West Cork – sattes Grün, Mythen und Meer

Irland hat eine besonders verlockende Ecke: West Cork im Südwesten der Insel.

Der Steinkreis von Drombeg ist einer der am besten erhaltenen Irlands.

Publiziert am 07. August 2012

 

Das Blau des Himmels und des Meeres verschmelzen am Horizont. Aber nur für einen kurzen Augenblick. Dann schieben sich dicke Wolken wie Kulissenwände auf einer Theaterbühne ins Bild und verändern die ganze Atmosphäre. Ich könnte stundenlang zuschauen, hier auf einem für die Gegend schon alpin anmutenden Hügel von 197 Metern Höhe in der südwestlichsten Ecke Irlands. Doch wer kommt schon nach West Cork und hat nur den Himmel anzuschauen?! Das würde zwar ganz gut zu Irland passen, denn seit das Wirtschaftswunder 2008 in einer Krise mündete und sich insbesondere in den ländlichen Gegenden Ernüchterung breit gemacht hat, ist jede Hektik gewichen. Die Iren haben wieder alle Zeit der Welt.

Steinkreis zum Staunen

Wie ganz früher, als man in der Bronzezeit zur Wintersonnenwende darauf wartete, dass sie Sonne «wieder kommt», die Tage wieder länger werden. So soll der Zweck des Steinkreises von Drombeg gewesen sein, anhand des Lichteinfalls die Sonnenwende zweifelsfrei anzuzeigen. Dass die Sonne nicht wiederkehren könnte, war eine grosse Sorge für die damaligen Bewohner Irlands. Drombeg stellt eine Seltenheit dar: Der gut erhaltene Steinkreis wurde Ende der 1950er Jahre ausgegraben, leicht renoviert und ist einer der meistbesuchten Plätze der Megalithkultur in Irland. Zwischen den Menhiren stehend, halte ich inne, lege die Hand auf den einzigen liegenden Stein und versuche, alte Zeiten zu spüren. Diese kann man sich ein paar Meter weiter, beim Betrachten der Mauerreste einer Rundhütte, etwas besser vorstellen – und ist angesichts der beengten Wohnverhältnisse sogleich froh, im 21. Jahrhundert zu leben.

Umso mehr geniesse ich also die Weite im nahe gelegenen Glandore. Gemütlich an einem Tisch sitzend breiten sich vor mir ein Teller «Moules et frites», die Bucht und das Meer aus. Hinter mir liegt das Glandore Inn und dazwischen die Strasse, die ich fast nicht wahrnehme, weil sie kaum befahren ist.

Die Bucht von Glandore - sehr beschaulich.

Lough Hyne ist ein Salzsee und beherbergt seltene Tiere.

Abendstimmung im Hafen von Castletownshend.

Chilenischer Riesenrhabarber fühlt sich hier offensichtlich wohl.

Knockomagh, ein kleiner Berg mit Aussicht - und nur zu Fuss erreichbar.

Herrschaftlich wohnt man im Liss Ard Estate.

In diesem Zipfel Irlands sind tatsächlich wenige Autos unterwegs. Deshalb kann man die übrigens sehr sauberen Landstrassen ganz gut auch als Wander- und Radwege benützen. Union Hall erreicht man beispielsweise über eine schmale, einspurige Brücke, die immerhin in der Mitte eine Ausweichbucht aufweist. Und Castletownshend ist berühmt für die zwei Platanen, die wie ein Bollwerk mitten in der Hauptstrasse stehen. Seit jeher kurven alle, die zum Hafen oder ins Marie Ann’s Pub wollen, halbwegs auf dem Trottoir fahrend um die Bäume herum. Das geht alles nur, weil das Verkehrsaufkommen klein ist.

Sympathische Mythen

Wie kommt es nur, dass eine solche Situation die Jahrhunderte überdauerte? Vielleicht liegt es eben doch an den sagenhaften Feen, Elfen und Gnomen? Denn so katholisch das Land ist, so abergläubisch sind seine Bewohner. Angenommen, es hausen Feen in diesen Bäumen, so wird es einem Iren unmöglich sein, sie zu fällen. Der Aberglaube gehört hier zum Alltag. Jeder Ort hat seine heilige Quelle, von der man sich jeweils am 1. Februar, am Tag der Heiligen Brigit, etwas Wasser holt und sich damit die Augen wäscht, um sie gesund zu halten. Und wenn wir schon bei alten Bräuchen sind, hier noch einer: Jeweils an Aschermittwoch verbrennt man in der Kirche Palmenzweige, deren Asche in einem Gefäss zu Hause aufs Kaminsims gestellt wird. Das soll Einbrecher abwehren.

Sehr verbreitet sind in West Cork auch Fairyrings, Feenkreise. Wer sie zerstört, wird vom Unglück verfolgt. Da werden schlimme Geschichten erzählt, beispielsweise jene von dem Bauern, der mit einem Bagger einen solchen Kreis unterbrach und den Tag nicht überlebte. Eine wichtige Bedeutung haben die keltischen Ringforts, von denen es in West Cork mehrere gibt. Die Archäologen gehen davon aus, dass sie zum Schutz gegen Wölfe und Viehdiebe erbaut wurden, aber auch als Lagerort, denn die meisten Ringforts wurden mit unterirdischen Räumen, sogenannten Souterrains ausgestattet. Diese Ringforts werden im Gälischen auch Rahts, Liss und Dun genannt. So weist der Name Liss Ard auf ein Ringfort mit Souterrain hin. Liss Ard Estate ist heute eine riesige Gartenanlage mit Herrenhaus, Lodge am See und dem «Sky Garden Crater» des Künstlers James Turrell. Wer in Liss Ard übernachtet, fühlt sich wahrlich wie ein Herr – oder eine Dame – des gehobenen Adels.



INFOS & TIPPS ZU WEST CORK

Anreise 
Mit Swiss Zürich–Dublin und von dort mit dem Mietauto in 4 Stunden nach Skibbereen. Oder nach Cork und von dort mit dem Auto in 1 1/2 Stunden nach Skibbereen.

Unterkunft

Liss Ard Estate, Castletownshend Road, Skibbereen, www.lissardestate.com

Restaurants

The Church Restaurant, Skibbereen: Meeresfrüchte und mehr in einzigartigem Kirchenambiente. www.thechurchrestaurant.ie
Bushe’s Bar, Baltimore: Der Chef tischt gute und preiswerte Krabbensandwiches auf. www.bushesbar.com
Mary Ann’s Pub, Castletownshend: Das Lokal ist eine Institution! Gutes Essen (Meeresfrüchte), gute Atmosphäre, nicht ganz günstig, aber den Besuch alleweil wert. www.westcorkweek.com/maryanns/
Glandore Inn, Glandore: Z. B. leckere Moules et Frites zu genialer Aussicht über die Bucht. www.theglandoreinn.com

Sehenswert

Steinkreis von Drombeg: Weil er so gut erhalten ist, stellt der Steinkreis von Drombeg eine Seltenheit dar und zählt zu den meistbesuchten Orten der Megalithkultur in Irland. Ausser dem Steinkreis sind Mauerreste von Rundhütten vorhanden. Das Gelände nahe von Glandore ist frei zugänglich.
Castletownshend: Beachtenswert sind die Glasfenster der Kirche St. Barrahane, der kleine Hafen sowie Mary Ann’s Pub. Und wo stehen schon zwei Platanen mitten in der Hauptstrasse?! Halb auf dem Trottoir fahrend muss man sie umkurven.
Skibbereen: Die quirlige Kleinstadt lädt zum Bummeln und Beobachten ein. Sehenswert ist der Farmers’ Market, der im Sommer jeden Samstag stattfindet. Bauern und (Kunst-)Handwerker bieten hier ihre Produkte an.
Cork: Ein Muss ist der English Market. Alles, was die Region und das Meer an Essbarem liefern, wird in diesem historischen Markt angeboten – und noch ein paar Dinge mehr... Für Shoppingfreaks eignen sich St. Patrick’s Street und Umgebung.

Allgemeine Infos  www.discoverireland.ch

Tourism Ireland, Zürich
Tel. +41 44 210 41 53

info.ch (at) tourismireland.com

 

Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung von Ireland Tourism und Liss Ard Estate.


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