Das denkwürdige Corona-Jahr 2020 – hat es einen Jahresrückblick verdient? Nun, gerade spurlos ist es ja nicht an uns vorüber gegangen, selbst wenn wir als Reisejournalistin/-fotograf/-blogger ein eher ruhiges, aber keineswegs langweiliges Jahr hatten. Lass Dich überraschen!
Jahresrückblick 2020 1
Rückblick ins corona-geprägte 2020

Alle unsere Reisepläne, die wir schon in trockenen Tüchern wähnten, haben sich in Luft aufgelöst. Im Jahresrückblick 2019 schrieben wir noch glücklich: «So geht es also mit Volldampf ins neue Jahr, von dem wir jetzt schon wissen, dass es die Erfüllung eines langegehegten Wunsches für uns bereithält: Moskau–St. Petersburg auf der (Wasser)Strasse des Zaren! Und die Manatees (Seekühe) von Crystal River, Florida, warten auch schon auf uns – juchheee!» Tja, sie warten noch immer…

Januar bis Mai – Unvorstellbares wird möglich

Als wir im Januar auf Pressereisen in Lermoos und im Tannheimer Tal sind, ahnen wir noch nicht, was auf uns zukommen würde. Aber im Hotel Post Lermoos und im Hotel Hohenfels geniessen wir die Tage, den Sternenhimmel und die winterliche Umgebung.

Zugspitze, Sternenhimmel
Auf der Zugspitze ist es im Januar zwar bitter kalt, aber unsere ersten Fotos vom Sternenhimmel sind gar nicht mal sooo übel.
Tannheimer Tal, Winter
Winterwonderland im Tannheimer Tal…

Im Februar wird dann langsam klar, dass aus der Touristikermesse ITB Berlin nichts werden würde. «Nur» wegen des IMM (International Media Marketplace) nach Berlin zu fliegen, lohnt sich ja auch nicht. Also: Anmeldung zurücknehmen und Flüge absagen. Kurze Zeit später werden fast alle Flieger vom Himmel geholt – Unglaubliches passiert auf unserem Planeten… Wer mir vor zwei Monaten gesagt hätte, dass auf dem Flugplatz Dübendorf die Swiss- und Edelweiss-Flieger in Reih und Glied parkiert werden und die Kondensstreifen am Himmel gegen null gehen, dem hätte ich den Vogel gezeigt.

Homeoffice ist bei uns ja eh schon seit Jahren Tatsache. Immerhin sind wir diesbezüglich erprobt und ziemlich diszipliniert, wenngleich ich schon merke, dass ich mir morgens mit Zeitunglesen viel mehr Zeit nehme als früher. Es läuft ja nichts davon. Mit dem Lockdown wird auch die direkte Umgebung, die ohne Auto und ÖV erreichbar ist, zwecks körperlicher Ertüchtigung interessanter. Aber irgendwann hat man es dann doch gesehen… Ab Ende April werden in der Schweiz die Massnahmen gelockert, und wir suchen uns Plätze an der Sonne, wie den Heidsee in der Lenzerheide. Der allererste Tagesausflug seit Monaten ist für uns ein Hochgenuss!

Juni und Juli – erste Freiheiten

Im Juni reisen wir für die GlücksPost nach Genf – nach Monaten unsere erste «weitere» Reise! Was für ein Gefühl! Und immer schwingt die Frage mit: Machen wir das Richtige? Egal. Wir geniessen die Tage in vollen Zügen, schnuppern etwas Freiheit, sind aber extrem vorsichtig.

Genf, Jet dEau
Ganz schön aufregend, nach so langer Zeit zu Hause ans andere Ende der Schweiz zu fahren: Genf mit dem berühmten Springbrunnen.

Da die Grenzen wieder offen sind, entschliessen wir uns, auf der französischen Seite des Genfersees – was für ein Abenteuer! – zurück in die Schweiz zu fahren und sind vom Mittelalterörtchen Yvoire hell begeistert.

Yvoire, Lac Leman
Yvoire besucht man am besten bevor die Schiffe mit Horden von Passagieren eintreffen.

Den Heimweg gestalten wir mit Umwegen, weil wir noch ein paar Klein-Luftseilbahnen für einen entsprechenden Buchtipp ausprobieren wollen – Sbb, Selbstbedienungsbahn, inklusive. In Grächen und in Gadmen wird je einmal übernachtet.

Ende Juni, knapp bevor die Coronaschutzmassnahmen in der Schweiz wieder ein wenig verschärft werden, führen uns zwei Pressereisen erstmals wieder für mehr als drei Stunden ins Ausland. Es stellt sich uns schon die Frage, ob wir die Reise wirklich unternehmen sollen. So ganz sicher sind wir nicht, aber schliesslich entscheiden wir uns doch für die Tiroler Bergwelt! Wir fühlen uns mutig und ein klein wenig verwegen, als wir zu den Steinböcken ins Pitztal (Beitrag folgt später) und in die zauberhafte Wildschönau fahren. Doch in der Bergwelt erinnert nur die Maskenpflicht in den Bahnen an Corona. Das fühlt sich unheimlich gut an! Und deshalb hängen wir auf dem Rückweg auch gleich noch das Südtirol an, um eine Reportage über das sensationelle Hotel Hohenwart in Schenna zu realisieren. Wir fühlen uns wie Glückspilze! Und wir sind froh, dass wir die Reise gewagt haben. Sie hat der Seele gut getan…

Pitztal, Rifflsee, Floss
Mit dem Floss auf dem Rifflsee im Pitztal unterwegs – welch herrliche Auszeit!

August bis Oktober – nochmal raus aus der Schweiz

Der August ist von kleineren Ausflügen geprägt (auf den Bachtel, nach Poschiavo), und es finden zwei Presseanlässe statt, die ersten des Jahres. Was ist es doch schön, die schreibenden Kolleginnen und Kollegen und die Leute von der Deutschen Zentrale für Tourismus und von Österreich Werbung nach so langer Zeit wiederzusehen! Es ist wie ein Fest – allerdings unter hohen Schutzauflagen und mit viel Abstand. Zumindest räumlich.

Im September nächtigen wir im Kloster Disentis, verbringen privat eine knappe Ferienwoche im Tessin und unternehmen dann unsere letzte Auslandreise 2020: Für die GlücksPost fahren wir nach Bad Tölz. Nein, der Bulle ist nur am Rande ein Thema. Wir sind wegen des Schriftstellers Thomas Mann angereist. Schon im Mai hätte das Thomas-Mann-Festival stattfinden sollen, doch es wird schliesslich in den Oktober verschoben. Neben vielen tollen Erlebnissen rund um Thomas Mann und allerlei Kulinarisches in Bad Tölz (Beitrag folgt später), kommen wir auch dazu, uns mit Daniel Dorfer vom Fernwehblog für ein Abendessen zu treffen. Wie schön, wenn man einen Blogger, den man bislang «nur» aus dem Internet kannte, persönlich trifft… Hat riesig Spass gemacht!

Kloster Disentis, Schweiz, Graubünden
Die prächtige Orgel in der Martinskirche des Klosters Disentis.
Monte Generoso, Ausssicht
Vom Monte Generoso aus sieht man auf viele Teile des Tessins.

November und Dezember – die Welt wird kleiner

Im November unternehmen wir nur noch Tagesausflüge zu Zeiten, zu denen sich möglichst wenige Leute an unseren Zielen aufhalten. In Gottlieben decken wir uns mit unseren geliebten Gottlieber Hüppen ein und im Atzmännig sagen wir den Ziegen Hallo. Der Caumasee bei Flims steht schon lange auf unserer Wunschliste, also besuchen wir ihn an einem kühlen Vormittag. Vor dem Hochnebel flüchten wir uns auf die Rigi und schliesslich auch noch auf den Chäserrugg, wo wir uns zu schönster Aussicht ein «Plättli» gönnen.

Gottlieben, Schweiz
In der kleinsten Gemeinde der Schweiz gibt es wunderschöne, alte Gebäude und süsse Hüppen.
Caumasee, Flims, Graubünden, Schweiz
Der Caumasee ist im Sommer ein beliebter Badesee. Im Winter empfiehlt sich eher eine Umrundung.
Rigi Kulm, Schweiz, Nebelmeer
Wir fliehen aus dem Hochnebel, um das ausgedehnte Nebelmeer vom Rigi-Kulm aus zu bewundern.
Chäserrugg, Toggenburg, Churfisten, Schweiz
Das war unsere letzte Flucht 2020 aus dem Nebel an die Sonne. Auf dem Chäserrugg, der Teil der Churfirsten ist, lassen wir es uns gerne gut gehen.

Wir fühlen uns glücklich, dass wir die paar Reisen unternommen haben und etwas auslüften konnten. Vorsicht war – und ist noch – stets unsere Begleiterin. Wo es zu viele Menschen hat, gehen wir nicht hin. Auch mit Maske nicht. Auf individuellen Reisen mit dem Auto ist Abstandhalten gut einzuhalten. Aber man hätte uns weder in einen Zug noch in ein Flugzeug bekommen, in dem man sich stundenlang aufgehalten hätte.

Wegen steigenden Corona-Ansteckungszahlen, ist jetzt ohnehin immer mehr Zuhausebleiben angesagt. Wir treffen uns mit den Leuten von diversen Tourismusregionen virtuell, nehmen zum ersten Mal an einer Online-Weinverkostung teil und seit es kälter ist, sind auch die Kontakte zu den Freunden weniger geworden. Zeit also, für besinnliche Momente, ruhige Abende und – in Erinnerungen schwelgen…

Was für ein Jahr, das da zu Ende geht…! So viele schöne Momente, aber auch viel tragische Geschehnisse, die nicht wie Wasser abperlen, die niemals vergessen gehen. Dennoch wollen wir zuversichtlich ins Jahr 2021 schauen. Ohne grosse Pläne, sondern einfach alles annehmend, wie es kommt. Als leidenschaftlich Reisende sind uns die Flügel sicher noch einige Zeit gestutzt. Aber lieber noch ein Weilchen zu Hause, dafür gesund bleiben.

Festtagsgruss, Nordlicht, Norwegen, Hurtigruten, Postschiff
Diese Nordlichtaufnahme stammt von unserer Hurtigruten-Reise 2019 mit dem Postschiff Vesterålen von Bergen nach Kirkenes und zurück.

In diesem Sinne wünschen wir Dir gute Gesundheit, viel Geduld und etwas Gelassenheit. Die Zeiten werden wieder besser werden. Ganz sicher. Ausserdem möchten wir uns für Deine Treue bedanken. Ohne Dich, ohne all unsere Leserinnen und Leser, wäre alles nichts. Danke, dass Du da bist!

Herzlich
Inge & Heinz

Wir freuen uns, dass dieser Beitrag zu einem Teil der “Die trotz Corona Blogparade: Urlaub und Reisen 2021von Daniels Fernwehblog geworden ist!

© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch | 2020