Nosy Be: Auf dufter Inseltour

Die einen machen reine Strandferien, die anderen schauen sich ihr Feriendomizil etwas genauer an. Der Strand ist morgen ja auch noch da.
Madagaskar, Nosy Be

Strassenszene in Hell-Ville.

Publiziert am 04. März 2014

Nosy Be bedeutet in Malgache grosse Insel, doch sooo gross ist sie nicht wirklich. Auf der Nord-Süd-Achse ist sie etwa 26 km lang, auf der Ost-West-Achse 20 km. Deshalb kann man die allerwichtigsten Sehenswürdigkeiten an einem Tag erkunden, die zweitwichtigen auf den nächsten Tag verschieben und am übernächsten Tag wieder dem Strandleben frönen. Allerdings muss man für die Wege etwas mehr Zeit einrechnen, denn die Strassenverhältnisse sind nicht immer die besten.


Die Insel vulkanischen Ursprungs hat – laut Werbung – 340 Sonnentage pro Jahr, ist dank meist nächtlichem Regen tropisch feucht und weist mehr oder weniger das ganze Jahr über Tagestemperaturen zwischen 25 und 30 Grad auf. Für uns Mitteleuropäer also sehr paradiesisch. Berühmt ist die in Sachen Tourismus am meisten entwickelte Gegend Madagaskars für ihre Vanille, den Zimt, Gewürznelken, Pfeffer und Ylang Ylang. Letzteres wird in der Parfumherstellung verwendet. Zuckerrohr und Rumdestillerien – das war einmal. Ein Anschauungsexemplar gibt es allerdings noch.

Wie in Madagaskar üblich, gibt es sogenannte Fadys, Ver- oder Gebote, die man auch als Tourist einhalten soll. Auf Nosy Be sind es die Kraterseen, die heilig sind, weil sie von der Bevölkerung als die Heimat der Ahnen angesehen werden. Diesen Seen darf man sich nur barfuss und in ein Wickelkleid gehüllt nähern. Bei heiligen Bäumen sind die Bekleidungsvorschriften genauso.

Madagaskar, Nosy Be

Hier geht es im heiligen Baum Richtung Gedenk- und Gebetsstätte.

 

EIN BESONDERER ZOO UND SHOPPING IN HELL-VILLE

Jetzt aber geht unsere Inseltour los. Mit einem Wagen, der schon nach einem Kilometer die erste Panne hat. Der Fahrer und unser Guide Clover kümmern sich darum, während wir uns die Umgebung anschauen. Schliesslich nimmt das Gefährt wieder seinen Zweck wahr und – man staune – es befördert uns den Rest des Tages klaglos. Unser erstes Ziel heisst Hell-Ville, die Inselhauptstadt, wo auch Shopping zum Thema wird. Nachdem ich an meinem Wartetag wegen verlorengegangenen Fluggepäcks (siehe separaten Beitrag) das madagassische Spiel Katra gelernt habe, will ich mir ein Spielbrett samt Spielsteinen (Bohnen) kaufen. Natürlich ist auch der Frischmarkt eine Augenweide! Und hier kaufe ich Vanilleschoten – für ein Taschengeld!

Doch bevor wir Hell-Ville erreichen, machen wir Halt im Lemuria Land, das mitten im Ylang-Ylang-Anbaugebiet westlich der Hauptstadt liegt. Hier bekommt man viele inseltypische Pflanzen und Tiere zu sehen, wie Gewürznelke, Ylang Ylang, Vanille, Litchis und Papayas sowie Lemuren, Geckos, Echsen, Chamäleons, Schildkröten und mehr. Über artgerechte Haltung bei einigen der gezeigten Tiere muss man hier nicht diskutieren wollen. Vor allem nicht, wenn man sieht, wie die Bevölkerung auf dem Land in einfachen Holzhütten ohne sanitäre Anlagen lebt. Im Park ist auch eine Ylang-Ylang-Destillerie zu besichtigen und im kleinen Shop kann man den Duft auch erstehen. Die Rumdestillerie auf dem Gelände ist jedoch nicht mehr in Betrieb.

Madagaskar, Nosy Be

Katra, ein typisch madagassisches Spiel.

EIN GEISTERHAUS UND EIN HEILIGER BAUM

Mittagessen gibt es im Restaurant Le Papillon in Hell-Ville, das sehr italienisch wirkt. Was daran erinnert, dass es hier viele italienische Gäste gibt. Die haben nämlich Direktflüge ab Mailand und Rom. Das Essen ist jedenfalls ausgezeichnet und gestärkt geht es zunächst auf Shopping-Tour und dann weiter, am Hafen vorbei zum «Geisterhaus». Wir hätten es selbstverständlich übersehen, denn dem Gemäuer geben Pflanzen den letzten Halt. Man ist sich nicht so sicher, ob es mehr Wurzeln oder Backsteine gibt...

Clover, so scheint es mir, zeigt uns sehr ausgefallene Dinge. Wo der heilige Baum steht, weiss ich nicht mehr genau, aber die Erinnerung an den Ort ist sehr lebendig. Zunächst müssen wir uns für das Heiligtum korrekt einkleiden: ein kompliziert anzulegendes Wickelkleid für die Dame, ein Wickeljupe für die Herren. Vor der Schwelle die Schuhe ausziehen und los geht der Spaziergang durch den heiligen Baum. Er ist riesig und vielleicht besteht er auch aus mehren Bäumen, doch sein mit roten Tüchern ausgekleidetes Herzstück verlangt von mir doch einigen Mut, ins Zentrum zu gehen. Es riecht streng. Nach verdorbenen Lebensmitteln? Keine Ahnung... Es ist heiss und stickig und es brummt. Das Brummen wird lauter. Fliegen machen sich über die Opfergaben her, die am Boden liegen. Hier gedenken die Madagassen der Ahnen, die aus dem Jenseits die Hiergebliebenen beobachten und beschützen. Ich verlasse das Herz des Heiligtums vorsichtig – wer weiss, welche Krabbeltiere da auf mich lauern? – und fühle mich ein wenig erlöst, als ich wieder draussen bin. Aber beeindruckt hat mich dieser Baum auf jeden Fall.

Madagaskar, Nosy Be

Einblick in die Ylang-Ylang-Destillerie.

Madagaskar, Nosy Be

Kattas, die eigentlich im Süden Madagaskars leben, hier im Lemuria Land.

DER KRÖNENDE ABSCHLUSS

Clover führt uns nun zu den Kraterseen im nördlichen Westen der Insel und auf den Mont Passot. Er ist 329 Meter hoch und damit der höchste Punkt von Nosy Be. Die beste Zeit, auf den Berg zu kommen, ist kurz vor Sonnenuntergang. Die Aussicht auf das Land und das Meer im Hintergrund teilt man sich mit vielen Besuchern, die hier ebenfalls den Sonnenuntergang zelebrieren. Tatkräftig unterstützt von Verkäufern von Tee, Knabbereien und allerlei Souvenirs. Clover will uns hier unbedingt fotografieren, denn für ihn ist der Ausflug auf den Berg der Höhepunkt des Tages – im wahrsten Sinne des Wortes.

Die unbefestigte Strasse vom Mont Passot bis zum Amoraha Resort ganz im Norden der Insel ist für Wagen und Insassen eine Herausforderung. Manchmal hege ich Zweifel, doch wir schaffen es in unsere paradiesische Unterkunft, wo wir bereits zum Abendessen erwartet werden. Jojo, der Koch, hat sich ganz sicher wieder selber übertroffen. Doch davon berichte ich in einem separaten Beitrag (s. Link ganz unten).

Madagaskar, Nosy Be

Fröhliches Dorfleben...

Madagaskar, Nosy Be

Das «Geisterhaus», mehr Wurzelwerk als Wände.

INFOS


ANREISE
Per Flug via Antananarivo nach Nosy Be. Vor Ort ist man recht günstig und vor allem am geeignetsten mit einem Fahrer unterwegs (Taxis habe ich nur in der Hauptstadt gesehen). Im Hotel ist man diesbezüglich gerne behilflich.

BESTE REISEZEIT
Die Insel Nosy Be im Nordwesten Madagaskars nimmt klimatisch eine Sonderstellung ein, obwohl sie an der trockeneren Westküste liegt. Es herrscht ein ausgeprägtes immer feuchtes und fruchtbares tropisches Klima. Beste Reisezeit herrscht das ganze Jahr über, Hauptsaison ist über Weihnachten.

UNTERKUNFT
Amporaha Resort,
Plage d'Amporaha
Ambohiday, Belamandy
207 Nosy Be, Madagascar
Tel: +261 34 20 601 03
Skype: Resa-Amporaha
E-Mail: contact@amporaharesort.com
www.amporaharesort.com
Preise ab ca. 170 Euro pro Person und Nacht

ALLGEMEINE INFOS
www.travelmadagascar.org/CITIES/Nosy-Be.html

 

Diese Reise wurde unterstützt durch Legends Travel und Amporaha Resort.

 

© Text & Fotos: Inge Jucker | Travel-Experience.ch


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