Eine Hauptregel für die Museumsbesucher: Anfassen, anfassen, anfassen! Man muss sich aber schon etwas für Naturwissenschaft interessieren…

Wer es lieber unterhaltsam angeht oder mit Kindern hier ist, der fühlt sich im Oceanogràfic bestimmt wohler.

Valencia, Oceanografic
Der architektonisch beeindruckende Eingang zum Oceanografic mit seinen Aquarien und Biotopen.

Der grösste Meerespark Europas ist ein Werk des Betonschalen-Pioniers Félix Candela. Unter den wasserlilien-förmigen Gebäuden tummeln sich Ozeanbewohner aus verschiedenen Gebieten, Fische der freien Ozeane und Riffbewohner, Haie, Makrelenschwärme sowie Arktis-, Antarktis- und Küstenbewohner.

Valencia, Oceanografic, Unterwasser, Tunnel
In Glastunnels können sich die Zweibeiner durch die Aquarien bewegen.

Hier staunen grosse wie kleine Gäste und drücken sich die Nasen an den Aquariumscheiben platt.

Valencia, Oceanografic, Aquarium
Die Aquarien sind so gross, dass sich ganze Fischschwärme bilden können.

Per Bus ins Vogelparadies

Wer von der Natur noch mehr sehen will, kann beim Hemisphèric den Albufera Touristen-Bus auf der «Ruta Verde» besteigen. Er fährt in den Naturpark Albufera, der aus einem verlandeten See besteht, der vor Jahrhunderten durch Dünen vom Meer getrennt wurde. Der See, eines der wichtigsten Feuchtbiotope Spaniens, ist nur noch maximal zwei Meter tief, die durchschnittliche Tiefe wird mit 75 Zentimetern angegeben. Wenn man zur richtigen Zeit dort ist, kann man hunderte von Vögeln beobachten, die hier einen Zwischenhalt einlegen. Reiher und Enten sieht man das ganze Jahr über.

Valencia, Oceanografic, Loeffelreihier
Tiere, die am Wasser leben, werden ebenfalls gezeigt. Hier ein Löffelreiher.

Im Busticket ist übrigens eine Bootsfahrt inbegriffen, und wer mag, kann auch gleich noch einen Restaurantbesuch hinzubuchen. Für 30 Euro geht’s dann vom Stadtzentrum via Stadt der Künste und Wissenschaften (wo man zusteigen kann) nach El Palmar in den Naturpark, auf Bootstour, ins Restaurant zum Essen (Salat oder frittierte Tintenfischringe zur Vorspeise, schmackhafte Paella und Dessert) und zurück in die Stadt. Ohne Essen dauert der Ausflug zwei Stunden für 17 Euro. Zugegeben, das ist ein sehr touristisches Angebot und vor allem für jene geeignet, die nicht so viel Zeit mitbringen und doch viel sehen möchten.

Valencia, El Palmar, La Sequiota, Paella
Wer den Ausflug nach El Palmar unternimmt, hat im Restaurant La Sequiota Gelegenheit, zu einer richtig guten Paella zu kommen.

Playa las Arenas – Strand soweit das Auge reicht

Wer richtig ans Meer fahren will, nimmt die Metro 5 und steigt an der Endstation auf die Bahn Nr. 8 um. So gelangt man innert kürzester Zeit zum Hafen, in dem 2007 die Schweizer Yacht Alinghi startete und erfolgreich ihren Siegertitel von 2003 im America’s Cup verteidigte. Hier ist auch die über einen Kilometer lange Playa Las Arenas, an der sich Restaurant an Restaurant reiht. Sich abends von der Meeresluft durchlüften zu lassen und tafeln zu gehen, kann durchaus ein schöner Abschluss des Tages sein. Aber Achtung, Bahn bzw. Metro verkehren ab 21:55 Uhr nur noch bis Maritim-Serreria und ab dort geht’s nur bis 22:45 Uhr Richtung Stadt! Man kann den Weg vom Meer bis Maritim-Serreria gut zu Fuss gehen. Wer später unterwegs ist, muss sich eine Busroute suchen oder das Taxi nehmen.

Valencia, Playa las Arenas
Dem Stadtrummel kann man per Metro und Bahn entkommen, um sich an der Playa Las Arenas durchlüften zu lassen. Abendessen kann man hier auch – an der Promenade reiht sich ein Restaurant ans andere.

Die Stadt der Gegensätze… Ausgehen erst gegen Mitternacht, aber der ÖV stellt den Betrieb streckenweise schon früher ein. Dafür geht morgens das Leben frühestens um neun Uhr los. Der Mercado Central öffnet jedoch bereits um acht Uhr. Diesen Tagesrhythmus übernimmt man ganz automatisch. Zum typischen Stadtleben gesellt sich das Meer, das aber acht Kilometer entfernt nur fast vor der Haustüre liegt. Mittelalterliche Bauten und futuristische Baukunst haben ihren Platz. Ein Flussbett ohne Wasser, aber mit Sportanlagen und Gärten «gefüllt». Ich bin sicher, Sie finden noch mehr Gegensätzliches und werden es schön und angenehm finden…

Ein tierisches Highligh, den Bioparc, beschreibe ich in einem separaten Beitrag inkl. Kurzfilm. Der Zoo ist ein Stück Afrika in Spanien – ein gut gemachtes Stück Afrika…

Infos zu Valencia

ANREISE
Täglich direkte Linienflüge mit SWISS von Zürich nach Valencia.

MOBIL VOR ORT
Mit der Valencia Tourist Card ist man gut unterwegs. Sie ist wahlweise während 24, 48 oder 72 Stunden (Preise: 15, 20 und 25 Euro) für alle Linienbusse und die Metro gültig. Für Online-Buchungen gibt es Rabatt, zudem bekommt man vielerorts vergünstigte Eintritte.
Auch mit dem Hop-on/hop-off-Bus gibt es mehrere Routen, auf denen man sich 24 Stunden lang bewegen kann. Die Preise variieren je nach Anbieter und Tour zwischen 16 und 30 Euro.
Valencia Tourist Card, Bus-Tickets und Infos gibt’s in der Tourist-Info an der Plaza de la Reina. Die Tourist Card ist auch in vielen Hotels erhältlich.

BESTE REISEZEIT
Valencia ist eine Ganzjahresdestination, aber am schönsten ist es natürlich von April bis Oktober. Man hat hier 300 Sonnentage und nur selten Regen.

UNTERKUNFT
Hotel Casual Valencia del Cine
Convento San Francisco 7, E-46002 Valencia
Tel. +34 96 351 74 60
www.casualhoteles.com
Einfaches, sauberes und angenehmes Hotel an sehr guter Lage zwischen Rathaus und Bahnhof. Siehe separaten Beitrag.

RESTAURANTS
Sagardi
Calle San Vicente Mártir 6, Valencia
Tel. +34 96 391 06 68
www.sagardi.com
Hier gibt’s die besten Pintxos der Stadt! In jedem Pintxo (1.95 Euro) steckt ein Holzstick (Pintxo). Abgerechnet wird nach Anzahl Sticks der konsumierten Pintxos. Achtung, dass nachher noch Platz fürs Abendessen bleibt. Der Hauswein ist übrigens sehr gut.

El Clot
Plaza Redonda 1, Valencia
Tel. +34 69 271 39 21
In diesem Lokal haben wir Tapas gefuttert, die alle sehr lecker waren. Bei einzelnen war die Portion recht gross. Ich empfehle, unbedingt die Crema Valenciana zu bestellen – die ist ein traumhaftes Dessert!

La Marcelina
Avd. Neptuno 8, an der Playa Las Arenas
Endstation der Bahn 8: Marina de la Reina
Tel. +34 96 372 33 16
www.lamarcelina.com
Mit Meeresluft um die Nase haben wir für 20 Euro ein Meeresfrüchte-Tapas-Menü bestellt, das sehr gut geschmeckt hat. Aufs Dessert habe ich zum Schluss dann aber doch verzichtet. Der Hauswein hat nicht enttäuscht.

La Sequiota
Calle Vicente Baldovi 9, El Palmar
Tel. +34 96 162 03 16
www.lasequiota.com
Nach der Bootsrundfahrt auf dem See im Albufera-Naturpark haben die Calamares und die Paella mit Meeresfrüchten so richtig gut getan. Dazu gab es weissen Hauswein, der sehr gut geschmeckt hat.

Eine Empfehlung, die wir nicht selber getestet haben, uns aber ans Herz gelegt wurde:
Restaurant Riff
Calle Conde de Altea 18, Valencia
Tel. +34 96 333 53 53 und + 34 671 87 59 75
www.restaurante-riff.com
Der deutsche Michelin-Sterne-Koch Bernd H. Knöller tischt hier auf. Reservieren ist ratsam.

ADRESSEN
Bioparc Valencia
Avd. Pío Baroja 3, Valencia
Tel. +34 902 250 340
www.bioparcvalenia.es

Stadt der Künste und der Wissenschaften und Oceanografic
Avd. Autopista del Saler, nº 5, Valencia
Tel. +34 902 100 031
www.cac.es

MEHR INFOS
VLC Valencia Tourism
Tourist Info
Plaza de la Reine 19, Valencia
Tel. +34 96 315 39 31
www.visitvalencia.com

Spanisches Fremdenverkehrsamt
Seefeldstrasse 19, 8008 Zürich
Tel. +41 44 253 60 50
www.spain.info/de/

Noch mehr Spanien-Tipps gibt’s natürlich hier im Blog und in der Blog-Parade von Planetenreiter.de

© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz & Inge Jucker | Travel-Experience.ch

Offenlegung: Unser Dank geht an Visit Valencia und an das Spanische Verkehrsbüro, Zürich.

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