Im Postauto ist es fast wie im Kino, wenn die Berglandschaft der Zentralschweiz am Fenster vorbeizieht. Eine Tagestour der äusserst beschaulichen Art.
3-Paessefahrt Postauto, Grimsel, Schweiz
Ein Postauto auf Abwegen: Auf der alten Grimsel Passtrasse.

Start ist in Meiringen, um 13:30 Uhr. Die Fahrt in den Ort, der für seine Meringues und die Schauplätze von Sherlock Holmes’ «letztem Fall» bekannt ist, gleicht einer sanften Annäherung an den Postkartenkitsch, für den die Schweiz so berühmt ist. Ab Luzern fahre ich mit der Zentralbahn. Je mehr wir uns Meiringen nähern, desto putziger werden die Häuser. Holz löst Beton ab, Laubengänge statt moderner Glasbalkons, Schindeln- statt Steinfassaden, die Fensterläden werden bunter und der Blumenschmuck üppiger. Ab Giswil geht es steil bergauf, und unten leuchtet der grün-blaue Lungernsee in der Vormittagssonne.

3-Paessefahrt Postauto, Lungernsee
Anfahrt nach Meiringen: So leuchtet nur der Lungernsee.

Brünig-Hasliberg ist wohl einer der seltsamsten Bahnhöfe überhaupt: Das Bahnhofgebäude beherbergt einen «Antiquitäten-Laden», der an einen riesigen Flohmarkt erinnert. Mit der Brünig-Passhöhe erreiche ich einen zusätzlichen Pass, weshalb ich ruhig von einer 4-Pässe-Fahrt reden könnte. Aber die gibt es dann so natürlich nicht mit dem Postauto zu buchen.

Mit WIFI durch die Alpen gondeln

Meiringen ist erreicht! Es war früher touristisch wichtiger als Interlaken, das man im Ausland mittlerweile besser kennt. Doch auch von Meiringen aus gibt es genügen Ausflugsziele, die einen längeren Aufenthalt lohnen. Sherlock-Holmes-Fans kommen ganz besonders auf ihre Kosten. Auch eine 4-Pässefahrt mit dem Postauto kann man buchen. Seit auf den Bergstrecken seit letztem Sommer zwei neue Fahrzeuge im Einsatz sind, ist alles etwas komfortabler: mehr Sitzabstand und Wifi. So kann man sogar von unterwegs die im Ausland Daheimgebliebenen teilhaben lassen.

Aber jetzt: «Einsteigen bitte!» es geht los, auf den Sustenpass. Hätte ich mitgezählt, wäre ich auf 25 Brücken und ebenso viele Tunnels gekommen. Was für ein Werk, das in den 1930er-Jahren aus touristischen Gründen und von polnischen Internierten zur Beschäftigung errichtet wurde. Die Strasse ist so ausgerichtet, dass sie sich – schon damals! – für Vergnügungsfahrten mit bester Aussicht eignete.

3-Paessefahrt Postauto, Susten, Schweiz
Gut erkennbar die vielen Tunnels auf der Susten Passstrasse, einst zum Vergnügen gebaut.

Allerdings sind sechs Minuten Halt am Steingletscher etwas zu kurz. Man bekommt lediglich einen kleinen Eindruck, bevor die Reise – an der berühmten Kirche von Wassen vorbei – nach Andermatt und Richtung Furka weiter geht.

3-Paessefahrt Postauto, Wassen, Schweiz
Vom Zug aus sieht man die Kirche von Wassen dreimal. Von der Strasse aus zweimal, wenn ich das richtig mitbekommen habe.

An der Furkastrasse liegt der Weiler Zumdorf, der sich «das kleinste Dorf der Schweiz» nennt: Hier wohnt ganzjährig gerade mal eine vierköpfige Familie. Im Restaurant «Zum Dörfli» tafelt man übrigens urchig und gut.

Kaffeehalt mit historischem Ambiente

Auf der Furkapasshöhe auf 2436 Metern über Meer angelangt gibt es einen kurzen Halt in zugiger Bergluft und dann lockt schon das nächste Ziel: Gletsch.

3-Paessefahrt Postauto, Kurven, Schweiz
Serpentinen, die nach Gletsch hinunter führen. Nie mit leerem Magen fahren und nichts trinken! Glupschen im Bauch macht alles noch schlimmer.

Vorbei am historischen Hotel beim Rhonegletscher (in den man jedes Jahr erneut eine für Besucher geöffnete Eisgrotte buddelt) haben wir Walliser Boden erreicht. In Serpentinen geht die Fahrt hinunter zum altehrwürdigen historischen Grandhotel Glacier du Rhône in Gletsch, wo eine halbe Stunde Aufenthalt mindestens für einen Kaffee und Kuchen reicht. Es lohnt sich auch, in der Hotellobby einen Blick ins riesige (Bilder)Buch über die Hotelleriegeschichte des Wallis zu werfen. Bahnfreaks nutzen die Pause vielleicht lieber, um den alten Bahnhof der Furka-Oberalp-Dampfbahn anzuschauen.

3-Paessefahrt Postauto, Gletsch, Schweiz
In Gletsch steht das Postauto vor dem Hotel Glacier du Rhône. Auch wenn Vierpässefahrt steht, haben wir nur drei gemacht.

Auf geht’s zum letzten Pass, die Grimselpasshöhe. Beim Restaurant und Hotel Grimselblick hätte ich gerne angehalten und bei den Murmelis und Bergkristallen vorbeigeschaut, aber Stopp ist erst auf Berner Boden. Im Mittelalter war die Grimsel einfacher zu passieren als der Gotthard. Die alten Säumerpfade wurden erst 1881–1894 durch die Grimselstrasse ersetzt. Von 1895 bis 1921 verkehrte darauf die Pferdepost. Als das Wasserkraftwerk zwischen 1920 und 1950 gebaut wurde, entschloss man sich, auch die Passstrasse weiter auszubauen.

3-Paessefahrt Postauto, Grimsel, Staumauer, Schweiz
Auf der Berner Seite der Grimsel beeindrucken die Staumauern, die zu einem komplexen Wasserkraftwerk gehören.

Hier oben gibt es auch echten Nervenkitzel, aber um diesen zu erleben, unternimmt man einen separaten Ausflug, nämlich zur Gelmerbahn. Sie ist mit 106 Prozent Steigung die steilste Standseilbahn Europas! Erbaut wurde sie als Transportbahn während des Baus des Wasserkraftwerks. Heute dient sie auch den Wanderern, die den Gelmersee umrunden wollen.

Auf den Spuren von Sherlock Holmes und Dr. House

Um unzählige Eindrücke und Aussichten bereichert, lasse ich mich vom gelben Postauto zurück nach Meiringen gondeln. Auch wenn Petrus nicht ganz gnädig war, hat dieser Ausflug in die Schweizer Bergwelt sehr viel Spass bereitet. Ich glaube, nächstes Jahr unternehme ich noch die 4-Pässefahrt (Grimsel–Nufenen–Gotthard–Susten) und reise früher nach Meiringen oder bleibe länger, damit ich die Grimselwelt erforschen kann. Zudem will ich die berühmten Reichenbachfälle besuchen, die Sherlock Holmes gemeinsam mit seinem Erzfeind Professor Moriarty in einem erbitterten Zweikampf hinunter stürzte…

Später stellte sich ja heraus, dass Autor Arthur Conan Doyle nur Moriarty abstürzen liess. Holmes überlebte – um einen weiteren Fall zu lösen. Übrigens: Auch in der TV-Serie «Dr. House» dienen die Reichenbachfälle Dr. Gregory House dazu, seinen Tod vorzutäuschen und unterzutauchen… Okay, diesen Programmpunkt lasse ich dann aus. Ich kehre garantiert zurück ;-)

Infos zu Passfahrten mit dem Postauto

Die Pässefahrten können online unter www.postauto.ch gebucht werden. Die Tickets sind auch hier erhältlich:

– in Meiringen oder Innertkirchen bei Haslital Tourismus
– in Interlaken bei Interlaken Tourismus
– in Andermatt bei Andermatt-Urserntal Tourismus
– direkt beim PostAuto-Chauffeur am Abfahrtsort
– über den Ticketshop unter www.sbb.ch

Tipp: Man muss die Strecke nicht am Stück fahren, sondern kann – wo es sich hoteltechnisch anbietet – auch unterwegs übernachten und am nächsten Tag weiterfahren.

© Text & Fotos: Inge Jucker | TravelExperience.ch

Offenlegung: Diese Reportage wurde zum Teil durch PostAuto Schweiz AG unterstützt.

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