Toskana: Borgo San Felice

In einem mittelalterlichen Dorf wohnen und die Atmosphäre eines Weingutes geniessen – das ist für Toskana-Reisende ein Höhepunkt.
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Morgenstimmung Richtung Piazza von San Felice. Links die (Hochzeits)Kapelle (von hinten) des Hotel-Dorfes, rechts der Palazzo der ehemaligen Besitzer.

Publiziert am 13. März 2019

Im Borgo San Felice ist das Toskana-Gefühl für Besucher und Gäste ganz einfach perfekt. Im Dorf, das sich  schön herausgeputzt hat, angekommen und den Alltagsstaub aus den Kleidern geklopft, fühle ich mich gleich wie in eine andere Welt versetzt. Jene, die sich in der Geschwindigkeit nach der Natur richtet. In die Welt der Weinbauern, die hier ihre teils weltberühmten Weine keltern, und der Olivenbauern, die ihr gesundes «Gold» pressen. Ausserdem fühle ich mich in der Zeit zurückversetzt – fast, aber nicht ganz ins Mittelalter, denn schliesslich wird in diesem Hotel-Dorf hinter den alten Mauern für neuzeitlichen Luxus gesorgt.

Das Dorf geht auf das Jahr 714 n. Chr. zurück und erlebte während des Mittelalters einige Auseinandersetzungen zwischen Siena und Florenz. Im 18. Jahrhundert kam es in den Besitz der noblen Familie Del Taja aus Siena. Sie wohnte im Palazzo an der Piazza mit Blick auf die romanische Kapelle. Irgendwann im letzten Jahrhundert verliessen die Bewohner den Borgo weil die Schule und die Post geschlossen wurden und sie ganz einfach keine Perspektiven mehr hatten. Somit waren die Häuser dem Zerfall preisgegeben. 1991 wurde das Dorf – mittlerweile im Besitz der Allianz-Gruppe – restauriert und in ein Hotel umgebaut, dessen 33 Zimmer und 20 Suiten auf viele verschiedene Häuser verteilt sind. Es wurde viel Wert darauf gelegt, die Art der ursprünglichen Einrichtung zu erhalten und edle, regionale Materialien zu verwenden. So wurden alt und neu sehr angenehm miteinander kombiniert. Ausserdem sind alle Zimmer etwas unterschiedlich eingerichtet.

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Die Häuser und Eingangsbereiche des Borgo San Felice sind herrlich verwinkelt und äusserst romantisch.

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Die Kapelle an der Piazza (diesmal von vorne gesehen) und rechts das Gebäude mit der Rezeption und der gemütlichen Bar.

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Das grösste und vornehmste Gebäude an der Piazza ist der Palazzo, in dem sich mein Zimmmer befindet.

 

WOHNEN WIE ANNO DAZUMAL


Ich beziehe meine Suite im ersten Stock des besagten Palazzos des Marchese Del Taja. Sie ist unaufgeregt, klassisch eingerichtet, und in den beiden Räumen habe ich viel Platz. Hier fühle ich mich gut aufgehoben. Aber ich bin neugierig. Rasch den Koffer auspacken und auf Erkundungstour gehen. Wie in einem richtigen Dorf kann man hier durch die Gassen spazieren, romantische Höfe und Winkel bewundern, dem Wellness-Haus oder der Kirche einen Besuch abstatten (sie ist allerdings selten genöffnet). Aber die Kapelle an der Piazza ist meistens offen. Deren Inneres finde ich gewöhnungsbedürftig, aber über Kunst lässt sich bekanntlich nicht streiten.

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Im ehrwürdigen Palazzo sind die Räume eher klassisch eingerichtet. Dies das Schlafzimmer...

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...und hier der Salon oder das Wohnzimmer.

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Im Badezimmer kommt der toskanische Stil etwas mehr zur Geltung.

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In einem anderen Gebäude sieht die Suite ganz anders aus: Modernes Design ist mit alten Torbogen und Holzbalken kombiniert.

Weinkeller haben auf mich eine magische Anziehungskraft... In San Felice lohnt es sich besonders, an einer Weinverkostung teilzunehmen, denn schliesslich liegt der Borgo mitten in der Chianti-Region und ist von 140 Hektaren Rebbergen umgeben. Hier werden 14 verschiedene Weine produziert, von Campogiovanni über Brunello di Montalcino DOCG und Poggio Rosso bis Vigorello; ausserdem verschiedene Grappi und der Dessertwein Vin Santo.

GEMÜSE AUS DEM EIGENEN GARTEN

Nach diesem veritablen Degu-Apéro geht's zum Abendessen. Man könnte jetzt im rustikalen La Terrazza tafeln, oder – wie wir – im Restaurant Poggio Rosso. Seinen Namen hat es von einem der beliebtesten San-Felice-Weine, dem Chianti Classico Poggio Rosso. In der Küche werden hauptsächlich lokale Produkte – auch aus dem eigenen Garten – verarbeitet, und so werden wir mit geschmorter Kalbsbacke, gerösteter Maremma-Zwiebel, Granatapfel, Sellerie und Polenta verwöhnt. Dazu wird der Weisswein Il Grigio 2011 San Felice eingeschenkt. Die zweite Vorspeise besteht aus Taubenragout mit Parmesan-Risotto, Taubenleber-Creme, gebratener Taubenbrust und Portweingelee, begleitet vom Rotwein Vigorello 2008 San Felice.

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Im Eingang zum Weinkeller von San Felice steht ein sonderbarer Stuhl: Was man nicht alles aus Weinkisten zimmern kann...

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Ganz klassisch und aufgeräumt wirkt dieser Teil des Weinkellers.

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Eine Auswahl der feinen San-Felice-Weine. Sie sind alle ein Genuss!

Der Hauptgang (ich kann schon fast nicht mehr): über Olivenholz geräucherte Fasanenbrust mit Kastanienfüllung, Trauben sowie in Weinblättern gekochte Steinpilze. Dazu wird der Klassiker Poggio Rosso 2007 San Felice gereicht. Weil's jetzt ja nicht mehr drauf ankommt gibt's zum Abschluss ein Trauben-Erdbeer-Gelee mit Mascarpone-Schaum, Kastanien sowie Granita aus grünem Apfel und Rosmarin, begleitet von Vin Santo In Pincis 2004 San Felice. Das Menü hat mir geschmeckt, und in der Bar Gli Archi lassen wir schliesslich den Abend ausklingen.

AUSFLÜGE INS LAND

Wer nicht mit dem eigenen Wagen angereist ist, findet vielleicht Vergnügen daran, mit einem gemieteten alten «Cinquecento», einem Fiat 500, die Umgebung zu erkunden. Wir haben uns jedenfalls in die kleinen Wägelchen gezwängt und sind losgefahren. In einer lokalen Olivenölproduktion haben wir Halt gemacht, in Montalcino mittaggegessen und ganz einfach die zauberhafte Landschaft genossen. Man hätte natürlich auch mit dem Velo ausfliegen können – das San Felice stellt Fahrräder zur Verfügung –, aber so ein Cinquecento ist einfach Kult. Siena liegt auch nur eine halbe Autostunde entfernt und ist sowieso immer einen Besuch wert.

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Ein Apéro im Weinkeller ist immer spannend, vor allem wenn die Weine stimmen.

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Abendstimmung beim Eingang zum Borgo.

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Wie wär's mit einem Ausflug mit alten «Cinquecentos»? Mit den Fiats 500 haben wir nicht nur Landstrassen unsicher gemacht.

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Ein weiterer Ausflug hat uns nach Siena geführt, u. a. in den Dom (Bild). Und das Caffè Alessandro Nannini, vom Bruder der Sängerin Gianna Nannini, sollte man auch nicht verpassen.

INFOS ZUM BORGO SAN FELICE


ANREISE
Wir sind nach Florenz geflogen. Von dort geht es in einer Autostunde zum Relais & Château-Hotel.

ADRESSE
Hotel Borgo San Felice
I-53019 Castelnuovo Berardenga
www.borgosanfelice.com


© Text & Fotos: Inge Jucker | Travel-Experience.ch | 2016

Offenlegung: Ich wurde zu dieser Recherchereise vom Hotel Borgo San Felice eingeladen und bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich.

 

 


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