Irland: So sauber - man könnte neidisch werden

Vor kurzem war ich in Irland unterwegs. Sie glauben es nicht: da liegt nicht mal ein Fetzchen Papier am Strassenrand!

Publiziert am 28. August 2012

Die Picknick-Plätze werden so hinterlassen, wie man sie aufgesucht hat: sauber! Und das liegt nicht daran, dass pausenlos ein Strassenkehrer Unrat zusammenfegt, sondern an den Iren, die ihre Abfälle ganz einfach ordentlich entsorgen. Okay, in Dublin sind die kleinen Fahrzeuge mit den rotierenden Bürsten schon unterwegs. Aber hier gibt es auch viele Touristen.

Tja, und jetzt schauen Sie mal die Schweiz ein wenig genauer an. Die wird doch immer so gelobt, wie sauber sie sei. Stimmt üüüberhaupt nicht! Das ist nur eines der Clichés, das sich genau so hartnäckig hält, wie: Die Schweizer haben die Schokolade erfunden – es waren die Italiener, die Schweizer haben nur noch die Milch dazugetan. Oder die Schweiz sei ein Käseland (das sind Frankreich, Italien und Österreich auch).

Wenn ich mir unsere grösseren Städte ansehe oder die Strassenränder der Autobahnen, dann fühle ich mich an Italien und Griechenland der 1980er-Jahre erinnert: Alu-Dosen, PET-Flaschen, Plastiksäcke, Zigarettenschachteln... Ein Graus! Okay, einen Kühlschrank habe ich in der Schweiz noch nicht am Strassenrand gefunden. Aber kürzlich beobachtete ich durchs Fenster des fahrenden Trams, wie eine etwa 18-Jährige sich die Nase schnäuzte und das Papiertaschentuch einfach fallen liess wo sie gerade ging. Und dies nicht etwa verstohlen im Verborgenen, sondern völlig ungeniert und gut sichtbar. Hallo?! Wohl mit 180 durch die Kinderstube gedüst?! Wahrscheinlich stellt sich auch die Frage: Welche Kinderstube...?

Jedenfalls habe ich in Irland angefangen, mich für mein Heimatland ein wenig zu schämen. Natürlich will ich nicht behaupten, wir Schweizer wären Nieten im Entsorgen von Müll. Im Gegenteil! Wir sind Weltmeister im Trennen von Abfall - und dennoch schaut es an gewissen Orten grauslig aus. Und das lässt sich auch nicht den Touristen in die Schuhe schieben. Da müssen wir schon vor unserer eigenen Haustüre kehren - damit die Schweiz wieder so sauber wird, damit sie in ihr altes Cliché passt.

 


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