Wenn Hans Peter Danuser in die Tasten greift, entsteht Lesevergnügen. 30 Jahre Kurdirektor in St. Moritz, 30 Geschichten – zum Staunen und Schmunzeln.
Hans Peter Danuser, St. Moritz einfach
Hans Peter Danuser und sein neues Buch «St. Moritz einfach».

Nehmen Sie dieses Buch nur in die Finger, wenn Sie anschliessend ein paar Stunden nichts Wichtigeres zu tun haben, als zu lesen. Denn der ehemalige Kurdirektor von St. Moritz – man nannte ihn auch «Mister St. Moritz» – versteht es vorzüglich, seine Leser sofort «hineinzuziehen». Gut, 30 Jahre Markenpflege auf Top-Niveau, Reisen um die ganze Welt und steter Gästekontakt hinterlassen auch viele Geschichten. Amüsiert habe ich mich darüber, dass er im Mai 1978, noch gar nicht richtig im Amt, bereits auf Dienstreise nach Asien gehen musste/durfte, um St. Moritz als Sommerdestination zu verkaufen. Das war in Japan aber überhaupt kein Verkaufsargument, denn die Japaner wollten ausschliesslich das Winterwonderland sehen.

St. Moritz, Kurdirektoren, Danuser, Amstutz, Kasper
Die drei Kurdirektoren von St. Moritz von 1929 bis 2008: (v.l.) Dr. Hans Peter Danuser, Dr. Walter Amstutz und Peter Kasper. © Privates Bildarchiv Hans Peter Danuser von Platen

Ausgerechnet Heidiland…

Danuser suchte fieberhaft nach einer Möglichkeit, die Situation zu retten. Da kam ihm Heidi in den Sinn, das dank einer TV-Serie auch in Japan sehr populär war. Und in St. Moritz hatte man eben eine 26-teilige Heidi-Serie abgedreht. Also waren «Home of Heidi» und «Heidi-Country» – Heidiland! – geboren.

St. Moritz, Heidiland
Das Heidiland-Plakat, das für St. Moritz wirbt. © Dokumentationsbibliothek St. Moritz

Was in Asien gut ankam, löste in der Schweiz, insbesondere in Maienfeld und im Churer Rheintal, wo die Heidi-Geschichte hingehört, nur Kopfschütteln aus. Der eine oder andere rote Kopf mag auch darunter gewesen sein… Aber: Für St. Moritz hat es funktioniert. Seither kommen Asiaten auch im Sommer in den Ort, der heute mit «Top of the World» wirbt.

Hans Peter Danuser, Alphorn
Hans Peter Danuser als Alphorn spielender Kurdirektor. Von 1982 bis 2008 war er nie ohne Alphorn unterwegs. © Privates Bildarchiv Hans Peter Danuser von Platen

Gute Marketingideen hatte Hans Peter Danuser des öfteren. So war er beim Relaunch des «Glacier Express» und des «Bernina Express» eine der treibenden Kräfte, und Polo auf dem gefrorenen See geht ebenfalls auf ihn zurück. Danuser steckte viel Herzblut in seine Tätigkeit als Kurdirektor, erntete manchmal aber auch Unverständnis – doch es war ein alleweil spannendes Leben als «Mister St. Moritz».

Dieses sowie das Leben davor und danach stehen in Danusers Buch «St. Moritz einfach» im Mittelpunkt. Es ist rechtzeitig zum 150-Jahre-Jubiläum des alpinen Wintertourismus erschienen, der selbstredend in St. Moritz seinen Anfang nahm. Es war Hotel-Pionier Johannes Badrutt, der mit vier britischen Sommergästen eine Wette abschloss: Sie sollten im Winter kommen und falls es ihnen nicht gefalle, zahle er ihre Reisekosten ab London und zurück. Falls ihnen St. Moritz im Winter jedoch zusage, lade er sie als seine Gäste ein, so lange zu bleiben, wie sie wollten… Und sie blieben natürlich – aber das ist eine andere Geschichte.

Buch mit Internet

Eine Besonderheit an Danusers Buch sind die QR-Codes, die im Text verteilt sind und zu weiteren Details im Internet führen. Ich meine, diese Verbindung so noch nirgends gesehen zu haben. Aber mit Sicherheit kann ich sagen, dass sich die 224 Seiten «St. Moritz einfach» flüssig und angenehm lesen. Und ist man am Ende der einen Geschichte angelangt, will man unbedingt auch die nächste kennenlernen… Das ist die beste Motivation!

Alphornbläser, Vereina
222 Alphornbläser begleiten 1999 die Eröffnung des Vereina-Tunnels musikalisch. Zur Weltausstellung 2015 in Mailand lässt Danuser 420 Alphornbläser auf dem Domplatz aufspielen. Motto: Alphörner statt Hellebarden.

Buchinfos

Titel: St. Moritz einfach
Autor: Hans Peter Danuser
Verlag: Somedia Buchverlag
ISBN: 978-3-906064-30-7
Preis: ca. CHF 29.–

© Text: Inge Juckeer | TravelExperience.ch

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