40 Autominuten von Basel entfernt liegt die Genussecke Baden-Würtembergs, das Markgräflerland. «Städtchen-Hüpfen» in der Sonnenstube des Schwarzwalds.
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Der Marktplatz in Müllheim.

Im südwestlichsten Zipfel des Schwarzwaldes scheinen sich die Hänge nach der Sonne zu richten. Kein Wunder also, dass hier Reben prächtig gedeihen. Zum grössten Teil wird Gutedel angebaut, gefolgt von Müller-Thurgau, Spät- und Weissburgunder. Den Gutedel brachte Markgraf Karl Friedrich von Baden 1780 aus Vevey mit. Dort nennt man ihn Chasselas bzw. Fendant. Insbesondere in den letzten 15, 20 Jahren hat sich der Weinanbau enorm entwickelt. Und lobenswerterweise sei erwähnt, dass man im Markgräflerland viel Wert legt auf umweltschonenden Anbau ohne Herbizide, da und dort auch ohne chemische Schädlingsbekämpfung und Kunstdünger. Natur wird gross geschrieben.

Wein in Müllheim

Die Stadt Müllheim ist das Zentrum des Weinanbaus. Und natürlich waren es die Römer, die den Wein hierher brachten. Dass sie in Müllheim lebten, belegen die Reste einer römischen Villa, die unter dem ältesten Gebäude der Stadt, der Martinskirche, gefunden wurden. Bis heute pflegt man das Handwerk weiter und jedes Jahr, jeweils im April, findet in Müllheim der älteste Weinmarkt Deutschlands statt. Der Name Müllheims leitet sich übrigens von Müller und den vielen Mühlen ab, die hier einst in Betrieb waren. Obwohl Müllheim eine Stadt mit über 18000 Einwohnern ist, fühlt sie sich gemütlich und ländlich, ja sogar etwas südländisch an. Und hier wie im Rest des Markgräflerlandes findet man immer einen guten Grund für ein Fest. Weinfeste werden im Frühling wie im Herbst gefeiert, aber es kann auch nur mal zur Einweihung eines Verkehrskreisels ein Fest ausgerichtet werden.

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Witzig: Freundliche Schweinchen in Müllheim.

Badespass in Badenweiler

Was den Müllheimern der Wein, ist den Badenweilern das Wasser. Wie zu vermuten war, nutzten hier bereits die Römer die gesundheitsfördernde Wirkung des warmen Quellwassers. Vor fast 2000 Jahren begannen sie, in Badenweiler die Badekultur zu pflegen. Während die gut erhaltenen Ruinen der grössten römischen Therme nördlich der Alpen unter einem schützenden Bogendach ruhen, liegt der neue Badetempel Cassiopeia Therme gleich nebenan – mitten im Zentrum, aber auch umgeben vom Grün des Kur- und Schlossparks. Dieser ist schon über 250 Jahre alt und hat schon manchem botanisch interessierten Kurgast eine Freude gemacht. Denn ab 1824 hielten Bäume und Sträucher aus aller Welt Einzug – und viele Bäume aus jener Zeit stehen heute noch! Und nicht zu vergessen: Im Hildegard von Bingen-Garten werden über hundert Kräuter, Bäume und Sträucher gezeigt, die zur Naturapotheke der heiligen Hildegard gehörten.

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Edel tafeln und wohnen im Hotel Römerbad in Badenweiler.

Kunst in Kandern

Auch das Städtchen Kandern hat seine Spezialität: Künstler. In der Beschaulichkeit der Töpferstadt fanden sie Bereicherung und Inspiration. Beispielsweise die Keramikkünstler Horst Kerstan und Max Laeugner, deren Werke im Heimat- und Keramikmuseum zu sehen sind. In Kandern kann man auch auf den bildhaften Spuren des Malers August Macke spazieren. Lehrer Karlheinz Beyerle nimmt uns mit auf den von ihm entwickelten August Macke-Rundweg, der auch zu den idyllischsten Winkeln der Stadt führt.

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Karlheinz Beyerle zeigt, wo in Kandern August Macke einst malte.

Macke verbrachte regelmässig «Kreativwochen» in Kandern. Schiesslich wurde es zu seiner zweiten Heimat. Zuweilen erstaunt es, dass die Originalschauplätze seiner um 1900 entstandenen Kandernbilder noch heute gut erkennbar sind. Karlheinz Beyerle ist übrigens ein grossartiger Erzähler – er macht aus trockener Materie eine echt spannende Geschichte.

Sonderfall in Sulzburg

Nächste Station ist Sulzburg. Durch das wuchtige Stadttor betritt der Besucher die Altstadt mit ihren schmalen Gassen, verträumten Winkeln, dem Marktplatz, dem barocken Rathaus und der Bäckerei, die ohne Fertigteig auskommt. Es gibt viele Sulzburger, die noch ursprünglich und qualitativ hochwertig arbeiten. So wundert es auch nicht, dass Sulzburg im Frühling jeweils vom Marktfieber gepackt wird: zu Pfingsten findet jedes Jahr der weit herum bekannte und beliebte Handwerkermarkt statt.

Bürgermeister Peter Wehrle, seit über 20 Jahren im Amt, lässt es sich trotz Marktrummel nicht nehmen, einerseits interessierten Touristen Auskunft zu geben und andererseits uns das Bergwerkmuseum und die über tausend Jahre alte Kirche St. Cyriak zu zeigen. Und in der ehemaligen Synagoge erzählt der Bürgermeister von einem Sonderfall: Die Synagoge ist die einzige in der Region, doch mangels einer jüdischen Gemeinde wird das Gebäude heute für andere Anlässe genutzt, welche den jüdischen Regeln nicht widersprechen. Der jüdische Friedhof ist etwas ausserhalb zu finden, auf der anderen Seite des Flusses, denn «man geht über den Jordan». Die Stadt ist verpflichtet, Synagoge und Friedhof zu erhalten, bis es wieder eine jüdische Gemeinde in Sulzburg gibt…

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Bürgermeister Peter Wehrle mit Besuchern in der Synagoge von Sulzburg.

Bezauberndes Schloss Bürgeln

Zur traditionellen Weinbaugemeinde Schliengen gehört Schloss Bürgeln, das Wahrzeichen der Region. Nachdem die ehemalige Probstei von den Franzosen völlig zerstört wurde, entschloss man sich um 1764, Bürgeln wieder aufzubauen. 1920 bekam die Frontseite wieder einen Schmuck, und seither hat sich die Aussenansicht nicht mehr verändert. Balkon und Freitreppe unterstreichen den zierlichen Rokoko-Stil – eine Augenweide!

Im Innern geht es überraschend heiter weiter. Direktor Dr. Ehrenfried Kluckert, der uns durch das mit Stuckdecken und Wandmalereien fein verzierte Schloss führt, erzählt gekonnt und unterhaltsam. Insbesondere der Bildersaal fasziniert und die hauseigene Kapelle, die über zwei Stockwerke reicht.

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Der beeindruckende Bildersaal im Schloss Bürgeln.

Und: man isst hier in der Schlosswirtschaft auch vorzüglich. Die Küche von Hans Adam, der in erster Linie Chef des Ochsen in Feldberg ist, besticht durch bodenständig Einheimisches und preiswert Raffiniertes.

Es hat schon etwas an sich: Wo es guten Wein gibt, ist auch das Essen hervorragend. Und wer wissen will, wo genau man gut isst, der achtet am besten auf die Herkunft der Autos vor dem Lokal: Wenn Schweizer Nummernschilder zu entdecken sind, kann man getrost eintreten – sagen die Markgräfler. Vor der Gutschänke Dr. Schneider in Zunzingen, finden wir ein Zürcher Nummernschild – und essen in diesem Restaurant prompt sehr vorzüglich. Der Tipp scheint zu funktionieren!

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Blumengeschmückter Brunnen in Laufen.

Infos zum Markgräflerland

ANREISE
Mit dem Auto erreicht man die verstreut liegenden Dörfer und Städte am einfachsten.

ÜBERNACHTEN
Grandhotel Römerbad
Schlossplatz 1
Badenweiler
Tel. +49-7632-700
www.hotel-roemerbad.de
Das ehrwürdige, renovierte Haus strotzt vor Geschichte. Im wunderschönen Kuppelsaal, in dem man heute diniert, war einst die Kutscheneinfahrt zum Hotel. Man kann sich das kaum vorstellen. Doch weil viele gesellschaftliche Anlässe im Hotel stattfanden, musste dafür gesorgt werden, dass die hohen Gäste trockenen Fusses ins Haus konnten. Das Hotel ist ein idealer Ausgangspunkt für Tagesausflüge in die Umgebung.

ESSEN & TRINKEN

Schlosswirtschaft Bürgeln
www.schlossbuergeln.de

Gutsschänke Dr. Schneider
Müllheim- Zunzingen
www.weingut-dr-schneider.de

ENTDECKEN

Markgräfler Museum Müllheim
Wilhelmstr. 7, Am Marktplatz
D-79379 Müllheim
www.markgraefler-museum.de

Cassiopeia Therme Badenweiler
Tel. +49- 7632-799 295
www.cassiopeiatherme.de

Markgräfler Lindenhof Müllheim
Werderstr. 51
D-79379 Müllheim
www.vinothek-lindenhof.de

Heimat- und Keramikmuseum
Ziegelstr. 30
D-79400 Kandern
www.kandern.de

Schloss Bürgeln
D-79418 Schliengen
www.schlossbuergeln.de

Erste Markgräfler Winzergenossenschaft
Am Sonnenstück 1
D-79418 Schliengen
www.sonnenstueck.de

ALLGEMEINE INFOS
Markgräflerland
Müllheim
Tel. +49-7631-801-502
www.markgraefler-land.com

© Text und Fotos: Inge Jucker, TravelExperience.ch

Offenlegung: Diese Reportage wurde unterstützt vom Markgräflerland.

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