Arktis – Antarktis: Jedem sein Polarschiff

Schiffsreisen in den Polargebieten haben andere Voraussetzungen und Regeln als im Mittelmeer. Das hat Auswirkungen, drum: Augen auf vor dem Buchen!

Die Polar Pioneer vor dem Samarin-Gletscher.

Publiziert am 06. Februar 2012

Bei den «gewöhnlichen» Kreuzfahrtschiffen wissen die Passagiere mittlerweile, worauf bei der Schiffswahl zu achten ist. Wer aber eine Reise Richtung Nord- oder Südpol unternehmen will, muss grundlegende Dinge wissen – insbesondere bei den Antarktisreisen.

ANTARKTIS

Wer ein grosses Schiff mit mehr als 500 Passagieren an Bord wählt, wird seinen Fuss nicht an Land setzen dürfen. So lautet die Regel auf dem antarktischen Kontinent. Sind zwischen 200 und 500 Reisende auf dem Schiff, gibt es immerhin zehn Anlandungsorte. Liegt die Passagierzahl jedoch unter 200, stehen 150 Orte zur Anlandung zur Verfügung. Das ist aber erst ein Teil der Beschränkungen, die dem Schutz des unwirtlichsten, aber faszinierendsten Erdteils dienen.

Eine weitere Regel besagt, dass gleichzeitig nie mehr als 100 Passagiere an Land sein dürfen. Ausserdem darf sich das Schiff nicht länger als vier Stunden an einem Landungspunkt aufhalten. Das hat zur Folge: je mehr Passagiere, desto kürzer der Landausflug.

Zu beachten sind auch die Detailangaben zu den Schiffen. Beispielsweise die «MS Marco Polo könnte 850 Passagiere mitnehmen, geht aber mit maximal 500 Gästen auf Antarktisreise. Oder die «MS Minerva» (vormals «Explorer II») hätte Platz für 394 Passagiere, nimmt aber nur deren 198 mit.

Übrigens: Unter den 27 206 Touristen, die in der Saison 2008/2009 in der Antarktis ihren Fuss an Land gesetzt haben, sind 898 Schweizer. Das scheint eine kleine Anzahl zu sein, doch damit liegt die Schweiz in der Top-Ten-Liste immerhin auf Platz 7.

Bordleben auf der Minerva (ehemals Explorer II).

Einfacher geht es auf der Polar Pioneer zu.

ARKTIS

Anders als die Antarktis, die ein Kontinent mit Landmassen ist, handelt es sich bei der Artkis um ein Meer, das von einer Eiskappe bedeckt ist. Dass diese immer schneller abschmilzt, ist eine leider eine unbestrittene Tatsache. So war es in früheren Jahren auch gar keine Frage: Spitzbergen, das zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol liegt, konnte im Sommer nur mit einem zünftigen Eisbrecher vollständig umrundet werden – wenn überhaupt. Heute klappt die Umrundung meistens problemlos.

Wer weniger weit nach Norden reisen will (beispielsweise Westgrönland oder die südliche Hälfte Spitzbergens), ist mit einem kleinen, eisverstärkten Schiff gut unterwegs. Oft handelt es sich um ehemalige Forschungsschiffe, die umgebaut wurden. Manchmal hält sich der Komfort zwar in Grenzen, dafür ist man mit einer Top-Crew, die für alles entschädigt, mitten im Eis unterwegs. Immer häufiger befahren auch grosse Kreuzfahrtschiffe die arktischen Gewässer. Zu bedenken gilt allerdings, dass sie für viele Ziele mit geringer Wassertiefe nicht geeignet sind.

Die Antarktik-Kreuzfahrtindustrie hat sich vor Jahren organisiert, um die besten Praktiken im Hinblick auf Umwelteinwirkungen und Betriebssicherheit zu fördern. Die «International Association of Antarctica Tour Operators» ist die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen zu Antarktis-Kreuzfahrten. Jedes Unternehmen, das Mitglied werden möchte, muss sich an die Richtlinien und Verfahren des Vereins halten. Viele Kreuzfahrtveranstalter der Arktis folgen nun dem Antarktis-Modell, wenngleich nichts festgeschrieben ist.

PERSÖNLICHE KRITERIEN

Bei den meisten Kreuzfahrern ist die Bordsprache in der Kriterienliste weit oben anzutreffen. Daher achte man auf die Details der Reisebeschreibung. Es gibt auch Spezialreisen mit Schweizer Reiseleitung.

Für viele ist auch das Thema Essen sehr wichtig. Und da gibt es in der Tat grosse Unterschiede – vom Gourmet-Restaurant über das obligate Büfett bis zum festgelegten Menü ohne Auswahlmöglichkeit. Und: Auf einigen Schiffen sind die Getränke – auch alkoholische – im Preis inbegriffen, auf anderen nicht. Das kann unter dem Strich die Reisekasse stark beeinflussen, insbesondere in einem teuren Land wie Norwegen. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich in einem auf Polarreisen spezialisierten Reisebüro beraten zu lassen.

Und ganz zum Schluss spielt vielleicht ein völlig anderes Kriterium eine wichtige Rolle: «Habe ich Eisbären oder Pinguine lieber?» Die Eisbären sind in der Arktis zu Hause, die Pinguine in der Antarktis.


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