Vor Stuttgarts Toren, im Remstal, sind seit jeher Tüftler, Künstler und Weinbauern zu Hause. Ein besonderes Erlebnis ist der leuchtende Weinberg.
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Den Winnender Mops gibt es in allerlei Art…

Schutz gegen Neider

Es liegt ja nicht gerade am Ende der Welt, dennoch ist das Remstal – zumindest in der Schweiz – nicht sehr bekannt. Nur 20 Autominuten von Stuttgart entfernt liegt Waiblingen, dessen historischer Altstadt unser erster Stopp gilt. Die gepflegten Fachwerkhäuser drängen sich dicht an dicht, eines schöner als das andere. An vielen Häuserecken hängen sogenannte Neidköpfe.

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Neidköpfe in Waiblingen.

Einige sehen lustig aus, die meisten aber sind Fratzen, die bedrohlich von ihrer hohen Warte auf den Betrachter herunter schauen. Ihre Aufgabe ist es, vor dem «bösen Blick» zu schützen. Sie weisen aber auch auf einen gewissen Wohlstand der Bauherren hin, die sich vor Neidern schützen wollten. Die Anzahl Neidköpfe legt den Verdacht nahe, dass Waiblingen eine wohlhabende Stadt ist. Im Kontrast zur mittelalterlichen Altstadt stehen die modernen Gebäude der Kunstschule Unteres Remstal und der Galerie Stihl. Die wechselnden Ausstellungen der Galerie drehen sich vor allem um «Arbeiten auf Papier».

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Modern die Galerie Stihl, im Hintergrund das älteste Haus Waiblingens.

Kunst im Weinberg

Ganz in der Nähe von Waiblingen liegt Kernen, und im Ortsteil Stetten befindet sich ein wunderschöner Museumsweinberg. Er zieht sich den Hang hinauf bis zur Yburg. In diesem Weinberg ist auch ein leicht teuflisch angehauchter Weingeist zu Hause. Die Bronzeplastik, von Karl Ulrich Nuss geschaffen, sitzt auf einer Mauer und schaut versonnen ins Remstal hinunter.

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Der Weingeist von Nuss im Weinberg von Kernen.

Wenn man den Künstler bzw. das Nuss-Museum und den Skulpturenpfad sehen will, führt kein Weg an Strümpfelbach vorbei.

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Der Künstler Karl Ulrich Nuss in seinem Atelier.

Der Ort wirkt wie eine Freilichtgalerie – als seien die Plastiken dem Atelier entsprungen, um Zufahrten und Wegränder zu bevölkern.

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Nuss-Skulpturen im Garten

In Beutelsbach ist die Kunst, die jeweils Anfang August geboten wird, vergänglich: Der leuchtende Weinberg. Feuershow und Feuerwerk, Wein und Kulinarisches stehen an diesem Samstagabend im Mittelpunkt. Durch den Weinberg von Stand zu Stand ziehend hat man Gelegenheit, andere Weinliebhaber und Einheimische kennenzulernen.

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Ein Höhepunkt im Jahr: der leuchtende Weinberg in Beutelsbach.

Tüftler, Künstler und ein Mops

In Schorndorf wurde Gottlieb Daimler 1834 in schlechte Zeiten hinein geboren. Dennoch wurde Bäckerssohn Daimler Ingenieur und Konstrukteur. Er entwickelte den ersten schnelllaufenden Motor und das erste vierrädrige Kraftfahrzeug. In Daimlers Geburtshaus in Schorndorf ist ein Museum eingerichtet, und auch ein Denkmal weist auf den berühmten Bürger hin. Dass die Schorndorfer nicht nur Benzin im Blut haben, zeigt sich spätestens am Weinmarkt, der jeweils Ende August/Anfang September stattfindet.

Wie kommt es nur, dass eine ganze Stadt auf den Mops gekommen ist? Es hat jedenfalls nichts damit zu tun, dass diese Hunderasse im Moment gerade en vogue ist. Der Mops kam in Winnenden bereits im Jahre 1717 zu Ehren: Während des Kampfgetümmels in der Schlacht um Belgrad haben sich Mops und Herrchen Herzog Karl Alexander von Württemberg aus den Augen verloren. Der Legende nach lief der Hund elf Tage lang nach Hause ins Schloss Winnental, wo man ihn herzlich empfing und ihm schliesslich ein Denkmal widmete. Es steht heute noch vor dem Schloss. Zum Einverleiben gibt es den Mops in Ulli’s Confiserie als Schoko-Möpsle und auf dem Weingut Häusser als Mops-Wein.

Dass auch die Winnender gut im Feiern sind, beweist das Mädelesfescht, das jeweils Anfang Juli stattfindet. Der grosse Marktplatz ist von einem mittelalterlichen Markt erfüllt, mit Gauklern, historischem Handwerk und Bühnenprogramm. In Winnenden ist eigentlich immer etwas los. Hier wird gewohnt, gelebt, geshoppt und das eine oder andere Viertele Wein geschlotzt, wie der Schwabe das nennt. Als Schweizer versteht man die Schwaben recht gut – nur wenn sie ihren Dialekt in Reinform sprechen, wird’s schwieriger. Ein Viertele Wein – selbstverständlich ein Remstaler Wein – soll aber gut gegen Verständigungsprobleme wirken.

Infos zum Remstal

ANREISE
Mit dem Auto oder per Bahn via Stuttgart.

UNTERKUNFT

Hotel Pfauen
Schorndorf
www.pfauen-schorndorf.de
Zentral in der Altstadt gelegen, überzeugt das Hotel mit Design-Zimmern, empfehlenswerter Küche und herzlicher Gastfreundschaft.

RESTAURANTS

Gasthof zum Ochsen
Kernen-Stetten
www.ochsen-kernen.de
Traditionelle schwäbische Küche

Restaurant Fuggerei
Schwäbisch-Gmünd
www.restaurant-fuggerei.de
Schwäbische Spezialitäten

Restaurant Lamm
Hebsack
www.lamm-hebsack.de
Mediterran inspirierte Regionalküche

MUSEUM

Geburtshaus von Gottlieb Daimler
Höllgasse 7
Schorndorf

KUNST

Alles über das Weinbergfest
www.weinstadt.de/leuchtender-weinberg

Infos zu Kunstgenuss mit Nuss
www.karl-ulrich-nuss.de

Galerie Stihl, Waiblingen
www.galerie-stihl-waiblingen.de

INFOS
Tourismusverein Remstal-Route
Endersbacher Bahnhof
D-71384 Weinstadt
Tel. +49 7151 270 457
www.remstalroute.de

© Text und Fotos: Inge Jucker | TravelExperience.ch

Offenlegung: Diese Reise wurde unterstützt durch den Tourismusverein Remstal-Route.

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