Terceira: Vulkane und Weinkeller

Die grüne Azoreninsel Terceira ist eine Wundertüte - voller Kühe und Überraschungen.

Der Blick vom Kraterrand erinnert an einen Flickenteppich.

Publiziert am 04. Juni 2012

 

Die Vulkaninsel sieht aus wie ein Flickenteppich und leuchtet in allen Grüntönen. Die Häuser, die das Grün durchbrechen, wirken wie weisse Flecken, die Kühe wie kleine schwarz-weisse Tupfer, die Mäuerchen wie ein feines Gitternetz. Gegen das Meer hin scheinen die Felder in sanften Wellen davonzuschwimmen. Genau so muss bei der Entstehung des Kraters die Lava in den Atlantik geflossen sein. Vom Aussichtspunkt auf dem Kraterrand aus geniessen wir den Anblick und sind tief beeindruckt von der Azoreninsel Terceira.

Eben landeten wir auf dem Flughafen von Lajes, von São Miguel herkommend, der Hauptinsel der portugiesischen Inselgruppe. Thomas, ein vor 20 Jahren auf Terceira hängen gebliebener Deutscher, erklärt, weshalb der Flughafen des Eilandes eine überdimensionierte vier Kilometer lange Landebahn hat: wegen der Amerikaner. Sie betreiben auf Terceira seit 1913 einen Stützpunkt. Von den ursprünglich 1500 US-Soldaten wachen aber nur noch 600 auf der Insel.

Mehr Kühe als Einwohner

Die Azoreaner haben sich seit je mehr nach Westen denn nach Europa orientiert. Kaum einer, der keine Verwandten in Amerika hat. Die Insulaner aus armen Verhältnissen suchten ihr Glück jenseits des Grossen Teichs. Wer hier geblieben ist, lebt hauptsächlich von der Vieh- und Milchwirtschaft. Die Rinder sorgen für ein gesichertes Einkommen, denn für jede Kuh gibt es einen Zuschuss vom Staat. Deshalb kommen auf jeden der 60 000 Einwohner Terceiras zwei Kühe.

Wir besuchen Praia da Vitória, das einen Sandstrand und eine kleine Fussgängerzone mit Boutiquen aufweist. Das Städtchen ist picobello geputzt. Wen wundert es - schliesslich kommt auf der Insel jeden Tag die Müllabfuhr! Traumhafte Ausblicke verspricht nicht nur der Kraterrand, sondern auch der Monte Brasil in Angra do Heroísmo. Von hier hat man eine tolle Aussicht auf die Insel und auf die älteste Stadt der Azoren. Nach dem verheerenden Erdbeben 1614 wurde Angra auf dem Reissbrett angelegt und im Renaissancestil neu aufgebaut. Am 1. 1. 1980 zerstörte ein weiteres Erdbeben 80 Prozent der Stadt. Heute beeindruckt sie durch elegante Paläste, Herrenhäuser und alte Kloster, die allesamt zum Unesco-Weltkulturerbe zählen. Das Fort auf dem Monte Brasil ist übrigens das grösste Portugals, wurde von Spaniern erbaut und nie eingenommen.

Beim Schwimmen in Biscoitos vergisst man die Zeit

Terceira ist eine Insel voller Verlockungen: zum Beispiel das Naturschwimmbad von Biscoitos. Das Meer speist das in die löchrige, biskuitartige Lava gehauene Becken. Der Schwimmer ist bestens geschützt vor der Brandung, sieht nur Lava und das klare, blaue Meer und fühlt sich wie in einem Traum. Man sollte Zeit und Raum aber nicht vergessen, sondern nach dem nassen Vergnügen weiterziehen zum Weingut von Biscoitos.

Luis Mendes Brum, Weinbauer und Begründer des Weinmuseums, arbeitet mit Hingabe in dritter Generation in der Casa Brum. Er ist von der Entwicklung im Weinbau tief enttäuscht. Weil die Weingegend zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, bekommen die Weinbauern Zuschüsse. Aber die Kollegen würden die Arbeit nicht mehr richtig machen, ärgert sich Brum. Das Pflegen der flach wachsenden Reben und die Ernte zwingen die Winzer zu einer gebückten Haltung. «So will heute niemand mehr arbeiten», erzählt Brum, «selbst meine Söhne nicht.» So sieht er keine Fortsetzung seines Wirkens, weder im Museum noch in den Weinfeldern. Dabei schmecken Brums Weine ausgezeichnet, sie runden das überraschende Erlebnis Terceira ab.


© Text & Fotos: Point Media, Inge Jucker

Der Hauptplatz von Praia da Vitória.

Vom Monte Brasil geniesst man die Aussicht auf Angra do Heroísmo.

In São Sebastião steht das wohl schönste Heiliggeisthäuschen.

Die Naturschwimmbecken von Biscoitos laden zum Bade.

Von Steinmäuerchen geschützt gedeihen die flach am Boden wachsenden Reben.

Luis Mendes Brum steckt Herzblut in seine Weine.

 

INFOS ZUR AZORENINSEL TERCEIRA

ANREISE Mit Air Berlin ab 535 Franken via Düsseldorf oder mit TAP ab 890 Franken über Lissabon nach São Miguel. Terceira und weitere Azoreninseln mit Sata Airline oder Fähren erreichbar.

UNTERKUNFT Wohnen im Museum auf Terceira: www.quintadomartelo.net

ATTRAKTIONEN
Algar do Carvão: der begehbare Vulkanschlot, befindet sich ziemlich genau in der Mitte von Terceira.
Der Weinkeller Casa Brum und das Weinmuseum an der Canada do Caldeira in Biscoitos werden von Luis Mendes Brum mit viel Herzblut geführt.
Inselführer Thomas Krönling kann direkt gebucht werden: casa.acores (at) sapo.pt

 

 

Die Reise wurde unterstützt von Travelhouse-Sierramar: www.travelhouse.ch


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