Die Walliser Exklave am Zürichsee

Cave Valaisanne oder Chez Crettol – so oder so trifft man hier auf Denise Crettol, ihr Team und jede Menge feiner Walliser Spezialitäten.
Chez Crettol, Cave Valaisanne, Küsnacht ZH

Denise Crettol vor dem Cheminée, wo die Raclettekäse zubereitet werden.

Publiziert am 12. März 2014

 

Obwohl ich nicht weit von Küsnacht ZH entfernt wohne, sagte mir weder Cave Valaisanne noch Chez Crettol etwas. Umso überraschter war ich dann, im Herzen des Dorfes, ein Stück Wallis vorzufinden. Journalist Jan Graber hat es vor einigen Jahren so ausgedrückt: «Der beste geschmolzene Käse östlich des Röstigrabens wird im Cave Valaisanne chez
Crettol in Küsnacht am Zürichsee angerührt.» Und genau das will ich ausprobieren.

Das Restaurant gibt es bereits seit 1975. Georges Crettol hat es zusammen mit seiner Frau Annemarie (die viel zu früh gestorben ist) viele Jahre geführt. Es ist im Grunde genommen sein Lebenswerk. Und das hat er jetzt seiner Tochter Denise übergeben, die es in seinem Sinne weiter betreibt. Der Übergang erfolgte sanft während der letzten Jahre. Ihr Rüstzeug hat sich Denise unter anderem im Zürcher Hotel Splügenschloss (heute Hotel Alden) geholt, im Michelin-Restaurant Patrick Guilbaud in Dublin und im Restaurant Kunststuben bei Iris und Horst Petermann, deren Kochkunst einst mit 19 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet wurde.

Denise Crettol spricht leise und wirkt etwas scheu als sie mich und meine Begleitung begrüsst. Aber in ihren Augen funkeln Enthusiasmus und innere Freude. Man spürt, dass sie liebt, was sie macht. Und das sind viele Leckereien, deren Zutaten sie von Produzenten im Wallis liefern lässt. Dazu zählen natürlich der Raclette- und andere Käsesorten, Trockenfleisch und Saaser Wurschgi, kleine Trockenwürste, aber auch Weine und Schnäpse.

SALATSAUCE, DIE MAN AM LIEBSTEN LÖFFELN WÜRDE
Zunächst kosten wir vom Salat mit der Haussauce, die Denise nach einem Rezept ihrer Grossmutter herstellt – sehr lecker! Sooo lecker, dass man sie am Schluss mit etwas Brot auftunkt. Die Sauce wird übrigens in einer separaten Schale gereicht, so dass man sicher genügend Nachschub hat. Zum Salat gibt es Walliser Trockenfleisch.

Das Kaminfeuer knistert schon lange und jetzt wird auch der halbe Käselaib vor dem Feuer platziert, damit er vor sich hinschmelze. Aber nur gerade so weit, dass er in einem Abstrich auf die beiden bereitgestellten Teller verteilt werden kann. Raclettekäse, der am offenen Feuer «bruzzelt» ist einfach immer besser, als der in Pfännchen geschmolzene… In der Cave Valaisanne kann man zwar Raclette à discrétion essen, doch bei uns ist nach einer Portion Schluss. Schliesslich bekommen wir noch ein Kräuter- und ein Tomatenfondue. Beide sind zum Dahinschmelzen gut...

BEISPIELE AUS DEM FONDUE-HIMMEL
Das Kräuterfondue geniessen wir mit aufgespiessten hellen und dunklen Brotstücken, das Tomatenfondue wird mit Kartoffeln und einem Schöpflöffel gereicht. So kann man sich mit dem Löffel den Käse auf eine mit der Gabel zerkleinerte Kartoffel schöpfen und das Fondue mit Messer und Gabel essen. Selbstverständlich funktioniert das mit allen Fondues so, wenn man gerne das Brot gegen die Kartoffeln tauscht.

Chez Crettol, Cave Valaisanne, Küsnacht ZH

Kunst und Tand – auch in der kleinen Stube.

Chez Crettol, Cave Valaisanne, Küsnacht ZH

Hier wird gerade eine Portion Raclette abgestrichen.

Chez Crettol, Cave Valaisanne, Küsnacht ZH

Ein Bijou ist die alte Kasse auf dem Tresen.

Chez Crettol, Cave Valaisanne, Küsnacht ZH

Kunst herrscht auch in der Speisekarte...

Denise liebt es auch, feine Desserts herzustellen. Womit man den letzten Gang krönt, ist auch immer von der Saison abhängig. Am besten lässt man sich von der Hausherrin überraschen.

Den definitiven Beweis, dass Chez Crettol WIRKLICH so richtig walliserisch ist, findet man bei den Schnäpsen: Génépi aus dem Val d’Anniviers. Diese Spezialität aus Edelraute ist sogar im Wallis nicht überall zu finden und ausserhalb des Kantons schon gar nicht. Ausser bei Denise Crettol.

ÜBRIGENS:
Wer es nicht so mit Käse hat, kommt bei Denise Crettol dennoch auf seine Kosten. Auf der Tageskarte stehen immer auch andere (Fleisch-)Gerichte. Beliebt sind die Schweizer Mistkratzerli.

Noch ein Wort zum Interieur: Es ist eine Mischung aus Museum, Kitsch und Kunst. Da sind die herrliche alte Kasse auf dem Tresen, die Figuren über dem Cheminée (leider habe ich den Namen der Künstlerin vergessen) sowie Skulpturen und Bilder, mehrheitlich von Jérémie Crettol, dem Bruder von Denise. Er bzw. seine Kunstwerke sind weit über Küsnacht hinaus bekannt und gefragt. Erst kürzlich hat er das Porträt von und auftrags der FDP-Finanzdirektorin Ursula Gut geschaffen, das in die Ahnengalerie des Zürcher Regierungsrates zu hängen kommt.


INFOS
Cave Valaisanne / Chez Crettol
Florastrasse 22
8700 Küsnacht (ZH)
Tel. +41 44 910 03 15
www.gastroplanet.ch/d/restaurantsDetails.cfm?restID=2568

Öffnungszeiten:
DI bis SO, 18.30 bis 23.00 Uhr
mittags geschlossen, ebenso jeweils im Sommer von Juni bis August

© Text & Fotos: Inge Jucker | Travel-Experience.ch


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