Chur: Auf «gluschtigen» Pfaden...

Die Anzahl Fahrzeuge, die jährlich an Chur vorbeibraust, geht in die Millionen. Ich habe angehalten und die Stadt erkundet. Der Stopp lohnt sich!
Alpenstadt Altstadt Chur

Der gemütliche Arcas ist einer der beliebtesten Festplätze Churs. © Chur Tourismus/Nicola Piatro.

Publiziert am 27. Dezember 2013

 

Eigentlich war es nicht ganz so gedacht, aber es hat sich so entwickelt: Ich habe Churs Altstadt grösstenteils von seiner süssen Seite kennengelernt. Um die sind die Churer alleweil zu beneiden – genauso um die vielen Sonnenstunden und den seltenen Hochnebel im Winter. Nur der Föhn kann empfindlichen Naturen den Bummel durch die schmalen Gassen und verwunschenen Winkel verderben…

Wer am Bahnhof Chur ankommt, entdeckt rasch das Café Maron. Hier kehrt beispielsweise Schauspielerin Tonia Maria Zindel ein, Skistar Maria Walliser habe ich auch gesehen, und die Einheimischen plaudern hier gerne zu Kaffee und Kuchen. Es darf dann auch gerne mal ein Stück Alpenstadt-Torte sein, ein Gebäck, das vor ein paar Jahren im Rahmen eines Wettbewerbes von Churer Konditoreien entwickelt wurde. Doch was macht die Torte speziell, was ist denn in dieser leckeren Torte eigentlich drin? Sie ist ein durch und durch lokales Produkt. Zu den Zutaten zählen Gran-Alpin-Mehl von Tiefencastel, Eier von Felsberg, Butter von Valendas und Churer Röteli von Drogist Ullius.

Ihn treffe ich später, denn jetzt spaziere ich erst einmal die Bahnhofstrasse hinauf und weiter durch die Poststrasse, eine der Haupteinkaufsstrassen. Schon bald biege ich rechts ab. Am ehemaligen Kloster Nikolai vorbei – darin befindet sich heute u. a. die Polizei – gelange ich auf den Kornplatz. Hier befindet sich die Gelateria Evviva, die im Sommer schon mal gleich schulklassenweise gestürmt wird. Da braucht es dann Geduld, bis man endlich eine Alpenstadt-Eiscreme geniessen kann… Gelatiere Orazio Crucitti stellt neben «normaler» auch Alpenstadt-Glace in acht Variationen her. Ich probiere die neueste Sorte: mit Churer Röteli – natürlich von Ullius.
Der Spaziergang geht weiter, durch die Untere Gasse.

NATUR UND KÜNSTLER
In einem Schaufenster weckt eine riesige Bergkristallgruppe mein Interesse. Membrini Kristall. Die funkelnden Bergkristalle sind eine Pracht! Einige davon hat Romeo Membrini selber gefunden, denn er ist auch Strahler. So nennt man Kristallsucher. Bergkristalle sind aber nicht die einzigen Schätze, die Membrini anbietet. Eine Wonne für jede Frau ist die grosse Schmuckauswahl. Und Sammler finden hier Fossilien von Ammoniten und Trilobiten. Eine Spezialität stellen die versteinerten Bäume dar.

Beeindruckt gehe ich nur wenige Schritte weiter, um wieder bei einem Churer Produkt Halt zu machen: bei den Alpenstadt-Flaschen und -Schnapsgläschen von Glasbläser Muja. Mit Churer Röteli – von Ullius! – gefüllt, sind die mit einem Rheinkiesel bestückten Spezial-Flaschen hier erhältlich. Allerdings hat Glaskünstler Fred Meyer noch viele andere witzige Ideen umgesetzt. Beispielsweise die Flasche, die auch als Jasskartenhalter dient. Oder jene mit Glocke – «nächste Runde bitte!».

Wieder ein paar Schritte weiter schliesst sich der Entstehungskreis der Alpenstadt-Torte: bei Zuckerbäcker Arthur Bühler. Er ist der Urheber des Tortenrezepts, nach dem heute in den sechs Konditoreien gebacken wird. Mit seinen wallenden Locken und einer guten Portion Schalk wirkt der Zuckerbäcker wie ein Künstler. Und der entwickelt neue Leckereien am Laufmeter. Dazu gehört das schmackhafte Capricorn-Brot in Form eines Steinbockhorns und «Röteli-Stängeli» – natürlich mit Röteli von Ullius. (Seit die Ullius-Drogerie schräg vis-à-vis geschlossen ist, verkauft der Zuckerbäcker auch Röteli.)

GEHEIMMIXTUR
Also dieser Röteli muss ja etwas Besonderes sein – so oft ist er mir schon «über den Weg gelaufen». Deshalb habe ich Hans Ullius besucht. Der sympathische Drogist, heute allerdings ohne die angestammte Drogerie, gibt sich bescheiden: «Nein, nein, ich bin nicht der einzige, der Churer Röteli herstellt. Mein Kollege macht ihn auch.» Aber jeder hat sein Geheimrezept. Bei Ullius ist es bereits in der vierten Generation angelangt. Der Senior stellt etwa alle zwei Monate in Handarbeit aus getrockneten Bergkirschen und würzigen Zutaten ein 400-Liter-Fass Röteli her. «Ursprünglich hat man den Röteli nur zum Jahreswechsel getrunken», erklärt Ullius, «doch heute ist er ein Ganzjahresgetränk. Probieren Sie mal einen Röteli-Kir!» Jetzt hat sich also auch der Röteli-Kreis geschlossen.

Vor lauter «Churinarik» ist das historische Chur völlig zu kurz gekommen. Doch das kann man sich während einer offiziellen Stadtführung «einverleiben». Was man aber sicher nicht auslassen darf, ist die Kathedrale St. Maria Himmelfahrt. Ihre Besonderheiten sind der aus Holz geschnitzte Hochaltar und die eigentümlich verschobene Gebäudeachse. In der Kathedrale «wohnt» übrigens ein Murmeltier. Wenn Sie genau aufpassen, entdecken Sie es an einem Säulenfuss...

Alpenstadt Altstadt Chur Torte

Die Alpenstadt-Torte ist ein leckeres Mitbringsel.

Alpenstadt Altstadt Chur Glace

Alpenstadt-Glace schmeckt zu jeder Jahreszeit. © Chur Tourismus

Alpenstadt Altstadt Chur Ulliius Röteli

Röteli in seiner schönsten Verpackung – jener von Glasbläser Muja. © Chur Tourismus

Alpenstadt Altstadt Chur Mutschli Käse

Das jüngste Alpenstadt-Produkt: Alpenstadt-Mutschli. © Chur Tourismus/Yvonne Bollhalder

 

INFOS ZU CHUR


ANREISE
Mit der SBB geht es ab jedem Schweizer Bahnhof nach Chur.

UNTERKUNFT
Hotel Stern, Reichsgasse 11, Tel. 081 258 57 57, www.stern-chur.ch: In der Altstadt gelegenes Urgestein der Churer Hotellerie, das vom Mitbesitzer Adrian K. Müller mit grossem Engagement geführt wird. Man trifft ihn auch am Steuer des Oldtimers Buick Jahrgang 1933, wenn er Gäste (gratis) vom Bahnhof abholt.
Comfort Hotel Post, Poststr. 11, Tel. 081 255 84 84, www.comforthotelpost.ch:  mitten in der Fussgängerzone gelegenes 3-Sterne-Hotel, reichhaltiges Frühstücksbüfett.

ADRESSEN
Café Maron, Bahnhofplatz 1, Tel. 081 253 53 53, www.maron-chur.ch
Gelateria Evviva, Kornplatz 9, Tel. 081 252 40 21
Membrini Kristall, Untere Gasse 26, Tel. 081 252 70 20, www.membrini.ch
Muja Glass Design, Untere Gasse 28, Tel. 081 252 54 07, www.muja.ch
Zuckerbäckerei Obertor, Untere Gasse 32, Tel. 081 252 72 72

RESTAURANTS
Süsswinkel, Süsswinkelgasse 1, Tel. 081 252 28 56: Futtern wie bei Muttern, aber im Brasseriestil. Auf der Karte findet man z. B. Churer Hauswurst und Pizokels, aber keine Pommes.
Va Bene, Gäuggelistr. 60, Tel. 081 258 78 02, www.restaurant-vabene.ch: Ein edler Italiener mit Terrasse. Vorzüglich: raffinierte Antipasti, Lachsfilet-Carpaccio und traumhaftes Toblerone-Schoggimousse!
Hofkellerei, Hof 1, Tel. 081 252 32 30: Ältestes Restaurant von Chur mit gewölbter Holzdecke und Schnitzereien. Die Bündner Spezialitäten wie Capuns und Hofwein sind fein.
B12, Brandisstr. 12, Tel. 081 250 54 40, www.brandis12.ch: Das beliebte (und oft volle) B12 ist Café, Bar, Restaurant und Garten-Lounge in einem.

WEITERE ADRESSEN
Café Merz
, Bahnhofstr. 22, Tel. 081 257 15 15, www.merzchur.ch
Calanda Brauerei, Kasernenstr. 36, Tel. 081 255 85 66, www.calanda. com: Von Montag bis Donnerstag sind Brauerei-Führungen für Gruppen ab 15 Pers. auf Voranmeldung möglich. Kleinere Gruppen erkundigen sich, ob sie sich einer Führung anschliessen können. Also am besten rechtzeitig anrufen und organisieren.
Bündner Kunstmuseum (Villa Planta), Postplatz, Tel. 081 257 28 68, montags geschlossen, www.buendner-kunstmuseum.ch
Apéro-Bar La Strega, Bankstr. 6, Tel. 081 252 05 08, www.lastrega.ch
Vom Fass, Obere Gasse 38, Tel. 081 253 50 60, www.vomfass-chur.ch
Designer Outlet Landquart (ehemals Alpenrhein Village), Tardisstrasse 20A, 7302 Landquart, Tel. 081 300 02 90, www.designeroutletlandquart.ch
Heididorf, 7304 Maienfeld, Tel. 081 330 19 12, www.heididorf.ch

ALLGEMEINE INFOS
Chur Tourismus
Informationszentrum am Bahnhof
Tel. 081 252 18 18
www.churtourismus.ch


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