Ein Steinbruch wird zur Projektionsfläche, eine Burg zum Austragungsort von Ritterspielen und ein Bauernhof zur Luxus-Herberge. Kunterbunte Provence!
Provence, Les Baux
Les Baux – das hübsche Dörchen klebt förmlich auf einem Felsvorsprung.

Klimt in den Steinbrüchen des Lichts

In den Carrières de Lumières, den «Steinbrüchen des Lichts» stehe ich in über zehn Meter hohen Hallen, über deren Wände Klimt-Bilder huschen, die sich mit Fotografien und Szenen aus Wien um 1900 abwechseln. Eine Multimedia-Show, die schwierig zu beschreiben ist, aber sehr fasziniert.

Provence, Les Baux, Carrieres de Lumieres
Beeindruckend: Klimt in den Carrières de Lumières.

Wer sich mit Klimts Geschichte etwas auseinandergesetzt hat, erkennt viele Elemente und Menschen, die zu seinem Leben gehörten. Beispielsweise Egon Schiele. Es erweist sich als Vorteil, sich mit dem jeweils aktuellen Thema der Produktion vorab bekannt zu machen. Die Projektions-Show ändert jedes Jahr das Thema. Klimt und Wien sind noch bis 4. Januar 2015 zu sehen.

Das Mittelalter lässt grüssen

Der Steinbruch, in dem früher Bauxit für die Aluminiumherstellung abgebaut wurde, liegt nicht weit von Saint Rémy entfernt. Doch meistens kommen die Besucher nicht wegen des Steinbruchs, sondern wegen des Dörfchens Les Baux-de-Provence und seiner Burg bzw. deren Reste.

Provence, Les Baux
Man wohnt in Les Baux sehr malerisch, aber von Touristen umzingelt.

Das Nest, das zuoberst auf einem kahlen Felsvorsprung liegt, wurde mit Kalksteinquadern aus dem «Steinbruch des Lichts» erbaut und zählt zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Entlang der wenigen Gassen sind Galerien und Boutiquen zu finden, kleine Restaurants und Hotels. Zu den Spezialitäten zählen auch hier Seifen, Lavendel, Olivenöl und Wein.

Provence, Les Baux
Ein typisches Mitbringsel: Seifen an der Kordel.

Jeweils an den Wochenenden im Sommer ist auf der Burg viel los. Die in Originalgrösse nachgebauten Steinschleudern und andere mittelalterliche Waffen wie die Armbrust werden wettbewerbsmässig eingesetzt. An einigen Tagen werden Einblicke in die Geheimnisse der alten Erbauer gewährt und im Herbst finden die «Tage der kleinen Ritter» statt. Am einfachsten konsultiert man bereits während der Reiseplanung das Programm: www.chateau-baux-provence.com.

Manville – eine neue Luxus-Herberge

Wenn man zuvorderst an der Burgmauer steht, überblickt man eine fruchtbare Ebene, eine Art «grüne Pfanne». Neben Olivenhainen und Weingärten lässt sich ganz am hinteren Rand ein Golfplatz erkennen. Er gehört zur Domaine de Manville, die eben erst eröffnet wurde. Das 5-Sterne-Haus mit 30 Zimmern entstand aus einem ehemaligen landwirtschaftlichen Gut. Es ist ein luxuriöses Country-Hotel mit Restaurant auf Gourmet-Niveau geworden, das wohl höchsten Ansprüchen genügen mag.

Provence, Les Baux, Domaine de Manville
Schlafgemach in der Domaine de Manville.

Der Spa war während unseres Aufenthalts zwar noch nicht fertig, aber er verspricht elegant zu werden. Dafür durften wir eingehend den Golfplatz besichtigen, der schön und umweltverträglich in die Landschaft eingebettet ist. Die Suiten sind geräumig mit hoher Decke und edel eingerichtet. Das Badezimmer und der Garderobenbereich trennen das Wohn- vom Schlafzimmer. Beide Räume haben grosse Glasfronten – wer wirklich auf Privacy Wert legt, wird die Vorhänge ziehen. Eigentlich schade, aber bis die Vegetation eine gewisse Höhe erreicht hat, dauert es halt.

Lavendel muss sein

Auf dem Rückweg zum Flughafen von Marseille machen wir in Aix-en-Provence Halt. Der Besuch der Cézanne-Stadt mit ihren Museen und Barockpalästen ist ein Muss für den Kunstinteressierten. Auf dem Cours Mirabeau herrscht reges Treiben, genauso vor Cézannes Atelier – und erst recht auf den verschiedenen Märkten. Einige finden täglich statt, andere nur an einem oder zwei Tagen pro Woche, sogar sonntags kann man sich mit ultimativen Mitbringseln eindecken.

Provence, Aix-en-Provence, Lavendel
Die beiden verkaufen wohl die besten Lavendelsäcklein von Aix-en-Provence…

Ich wollte unbedingt noch Lavendelsäcklein haben. «Die müssen Sie einmal im Monat kneten und dann duften sie zehn Jahre lang», erklärte mir der Verkäufer, während er die Säcklein einpackt, die seine Mutter herstellt und mit dem echten Lavendula officinalis abfüllt. Dann kann ich also einmal kneten und schon habe ich die Provence im heimischen Zimmer. Eine wahrlich dauerhafte Erinnerung an eine kurze, intensive Reise, die in Saint Rémy (s. separaten Beitrag) angefangen hat…

Infos zu Les Baux-de-Provence

ANREISE
Mit Air France via Paris nach Marseille, von dort mit dem Mietwagen weiter.

BESTE REISEZEIT
Zwischen Juni und September regnet es eher selten. Der Sommer in der Provence ist heiss und trocken, mit einem tiefblauen Himmel. Die Temperaturen steigen des Öfteren über 30°C an. Etwas Kühlung verschafft höchstens der Wind.

Wer es auf Lavendel abgesehen hat: In voller Blüte steht er etwa ab Mitte Juli und die Erntezeit ist Mitte August. Der Lavendel, der für die Kosmetikindustrie verwendet wird, wächst aber nur in der Höhe, in den Alpes-de-Haute-Provence. Alles über Lavendel in der Provence: www.lavendel.net/provence/bluete/

UNTERKUNFT
Domaine de Manville
F-13520 Les Baux-de-Provence
www.domainedemanville.fr

Hôtel des Lodges Saint-Victoire
2250 Route Cézanne,
F-13100 Le Tholonet
www.leslodgessaintevictoire.com

RESTAURANTS
Bistrot des Philosophes

20, place des Cardeurs
F-13100 Aix-en-Provence
www.lebistrotdesphilosophes.com

La Saint Estéve
beim Hôtel des Lodges Saint-Victoire
2250 Route Cézanne,
F-13100 Le Tholonet
www.leslodgessaintevictoire.com
Chef Mathias Dandine hat sich einen Michelin-Stern erkocht.

STEINBRUCH DES LICHTS
Carrière de Lumières
Route de Maillane
F-13520 Les Baux-de-Provence
www.carrieres-lumieres.com
Die aktuellen Projektionen sind auf der Homepage zu finden.

BUCHTIPPS
«Provence – Côte d’Azur» von Ralf Nestmeyer, Michael Müller Verlag, ISBN 978-3-89953-716-1: Der Reiseführer kommt relativ schwer daher, ist aber einer der ausführlichsten Provence-Guides, die erhältlich sind. Reich bebildert, wo notwendig mit Karten ausgestattet – neben der herausnehmbaren Provence-Karte – vermittelt er neben handfesten Tipps auch allerlei Hintergrundwissen.

«Best of Provence», Guide Michelin, ISBN 978-3-8342-8931-5: Für alle, die es weniger ausführlich, aber kurz und knapp mögen.

WEITERE DESTINATIONSINFOS
www.myprovence.fr
www.france.fr

© Text & Fotos: Inge Jucker | TravelExperience.ch

Offenlegung: Diese Reise haben Bouches-du-Rhône Tourismus und Atout France Schweiz ermöglicht.

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