Spitzbergen: Faszination im Eis

Polar-Kreuzfahrten sind an Naturschauspielen kaum zu überbieten. Jeden Tag geniesst man Ein- und Aussichten, wie sonst nirgends auf der Welt.

Arktis on the rocks...

Publiziert am 06. Januar 2012

Spitzbergen, oder Svalbard, wie die Norweger die Ansammlung von Inseln nennen, ist eine seltsame, zeitweise recht unwirtliche Gegend. Dennoch zieht sie jeden Sommer unzählige Reisende in ihren Bann. Spitzbergen ist nur per Schiff und Flugzeug erreichbar, und es gibt dort mehr Schneemobile als Autos. Kein Wunder, bei den wenigen asphaltierten Strassen, die es gibt.

Auf der Hauptinsel befindet sich Longyearbyen, die Ausgangs- und Endstation unserer Spitzbergen-Umrundung. Die Stadt verfügt über eine Universität und gute Infrastrukturen, ist aber relativ teuer – vom Hotel bis zur Pizza. Und als Souvenirjäger hat der Tourist ohnehin keine Wahl: Shoppen kann er nur in hier – oder allenfalls an Bord des Schiffes. Nachdem wir eine Nacht in der Hauptstadt des Archipels verbracht haben, geht es ans Einschiffen.

Natur, Eis und Ehrfurcht

Unser Expeditionsschiff mit hoher Eisklasse macht sich auf, rund um Spitzbergen zu fahren – wobei noch nicht sicher ist, ob wir wegen des Eises die Nordspitze überhaupt passieren können. Auf dem Weg Richtung Norden besuchen wir den ehemaligen Marmorsteinbruch von Blomstrand, ein Schlauchboot-Ausflug führt uns ganz nahe an den 14th July Glacier und in Bockfjorden wandern wir gar auf einem Gletscher.

Ich bin beeindruckt von den gigantischen Eismassen. Und als wir mit dem Zodiak vor einem riesigen Gletschertor herumkurven, kommt regelrecht Ehrfurcht auf. Unglaublich, das die Natur uns kleinen Besuchern hier alles bietet! Ich komme kaum aus dem Staunen heraus. Gut, dass ich zwischendurch kurz Zeit habe, zu reflektieren und meinen Gedanken nachzuhängen.

Walrösser beäugen uns in der Habenichbukta.

Ein neugieriger Eisbär...

Sofjebogen.

Junge Eisfüchse beim Spielen.

Noch ein Eisbär - ein recht junger.

Möwen pausieren auf einem Eisberg im Leifderfjorden.

Vom Zodiak aus und zu Fuss entdecken wir Walrosse und Bartrobben, Rentiere und Polarfüchse und werden stets von unzähligen Vögeln wie Eismöven, Sturmvögeln, Trottellummen und Krabbentauchern begleitet. Ein Paradies für unsere Hobby-Ornithologen an Bord! Die Botaniker kommen aber während der Landausflüge ebenfalls auf ihre Kosten.

Für alle Kreuzfahrer steht jedoch zuoberst auf der Wunschliste: einen Eisbären zu sehen. Kapitän und Crew setzen alles daran, einen zu entdecken. Doch es ist nicht einfach, (mehr oder weniger) weissen Pelz in weissem Eis zu finden.

Eisbärenalarm

Mit Phippsoya erreichen wir unseren nördlichsten Punkt der Reise: 80° 25’N, 18° 08’E zeigt das GPS an – nur noch 1000 Kilometer Luftlinie bis zum Nordpol! Es geht gegen zehn Uhr abends, der Himmel ist bedeckt, die Temperatur beträgt angenehme drei Grad plus und der Wind weht mit 12 Knoten. Unser Expeditionsschiff pflügt sich durch ein krachendes Meer von Eisschollen und hat soeben die Richtung geändert.

Langsam nähern wir uns einem gelblichen Flecken im weissen Eis, von dem der Kapitän glaubt, es handle sich um einen Eisbären. Tatsächlich, der Kapitän hat Recht! Er nimmt Fahrt zurück, während sich der Reiseleiter das Mikrofon schnappt und die Passagiere informiert. Wer jetzt nicht aus der Koje kriecht, verpasst etwas Grossartiges!

Die Schiffsmotoren sind verstummt, die Passagiere haben sich an Deck versammelt – eher leicht bekleidet, denn für Vollmontur blieb schlicht keine Zeit. Der Eisbär kommt neugierig näher. Er schnüffelt, räkelt sich auf einer Eiskante, spaziert gemächlich Richtung Heck, und es macht fast den Anschein, als wolle er auf dem tiefstgelegenen Deck einsteigen… Ich bin hin und weg! Diesen Eisbären, werde ich niemals vergessen!   

 

INFOS ZU SPITZBERGEN

Reisezeit
Arktiskreuzfahrten werden nur während des Sommers angeboten. Erkundigen Sie sich bei einem Nordland-Spezialisten.

Ein Wort zur Kleidung

Bewährt sind wasserdichte Skibekleidung und das «Zwiebelsystem». Dies gilt auch für Handschuhe: Ein Paar dünne Fingerhandschuhe unter wasserdichten Fäustlingen. Auf den Schiffen werden hohe Gummistiefel zur Verfügung gestellt, wer das zu kühl empfindet, sollte sich vor der Reise Spezialstiefel mit Filzfutter zulegen. Wichtig ist ein wasserdichter Rucksack, der die Kameraausrüstung vor Spritzwasser schützt und für freie Hände sorgt. Die braucht man nämlich beim Einsteigen und Anlanden mit dem Zodiak.


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