Der Duft der Provence ist das eine – das andere ist die Provence, die man sich einverleibt. Und jene, die in Bildern hängen bleibt... Unsere Genussreise nach Saint Rémy de Provence.
Provence, Saint Rémy
Mitten in Saint Rémy de Provence eine kleine, feine Idylle…

Eine Katze, die auf einer Steinbank sitzend das Geschehen verfolgt, plätschernde Brunnen in alten Gassen, genauso alte, charmante Häuser – die einen könnten eine Auffrischung brauchen… So zeigt sich Saint Rémy de Provence den Flaneuren. Wer es dann genauer nimmt, entdeckt einen Seifenladen, ein Geschäft, das rustikales Dekor anbietet, ein Haus mit lauter Teddybären auf den Fenstersimsen und das Schild, das auf das Geburtshaus von Nostradamus hinweist…

Zum Abheben: Nougat und mehr

Irgendwann landen wir im Le Petit Duc bei Hermann Van Beeck, der in seiner Backstube alte Rezepte zu neuem Leben erweckt. Es sind einfache, authentische Leckereien, denen nur wenig Zucker zugefügt wird. Viel eher kommt Honig zum Einsatz. Jedenfalls schmecken die Kekse, Biskuits, Nougats und Calissons genau nach dem, aus dem sie gemacht sind. Wahre Delikatessen…

Provence, Saint Rémy
Wer den Landhaus- oder Provence-Stil mag, wird hier fündig.

Calissons d’Aix, eine hiesige Spezialität in Weberschiffchenform, stellt Hermann viereckig her und wohl nach einem alten Rezept aus dem 15. Jahrhundert. Jedenfalls darf man sich dieses Mandelkonfekt nicht entgehen lassen. Und auch das Nougat ist ein Traum! Hermann stellt es von Hand her, und gewisse Arbeiten dulden keinen Aufschub. Beispielsweise das Ausstreichen der Masse in den grossen Formen. Das muss zügig gehen – auch wenn gerade neugierige Besucher den Kopf in die Backstube strecken.

Provence, Saint Rémy, Le Petit Duc
Hermann streicht das Nougat aus. Einmal reinbeissen? ;-)

Zum Dahinschmelzen: Durand-Schokoladen

Zwei Häuser weiter duftet es ebenfalls süsslich – diesmal aber nach Schokolade. Joël Durand heisst der Laden und der Chocolatier, der uns freundlich begrüsst und genauso ein Tüftler ist, wie Fast-Nachbar Hermann. Zu Durands Spezialitäten zählt das «ABC der Genüsse». Da kann man sich hindurch essen von A (Carré Or) bis Z (Praliné mit Mandeln der Provence) oder mit den Pralinen eine Botschaft schreiben… Mit Sicherheit gehört Durands Schokolade zu den beliebten Mitbringseln.

Provence, Saint Rémy, Durand
Joël Durand mit seinen alphabetisch süssen Schokolade-Kreationen.

Mittagessen hatten wir dort, wo andere von Kunst umgeben übernachten: Mas de l’Amarine, ehemals ein provenzalischer Hof, der dem jungen Paar Alice und Bernard gehört, ist ein Chambres d’hôtes (mit Bed&Breakfast vergleichbar). 2011 wurden die äusserst gemütlichen und kunstvollen Gästezimmer eröffnet. Hier lässt es sich prima entspannen – und ausgezeichnet tafeln. Während Bernard in der Küche Köstlichkeiten auf die Teller zaubert, kümmert sich Alice gekonnt um die Gäste und den Service.

Provence, Saint Rémy, Mas de l'Amarine
Gemütliche Herberge mit ausgezeichneter Küche: Mas de l’Amarine.

Sehenswürdigkeiten von Saint Rémy

Etwas ausserhalb der Stadt sind die ältesten Zeitzeugen von Saint Rémy zu finden: Les Antiques, ein Mausoleum und ein Triumphbogen, geheimnisvolle römische Hinterlassenschaften. Der Triumphbogen ist eigentlich ein Stadtgründungstor, das älteste der Provence, denn es stammt aus der Zeit des Augustus. Wem das Mausoleum gewidmet ist, entzieht sich bis heute gesicherter Kenntnis. Es enthält auch kein Grab. Fragt sich, weshalb das Bauwerk Mausoleum genannt wird. Nun, gewisse Geheimnisse werden eben nie gelüftet…

Provence, Saint Rémy, Mausoleum
Das Mausoleum, von dem man nicht weiss, wem es gewidmet ist.

Van Gogh und das Kloster Saint-Paul-de-Mausole

Wer Vincent Van Goghs Bilder mag, für den ist der Besuch des Klosters Saint-Paul-de-Mausole ein Muss. Dem Kloster war eine privat geführte Nervenheilanstalt angegliedert, in der Van Gogh einige Zeit nachdem er sein Ohr abgeschnitten hatte, ein Jahr lang lebte. Die Räumlichkeiten sind so eingerichtet, wie sie Van Gogh erlebt hatte.

Provence, Saint Rémy, Saint Paul de Mausole, Van Gogh
Auf den Spuren des Malers Van Gogh in Saint Paul de Mausole.

Seine Umgebung, wie sie auch heute noch anzutreffen ist, hielt er in seinen Bildern fest, die hier gezeigt werden. Man sieht quasi die Vorlage und das Werk. Das Mohnfeld beispielsweise und der Klostergarten, den blühenden Lavendel und die Olivenbäume. Wer der Geschichte von Van Gogh folgt, ist in Saint-Paul-de-Mausole an der zweitletzten Station seines tragischen Lebens. Das Jahr in Saint Rémy war aber eines seiner produktivsten.

Der Tag klingt in der Domaine de Manville in Les Baux-de-Provence aus. Das brandneue Hotel und der Ausflug auf die Burg von Les Baux ist in einem separaten Beitrag nachzulesen.

Infos zur Provence

ANREISE
Mit Air France via Paris nach Marseille, von dort mit dem Mietwagen weiter.

BESTE REISEZEIT
Zwischen Juni und September regnet es eher selten. Der Sommer in der Provence ist heiss und trocken, mit einem tiefblauen Himmel. Die Temperaturen steigen des Öfteren über 30°C an. Etwas Kühlung verschafft höchstens der Wind.

Wer es auf Lavendel abgesehen hat: In voller Blüte steht er etwa ab Mitte Juli und die Erntezeit ist Mitte August. Der Lavendel, der für die Kosmetikindustrie verwendet wird, wächst aber nur in der Höhe, in den Alpes-de-Haute-Provence. Alles über Lavendel in der Provence: www.lavendel.net/provence/bluete/

UNTERKUNFT
Domaine de Manville

F-13520 Les Baux-de-Provence
www.domainedemanville.fr

Mas de l’Amarine
Acienne Voie Aurélia
f-13210 Saint Rémy de Provence
www.mas-amarine.com

ADRESSEN
Joël Durand
Chocolatier
3, Boulevard Victor-Hugo
F-13210 Saint Rémy de Provence
www.joeldurand-chocolatier.fr

Le Petit Duc
7, Boulevard Victor Hugo
F-13210 Saint Rémy de Provence
www.petit-duc.com

Saint-Paul de Mausole
Chemin Saint-Paul
F-13210 Saint Rémy de Provence
www.saintpauldemausole.fr

BUCHTIPPS
«111 Orte in der Provence, die man gesehen haben muss»
von Ralf Nestmeyer, Emons Verlag, ISBN 978-3-95451-094-8: Ohne allgemeine Informationen über Land und Leute legt dieses Reisebuch gleich mit den Top 111 los: Von den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die man in jedem Reiseführer findet, bis zu unbekannteren Orten, welche der grossen Masse nicht bekannt sind. Schön bebildert – da weiss man, was man antrifft.

«Provence» von Susanne Tschirner, Dumont, ISBN 978-3-7701-7414-0: Reich bebildert, recht detailliert, mit Karten und Cityplänen sowie vielen Tipps zu Kultur und Kunstgeschichte ausgestattet, ist dieses Reise-Taschenbuch gut geeignet, stets im Gepäck mitzureisen.

WEITERE DESTINATIONSINFOS
www.myprovence.fr
www.france.fr

© Text & Fotos: Inge Jucker | TravelExperience.ch

Offenlegung: Diese Reise haben Bouches-du-Rhône Tourismus und Atout France Schweiz ermöglicht.

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