Unsere insgesamt 12-tägige Reise mit dem Postschiff MS Vesterålen beginnt und endet in Bergen. Alles, was dazwischen liegt beschreiben wir in mehreren Teilen. Zuerst sind Ålesund und Trondheim dran.
Trondheim, Lagerhäuser
In Bergen wie in Trondheim (Bild) erfreuen wir uns an den bunten ehemaligen Lagerhäusern, die heute Läden, Künstlerateliers und Wohnungen beherbergen.

Am Hurigruten-Quai in Bergen wartet die MS Vesterålen ab 16 Uhr auf die neuen Gäste. Kabinenbezug ist aber erst um 18 Uhr. Genug Zeit also, um das Schiff genauer anzuschauen und sich zu orientieren.

Schiffsrundgang

Deck für Deck arbeiten wir uns im Schiff hoch. Auf dem Deck C mit der Rezeption befinden sich die meisten Kabinen. Ein Deck höher entdecken wir im Bug das Restaurant. Hier wird in zwei Sessions gegessen, morgens und mittags gibt es Büfett, abends wird serviert. In der Cafeteria, die rund um die Uhr geöffnet ist, treffen jene Leute, die das Postschiff als reines Verkehrsmittel nutzen auf die Passagiere, die länger an Bord bleiben. Eigentlich ist hier immer etwas los, schliesslich ist das Postschiff im Winter die Lebensader der norwegischen Küste.

Bergen, Bryggen
In Bergen – im Bild das Viertel Bryggen – startet unsere Reise mit dem Postschiff MS Vesterålen.

Auf Deck D hat es auch eine kleine Boutique und eine Internetstation. Im Heck befindet sich der Vesterålstuen-Salon, eine Lounge, die vor allem von den Kurzzeitpassagieren gerne genutzt wird. Auf Deck E befindet sich im Bug der Trollfjorden-Salon, von dem aus man auch raus an die frische Luft kann. Ein beliebter Fotospot.

MS Vesteralen, Hurtigrugen, Restaurant
Hier wird dreimal täglich getafelt. Morgens und mittags kann man sich irgendwo hinsetzen, abends hat man immer den gleichen Sitzplatz, der zu Beginn der Reise zugewiesen wird.

Deck F verfügt über ein Sonnendeck, auf dem es im Winter natürlich ziemlich frisch ist. Deck G wird unser Lieblingsaufenthaltsort sein, das steht schnell fest, denn hier hat man tolle Aussicht und Sitzgelegenheiten mit Tischen.

MS Vesteralen, Hurtigruten, Panoramadeck
Auf dem Panoramadeck machen wir es uns jeden Tag gemütlich, denn von hier geniessen wir immer gute Aussicht und es ist gemütlich genug um zu lesen oder schreiben.
Bergen, bei Nacht und Nebel
Wir legen ab – und bekommen es fast nicht mit. Bergen ist in Nebel gehüllt…

Die erste Nacht an Bord

Draussen ist es schon lange Dunkel, der Regen hat aufgehört, aber Nebel liegt im Hafen von Bergen. Nach dem Abendessen – Bergener Fischsuppe, Hühnerfrikassee, Klippfisch und Dessert – legen wir ab! Unsere Reise nach Kirkenes und zurück nach Bergen geht los! Inzwischen haben wir unsere Kabine bezogen, die zugegebenermassen schon ziemlich eng ist. Aber man ist ja nur zum Schlafen hier. Am nächsten Morgen steht für mich allerdings fest, dass ich nicht hier bleiben kann.

MS Vesteralen, Hurtigruten, Dessert
Leckere Desserts gibt es auf der MS Vesterålen jeden Tag. Da kommt keiner zu kurz ;-)

Die halbe Nacht habe ich im Trollfjorden-Salon verbracht, denn die Vibrationen der Motoren, die sich unter unserer Kabine befinden, vertrage ich nicht. Mein Herz kommt da irgendwie aus dem Takt. Verrückt! Glücklicherweise machen die Damen und Herren an der Rezeption das eigentlich Unmögliche doch möglich: Wir dürfen umziehen, Richtung Bug, weg von den Motoren. Zwar ist es eine Kabine mit Kajütenbett, aber von da an habe ich selig geschlafen, ausser wenn es sehr stürmisch war. Dann donnern die Wellen lautstark gegen die Schiffswand, aber das ist nichts im Vergleich zu den Motorenvibrationen.

Postschiffreise, Hurtigruten, zwischen Bergen und Alesund
Irgendwo unterwegs zwischen Bergen und Ålesund sieht die Landschaft noch gar nicht winterlich aus.
MS Vesteralen, Hurtigruten, in Alesund
Wir haben Ålesund erreicht, die MS Vesterålen liegt im Hafen.

Ålesund: Jugendstil und Trolle

Während der Nacht hält das Schiff in Florø, gegen Morgen erreichen wir Måløy und Stadhavet, und um 10:30 Uhr erreichen wir Torvik. Wir schauen zu, wie Leute aus- und zusteigen, nach 15 Minuten geht die Fahrt schon weiter nach Ålesund, wo wir drei Stunden zur Verfügung haben, die Stadt zu erkunden. Wir ziehen auf eigene Faust los, obwohl es einen geführten Stadtrundgang gäbe. Ålesund ist berühmt für seine Jugendstilbauten im Zentrum. Die Stadt erstreckt sich über mehrere Inseln, weshalb wir auch immer wieder über Brücken gehen. Wie schon in Bergen, haben es mir hier auch die Dolendeckel angetan.

Alesund
Wir schauen mitten in Ålesunds Altstadt hinein. Links am Bildrand steht die Skulptur Sildekona. Die alte Heringsfrau soll an all die Frauen erinnern, die in der früher sehr wichtigen Heringsverarbeitung tätig waren.
Alesund, Kanaldecke, Dohlendeckel
Auf den Kanaldeckeln von Ålesund sind Rosen und ein Turm mit einer Art «keltischem Knoten» zu sehen.

Und auch hier wütete ein Feuer, ausgelöst in einer Margarinefabrik: 1904 wurden rund 850 Holzhäuser zerstört. Deutschland, die Reedereien Hapag und die Norddeutsche Lloyd halfen beim Wiederaufbau mit. Jetzt mussten die Häuser aus Stein sein, und weil der Jugendstil gerade beliebt war, entstand diese Innenstadt, die heute zu den touristischen Attraktionen Ålesunds zählt. Hier entdecke ich auch die ersten Trolle, die mir auf der ganzen Reise immer mal wieder begegnen.

Alesund, Kirche
Wir spazieren durch Ålesund und entdecken immer wieder andere Ansichten. Die Kirche von Ålesund am Ende dieser Strasse wirkt mittelalterlich, wurde aber erst 1906 erbaut. Die Vorgängerkirche ist Opfer eines Brandes geworden.
Alesund, Trolle
Im Souvenirshop in Ålesund wimmelt es von Trollen… Wir haben’s uns verkniffen, einen zu kaufen ;-)

Wieder an Bord erleben wir in Molde einen wunderschönen Sonnenuntergang und während des Abends überqueren wir Hustadvika, den mit seinen seichten Stellen gefährlichsten Abschnitt der Reise. In Kristiansund angelangt sind wir bereits am Schlummertrunk.

MS Vesteralen, Hurtigruten, Sonnendeck
Nachdem wir Ålesund verlassen haben, schmückt sich der Himmel mit herrlichen Sonnenuntergangsrottönen… Auf dem Sonnendeck der MS Vesterålen gibt’s diesen Genuss sogar windgeschützt.
MS Vesteralen, Hurtigruten, Sonnenuntergang
Na?! Ist das ein Sonnenuntergang? Wir waren hin und weg!

Trondheim, die grösste Studentenstadt Norwegens

Frühmorgens kommen wir in Trondheim an und machen uns nach dem Frühstück gleich auf den Weg in die Stadt. Wegen des stürmischen Wetters kann das Schiff nicht am üblichen Ort, sondern muss etwas weiter weg anlegen.

MS Vesteralen, Hurtigruten, Trondheim
Die MS Vesterålen mit offenem Schiffsbauch im Hafen von Trondheim.

Wir nehmen kurzerhand ein Taxi, um nicht allzu viel Zeit zu verlieren; denn in Trondheim steht immerhin die nördlichste Mittelalter-Kathedrale Norwegens. Der Nidarosdom ist das norwegische Nationalheiligtum und die Königssegnungskirche. Sie wurde über dem Grab von Olav dem Heiligen errichtet, dem Wikingerkönig, der zum Nationalhelden wurde.

Trondheim, Nidarosdom
Ein prächtiges Bauwerk, dieser Nidarosdom! Und er bietet Schutz vor dem stürmischen Wetter.
Trondheim, Nidarosdom
Über den vielteiligen, reich verzierten Nidarosdom könnte man einen eigenen Beitrag schreiben… Vielleicht mach’ ich das später mal.

Olav ist mir irgendwie sympathisch, denn er ist viel in der Welt herumgekommen. 995 geboren ging er mit 12 Jahren bereits auf Wikingerzug und lernte in Europa das Christentum kennen. In Rouen (F) wurde er 1014 getauft. Er soll ein visionärer König gewesen sein, hatte aber auch viele Feinde. In der Schlacht von Stiklestad fand er schliesslich 1030 den Tod. Seine Gebeine wurden nach Nidaros gebracht, so hiess Trondheim damals, und wurde dort auch beerdigt. (Quelle: «Der Nidarosdom» von Nidaros Domkirkes).

Trondheim, Lagerhäuser
Ausser dem Dom und dem alten Stadtviertel Bakklandet gehören auch die bunten Speicherhäuser von Bryggenen zu den Sehenswürdigkeiten von Trondheim.
Trondheim, Kanaldecke, Dohlendeckel
Und auch hier haben wir interessante Kanaldeckel gefunden mit dem aus dem 12. Jahrhundert stammenden Wappen von Trondheim. Es zeigt links den Bischof mit dem Bischofsstab und rechts den König mit der Waage als Symbol für Gerechtigkeit. Die drei Köpfe unten stellen den Stadtrat dar.

Trondheim ist aber auch eine kleine Stadt mit grossen Ideen und findigen Köpfen. Hier arbeiten 5000 Menschen in der Forschung, an Hochschulen und Universitäten. 40’000 Studenten machen Trondheim zu einer jungen Stadt und man ist hier stolz auf das geballte Wissen und Nobelpreise.

Trondheim
An einigen Orten wirkt Trondheim, als wäre die Zeit stehengeblieben…
Trondheim
Zum Abschied gibt’s in Trondheim noch einen Regenbogen über Bryggene.
Das waren dann die letzten Sonnenstrahlen des Tages.

In Trondheim wird übrigens viel geradelt, spaziert und gewandert. Doch dazu fehlt uns die Zeit – ausserdem ist es windig und kühl. Wir freuen uns auf die Wärme auf der MS Vesterålen. Was man in Trondheim sonst noch alles erleben kann, wenn man mehr Zeit mitbringt (!), ist in Nicolos Reiseblog im Beitrag «Trondheim Sehenswürdigkeiten» nachzulesen.

Nach Trondheim geht die Reise auf offener See weiter nach Rørvik. Diese Strecke heisst Folda und es herrscht Sturm. Wie wir diesen überstehen, kannst Du in der Fortsetzung lesen.

Kartenausschnitt Postschiffreise Hurtigruten

Infos zur Postschiffreise mit Hurtigruten

Alle Informationen haben wir auf einer eigenen Seite zusammengefasst.
>>>> Hier geht’s zur Infoseite Hurtigruten-Postschiff MS Vesterålen

© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch | 2020

Offenlegung: Im Rahmen einer Reportage fürs Bucketlist Magazin waren wir von Glur Reisen zu dieser Recherchereise eingeladen. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön!

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