Istrien für Feinschmecker

Wo gutes Essen, tolle Weine und jede Menge Slow Food aufeinander treffen... Doch nicht nur der Kulinarik wegen ist Istrien eine top Ferienregion.
Kroatien, Istrien, Rovinj

Die Altstadt von Rovinj, auf einem Hügel gelegen.

Publiziert am 31. März 2014

 

Die Kvarner Bucht und Istrien werden heute oft in einem Atemzug genannt, obwohl die beiden Regionen eine unterschiedliche Geschichte haben. In Istrien ist dies besonders gut sicht- und hörbar, denn die Halbinsel unterstand beinahe 400 Jahre lang Venedig. Das hat Spuren in der Architektur und in der Sprache hinterlassen: Die Mundart ist eine Mischung aus Cakavski und Italienisch. Und auch die Ortschaften tragen zwei Namen – einen italienischen und einen kroatischen. Und wer die Kvarner Bucht besucht, wird ganz bestimmt einen Abstecher nach Istrien unternehmen – oder umgekehrt.

WO GOURMET-HERZEN HÖHER SCHLAGEN

In Gourmetkreisen zählt Istrien längst nicht mehr zu den Geheimtipps, zumal hier die köstlichsten Naturprodukte wachsen: Oliven, Trüffeln und Trauben. Und wo es Schmackhaftes zu verarbeiten gibt, sind Schweizer Köche meist nicht weit. So treffen wir im Designhotel Lone in Rovinj auf die Kanada-Schweizerin Priska Thuring, die hier den Kochlöffel schwingt. Eigentlich heisst sie Thüring, doch mit den Jahren im Ausland verschwanden die Pünktchen über dem U. Und wenn wir schon dabei sind: Rovinj spricht man ohne das letzte j aus. Also: Rovin.

Die unternehmungslustige Köchin hat im Gourmet-Restaurant L im Hotel Lone bereits nach zwei Jahren 13 Gault-Millau-Punkte erkocht. Ihre Kreationen und die Präsentation der Speisen sind in der Tat sehr einfallsreich. Sie verbindet die traditionelle kroatische Küche mit moderner Kochkunst, angereichert durch Alpenländisches und einen Schuss Humor. Doch für die quirlige Blondine ist es genauso wichtig, dass sie ein gutes Team hat, das hinter ihr steht, das sie ausbilden und dem sie auch Verantwortung übertragen kann. So wie es jetzt läuft, ist sie absolut zufrieden.

In Rovinj fühlte sie sich sofort richtig wohl und angekommen. «Rovinj ist voll gemütlich», erzählt sie, «da ist Freundlichkeit noch Normalität und man wird nicht als Arbeitsfaktor wahrgenommen.» Ausserdem sagen ihr die Naturprodukte der Region sehr zu. Slow Food heisst denn auch in ihrer Küche das Motto. Und davon gibt es in Kroatien nicht wenig.

SLOW FOOD VOM FEINSTEN

Wer sein Olivenöl nicht in einem Ort am Strand kaufen möchte, sondern dort, wo es entstanden ist, der fährt zu den Olivenbauern Irena und Klaudio Ipša im Weiler Ipša bei Livade. Irena zeigt den Besuchern den jahrhundertealten Olivenölkeller und erklärt während der Degustation die drei Öle, welche die Familie aus vier Olivensorten herstellt. Die Oliven werden von Hand geerntet und noch am gleichen Tag sortenrein kalt gepresst. Die Familie hat keine eigene Presse, aber dennoch wird streng darauf geachtet, dass keine Reste vom Vorgänger in die eigenen Öle geraten.

3500 Bäume, alte und junge, mit unterschiedlich grossen Erträgen, sind im Besitz der Ipšas. Erst nach drei Jahren produziert ein Olivenbaum kleine Früchte, nach fünf Jahren ist die Ernte etwas grösser und erst nach sieben Jahren wachsen gute und viele Oliven. Wie alle kroatischen Olivenöle duftet auch das Ipša-Öl nach frisch gemähtem Gras und schmeck leicht bitter. «Die Intensität», verrät Elena Ipša, «hängt auch mit dem Wetter zusammen.» Um dieses «flüssige Gold» zu erstehen, kommen oft Touristen auf den abgelegenen Hof. Es ist als Mitbringsel sehr beliebt.

Kroatien, Istrien

Im Hinterland fährt man durch abwechslungsreiche Landschaften.

Kroatien, Istrien, Ipša, Olivenöl

Irena Ipša erklärt die Olivenöle, die sie mit Ehemann Klaudio herstellt.

Kroatien, Istrien, Trüffelhund

Blacky, der Trüffelhund, mit seiner Beute.

Kroatien, Istrien, Karlic, Trüffel

Radmila Karlic präsentiert frisch gehobelte Trüffeln.

Kroatien, Istrien, Koslovic Winery

Gianfranco Kozlovic vor dem neuesten Teil seines Weinkellers.

Abenteuerliche Bestuhlung im Restaurant Puntulina in Rovinj.

 

MIT BLACKY AUF TRÜFFELJAGD

Nach dem Olivenöl die Trüffel. Ivan und sein schwarzer Hund Blacky warten bereits auf die Gäste, die er auf eine kurze Trüffeljagd mitnimmt. Ivan ist der Sohn von Radmila und Goran Karlic, deren Familie seit 40 Jahren eine Trüffelzucht betreibt. Die meisten dieser kostbaren Schlauchpilze wachsen im Dreieck zwischen den Ortschaften Pazin, Buje und Buzet. Auf dem Weg zum Eichenwald rennt Blacky schon aufgeregt herum, die Spürnase immer dicht am Boden. Doch erst bei den Eichen wird der Hund fündig und fängt an zu graben. Rasch ist Herrchen Ivan zur Stelle, um Blackys Fund gegen einen Hundekeks einzutauschen.

Schwarze bzw. Sommertrüffel sucht und findet Ivan hier das ganze Jahr über, aber für die weit kostbareren Wintertrüffel beginnt die Saison im Oktober und dauert bis März. Während die Schwarzen Trüffel auch in steilen Wäldern wachsen, bevorzugen weisse oder Wintertrüffel eher flaches Gelände. Aber meist sind sie unter Bäumen, häufig Eichen, zu finden. Natürlich gilt es, bei der Trüffelsuche gewisse Regeln einzuhalten. Man soll keine grossen Löcher graben und diese vor allem wieder verschliessen und nicht alle Trüffel ernten. Sind sie klein, lässt man sie in der Erde, damit sie wachsen können.

Trüffeljagd macht hungrig, das weiss auch Radmila. Als die Gäste zurückkehren, wartet sie bereits mit Trüffel-Salami, Trüffel-Canapés und Trüffel-Rührei auf... Einen Schluck istrischen Weisswein dazu und der Trüffel-Fan schwebt im siebten Himmel! Es ist wirklich jammerschade, dass sich frische Trüffeln nicht lange halten. Wer also diese Delikatesse mit nach Hause nehmen möchte, muss sich mit Radmilas hausgemachten Trüffelkonserven eindecken. Ihr Rezept fürs Trüffel-Rührei funktioniert auch mit eingelegten Trüffeln.

TOLLE WINZER UND VERDIENTE HAUBEN

Ein Traditionsbetrieb ist auch die Weinkellerei Kozlovic, die seit 1904 Weine produziert. 2012 ist der neueste Gebäudeteil fertig geworden und die in Istrien wohl modernste Anlage in Betrieb gegangen. Darauf ist Gianfranco Kozlovic, der die Kellerei in dritter Generation führt, ziemlich stolz. Aber noch wichtiger sind ihm natürlich seine Weine, mit denen er immer wieder Auszeichnungen gewinnt.

In Istrien, so sagt er, sei er zwar ein grosser Produzent, aber im internationalen Vergleich nur ein ganz kleiner. Etwa ein Viertel seiner Weine geht in den Export, denn Kozlovic ist überzeugt, dass die Auftritte in der Schweiz, in London und New York, dem kroatischen Wein zu Bekanntheit verhelfen. Bis er aber mit Piemonteser oder Burgunder mithalten kann, braucht es noch viel Zeit, ist Kozlovic überzeugt.

Immerhin ist er für die Zukunft gerüstet. In seinem Weinkeller lohnt sich eine Verkostung des Lagenweins Santa Lucia aus Malvasia-Trauben, im Eichenfass gelagert. Oder des Akacia, der vom gleichen Weinberg wie Santa Lucia stammt, aber im Akazienfass reift. Wer Süssweine mag, darf sich den Momjaner Muskat nicht entgehen lassen.

Überall, wo es gute Weine gibt, wird auch gut gekocht. Auf der Aussenseite der Altstadt von Rovinj, direkt auf den Felsen über dem Meer, lässt es sich zu umwerfender Aussicht im Restaurant Puntulina tafeln. Es wird als Gourmetrestaurant geführt, aber um ehrlich zu sein, hat mir das Restaurant Monte besser gefallen (siehe separaten Beitrag). Es befindet sich fast zuoberst auf dem Altstadthügel von Rovinj. Gault Millau hat es mit 18 Punkten bedacht – spitzenmässig! Genau wie ganz Istrien!


INFOS ZU ISTRIEN

 

ANREISE/WEITERREISE

Wer nicht die 7,5-stündige Autofahrt (reine Fahrzeit) unter die Räder nimmt, reist bequem mit Air Croatia Airlines ab Zürich (via Zagreb) nach Pula. Von dort mit dem Mietwagen bzw. Hotel-Taxi weiter nach Rovinj. Per Auto in Kroatien unterwegs zu sein, ist absolut ideal. Ausser in den grossen Städten ist das Verkehrsaufkommen sehr gering, zudem sind die Kroaten angenehm gemütliche Autofahrer. Wohl nirgends fährt man entspannter Auto.

BESTE REISEZEIT FÜR ISTRIEN

Von Mai bis Oktober herrschen in Istrien optimale Reisebedingungen. Die Wassertemperatur erreicht jedoch nur im Hochsommer mehr als 20 Grad. Es scheint eine Eigenart der Gegend zu sein, dass das Wasser eher kühl, dafür aber glasklar und sauber ist. Farblich erinnern einige Küstenstreifen an die Karibik.

UNTERKÜNFTE

Designhotel Lone
Luje Adamovica 31, 52210 Rovinj (Istrien)
www.lonehotel.com/de/
(siehe auch separaten Beitrag)

Karlic Villa Maslina, Paladini 14, 52420 Buzet (Istrien), www.karlic-villamaslina.com: Das Landhaus mit seinen drei Schlafzimmern ist für eine grosse Familie bis zehn Personen geeignet. Im Erdgeschoss sind eine Küche und ein Wohn-/Esszimmer zu finden, im Untergeschoss ein Raum mit Billardtisch und Dartscheibe, Jacuzzi und Sauna und Spielecke. Im grosszügigen Garten lockt ein grosser Pool zu Bade. Preis: 285 Euro pro Nacht.

RESTAURANTS IN ISTRIEN

Masèra, Polari 14, 52210 Rovinj (Istrien), www.masera.hr: Das gemütliche Restaurant mit Terrasse liegt etwas am Rande von Rovinj und ist per Auto oder Velo gut erreichbar. Auf der Speisekarte stehen verschiedene Meeresfrüchte und Fischspezialitäten sowie mediterrane Speisen zur Auswahl, die aus frischen und lokalen Produkten gekocht werden. Gleich nebenan befindet sich ein Tenniszentrum, das vom Wirt betreut wird.

Monte
Montalbano 75, 52210 Rovinj (Istrien)
Tel. (+385) 052 830203
www.monte.hr
(siehe auch separaten Beitrag)

Puntulina, Sv. Kriza 38, 52210 Rovinj (Istrien): Das Haus ruht direkt auf dem Felsen der die Basis der Altstadt von Rovinj bildet. Im Innern erstreckt sich das Restaurant über zwei Etagen und aussen befinden sich drei kleine Terrassen direkt über dem Meer. Dort tafelt man zu schönster Aussicht Tintenfisch mit Polenta oder Gnocchi mit Garnelen. Auch der Weinkeller kann sich mit einer schönen Auswahl an kroatischen Weinen sehen lassen. Reservation empfohlen!

TOPADRESSEN IN ISTRIEN

Olivenbauer
Klaudio Ipša, Ipši 10, Livade, www.ipsa-maslinovaulja.hr

Trüffelzucht
Radmila und Goran Karlic, Paladini 14, Buzet, www.karlictartufi.hr

Weinproduzent
Winery Koslovic, Vale 78, Momjan, www.kozlovic.hr

SEHENSWERT IN ISTRIEN

Pula: Hier befindet sich einerseits der Flughafen Istriens und andererseits eines der besterhaltenen römischen Amphitheater. Es ist nicht zu übersehen und mit seinen 23000 Sitzplätzen das sechstgrösste seiner Art. Erbaut wurde es unter Kaiser Augustus. Heute wird es für Theateraufführungen, Musik- und Filmfestivals genutzt und ist gegen eine Eintrittsgebühr für Besucher geöffnet (inkl. Museum).

Grožnjan: Der Ort im Nordwestzipfel von Istrien ist durch Künstler bekannt geworden, die sich hier zum Leben und Arbeiten niedergelassen haben. Neben den vielen kleinen Läden, die Kunst und Kunsthandwerk anbieten, lohnt sich auch der Besuch der Pfarrkirche, des Kastells und des Kornhauses.

ISTRIEN-INFOS

Tourismusverband Istrien: www.istra.hr/de/


© Text & Fotos: Inge Jucker | Travel-Experience.ch


Diese Reportage wurde durch den Tourismusverband Istrien unterstützt.


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