Das Klostermuseum im Plantaturm des Klosters St. Johann in Müstair hat eine erste Auffrischung und Erneuerung erfahren. Wir haben uns die Ausstellung «Innenleben. Die barocken Nonnenzellen» angeschaut und gestaunt, wie aufgeschlossen und humorvoll die Schwestern sind.
Museum Kloster St. Johann, Müstair, Nonne mit Gast
In dieser Zelle des Klostermuseums kommen sich Besucherin und Nonne beim Zuhören und im Gespräch näher.

Die Geschichte des Benediktinerklosters ist mehr als 1250-jährig und sehr abwechslungsreich. In unserem ersten Beitrag über die Val Müstair findest Du einige Informationen zum Kloster und dem Blutwunder. Die detaillierte Klostervergangenheit ist auf der Müstair-Homepage festgehalten. Hier, in diesem aktuellen Beitrag, geht es schon auch um Geschichte, aber vom (Innen)Leben der Nonnen. Die Schwestern stehen in der neuen Dauerausstellung im Mittelpunkt.

Die Vorgeschichte

Früher war das Museum im Fürstenzimmer im Westtrakt des Klosters untergebracht. Erst 2003 wurde es in den Plantaturm verlegt, nachdem dieser (nach einem Erdbeben) auf seine Statik hin genau untersucht worden war. Man analysierte die Mauern ganz genau – und musste die Baugeschichte neu schreiben; denn der Turm, so stellte sich anhand von Armierungshölzern im alten Mauerwerk heraus, ist 600 Jahre älter als angenommen. Demnach geht der nunmehr älteste Wehrturm der Alpen also nicht auf die namensgebende Äbtissin Angelina Planta zurück, die von 1478 bis 1509 amtete. Schriftliche Quellen sind übrigens kaum vorhanden, denn zu oft hat es in den alten Häusern gebrannt.

Müstair, Kloster St. Johann, Plantaturm vor dem Kirchturm
Im Plantaturm des Klosters St. Johann (weisses Gebäude mit den Zinnen) befindet sich das Museum, dessen Ausstellung nun Etappe für Etappe erneuert wird.

Mit dem Umzug 2003 wurde die Ausstellung des Museums auf das Wesentliche ausgerichtet und zeigte nur wenige Ausstellungsstücke. Jetzt, nach 21 Jahren, geht es darum, die Dauerausstellung an die heutige Zeit anzupassen. In Anbetracht dessen, dass im obersten Stock des Plantaturms die Vorgängerinnen der heutigen Nonnen lebten und diese nun den Veränderungen in dieser «Privatsphäre» zugestimmt haben, darf man den acht verbliebenen Schwestern ruhig ein Kränzchen winden. Sie sind zwar mehrheitlich betagt, aber folgen dem Zeitgeschehen und wissen sehr genau, was sie zulassen wollen oder eben nicht. Schliesslich sind sie ja laut Grundbuchamt auch die Besitzerinnen des gesamten Anwesens.

Teil 1 der neuen Dauerausstellung

Insbesondere die Museumsleiterin Dr. Romina Ebenhöch und die Ausstellungsgestalterin Claudia Schmauder haben sich unendlich viele Gedanken gemacht. Das fängt bei der Sprache der Beschriftungen an (Deutsch, Italienisch, Englisch und Vallader, ein Idiom das im Tal gesprochen wird) und hört bei den Abwägungen bezüglich des klimatischen und sicherheitstechnischen Schutzes der Ausstellungsgegenstände nicht auf. Schliesslich ist aber ein spannender Einblick in das Leben der Nonnen entstanden, der uns sehr beeindruckt hat.

Museum Kloster St. Johann, Müstair, Vernissage zu Teil 1 der erneuerten Ausstellung, Dr. Romina Ebenhöch, Claudia Schmauder, Walter Anderau
Die Erneuerung der Ausstellung ermöglichen Museumsleiterin Dr. Romina Ebenhöch, Ausstellungsgestalterin Claudia Schmauder und Stiftungspräsident Walter Anderau (v. l.), hier bei der Vernissage der Ausstellung «Innenleben. Die barocken Nonnenzellen».

In einer der Zellen wird die Inneneinrichtung gezeigt. Wer sich über das kurze Bett wundert, muss wissen, dass früher oft halb sitzend und nicht die ganze Nacht hindurch geschlafen wurde. Gegen drei Uhr sind die Nonnen zum Gebet aufgestanden. Im Winter wurde es in den Zellen oft so kalt, dass das Wasser im Krug gefror…

In einer anderen Zelle sind Schreibutensilien ausgestellt, und wir erfahren – ziemlich perplex –, dass die Nonnen um Erlaubnis bitten mussten, um mit der Aussenwelt und der Familie brieflich Kontakt aufnehmen zu dürfen. Die Umschläge durften auch nicht verschlossen werden, was recht nahelegt, dass es schon vor langer Zeit Zensur gab…

Ihre wertvollsten Habseligkeiten bewahrten die Nonnen in Schatzkästchen auf. Darin landete wohl auch der eine oder andere nicht abgeschickte Brief… Viele dieser kleinen Truhen haben überlebt – einige dieser Schmuckstücke sind jetzt in der Ausstellung zu sehen.

Die früheren Nonnen war auch handwerklich sehr geschickt und stellten Textilien her, welche – modern ausgedrückt – die Signatur «made in Müstair» trugen. Massgeblich an dieser Kunst beteiligt, war Priorin Pia Willi (Amtszeit: 1986–2013). Vor ihrem Eintritt ins Kloster besuchte sie die Kunstgewerbeschule in Zürich und wurde später Trachtenzeichnerin und Stickmeisterin. In der Ausstellung illustrieren zwei Beispiele die hohe Kunst des Nähens und Stickens vergangener Zeiten.

Das Highlight

Was vermutlich auch künftigen Museumsbesucherinnen und -besuchern am meisten «einfahren» wird, sind die teilweise sehr intimen Gespräche mit den Nonnen, die filmisch aufgezeichnet wurden und nun in drei Zellen quasi in Endlosschlaufe laufen. Man kann kurz reinhören oder sich hinsetzen und sich in die Aufzeichnungen vertiefen. (s. Bild ganz oben)

Unzählige Fragen werden von den Schwestern beantwortet, beispielsweise, weshalb sie ins Kloster gegangen sind, was ihre schwierigsten Momente waren, wie das Leben im Kloster aussieht… Es sind sehr berührende Gespräche, die einem das Innenleben des Klosters und auch der Schwestern näherbringen.

Die Zukunft

Die zweite Etappe der Museumserneuerung wird am 7. September 2024 eröffnet. Das Thema lautet «Bun Viadi. Wege von und nach Müstair», das bestens zu den Europäischen Tagen des Denkmals (7./8. September 2024) passt, die heuer unter dem Motto «Vernetzt» stehen. Auch wenn die Val Müstair abgelegen und im südöstlichsten Zipfel der Schweiz liegt, ist es dennoch gut vernetzt. In der neuen Ausstellung werden überraschende Zusammenhänge aufgezeigt, die beispielsweise zum Kloster Einsiedeln, aber auch bis nach Santiago de Compostela und Rom führen. Wir sind gespannt!

Museum Kloster St. Johann, Müstair, Vernissage-Apero
Beim Vernissage-Apero der ersten Etappe mischen sich die Schwestern liebend gerne unter die anwesenden Gäste und geniessen mit ihnen das eine oder andere Glas Wein.

Infos zum Klostermuseum Müstair

ANREISE
Mit dem Auto, oder mit der Rhätischen Bahn ab Landquart bzw. Chur nach Zernez, von dort mit dem Postauto weiter.

HOTEL
Hotel Chasa Chalavaina
Plaz Grond 24
7537 Müstair
www.hotelchalavaina.ch

Wir haben das historische Hotel in unserem Beitrag Hotel Chasa Chalavaina – die Vergangenheit lebt! eingehend beschrieben.

DAS KLOSTERMUSEUM
Kloster St. Johann
7537 Müstair
www.muestair.ch

Stiftung Pro Kloster St. Johann
www.muestair.ch/kontakt/stiftung

DESTINATIONSINFOS
https://www.val-muestair.ch/de

© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch | 2024

Offenlegung: Wir waren zur Vernissage und für eine Übernachtung mit Abendessen eingeladen. Die Fahrkosten sind auf unsere Rechnung gegangen.