Montafon – Alpabtrieb im Kräutertopf

Eine Reportage über Kühe, Bienen, Blumen, Kräuter, Wanderungen und Spezialitäten wie Sura Kees – sowie einen ungnädigen Petrus.
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In höllischem Tempo springen die Kühe und Rinder talwärts. Einige tragen wunderschönen Blumenschmuck.

Publiziert am 11. August 2017

Ach! Petrus hat mal wieder mit schönem Wetter geknausert! Immerhin während des Alpabzuges in St. Gallenkirch war noch strahlender Sonnenschein. Geschmückte Pferde warten, bis die Kühe eintreffen und begleiten den muhenden und bimmelnden Tross, der von der Rinderalpe Vergalden Richtung St. Gallenkirch stürmt.

RASENDE RINDER

Wir haben lange auf die Kühe gewartet und es war auch ziemliche Glückssache, Datum, Ort und Zeit zu erfahren. Die Tourist-Info in Schruns hat aber gute Arbeit geleistet. Zusammen mit den Pferden warten wir – und dann geht alles ganz schnell! Schwupps sind die Vierbeiner vorbeigerannt. Später sehen wir sie noch einmal, unten in St. Gallenkirch auf einer Wiese, wo sie geduldig auf ihre Besitzer warten, die ihr Vieh nach Hause in den Stall bringen.

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Sogar die Pferdeschwänze tragen Blumensträusschen.

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Was für ein prächtig geschmücktes Rind! Ob es weiss, wie hübsch es aussieht?

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Ein Kalb mit Stoffglocken – sieht das nicht süss aus?!

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Den Abschluss macht der Traktor – ebenfalls geschmückt.

FLEISSIGE BIENEN

Tierisch geht es auch bei Harry Trautmann zu. Bei ihm stehen allerdings Geflügelte, nämlich Bienen im Fokus. Während wir uns vom Dorfimker von Schruns in die Welt der Bienen entführen lassen, ist Petrus etwas unschlüssig, aber er hält durch. Deshalb sind die Bienen auch noch fleissig unterwegs und kehren mit Pollensäckchen an den Hinterbeinen in den Bienenstock zurück. Die Honigproduktion ist zwar noch im Gange, aber ab Ende August werden die Bienen in Ruhe gelassen, da wird also kein Honig mehr geerntet. Frühestens im Mai gibt es dann wieder vom süssen Gold. Wie gut, dass Harry noch etwas Vorrat hat.

In Vorarlberg leben etwa 1200 verschiedene Sorten Wildbienen – wow! Harrys Bienen sind aber keine Wildbienen und bekommen in harten Zeiten sogar Futter. Vier Liter dieses Bienenfutters werden in einer Nacht locker verputzt! Der Dorfimker erzählt spannend und unterhaltsam, und wir finden es schade, dass wir mit ihm nicht auf Bienenwanderung gehen können. Die bietet er nämlich jeweils dienstags über das Tourismusbüro an.

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Solche Bienenkörbe aus Stroh und Wachs stellt Imker Harry Trautmann selber her. Aber einfacher zu handhaben sind natürlich die Bienenkästen mit den Rahmen drin.

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Blick in einen Bienenkasten – emsiges Treiben, trotz der neugierigen Störefriede.

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So ein Hut mit Netz ist ganz beruhigend, wenn man mit Bienen zu tun hat. Aber am tollsten ist natürlich der Honig, der als Souvenir mit nach Hause kommt.

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In Schruns gibt es schöne Gärten – kein Wunder, fühlen sich Bienen hier wohl.

KRAUT UND REZEPTE

Statt einer Bienen- unternehmen wir mit Wanderführerin und Kräuterspezialistin Imelda Dönz eine gemütliche Blumen- und Kräuterwanderung. Petrus fühlt sich schon wieder nicht besonders wohl und wir rechnen mit Regen... Aber wir ziehen trotzdem los und bekommen Kräuter, Blumen und Früchte erklärt. Das Montafon ist ein veritabler Kräutertopf – und Imelda kennt sich sehr gut darin aus: Schafgarbe hilft bei Blasenbeschwerden, Spitzwegerich ist als Sirup gut für die Lunge, der Breitwegerich nützt bei Ohrenschmerzen und gegen Mückenstiche (einfach Blatt zerknüllen und damit den Stich einreiben), der Blutwurz wirkt bei Magenproblemen...

Ich bin schon fast berauscht von so vielen Informationen. Mein Notizbüchlein wird langsam, aber sicher zum Herbarium! Auf einer Seite das Pflänzchen, auf der anderen Name, Wirkung, Zubereitung und andere Tipps. Unsere Kräuerführerin weiss auch allerlei Anekdötchen zu erzählen und es gibt immer mal wieder etwas zu lachen und zu verkosten. Und der Heinz ist sich ganz sicher, dass er nächstes Jahr einen Zirbenschnaps selber herstellen wird, nach einem alten Rezept, das er unterwegs von einer ebenfalls alten Montafonerin bekommen hat. Sie hat es vom Pfarrer, aber das war nicht ganz nach ihrem Gusto, erklärt sie augenzwinkernd. Also hat sie es einfach abgeändert. Nun, wir sind gespannt!

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Während unserer Blumen- und Kräuterwanderung kommen wir an diesem hübschen kleinen Bauerngarten vorbei.

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Im Sommer ist die Kneippanlage Brönna bestimmt einladend – wir verzichten auf Fussbäder...

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Pause von den vielen Kräutern! Hier gibt es herzige Kühe zu bewundern!

ALLES KÄSE

Jetzt fehlen uns noch die Berge – schliesslich gibt es hier viele Bergbahnen und unzählige Kilometer Wanderwege. Aber Petrus ist heute ein Spielverderber. Die Wolken hängen tief und sind auch nicht ganz dicht. Trotzdem fahren wir mit der Kristbergbahn von Silbertal aus auf den Kristberg. In der Werbung wird er als der Geniesserberg des Montafons bezeichnet – wollen wir doch mal sehen... Wir kehren im Panoramagasthof Kristberg ein und lassen uns typisch montafonerisch mit Käsespätzle sowie in Speck gehüllten Sura Kees verwöhnen. Letzteres ist ein sehr vielseitig einsetzbarer Sauerkäse, dessen Herstellung auf das 13. Jahrhundert zurückgeht. Hier wird übrigens alles frisch zubereitet und Glutamat ist ein Fremdwort – juchheee! Ja, klar, wir sind nach dem Mittagessen restlos zufrieden und satt!

Wir fahren auch noch von Gargellen aus auf den Schafberg, denn dort warten ein Schmugglerpfad (der in die Schweiz führt) und Mountaincarts für eine rassige Talfahrt. Aber jetzt hat Petrus endgültig den Dienst quittiert – es regnet in Strömen. Tja, auch das gibt es im Montafon – doch keine Sorge am nächsten Tag scheint bestimmt wieder die Sonne.

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Heute eine trübe Sache: Wir sind auf dem Weg auf den Kristberg hinauf.

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In Speck eingewickelter Sura Kees auf Salat – eine echte Montafoner Spezialität. Und eine Belohnung, dass wir doch auf den Kristberg gefahren sind.

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Das Panoramarestaurant Kristberg ist so richtig herzlich eingerichtet.

 

INFOS ZUM MONTAFON


ANREISE
Am einfachsten wohl mit dem eigenen PW, oder mit dem RailJet nach Bludenz und von dort mit der S4 nach Schruns.

BESTE REISEZEIT
Wer den Alpabzug erleben möchte, sollte im September ins Montafon reisen. Es ist allerdings nicht ganz einfach, die genauen Daten und Orte in Erfahrung zu bringen. Am besten in der Tourist-Info nachfragen. Wer die Abtriebe verpasst, geht am besten wandern – es gibt genügen schöne Routen. Von Frühling bis Herbst werden auch verschiedene geführte Wanderungen angeboten (siehe weiter unten).

UNTERKUNFT
Hotel Auhof

Auweg 14
A-6780 Schruns
http://www.montafon.com/Auhof/
Die öffentlichen Räume sind rustikal eingerichtet und passen sehr gut zur Gegend. Unser Zimmer zur Strasse war in Sachen Lärm kein Problem, es hat kaum Verkehr. Die Zimmereinrichtung war okay, aber sehr (!) klein und abgenützt empfanden wir das Badezimmer. Vielleicht sind die Zimmer zum Garten hin ja schöner – wir hoffen es, denn sonst würden wir das Haus nur der Küche wegen empfehlen. Die hat unsere Zimmersituation wettgemacht. Wir haben beide Abende im Hotel gegessen und waren sehr zufrieden. Lisas Schokolade-Dinkel-Tarte ist ein Traum: nicht zu süss, feucht und irgendwie fruchtig! Das Frühstücksbüfett mit seinen vielen Brotsorten, Aufschnitt, Käse etc. liess ebenfalls keine Wünsche offen.

Wer nicht in einem Hotel wohnen möchte, findet im Montafon auch sehr schöne Ferienwohnungen.
>>> Infos

RESTAURANT
Panoramagasthof Kristberg

bei der Bergstation der Kristbergbahn, Silbertal
https://www.kristberg.at/index-de.html
Hier kann man übrigens auch Zimmer buchen.

Schafberg Hüsli
bei der Bergstation
Ab Gargellen mit der Schafbergbahn, zu Fuss oder per Bike zu erreichen.

WANDERUNGEN UND MEHR
Blumen- und Kräuterwanderung

Jeweils mittwochs um 10:30 Uhr startet die etwa vierstündige Wanderung vor dem Tourismusbüro in St. Gallenkirch. Man kann sich bis um 18 Uhr des Vortages (auch online) anmelden. Kosten: 10 Euro für Erwachsene, 8 Euro für Kinder. Der Betrag ist möglichst passend in bar mitzubringen. Wanderschuhe mit Profilsohle notwendig; Proviant und Getränk mitnehmen.
>>> Infos

Bienenwanderung mit Imker Harry Trautmann
Jeweils dienstags startet die einfache, etwa vierstündige Tour um 12:30 Uhr am Bahnhof Schruns. Anmeldung (auch online möglich) jeweils bis 18 Uhr am Vortag. Kosten: 10 Euro für Erwachsene, 8 Euro für Kinder. Der Betrag ist möglichst passend in bar mitzubringen.
>>> Infos

Schmugglerpfad
Der Schmugglerpfad ist eine abwechslungsreiche Rundwanderung mit traumhaftem Bergpanorama. Die Tour startet bei der Bergstation der Schafbergbahn (Gargellen) beim Bergrestaurant Schafberg Hüsli (2.130 m) und führt über das St. Antönier Joch (2.379 m), den Gafiersee (2.290 m) sowie das Gafierjoch (2.415 m) in der Schweiz und endet wieder beim Schafberg Hüsli.
Die Rundwanderung dauert ca. 4,5 Stunden.
>>> Infos und Karte

Mountaincarts
Die Alternative für eine Talfahrt: Fast wie bei einem GoKart, jedoch nur auf drei Rädern und ohne Motor. Man fährt von der Bergstation Schafberg den Forstwegen entlang ins Tal hinunter.
>>> Infos


WEITERE INFOS
www.montafon.at
www.gargellen.at
www.austria.info


© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | Travel-Experience.ch

Offenlegung: Wir waren von Montafon Tourismus zu dieser Reportage eingeladen.


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