Menorca – die stille Schönheit 1

Die Insel für Wandervögel, die es gerne ruhig angehen und sich für echt menorquinische Schuhe und Gin interessieren.
Spanien, Balearen, Menorca, Naturschutzgebiet S'Albufera des Grau, Abendstimmung

Eine der schönsten Ecken Menorcas ist das Naturschutzgebiet S'Albufera des Grau (mehr dazu gibt's dann in Teil 2 der Menorca-Reportage).

Publiziert am 25. August 2017

Menorca – schon so oft gehört und jetzt sind wir endlich da! Auf die stille Schwester der Baleareninsel Mallorca bin ich richtig neugierig. Während man auf Mallorca, «der Grösseren», ruhige Ecken eher suchen muss (aber auch findet), wirkt Menorca, «die Kleinere» (und dennoch zweitgrösste der Baleareninseln), von Grund auf entspannt. Ich glaube, das Wort Hektik kennen die Menorquiner gar nicht. Aber Stolz und Sauberkeit.

Als eine Hausfrau in Mahon einen Kübel Wasser aufs Trottoir schüttet und rasch mit dem Schrubber darüber fegt, fällt mir auf, wie sauber es hier überall ist. Wow! Da liegt nirgends auch nur ein Fitzelchen herum. Und darauf sind die Menorquiner stolz. Man muss einfach grosszügig darüber hinwegsehen, dass das Hauptkraftwerk der Insel immer noch mit Öl betrieben wird, und es nur einen Wind- und einen Solarpark gibt. Da ist also doch noch Potenzial in Sachen Sauberkeit... ;-)

Spanien, Balearen, Menorca, Mahon

Morgenstimmung in der Hauptstadt Mahon. Man kommt gemächlich in den Tag – nur der Los-Verkäufer ist schon bereit.

Spanien, Balearen, Menorca, Cala Galdana

Die Bucht bei Cala Galdana schillert in allen Blautönen – fast karibisch.

Spanien, Balearen, Menorca, Cala Galdana, Hotel Artiem Audax

Das Gebäude rechts ist unser Hotel Artiem Audax. Man ist rasch im kleinen Hafen, aber auch am Strand.

WEITWANDERUNG RUND UM DIE INSEL

Auf dem berühmten Inselrundwanderweg «Cami de Cavalls» sieht es natürlich auch super sauber aus. Von Cala Galdana aus, wo sich unser Hotel Artiem Audax befindet, unternehmen wir eine Kurzwanderung auf dem «Weg für Pferde», der schon Jahrhunderte alt ist. Eine Zeit lang ist er in Vergessenheit geraten, doch in den 1980er-Jahren hat man damit begonnen, den Weg, der streckenweise durch Privatgrund führt, wieder durchgängig zu machen. Wer den gesamten, 185 km langen Weg gehen möchte, muss das in Etappen tun und für Transporte von und zum Hotel besorgt sein. Entlang des Weges gibt es weder Wasser noch Übernachtungsmöglichkeiten. Ronald Fritz, unser Inselguide, organisiert mehrtägige Touren inkl. aller Transporte.

Überhaupt. Ronald, gebürtiger Österreicher, scheint ein sehr patenter Typ zu sein. Er geht auf unsere Wünsche ein und weiss immer etwas Spannendes zu erzählen. Auf dem Rundgang durch die Hauptstadt Mahon erfahren wir, dass die Stadt über einen der grössten Naturhäfen der Welt verfügt. Dort konnten ganze Flotten untergebracht werden, was z.B. die Briten zu nutzen wussten. Doch davon später.

ALTES SANDALENHANDWERK

Neben Landwirtschaft und Tourismus leben die Menorquiner von der Modeschmuckindustrie – z.B. Swarovski – und von der Schuhindustrie. Letztere ist zwar nicht mehr ganz so wichtig wie früher, aber bei den Damen sorgt sie noch immer für Entzückung. Es gibt hier endlos viele Ballerinas, Pumps und Sandalen zu kaufen, aber wer etwas typisch Menorquinisches erstehen will, kauft sich Avarcas.

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Vielleicht 100 Meter von unserem Hotel Artiem Audax entfernt lockt der Strand...

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Mit diesen Wegweisern ist der Küstenwanderweg Cami de Cavalls gekennzeichnet.

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Im Schuhhimmel! Wer unter diesen Avarcas nicht die passende Farbe findet, dem ist nicht mehr zu helfen.

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Den Gin aus der Destillerie Xoriquer in Mahon muss man zumindest probiert haben.

Die Geschichte der Avarcas ist schon über hundert Jahre alt, als Schuhe vom spanischen Festland noch so unpraktisch wie unbezahlbar waren. Also suchten und entwickelten die Schäfer und Fischer einen Schuh, der für ihre Arbeit in den Bergen und auf See gut geeignet war. Familienbetriebe wie Calzados Ria und Avarcaria sind stolz auf die alte Handwerkskunst, nach der auch heute diese Damen- wie auch Herrenschuhe noch hergestellt werden. Nur die Sohlen sind nicht mehr aus alten Autoreifen, sondern aus dünneren und leichteren Gummiplatten – allerdings mit Reifenprofil; in Anlehnung an die alten Pneuzeiten. Und ja: Natürlich musste ich mir auch Avarcas kaufen. Ein Tip: Sollte ein Avarca nicht optimal sitzen, einfach einen anderen ausprobieren. Die Modelle sind zwar gleich, aber da sie in Handarbeit gefertigt werden, gibt es minimale Unterschiede, die genau zum passenden Avarca führen können.

LIEBER GIN ODER POMADA?

Was ebenfalls als Mitbringsel in den Koffer wandert, ist eine Flasche Gin. Also... DER menorquinische Gin von Xoriguer. Die Destillerie ist in der Hauptstadt Mahon am Hafen zu finden. Neben Gin werden auch diverse Liköre hergestellt sowie Pomada, die alkoholische Grundlage für den Inseldrink. Er ist eine ziemlich süsse Angelegenheit, da konzentriere ich mich doch lieber auf den traditionellen Gin, der auf die Zeit zurückgeht, als Menorca den Briten gehörte.

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Eine geschwungener Veranda oder ein übergrosser Erker? Egal... Von dort möchte man das Treiben in den Gassen Mahons beobachten.

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In der Markthalle von Mahon kann man sich treiben lassen – es gibt viel zu entdecken!

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Das Hotel mit berühmtem Hausgeist: Collingwood House. Am besten sieht man es vom Wasser aus.

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Der Bootsausflug führt auch an der Illa del Rei, der Königsinsel vorbei. Sie ist zu Ehren König Alfons III. so benannt worden, weil er mit seinen Truppen von dort aus Menorca zurückeroberte.

Die stationierten Soldaten vermissten nämlich ihren Wacholderschnaps und so importierten findige Menorquiner kurzerhand Wacholderbeeren, um daraus auf Weinalkoholbasis Gin herzustellen. Tja, und ungefähr so wird er noch heute im Familienunternehmen Xoriguer hergestellt und in unterschiedlich geformte Flaschen abgefüllt. Es ist wirklich überall der gleiche Gin drin, der übrigens sehr herb und kräftig schmeckt.

EINE HAUPTSTRASSE – ZWEI HAUPTSTÄDTE

Zwischen Schuhen und Gin haben wir uns natürlich auch die Sehenswürdigkeiten von Mahon, der aktuellen Hauptstadt, angeschaut, beispielsweise die Hauptkirche Santa Maria und den Markt (der Fischmarkt war leider geschlossen). Da und dort ist klassischer englischer Kolonialstil zu entdecken, der Mahon etwas Charme verleiht. Auch eine Bootsfahrt musste sein, denn vom Wasser aus geniesst man einfach eine andere Perspektive. Ausserdem kann man so die Lazarettinsel sehen, die Illa del Rei (Königsinsel), viele Festungsanlagen und die Residenz des britischen Admirals Collingwood. Heute ist die rote Villa im englischen Stil ein Hotel mit Hausgeist. Offenbar soll sich des Admirals Geist noch im Haus herumtreiben...

Menorca hat genau eine Hauptstrasse und die verbindet Mahon mit der ehemaligen Hauptstadt Ciutadella am anderen Ende der Insel. Die Verlegung der Hauptstadt, die den Engländern zu verdanken ist, scheint heute noch für unterschwellige Konkurrenz zu sorgen. Sticheleien gehören fast zur Tagesordnung. Wie auch immer, ich finde, Ciutadella ist ein herrlicher Ort, um gemütlich zu bummeln und ein wenig zu shoppen. Es hat hübsche Restaurants, eine alte Markthalle, den viel älteren Bischofspalast und natürlich die gothische Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert. Ein paar Stunden kann man hier gut verweilen.

Jetzt haben wir uns eher an der Küste mit ihren Städten und Stränden aufgehalten. Was das Inselinnere zu bieten hat und wieso Mahon die Heimat der Mayonnaise ist, gibt's im zweiten Teil der Reportage zu entdecken.

Spanien, Balearen, Menorca, Ciutadella, Hafen

Wenn man um das Gebäude der Tourist-Info geht, kann man auf eine Terrasse steigen und von dort das hübsche Ciutadella übeblicken.

Spanien, Balearen, Menorca, Ciutadella, Kathedrale

Ein imposanter Bau ist die Kathedrale von Ciutadella. Die muss man unbedingt auch innen anschauen.

Spanien, Balearen, Menorca, Ciutadella, Palacio Episcopal

Gleich nebenan befindet sich der Palacio Episcopal mit seinem romantischen Innenhof.

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In Ciutadella möchte man ständig einkaufen, sei es in der Markthalle oder in einem Laden wie diesem, der herrliches Gemüse und Früchte anbietet. Zum Reinbeissen...

 

INFOS ZU MENORCA Teil 1


Alle Infos zu beiden Reportagen können hier als PDF heruntergeladen werden.

ANREISE
Die Flugsituation ändert von Saison zu Saison und von Jahr zu Jahr. Direktflüge sind meist nur als Charter buchbar (z.B. bei Rhomberg Reisen), Linienflüge führen mit Umsteigen in Barcelona oder Madrid nach Mahon.

BESTE REISEZEIT
Von Frühling bis Herbst ist es auf Menorca angenehm. Man hat sich allerdings nach den Flugplänen der jeweiligen Airlines zu richten.

HOTEL
Artiem Audax

Passatge Riu
Cala Galdana, Menorca
https://www.artiemhotels.com/de/audax/hotel-audax
Das 4-Sterne-Hotel liegt 100 m vom Strand entfernt in einer schönen Bucht. Weitere tolle Strände sind zu Fuss erreichbar, und auch der Cami de Cavalls, der Inselrundweg, führt dort vorbei. Es handelt sich um ein Erwachsenenhotel mit schöner Poolanlage, erhöhten Liegeflächen mit Aussicht auf die Bucht und dem BlueSpa mit vielseitigem Behandlungsangebot. Die Bar La Colina mit Aussenbereich ist sehr angenehm. Manchmal gibt es abends drinnen Livemusik, dann ist die Bude jeweils rammelvoll und sehr laut. In den Restaurants Galdana bzw. Oliva haben wir immer gut getafelt. Unser in frischen Farben gehaltenes Zimmer hat genügend Platz geboten, war komfortabel und angenehm. Wir hatten ein normales Doppelzimmer mit Balkon und Sicht auf die Poolanlage. Farben spielen im Artiem Audax übrigens eine grosse Rolle.

Hier können Sie das Hotel direkt buchen! (Affiliate-Link*)

*) Wenn Sie diesen Link verwenden, bekommen wir eine kleine Provision, worüber wir uns natürlich sehr freuen würden. :-) Dankeschön.


RESTAURANTS
La Minerva

Moll del Llevant, 87
Mahon, Menorca
www.restaurantelaminerva.es
Man kann im Haus am Hafen oder im schwimmenden Zeltpavillon davor tafeln. Fische und Meeresfrüchte waren frisch und gut, das Ambiente über Wasser sehr ansprechend.

Can Bernat des Grau
Crta. Mahon–Fornells km 3
Nordwestlich von Mahon gelegen
Geniales Restaurant für alles, was aus dem Wasser kommt, von Fischen bis Meeresgetier. Wir haben dort am Mittag eine Art Mese gegessen, das heisst, wir konnten von ganz vielen verschiedenen Speisen probieren. Hat alles wunderbar geschmeckt. Gute Qualität in sehr ländlichem, gemütlichem Ambiente. Vielleicht etwas schwierig zu finden...

DIVERSE ADRESSEN
Avarcas de Menorca

Carrer de ses Moreres, 47
Mahon, Menorca
www.avarcashop.com
Eine der Adressen, um echte menorquinische Avarcas zu erstehen!

Gin Xoriguer Destileria
Andén de Poniente nº 91
07701 Mahon, Menorca
www.xoriguer.es

Ronald Fritz

Inselguide
www.menorcaslow.net
Ronald, unterhaltsam und wortgewaltig, ist ein sehr interessanter und vielwissender Guide, den wir sehr, sehr gerne weiterempfehlen. Er ist auf (Wander)Gruppen spezialisiert (da organisiert er alles von A–Z), aber sein «Tägliches Programm» wie er seine zusätzlichen Angebote auf der Website nennt, können individuell gebucht werden. Absolut lohnenswert und man kann sicher sein, dass es ein lehrreicher, humorvoller Tag sein wird.


WEITERE INFOS
www.menorca.es

Für Vogelbeobachter, Kajakfahrer, Taucher, Radler und Wanderer hat Menorca Tourism spezielles Karten- und Infomaterial erstellt, das bei der Planung und Orientierung sehr hilfreich ist. Diese und viele weitere Broschüren können von der Menorca-Website unter Information > Downloads heruntergeladen oder im Tourismusbüro in Mahon (Cami des Castell, 28) abgeholt werden.


© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | Travel-Experience.ch

Offenlegung: Wir waren von Rhomberg Reisen, Dornbirn, eingeladen. Der österreichische Reiseveranstalter ist bekannt für seine handverlesenen Reiseziele wie Korsika, Lefkas, Madeira und mehr.

 

 


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