Arktis – einfach bärenstark!

Man muss schon ein Naturfreak sein, um den Schweizer gegen den arktischen Sommer einzutauschen – aber die Erinnerungen halten ein Leben lang.

Ein relativ junger Eisbär wagt sich nahe ans Schiff.

Publiziert am 06. Januar 2012

Kapitän Nikolay steht auf der Brücke, den Blick durch den Feldstecher auf die Eisschollen vor sich gerichtet. Die Liechtensteinerin Christa – ebenfalls durch einen Feldstecher äugend – glaubt, einen Eisbären entdeckt zu haben, was den Kapitän vor wenigen Minuten veranlasst hat, den Kurs zu ändern und ebenfalls Ausschau zu halten. Weil es gegen elf Uhr abends geht, ist die Brücke der «Polar Pioneer» – der bei wohliger Wärme aussichtsreichste Ort auf dem Schiff – weniger gut besucht als sonst. Der «Eisbären-Alarm» ist noch nicht ausgelöst, denn der mittlerweile herbeigeeilte Expeditionsleiter Henrik will Gewissheit haben, bevor er seine Passagiere aus den Kojen scheucht. Obwohl er weiss, dass sich die Gäste schon lange wünschen, einen frei lebenden Eisbären auf Svalbard (norwegisch für Spitzbergen) zu sehen.

BÄRENBEGEGNUNGEN

Im Flughafen Longyearbyen haben wir den ersten entdeckt, einen ausgestopften allerdings. Nummer zwei – ebenfalls nicht lebendig – treffen wir im Hotel Radisson SAS: Auf den Hinterbeinen stehend «bewacht» der weisse Riese die Lobby. Und während des Stadtbummels begegnen wir dem dritten, einem Kaminvorleger… «Naja», denkt sich der Fotograf, «immerhin habe ich jetzt schon mal einen Eisbären fotografiert.» Befriedigend ist das Sujet zwar nicht. Aber wer weiss schon, ob wir mehr Bärenglück haben als Mona Vetsch vom Schweizer Fernsehen? Nachdem wir einkaufenderweise Longyearbyen erkundet haben, ist Einschiffen angesagt. Die Kabinen, die während der ganzen Reise unverschlossen bleiben, sind rasch bezogen; wegen mangelnder Aussicht laden sie eh nicht zum Verweilen ein. Also nichts wie los an Deck. Schliesslich erwarten wir alle ungeduldig das Ablegen.

In Longyärbyen starten wir unsere Reise rund um Spitzbergen.

Hamiltonbukta.

 

ARKTIS, WIR KOMMEN!

Die «Polar Pioneer» macht sich auf, Spitzbergen zu umrunden – wobei nicht sicher ist, ob wir wegen des Eises die Nordspitze überhaupt passieren können. Auf dem Weg Richtung Norden besuchen wir den ehemaligen Marmorsteinbruch von Blomstrand, ein Zodiak-Ausflug führt uns ganz nahe an den 14th July Glacier, und in Bockfjorden wandern wir gar auf einem Gletscher. Wir entdecken Walrosse und Bartrobben, Rentiere und Polarfüchse und werden stets begleitet von unzähligen Sturmvögeln, Eismöven, Trottellummen und Krabbentauchern. Ein Paradies für unsere Ornithologen! Die Botaniker kommen während der Landausflüge ebenfalls auf ihre Kosten.

Die Polar Pioneer vor dem Samarin-Gletscher.

Die Polar Pioneer wartet in Bockfjorden.

FAST AM NORDPOL
In Phippsoya erreichen wir unseren nördlichsten Punkt der Reise: 80° 25’N, 18° 08’E zeigt das GPS an – nur noch 1000 Kilometer Luftlinie bis zum Nordpol. Der Himmel ist bedeckt, die Temperatur beträgt angenehme drei Grad plus, und der Wind weht mit sanften 12 Knoten. Die «Polar Pioneer» pflügt sich durch ein knirschendes und krachendes Meer von Eisschollen und hat soeben die Richtung geändert. Christa ist mächtig beeindruckt, dass der liebenswürdige Kapitän ihretwegen den Kurs wechselt. Doch Nikolay geht jedem Hinweis nach, denn er würde sich ärgern, könnte er seinen Passagieren nicht den Namengeber dieser Region zeigen: Arktis kommt von Arktos, griechisch für Bär, und Arctus, dem lateinischen Wort für Meister Petz.

Langsam nähern wir uns dem gelblichen Fleck im weissen Eis, von dem Christa glaubt, es sei ein Eisbär. Und sie hat Recht! Nikolay nimmt Fahrt zurück, während Henrik das Mikrofon ergreift und die Passagiere informiert. Wer jetzt nicht aus der Koje kriecht, verpasst etwas Grossartiges!

Bärische Kapriolen...

Eine Bartrobbe scheint fürs Foto zu posieren.

BÄRENGLÜCK
Die Schiffsmotoren sind verstummt, am Bug versammeln sich alle Passagiere – eher leicht bekleidet, denn für Vollmontur blieb keine Zeit – und der Eisbär kommt neugierig näher. Er schnüffelt, spaziert gemächlich Richtung Heck, und es macht fast den Anschein, als wolle er auf dem tiefstgelegenen Deck einsteigen… Ein Erlebnis, das wir niemals vergessen werden! Wir haben tatsächlich viel mehr Glück als Mona Vetsch: 21 Bären stehen am Ende der Reise auf der Sichtungsliste. «Schreib das besser nicht», meint Henrik, «sonst glauben alle, das sei an der Tagesordnung.» Nun, dafür hatten wir fast zwei Wochen lang kaum Sonnenschein. Man kann eben nicht alles haben…


INFOS ZU SPITZBERGEN / SVALBARD

www.visitnorway.de
visitsvalbard.com


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