Weil im Romantikhotel Alpina in Tschiertschen Slow Food ein grosses Thema ist, sind wir gleich nochmals hingefahren. Zusammen mit Wein und Wellness haben wir die besten Zutaten für ein traumhaftes Wochenende gefunden!
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Hoch überm Dorf Tschiertschen thront das helle Gebäude des Alpina Mountain Resort.

«Wohin fahrt ihr?! Tschir-was?!» Dies war verbreitet die Reaktion, als wir erstmals erzählten, dass wir ein paar Tage in Tschiertschen verbringen würden. Nein, es liegt nicht in Tschetschenien und auch nicht in Kirgistan, sondern in der Schweiz. In Graubünden, in der Talschaft Schanfigg, um genau zu sein: links der Plessur, des Flusses, der in der Nähe von Arosa entspringt und via Chur in den Alpenrhein mündet.

Tschiertschen im bündnerischen Schanfigg

Südöstlich von Chur beginnt die Strasse, sich mit Kurven und Spitzkehren ins Tal hinein- und hinaufzuwinden. Wir kommen in Passugg vorbei, wo das bekannte Mineralwasser abgefüllt wird und das Schulhotel der Swiss School of Tourism and Hosipitality ob der Strasse thront. Auch in Praders kleben die Häuser förmlich am Hang, und wir fragen uns langsam, ob man hier oben überhaupt genügend platten Boden findet, um ein Hotel mit 27 Zimmern und Suiten, mit drei Restaurants und einem Spa drauf zu platzieren.

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Das kleine Bergdorf Tschiertschen schmiegt sich an den Hang des Schanfigg.

In Tschiertschen – so stellen wir fest – musste man sogar für den kleinen Friedhof um die Kirche herum das Land mit einer Mauer stützen. Hier liegen übrigens Komponist und Schwyzerörgelispieler Peter Zinsli und sein Sohn begraben. Der Platz vor der Kirche und dem Alpenhirt scheint uns die grösste flache Stelle des urchigen, gemütlichen Ortes zu sein. Doch wir haben das Ziel noch nicht erreicht!

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Im Zentrum von Tschiertschen steht die Kirche mit dem kleinen Friedhof, auf dem das Grab des Schwyzerörgelispielers Peter Zinsli zu finden ist.
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Viele Wegweiser in der Wanderregion rund um Tschiertschen.

Wir folgen den Wegweisern «The Alpina Resort» auf der gerade mal autobreiten Strasse durchs Dorf weiter bergwärts. Die steilen Spitzkehren dürften ungeübten Autofahrern etwas Anstrengung abverlangen… Noch eine Kurve – und das beinahe höchstgelegene Haus von Tschiertschen schiebt sich ins Blickfeld, bzw. sein runder Anbau im Untergeschoss. Hier befindet sich die Rezeption, vor der sich die Vorfahrt ausbreitet. Darüber sehen wir zunächst eine Glasveranda und das grau-weisse Haus mit den Holzbalkonen im alpinen Stil. Wir sind neugierig auf das im Dezember 2015 wieder eröffnete Alpina Mountain Resort & Spa.

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In der letzten Kehre zeigt sich der Blick auf das Alpina Mountain Resort & Spa.

Historisches gut ins Heute gerettet

Nach dem herzlichen Empfang von Gastgeber Michael Gehring und seiner Gattin Marlies steuern wir unsere Suite im dritten und obersten Stock an. Für den Architekten muss das Dachgeschoss mit seinen alten Balken eine Herausforderung gewesen sein… Das Doppelbett passt mit wenig seitlichem Spielraum gerade so zwischen Hauswand und Gebälk. Eine kleine Sitzgruppe und ein Doppelbettsofa sowie ein moderner Holzkubus, der Schrank, Dusche, WC und Lavabo enthält machen den Rest der Einrichtung aus. Dass man so weit oben vom Balkon aus eine tolle Aussicht hat, versteht sich von selbst. Wir schauen auf Tschiertschen und die kleine Kirche hinab, rechts geht der Blick zum Weisshorn hinauf, geradeaus ins Schanfigg hinein.

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Sehr gemütlich ist unsere Suite unter dem Dach des Alpina Mountain Resort & Spa.

In der Hotelbroschüre schreibt alt Bundesrat Joseph Deiss lobend über den aus Malaysia stammenden Investor Teo Ah Khing. Ihm ist es zu verdanken, dass das Alpina innert 20 Monaten zu neuem Leben erweckt und im Dezember 2015 wieder eröffnet worden ist. Man sagt von ihm, er sei ein einfacher Mann mit grossen Visionen. Das mit dem einfachen Mann, mögen wir nicht so recht glauben, denn er ist Architekt und ein Selfmade-Milliardär, der mit Vorliebe in Pferderennen investiert. Daher rührt der diskrete, aber immer wieder im Haus anzutreffende Hinweis auf den China Horse Club. Doch das ist eine andere Geschichte.

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Den Glanz der 20er-Jahre entdecken wir im Gourmet-Restaurant «Belle Epoque» des Alpina.

Alpines Wine & Dine

Das ursprüngliche Haus geht auf das Jahr 1897 zurück und wurde teilweise getreu des damaligen Jungendstils, aber auch modern und zeitgemäss renoviert sowie unter Minergie-Standard ausgebaut. Den Stil der goldenen 20er-Jahre, treffen wir im grossen Essraum des Gourmet-Restaurants Belle Epoque an, riesige Spiegel, glänzende Kronleuchter, Stuckdecke und – bodenständiges Wandgetäfer, wie es sich für ein altes, alpines Gebäude gehört. Vieles dieser Einrichtung ist noch original.

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Absacker vor dem prasselnden Kaminfeuer – so kann ein Tag im Alpina wunderbar zu Ende gehen…

Auch in der (gut bestücken) Bar mit dem behaglichen Kaminfeuer werden wir an vergangene Zeiten erinnert. Im Panoramarestaurant in der verglasten Veranda haben wir eher das Gefühl, in einem modernen Anbau zu speisen. Doch den gab es schon um das Jahr 1920 herum. Er diente damals als Vestibül. Wir geniessen hier das reichhaltige Frühstück – das Müesli ist sensationell! –, aber auch Mittag- und Abendessen.

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Tafeln mit Aussicht ins Schanfigg im Panorama-Restaurant des Alpina.

Neueren Datums ist der kleine Weinkeller im Sousol. In diesem gemütlichen Raum geniessen wir bei unserem ersten Besuch eine aussergewöhnliche Blindverkostung: Wein und Schokolade. Damals hat uns Sommelier Richard Hofner auf die Sprünge geholfen und mit Wein aus schwarzen Gläsern überrascht – heute würde dies Weinberater und Serviceleiter Bekim Labjani übernehmen. Wir hatten eine tolle Weinverkostung, die wir sofort wieder mitmachen würden!

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Der kleine Weinkeller des Hotels ist gut bestückt – man lasse sich überraschen…

SlowFood für alle Sinne

Neu ist Slow-Food-Ambassador Lukas Pfaff Küchenchef, und seine pfiffigen Gourmetkreationen überzeugen genauso wie jene seines Vorgängers. Für zwei spezielle Kulinarikwochen hat Pfaff diesen Sommer zusammen mit dem «AlpenHirt» Adrian Hirt (s. Link weiter unten) einige Spezialgerichte ausgetüftelt, von denen wir hoffen, dass zumindest das Bündnerfleisch-Carpaccio mit Hanföl den Weg in die reguläre Speisekarte findet.

Pfaffs Köstlichkeiten kann man sich bei einem «Jazz & Dine» oder «Vollmond-Dinner» angedeihen lassen. Alpine Dining heisst eigentlich die Devise, doch montags ist jeweils Thai angesagt (um 19 Uhr startet der Roundtable), mittwochs darf man sich die Weindegustation um 17 Uhr nicht entgehen lassen und jeden Donnerstag gibt’s neuerdings den Tatar-Abend. Also ganz ehrlich: Eine so abwechslungsreiche und mit Finesse angereicherte Küche hätten wir an diesem «Ende der Welt» nicht erwartet! Das Gourmetrestaurant Tropaios Lounge ist für 2020 sogar mit 14 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet worden.

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Nur ein kleines Beispiel der vielen Köstlichkeiten aus der Küche: Gnocchi mit Spinat und Baumnüssen an einer feinen Käsesauce.

Klein, aber fein – der Shan-SPA

Im Wellness-Bereich steht uns noch mehr Entspannendes zur Verfügung: ein Dampfbad, eine finnische, eine Bio- und eine Infrarot-Sauna, Kneippbecken sowie im Freien ein Whirlpool mit Sprudelliegen. Was wir noch nie zuvor erlebt haben, ist der Via-Mala-Gewitterpfad: Eine Erlebnisdusche von ganz schön neblig und kühl bis wohlig warm – begleitet von Vogelgezwitscher, aber auch Blitz und Donnergrollen. Witzig gemacht!

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Nach sportlichen Aktivitäten oder auch einfach so: Ab in die Wellness zum Kneippen…
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… oder in die Freiluft-Sprudelliege!

So ein Tag im Alpina ist also sehr abwechslungsreich, dabei waren wir nicht einmal mountain-biken oder wandern. Skifahren lag Mangels Schnee auch nicht drin. Dennoch sind wir zufrieden ins bequeme Bett gesunken, begleitet vom feinen Duft des Arvenholzes, das für einen guten Schlaf sorgen soll. Und am nächsten Morgen dürfen wir – noch im Pyjama – einen feinen Nespresso-Kaffee zum Wachwerden geniessen… Herrlich!

FAZIT: Wir kehren immer gerne wieder ins 4-Sterne-Romantik-Hotel Alpina Mountain Resort & Spa zurück, denn wir fühlen uns hier einfach wohl. Den Gastgebern und den Mitarbeitenden winden wir hier gerne ein Kränzchen – es hat alles gestimmt!

Unser zweiter Besuch hat der neuen Zusammenarbeit vom Alpina mit dem «AlpenHirt» gegolten, dessen bekanntes «Lädali» im April 2019 Opfer eines Brandes geworden ist. Eine tragische Geschichte, die beinahe dafür gesorgt hätte, dass Tschiertschen «seiner Einkaufsmeile» verlustig gegangen wäre, wie sich Hoteldirektor Michael Gehring augenzwinkernd ausdrückt.

Mehr über den «AlpenHirt» und seine ursprünglichen Produkte gibt’s hier zu lesen.

Infos zum Alpina Mountain Resort & Spa

Romantik Hotel The Alpina Mountain Resort & Spa
CH-7064 Tschiertschen
Telefon: +41 (0)81 868 80 88
Webadresse:
www.the-alpina.com

Das Hotel macht jeweils in den Zwischensaisons Betriebsferien. Es ist deshalb voraussichtlich zu folgenden Terminen geschlossen: 31.10.–10.12.2019, 31.3.–10.5.2020 und 31.10.–10.12.2020.

© Text: Inge Jucker, Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch

Offenlegung: Wir waren 1×2 Nächte und 1×1 Nacht mit Vollpension, Weindegustation und Massagen vom Alpina Mountain Resort & Spa eingeladen. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle!

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