Nachtzug – in Zukunft ohne mich

So nach dem Motto «Einmal im Leben muss man mit dem Nachtzug von Zürich nach Wien gefahren sein», steigen wir in besagten Zug ein.

Ziemlich beengt: Eine Zweier-Koje im Nachtzug Zürich–Wien.

Publiziert am 29. März 2017

Unsere Kabine finden wir erstaunlich schnell: Wagen 301, Bettplätze 055 und 051. Die Bettennummerierung werde ich wohl nie verstehen, aber egal. Ein paar Stufen führen hinauf zur Kabine, die beiden Koffer lassen wir erst mal unten stehen.

Türe auf, leer geschluckt und losgeprustet! Da kann ich mich ja gerade mal um die eigene Achse drehen – und was macht mein Göttergatte Heinz?! Und zwei Koffer müssen da auch noch rein! Die können wir ja nicht einfach im Gang stehen lassen. In der Kabine gegenüber gibt es die gleichen fragenden und ironisch belustigten Gesichter. Da kann nur Humor helfen. Um 20:40 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung.

Die beiden übereinander angeordneten Pritschen sind bereits aufgeklappt und so hergerichtet, dass man sich gleich ins Bett legen könnte. Aber wir haben zuerst noch ein paar Platzprobleme zu lösen. Und – ganz wichtig! – zwei Fläschchen Sekt zu leeren. Danach würden wir sicher alles in den Griff bekommen.

Heinz weiss fast nicht, wohin mit sich. Aber Sekt hilft ;-)

EINER NACH DEM ANDEREN

Das Waschbecken hat glücklicherweise eine Abdeckung, so dass man Kleinigkeiten ablegen kann. Necessaire und Pyjama klauben wir aus den Koffern, die wir dann geschlossen nebeneinander auf den Boden legen, damit sie auf ihren Rollen nicht davonflutschen. Das reduziert die begehbare Fläche um mindestens 50 Prozent. Während sich Heinz umzieht und in die obere Koje klettert (hätte ich nie geschafft!), warte ich draussen im Gang. Dann bin ich dran. Die Nachbarn haben sich für das gleiche Prozedere entschieden. Gute Nacht!

Es wird ein unruhiger Schlaf. Und wie könnte es anders sein: Ausgerechnet in dieser Nacht muss ich zweimal raus. Für 43 Betten (wenn ich es richtig im Kopf habe) gibt es 2 Toiletten – und eine davon ist defekt. Ja merci! Das kann am Morgen, wenn alle aufs Klo müssen, ja heiter werden... Aber ich bin vor allen anderen wach, was mich ja nicht wundert, sondern ganz praktisch ist.

Unser Zugbegleiter, der für unser leibliches Wohl zuständig ist, nimmt es mit Gelassenheit. Überpünktlich kurz vor sechs Uhr kommt er, verstaut unsere Pritschen und klappt die Sitzbank hoch. Gipfeli und Kaffee machen uns munter. Wir freuen uns auf Wien, wo wir um 7:30 Uhr ankommen. Wir wissen jetzt mit absoluter Sicherheit, dass wir nächstes Mal wieder das Flugzeug nehmen werden. Oder wenn's denn sein muss ein Deluxe-Abteil buchen. Aber dann stehen die Kosten schräg in der Landschaft. Und der Zeitaufwand (schlappe 11 Stunden reine Fahrzeit) lohnt sich einfach nicht. Kein Wunder, sterben die Nachtzüge langsam, aber sicher aus...


Nach oben

NEWSLETTER-ABO

Abonnieren Sie unseren Newsletter und verpassen Sie keine Reisereportage mehr.


>>> Zum Newsletter-Abo