Eine beschauliche Insel mit bewegter Geschichte, der wir auf Mackinac Island nachzuspüren versuchen. Aber die Natur ist am Schluss doch die Hauptdarstellerin, dicht gefolgt von einer Süssigkeit namens Fudge.
Michigan, Mackinac Island
Vom Fort aus geniesst man den besten Überblick über Mackinac und den Hafen.

Die Fahrt auf die Insel Mackinac beginnt schon mit einer Panne: Weil die Dame am Ticketschalter unsere vorreservierten Fahrkarten nicht findet, verpassen wir das Schiff, aber unser Gepäck ist trotzdem schon unterwegs. Na, wenn das mal gut geht… Eine Stunde müssen wir auf die nächste Fähre warten, und das Wetter wird immer rauer. Die Fahrt auf dem Lake Huron gestaltet sich ziemlich ruppig, an Fotografieren ist nicht zu denken.

Lieber hell als historisch

Als wir auf der Insel ankommen, ist unser Gepäck schon weg. Jemand hat es ins Hotel gebracht. Wir spazieren also unseren Koffern hinterher und geniessen die ersten Eindrücke des Städtchens Mackinac. Viele Gäste fahren mit der Pferdekutsche oder dem Fahrrad, wir geniessen es jedoch, zu Fuss unterwegs zu sein.

Im Hotel erwarten uns an der Rezeption zwei freundliche, ältere Herren, die uns unser Zimmer im historischen Haupthaus zuweisen. Uh… Kaum Licht, aber eine Sprudelwanne mitten im Zimmer – ihhh… die sind sooo unhygienisch… Nichts für mich!

Michigan, Mackinac Island, Harbour View Inn
Rechts im Hintergrund ist das historische Haupthaus des Harbour View Inn, im hellblauen Cottage wohnen wir ganz zuoberst.

Freundlich fragen wir die beiden Herren, ob es denn nicht ein helleres Zimmer gäbe? Ja, doch, das sei aber ein Lakeview-Zimmer im Cottage nebenan – sollten wir etwas gegen Seesicht haben? – und zuoberst unterm Dach. Atemlos nehmen wir einen Augenschein – die Stufen werden mein tägliches Training sein – und sind zufrieden. Es ist zwar klein, aber schön hell und die Seesicht gefällt uns logischerweise auch.

Michigan, Mackinac Island,
Herrliche Aussicht geniessen wir von unserem Lakeview-Zimmer aus.
Michigan, Mackinac Island, Harbour View Inn
So hellblau wie das Cottage von aussen ist, geht es in unserem Zimmer weiter.

Da sich die Wolken wieder verzogen haben, marschieren wir los, um Mackinac zu erkunden und ein Restaurant fürs Abendessen zu finden. Ganz am anderen Ende der Stadt entdecken wir vom Ufer aus mal wieder einen Leuchtturm. Uns fasziniert aber auch der Baum mit den roten Beeren, dessen Namen wir nicht ausfindig machen können.

Michigan, Mackinac Island, Hafen
Blick auf den Hafen von Mackinac, der im Sommer natürlich viel voller ist.
Michigan, Mackinac Island, Hauptstrasse
Die Hauptstrasse von Mackinac gehört den Fussgängern, Radlern und Pferdekutschen.
Michigan, Mackinac Island,
Am äussersten Zipfel der Stadt entdecken wir diesen hübschen, aber etwas einsamen Baum.

Jetzt haben wir dennoch einen Aperitif verdient und gehen ins Pink Pony, wo es einerseits eine Bar gibt und andererseits ein Restaurant mit Sicht auf den Hafen. Nun, einen Tisch zu reservieren und vorher an der Bar einen Drink zu nehmen, das geht nicht. Also geniessen wir erst mal unseren Gin Tonic an der Bar und stellen uns dann vor dem Restaurant an. Nach einer halben Stunde beschliessen wir, doch lieber auf die Hafensicht zu verzichten und tafeln in der Bar. Geht doch!

Michigan, Mackinac Island, Hauptstrasse
Die Kutsche fährt gerade vor dem Pink Pony vorbei.
Michigan, Mackinac Island, Pony Bar
Drink gefällig? Die Bar im Pink Pony.

Arch Rock, Sugarloaf Rock und Botanical Trail

An diesem Tag kommen wir wieder locker auf mehr als unsere angestrebten 10 000 Schritte, denn wir verzichten auf PS und nehmen unsere Pedes. Als erstes spazieren wir zum Arch Rock, wo auch schon die ersten Pferdekutschen angekommen sind, und geniessen die Aussicht auf den Huronsee.

Michigan, Mackinac Island, Arch Rock
Der Arch Rock erlaubt den Durchblick auf karibisch blaues Wasser.

Dann trennen sich unsere Wege: Heinz wandert zum Fort Holmes und zum Sugar Loaf Rock, einem beeindruckenden Felsen mitten im Herbstwald, und ich flaniere auf dem Botanical Trail, auf dem ich einiges über die hiesige Flora und Fauna erfahre. Die Waldluft ist so sauber und duftet würzig nach Moos, Erde und Herbst – es kommt mir wie ein «Waldbad» vor.

Michigan, Mackinac Island, Fort Holmes
Fort Holmes, aus Holz und Erde gebaut, steht auf dem höchsten Punkt der Insel Mackinac.
Michigan, Mackinac Island, Sugar Loaf
Um den Sandsteinfels Sugar Loaf Rock ranken sich einige Sagen und er ist für die Ureinwohner Amerikas ein heiliger Ort.
Michigan, Mackinac Island,
Vom höchsten Punkt der Insel aus sieht man die wichtigste Verbindung in Michigan: die Brücke, welche die Lower mit der Upper Peninsula verbindet.
Michigan, Mackinac Island, Botanical Trail
Auf dem Botanical Trail wird viel Wissenswertes vermittelt und mit etwas Glück entdeckt man auch die passenden Pflanzen dazu.

Fort Mackinac

Im Fort über der Stadt Mackinac treffen wir uns wieder und begeben uns auf die Spuren der ehemaligen Bewohner. Das stattliche Fort diente den Briten von 1780 bis 1895 als militärischer Aussenposten, danach haben amerikanische Soldaten übernommen.

Michigan, Mackinac Island, Fort
Das Fort Mackinac von der Hautpstrasse aus gesehen.
Michigan, Mackinac Island, Fort
Umgekehrt hat man vom Fort aus eine schöne Sicht auf das Städtchen.

Die Rolle des Militärs auf der Insel Mackinac hat sich in der 240-jährigen Geschichte des Forts sehr verändert. In den ersten Jahren war es ein wichtiger Grenzposten an den Grossen Seen, und die Soldaten trugen dazu bei, den lukrativen Pelzhandel zu schützen sowie Allianzen mit benachbarten Indianerstämmen aufrechtzuerhalten.

Michigan, Mackinac Island, Fort
In diesen Gebäuden spielte sich das Leben im Fort Mackinac ab.


Im späten 19. Jahrhundert verlor der Posten jedoch seinen militärischen Stellenwert, gewann aber neue Bedeutung, als 1875 der Mackinac-Nationalpark gegründet wurde. Der Postkommandant wurde zum Oberaufseher des Parks, und seine Soldaten übernahmen neue Aufgaben bei der Betreuung des Nationalparks, der sich zu einem immer beliebteren Reiseziel für Touristen entwickelte. In der Tat: Trotz fortgeschrittener Jahreszeit besuchen noch viele Gäste das Fort.

Murdicks Fudge – das Original

Fudge habe ich erstmals in Kalifornien, in Carmel, kennen- und lieben gelernt. Der viele Zucker schreckt mich heute ab, doch bei Murdick’s werde ich schwach… Ich kaufe drei Schnitten, die wir in den nächsten Tagen nach und nach verputzen. Der Betrieb auf Mackinac Island ist das Original, Filialen gibt es in Mackinaw City, St. Ignace (ebenfalls in Michigan) und Martha’s Vineyard, Massachusetts.

Michigan, Mackinac Island, Murdicks
Murdicks original Fudge-Laden ist immer gut besucht.
Michigan, Mackinac Island, Grand Hotel
Für das Grand Hotel stellten die Murdicks die Markisen her. Heute muss man als Nicht-Hotelgast Eintritt bezahlen.

Seinen Anfang nimmt das Geschäft bereits 1887, als die Segelmacher Henry und Jerome «Rome» Murdick, Vater und Sohn, beauftragt werden, Segelmarkisen für das neue Grand Hotel auf der Insel Mackinac zu entwerfen. Mit ihnen kommt Sara Murdick samt ihren Süsswarenkenntnissen und Rezepten auf die Insel. Noch im gleichen Jahr eröffnet sie ihren ersten Candy Shop.

Michigan, Mackinac Island, Murdicks Fudge
Hier werden Naschkatzen und -kater schwach… Fudge von Murdicks.

Später beschäftigt sich Romes ältester Sohn Gould ebenfalls mit der Fudge-Herstellung und sorgt mit einem Ventilator dafür, dass der süsse Duft auch draussen auf der Strasse geschäftsfördernd wahrnehmbar wird. Eine unwiderstehliche Verlockung! Und: Gould macht aus der Herstellung eine Show. Die kann man heute noch in der Original Murdick’s Fudge Produktion verfolgen, allerdings ist nun Bob Benser jr. am Werk, dessen Vater das Geschäft 1969 gekauft hat. Das Rezept ist aber immer noch jenes von Sara Murdick.

Michigan, Mackinac Island, Murdicks Fudge
Hier entstehen neue Fudge-«Stangen» – spannend zuzuschauen.
Michigan, Mackinac Island,
Die Little Stone Church ist eine reformierte Kirche.
Michigan, Mackinac Island,
Da hat sich einer einen Spass erlaubt und eine Giraffe ins Gebüsch gestellt.
Michigan, Mackinac Island, Abfuhrwesen
So ist das Abfuhrwesen von Mackinac unterwegs.
Michigan, Mackinac Island,
Eine Schar Gänse macht auf einer Wiese Rast zum Futtern.

Mit vielen Eindrücken, die wir in kürzester Zeit gesammelt haben, geht die Reise zurück aufs Festland. Wenn wir das Gefühl hatten, auf der Hinreise sei der See ruppig gewesen, dann ist das im Vergleich zum Abreisetag nichts! Eigentlich befürchten wir, dass die Fähre bei diesen stürmischen Verhältnissen gar nicht fährt. Doch der Kapitän kennt da gar nichts. Am Anfang der Fahrt klappt es noch mit Fotografieren, dann sehen wir nur noch Wellen und Gischt… Wir sind froh, kommen wir heil und ohne grün geworden zu sein am anderen Ufer an.

Michigan, Mackinac Island,
Byebye Mackinac! Es waren spannende Tage!
Michigan, Mackinac Island, Leuchtturm
Tschüss Leuchtturm!
Michigan, Mackinac Island, Sturm
Danach ist Schluss mit Fotografieren…

Wie es nun Richtung Detroit, unserer letzte Station des Roadtrips geht, kannst Du im Beitrag Michigan – Lower-Peninsula weiterlesen oder direkt zum Beitrag «Detroit, eine abgefahrene Stadt» hüpfen (folgt demnächst).

Infos zu Mackinac Island

Alle Infos, Tipps und Adressen zu Mackinac Island findest Du auf unserer Info-Seite zu Michigan. Diese kannst Du dort auch als PDF herunterladen.

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© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch | 2020

Offenlegung: Zur Hälfte waren wir von Pure Michigan im Rahmen der Recherchereise für die GlücksPost eingeladen, die andere Hälfte ist auf unsere Kosten gegangen.

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