Schottische Whisky-Wonnen

Für Freunde des Single Malts ist nur eine Ferienart perfekt: Die Reise auf den Spuren des Whiskys. Mit diesem Motto war ich auf den Inseln Islay und Skye unterwegs.
Schottland, Whisky, Talisker, Skye

Abendstimmung: Geradezu malerisch ist die Destillerie Talisker auf der Insel Skye gelegen.

Publiziert am 30. Juni 2014

Der Wind zupft an Haaren und Jacke, treibt mir Tränen in die Augen und Wolken vor sich her über die saftiggrüne Küste von Islay, der südlichsten Insel der Inneren Hebriden. Wann der Regen einsetzt, ist nur eine Frage der Zeit. Aber keine Sorge: So etwa alle 20 Minuten wechselt das schottische Wetter – dafür ist es schliesslich berühmt. Dann strahlt wieder die Sonne vom blauen Himmel, der nun von Schäfchenwolken fotogen geziert wird.

Noch berühmter ist Schottland aber für seine Whiskys, seine Single Malts, um genau zu sein. Früher wie heute produzieren viele Destillerien für die sogenannten Blends (Mischungen) der grossen Marken wie Johnnie Walker und J&B. Erst gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kam man auf die Idee, diese je nach Beschaffenheit von Boden, Malz, Wasser, Brennblasen und Fässern völlig unterschiedlich schmeckenden Whiskys als Single Malts ungemischt und unverfälscht anzubieten. Und erst seit jener Zeit ist die «Jagd» auf die Lieblinge der «Malt-Aholics» eröffnet.

EIS IST EIN KILLER
Auf der Insel Islay – «Eila» ausgesprochen – besuchen wir die Destillerie Lagavulin in Port Ellen und lassen uns zunächst durch den Produktionsablauf führen. Seit mindestens 1816 wird hier Whisky in den teilweise historischen Gemäuern produziert. Die Krönung ist aber logischerweise die Degustation. Wir haben den bekannten «Whisky-Autoren» Dave Broom in unserer Mitte, der glasklare Antworten auf unsere Fragen hat: Whisky on the rocks? Ein absolutes No-go! Eis killt die Aromen. Und wie steht es mit Wasser im Whisky? «Das kann», so erklärt Broom, «eine wahre Aromaexplosion auslösen.» Wenn der Whisky zu sehr in Rachen und Hals brennt oder der rauchige Geschmack allzu stark ist, gibt man nur ein Flaschendeckelchen voll stilles Wasser dazu und probiert nochmals. Oft werden so die einzelnen Aromen viel intensiver – «das Wasser versprengt die Moleküle» –, während sich das Rauchige interessanterweise zurückzieht. Dieser Rauchgeschmack hat seinen Ursprung übrigens im Torf, der in der Gegend gestochen und in der Mälzerei weiterverarbeitet wird.

Während die Single Malts von Islay als besonders kräftig und stark gelten, werden den anderen Insel-Whiskys uneinheitliche Charaktere nachgesagt. Also muss man sich da wohl oder übel hindurch degustieren – vorausgesetzt, man hat genügend Zeit. Und auch auf dem schottischen Festland gibt es genügend Destillerien, die mit Besichtigungen und Degustationen locken...

Wir reisen durch eine zauberhafte, dank der vielen Wetteränderungen immer wieder unterschiedlich beleuchtete Landschaft Richtung Norden. Kühe und Schafe weiden gemeinsam, dazwischen steht ein Pferd, schüttelt stolz seine Mähne… Eigentlich möchte man gerne anhalten, Papier und Pinsel hervorholen, um diesen herrlichen Kitsch festzuhalten. Doch wir wollen unser Ziel, die Isle of Sky, erreichen.

Die «Insel des Nebels» ist die grösste der Inneren Hebriden. Stilecht, so schwärmen Kenner, erreicht man sie nur auf dem Wasserweg mit der Fähre. Doch schneller und auch nicht ganz unspektakulär ist die Fahrt über die Skye Bridge von Kyle of Lochalsh nach Kyleakin.

ZU GAST BEIM KLAN-CHEF
Die höchste Erhebung der Insel ist der 993 Meter hohe Sgurr Alasdair im Gebirge der Black Cuillins. Sportliche finden hier ein grosses Betätigungsfeld, von Biken über Wandern bis Klettern. Hübsche Hotels und Lodges gibt es einige – wir sind bei Lord Macdonald of Macdonald, dem 34. Donald-Klan-Chef und seiner Frau, Lady Claire Macdonald, einquartiert. Ihnen gehört die Kinloch Lodge, traumhaft an einem Meeresarm gelegen, mit der einzigen Michelin-Stern-Küche der Insel. Lady Claire ist zudem Kochbuchautorin.

Schottland, Whisky, Lagavulin, Islay

Mit dieser Ansicht werden Besucher der Destillerie Lagavulin auf der Insel Islay begrüsst.

Schottland, Whisky, Talisker

Die kupfernen Brennblasen von Talisker.

Schottland, Three Chimneys

Vom Hotel/Restaurant Three Chimneys aus geniesst man diese Aussicht über den Loch Dunvegan.

Schottland, Skye, Seehunde

Auf Bootstour entlang der Küste von Skye entdecken wir Seehunde.

Schottland, Skye, Kinloch

Ein kleines Bijou, die Kinloch Lodge auf Skye.

Schottland, Eilean Donan Castle

Mystisch: das Eilean Donan Castle, nicht allzu weit von Loch Ness entfernt.

Doch zurück zum Single Malt. Skye hat nur eine Destillerie aufzuweisen, dafür eine sehr bekannte und geschichtsträchtige: Talisker. Idyllisch in Carbost am Ufer des Loch Harport aufgebaut, wurde sie 1830 in Betrieb genommen. Ihre Geschichte handelt von unfähigen Geschäftsmännern, die bankrott gingen, und von Betrügern, die Whisky verkauften, den sie gar nicht hatten. Doch selbst das hat dem Ruf des «Königs der Getränke» nicht geschadet. Nur die Flammen kannten kein Pardon: 1960 fiel die Destillerie samt Lagerhaus einem Feuer zum Opfer. Lediglich zwei Jahre später waren die Gebäude wieder aufgebaut, doch das Lager zu füllen, dauerte satte zehn Jahre!

WASSER UND MEERESLUFT
Für die Whisky-Produktion braucht es nicht nur viel, sondern auch gutes, weiches Wasser. Die Angaben über die Anzahl unterirdischer Quellen schwankt zwischen 13 und 21 – aber egal: diese Quellen sprudeln immerhin seit 1830 und tragen zur Einzigartigkeit des Talisker bei. Dass die Destillerie früher auch eine eigene Mälzerei betrieb, ist an zwei kleinen Türmchen zu erkennen, die für Mälzereien typisch sind. Heute stammt der Torf nicht mehr von der Insel, sondern aus dem Nordosten Schottlands, und die Mälzerei ist in der Nähe von Inverness zu finden.

Talisker schmeckt sehr würzig. Salzduft liegt in der Luft – und ist auch im Single Malt vertreten, typisch für die Insel-Whiskys. Die rauchige Süsse und der Torfgeschmack gehören ebenso zu den Aromen wie eine pfefferige Note. Das ist die allgemeine Charakterisierung. Geht man auf die einzelnen Jahrgänge ein, kommen Komponenten wie Honig, Melone, Schokolade, Mandeln, Chili und viele mehr dazu.

Ja, und wer jetzt vom Whisky und dem windig-romantischen Inselleben genug hat, dem sei der Besuch von Inverness empfohlen. Unterwegs kann man beim meist fotografierten Castle Schottlands, dem Eilean Donan Castle, Halt machen. Trutzig steht es in einer unwirklich wirkenden Landschaft – je nach Wetter mehr oder weniger dramatisch. Man meint, es müsse hier seit Jahrhunderten stehen, doch weit gefehlt: Die heutigen Gebäude wurden zwischen 1912 und 1932 aus den Ruinen der Vorgänger wieder aufgebaut. Einmalig ist das Castle aber trotzdem – genauso wie eine Schottlandreise auf den Spuren des Single Malts.



INFOS ZUR WHISKY-REISE


ANREISE
Islay: Per Flugzeug nach Glasgow, von dort mit British Airways auf die Insel Islay. Wer Zeit hat, mietet in Glasgow einen Wagen und gelangt schliesslich in ca. 7 Stunden inklusive Fähre (zweimal täglich) nach Islay.
Skye: Per Flugzeug nach Inverness, von dort mit dem Mietwagen weiter.

ÜBERNACHTEN/ESSEN
Islay
Port Charlotte Hotel,
www.portcharlottehotel.co.uk;
The Harbour Inn, www.harbour-inn.com;
Bridgend Hotel, www.bridgend-hotel.com

Skye
Kinloch Lodge, Sleat, Isle of Skye
Tel. +44 1471 833 333, www.kinloch-lodge.co.uk:
Kleine, stilechte und gemütliche Lodge. Zumindest gegessen haben sollte man hier, im einzigen Michelin-Stern-Restaurant der Insel. Und unbedingt dem Küchen-Shop von Lady Claire einen Besuch abstatten!

The Three Chimneys, Colbost, Isle of Skye
+44 1470 511 258, www.threechimneys.co.uk:
Hervorragend zum Essen, aber auch herrlich zum Übernachten. Das mehrfach ausgezeichnete Haus liegt nur von der Strasse getrennt am Loch Dunvegan.

BOOTSAUSFLUG
Bella Jane Boat Trips, Elgol, Isle of Skye
Tel. +44 1471 866 244, www.bellajane.co.uk:
Die Insel Skye vom Wasser aus zu erleben, ist einmalig schön. Mit Glück entdeckt man unterwegs Robben, Delfine und sogar einen Minkwal.

DESTILLERIEN
Lagavulin, Port Ellen, Islay, und Talisker, Carbost, Skye: www.malts.com

Ausführliche Infos zu allen schottischen Destillerien, die Führungen und Degustationen anbieten: www.scotlandwhisky.com

BUCHTIPP
«Schottland» von Andreas Neumeier, Michael Müller Verlag, ISBN 978-3-89953-854-0: Auf 790 Seiten macht dieser Reiseführer facetten- und detailreich neugierig auf Schottland. Er ist bei der Reiseplanung genauso hilfreich wie vor Ort. Andreas Neumeier schreibt klipp und klar – auch darüber was sich lohnt anzuschauen, und was eher nicht. Das Buch ist sozusagen eine Nutzwertbombe ;-)

ALLGEMEINE INFOS

www.visitscotland.com
www.visithighlands.com
www.islayinfo.com
www.skye.co.uk

 
© Text & Fotos: Inge Jucker | Travel-Experience.ch

Diese Reportage wurde durch Diageo ermöglicht.


Nach oben

NEWSLETTER-ABO

Abonnieren Sie unseren Newsletter und verpassen Sie keine Reisereportage mehr.


>>> Zum Newsletter-Abo