La Rösa – Schlafen wie anno dazumal...

Historischer Charme, nachhaltiger Komfort und meckernde Ziegen – das ist der natürliche Luxus, der zur ehemaligen Säumerstation im Puschlav gehört.
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Der «Badesaal» im La Rösa im Puschlav sorgt für das grosse Staunen.

Publiziert am 15. Februar 2018

Aktualisiert. Ursprüngliche Veröffentlichung 2012


Welch ein Erwachen! Der Blick über die rot-weiss karierte Bettdecke wandert vom altmodischen Waschtisch mit Schale und Wasserkrug entlang der friesverzierten Wand hinüber zum Fenster, das von nostalgischen Wandmalereien gesäumt ist. Die Frage nach dem aktuell herrschenden Jahrhundert stellt sich genau so lange, bis man wach genug ist, um sich daran zu erinnern, dass man in der ehemaligen Säumerstation La Rösa zu Gast ist.

EINRICHTUNG DER EXTRAKLASSE

Das wohlige Klima unter der Daunendecke reizt, noch ein Stündchen liegen zu bleiben und den Moment zu geniessen. Doch die Neugierde auf die Aussicht, die Berge, das Wetter und nicht zuletzt auf das herzhafte Bauernfrühstück lässt keine Ruhe. Raus aus den Federn und ab ins Badzimmer auf der Etage. Badesaal wäre wohl bezeichnender: Mitten im riesigen Raum steht eine Kupferwanne, an der Wand ein Plüschsofa, gegenüber eine Toilette, die man eher als blumenverzierten Thron bezeichnen möchte, ein Holzofen liefert Wärme und heisses Wasser... Aufwachen! Das ist La Rösa!

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Das unscheinbare Hotel, die ehemalige Säumerstation, von aussen.

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Über hundertjährige Wandmalereien original erhalten – das macht Freude.

Seine ersten Gäste sah die Post- und Säumerstation 1899, wenngleich das Haus bereits im 17. Jahrhundert auf 1880 m ü. M. erbaut wurde. Prominentester Gast war der Zürcher Dichter C. F. Meyer, der dem Ort nahe der Berninapasshöhe gar ein Gedicht widmete. Bereits die Römer kannten die Route, lange bevor schwer beladene Saumtiere den Veltliner fassweise nordwärts über den Pass schleppten. Autos, der Ausbau der Passstrasse und der Bahn machten die Säumerstation mit der Zeit überflüssig. Sie verfiel in einen tiefen Dornröschenschlaf.

WACHGEKÜSST

Im Sommer 2010 hat sich alles geändert. In monatelanger Renovation ist das Haus entrümpelt, entstaubt und aufgefrischt worden. Seither erstrahlt es in «altem Glanz», wie er um 1910 üblich war. Die Wandmalereien sind – man kann es kaum glauben – alle original erhalten! Mit gutem Gespür ist historischer Charme mit heutigen Ansprüchen kombiniert worden. Wer das Ungewöhnliche mag, fühlt sich hier garantiert wohl.

Frühstück und Abendessen geniesst man gemeinsam an der langen Tafel im Sala da pranzo «Leonardo Da Vinci» mit einzigartigen Wandmalereien. Für Haus- und andere Gäste werden Puschlaver und Bündner Spezialitäten auf dem Holzofen gekocht – beispielsweise Capunet, eine Art Spätzli mit Spinat, Kartoffeln und Käse. Wunderbar! Oder Kaninchenragout mit Polenta.

So ursprünglich wie der Holzherd sind auch die Möbel, die – aufgefrischt – im ganzen Haus stehen. Die Betten haben neue, im Puschlav handgefertigte Rosshaarmatratzen bekommen, und selbst die Bettüberwürfe sind von Dorffrauen aus Poschiavo genäht worden. Diese Authentizität sorgt für eine bodenständige Atmosphäre, Hektik ist hier ein Fremdwort. Diese Ursprünglichkeit, das bereichernde Erlebnis, geerdet zu sein, ist heutzutage purer Luxus.

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Das Badezimmer samt Sofa aus einer anderen Perspektive.

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Rustikal und wie anno dazumal, aber sehr gemütlich: eines der Schlafzimmer im Erdgeschoss.

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Die Ziegen sind bei den Gästen sehr beliebt – genauso wie der Käse, der aus der Ziegenmilch hergestellt wird.

FRÖHLICHES GEMECKER

Wer schliesslich dem Erdgeschoss, dem ehemaligen Lager und Mulistall, einen Besuch abstattet, stellt verwundert fest, dass er über einem Ziegenstall wohnt. Insgesamt gehören etwa 240 Ziegen zu La Rösa. Im Sommer sind die Milchziegen auf der Alp Vartegna, während um die 40 bis 50 Jungziegen auf La Rösa bleiben und die Gäste fröhlich anmeckern. Die Mutterziegen geben die Milch, aus der feine Käse hergestellt werden. Die hauseigenen «Prodotti di Capra» werden schliesslich im Käsekeller gelagert. Und gleich nebenan befindet sich der gepflegte Weinkeller.

Für Genuss ist also jederzeit gesorgt, nicht nur kulinarischer, sondern auch kultureller Art. Denn ein Teil des Heustalls wurde zu einem aussergewöhnlichen Kultursaal mit Empore renoviert. Es finden Konzerte statt und es kann hier auch geheiratet werden. Erwähnenswert ist die Bruderschaft «Fraternita La Rösa», ein karitativer Verein, der die Bernina-Region sozial, ökologisch und kulturell fördert und in Not geratene Menschen aus der Umgebung unterstützt. Jeder Gast ermöglicht mit der Übernachtung eine Spende an die Bruderschaft, gegen eine geringe Gebühr kann man Mitglied werden.

La Rösa ist der optimale Ort, um «das System herunterzufahren», ein paar Tage lang geerdet zu sein und sich dem Genuss voll hinzugeben. Tagsüber bieten Wanderungen oder ein Bummel durch Poschiavo erfrischende Abwechslung und sorgen für den abendlichen Hunger, wenn an der langen Tafel die Kerzen angezündet und die einheimischen Gerichte serviert werden. Gut, dass das Bett mit dem nostalgisch rot-weiss karierten Duvet so nah ist...

 

 

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Wer fühlt sich da nicht um 100 Jahre zurückversetzt?! Wovon man in diesen Betten nach einem herzhaften Abendessen wohl träumt...?

INFO

 

La Rösa
Stazione della Posta
CH-7742 LA RÖSA - VALPOSCHIAVO
Tel. +41 (0)81 832 60 51
www.larosa.ch


Die Sommersaison dauert jeweils von Juni bis September.

© Text & Fotos: Inge Jucker | travel-experience.ch

Offenlegung: Wir waren von den La-Rösa-Besitzern für eine Übernachtung eingeladen.


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