So ein Tauchgang ist pure Faszination – mit Suchtfaktor 10. Mindestens! Vom Absinken in eine andere Welt. Hilfreich: ein kleines Glossar für Anfänger.
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Blütenträume unter Wasser: Kelchkorallen.

Auf dem Dhoni herrscht allgemeine Vorfreude auf den Tauchgang, die sich ganz unterschiedlich äussert: die einen schauen meditativ gedankenverloren aufs vorbeirauschende Wasser hinaus, andere fachsimpeln mit dem Tauchguide und wieder andere nehmen ein Sonnenbad auf dem Deck.

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Typische Haltung eines Dhonifahrers.

Wir nähern uns dem Riff, es wird also Zeit, die Tauchanzüge anzuziehen – was bei den meisten Frauen für gleichzeitiges Gestöhne und Gelächter sorgt: Knackpunkt sind die Hüften, selbst wenn sie nicht Rubens-Ausmasse haben, die Frau in den Neopren-Anzug zu stecken hat…

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Geschafft! Die Hüften sind im Anzug drin ;-) Bald geht der Tauchgang los!

Ist der Quetschakt vollbracht, sind die Flossen übergestülpt, geht es zur leichteren – wenngleich schwergewichtigeren – Übung: das Jacket samt festgezurrter Pressluftflasche anzuziehen. Nach dem Buddy-Check geht die Watschelei Richtung Ausstieg los. Maske auf, Mundstück des Atemreglers rein – und Sprung!

Wie eine Boje!

Vor lauter Aufregung habe ich auf dem Boot wieder einmal zu hektisch geatmet: meine Lungen enthalten zu viel Luft, weshalb ich wie eine Boje an der Wasserlinie hänge. Also: Ruhe bewahren – ausatmen, ausatmen, ausatmen und nur kurz und flach einatmen… Langsam sinke ich, tauche ein in die Unterwasserwelt, Meter für Meter. Das ist für mich immer der schönste Moment! Ich verlasse die gewohnte Umgebung und tauche in eine Welt ab, in der ich ganz für mich bin, in der ich verstärkt spüre, dass jeder Mensch ein in sich abgeschlossenes Individuum, ein kleines Universum für sich ist. Nur mit Handzeichen ist die notwendigste Kommunikation mit dem Tauchpartner möglich, alles andere sind ureigene Wahrnehmungen.

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Ein griesgrämig aussehender Husar nähert sich neugierig.

Die Gedanken plappern noch eine Weile, doch spätestens, wenn man am Riff angelangt ist, wird das Denken durch Staunen ersetzt. Korallen, Seesterne und Fische, Farben, Formen und Geräusche – kein noch so gut gemachter Film kann diese Erlebnisse vermitteln – man muss sie einfach selber erlebt haben! Und auch auf dem x-ten Tauchgang bieten ein Riff oder eine Grotte immer wieder neue Schauspiele.

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Ein knotiger Seestern in utopisch anmutender Umgebung.
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Eine geschlossene Anemone, bewacht von ihren zwei Clownfischen. Die Aussenseite der Anemone fühlt sich übrigens seidig weich an.

Taucher unter sich…

Wer denkt, Tauchen sei etwas für Asoziale und Einzelgänger, der irrt sich gewaltig. Gut, Ausnahmen bestätigen die Regeln. Aber nach dem Tauchgang werden meistens gemeinsam die Namen der gesichteten Meeresbewohner gesucht und ins Logbuch eingetragen, wird das Erlebte ausgetauscht – stundenlang, Abende lang. Die Taucher lernen sich auf den Bootsfahrten rasch kennen und bilden schon nach kurzer Zeit eine Art Familie. Man hilft sich gegenseitig, gibt Erfahrungen und Tipps weiter, man plaudert und geniesst schliesslich zusammen die schönsten Sonnenuntergänge. Kein Wunder also, dass Tauchen süchtig macht!

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Tauchen beim Hembadhoo-Wrak: Es ist gut besiedelt und es wimmelt von Fischen.

Taucher-Glossar

Dhoni: in maledivischen Gewässern übliche Boote. Damit werden die Taucher zum Riff gebracht und dort, wo sie gerade auftauchen auch wieder eingesammelt. Das ist übrigens einer der ganz grossen Vorteile beim Tauchen auf den Malediven!

Neopren: Kunststoff, der kleinste Luftblasen enthält und der Kälteisolation dient. Es gibt ihn in unterschiedlicher Dicke. Für das bis zu 28 Grad warme Wasser der Malediven reicht ein 3-mm-Shorty, will heissen: ein kurzärmliger und kurzbeinliger (gibt’s dieses Wort überhaupt??) Anzug aus drei Millimeter dickem Neopren. Mittlerweile gibt es auch Neopren, der «flutscht», eine glatte Innenseite hat, dank der Frau viiiel einfacher in den Anzug reinkommt.

Jacket: Die Weste mit Luftkammern, welche an die Druckluftflasche angeschlossen sind, ermöglicht die neutrale Tarierung, also den Schwebezustand im Wasser. Die Tarierwest wird auch BCD genannt, Buoyancy Control Device.

Atemregler: Auch Lungenautomat genannt. Er ermöglicht das Atmen eines unter Druck stehenden Atemgases, nämlich des Luftgemischs aus der Druckflasche. Der Druck von 200 bis 300 Bar in der Gasflasche wird reduziert auf den in der Umgebung herrschenden Druck.

Tauchcomputer: Er ist auf den Maldediven Vorschrift, weshalb alle Tauchschulen Tauchcomputer zur Verfügung stellen. Er misst stetig die Tauchtiefe sowie die Tauchzeit und errechnet ein Tauchprofil. Grundsätzlich hilft das uhrähnliche Gerät, Tauchunfälle zu verhindern.

Buddy: Tauchpartner

Logbuch: Büchlein oder Buch, in dem jeder Tauchgang mit all seinen Details eingetragen wird. Im Zeitalter von Computern kann man auch den Tauchcomputer an den Computer anschliessen und die Tauchdaten auslesen. Das ist dann ein digitales Logbuch.

Na? Auf den Geschmack gekommen? Dann haben Claudia und Dominik von Weltreize reizvolle Tauchspots auf Lager. Unsere Empfehlung: Reinschauen!

© Text und Fotos: Inge Jucker, TravelExperience.ch | 2013 (Erstveröffentlichung)

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