Albinen – das Kräuterparadies

Unser Wochenendausflug (ent)führt in die Welt der duftenden Kräuter, feinen Käse, Walliser Kultur und magischen Zwerge.
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Albinen klebt förmlich am Hang unterhalb des Torrents.

Publiziert am 22. August 2018 – von Inge Jucker

Wieder einmal habe ich das Gefühl, in einen riesigen Kräutertopf gefallen zu sein – denn im Dalatal im Wallis duften die Alpenpflanzen um die Wette! Hier wäre ich gerne eine Blumenelfe – vor allem im Garten der Heilkräuterschule, wo ganz sicher auch ein paar Godswärgjini zu Hause sind... «Bitte, was?!» werden Sie jetzt fragen. Nun, es heisst, Godswärgji seien klein und haarig, würden in Höhlen wohnen und über magische Kräfte verfügen... Alles klar? Die Zwerge entspringen natürlich dem Sagenreichtum des Wallis. Aber in Albinen – da bin ich mir sicher – da sind sie zu Hause.

Das 240-Seelen-Dorf, das 2017 wegen seiner einfallsreichen Pläne zur Wohnbau- und Familienförderung Schlagzeilen machte, schmiegt sich unbeeindruckt in der Nähe des an sich berühmteren Thermalortes Leukerbad an die steilen Hänge des Torrents. Der Berg ist im Winter bei Schneesportlern und den Rest des Jahres bei Wanderern beliebt. Eine schmale Strasse führt durchs Dorf, von der noch schmalere und vor allem steilere Wege bergauf und bergab führen.

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Im alten Dörfchen ist es eigentlich überall sehr steil,

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aber es lohnt sich, Albinen gemütlich zu erkunden. In der Wirtschaft Godswärgjistubu (r.) kann man sich dann erholen.

Die von der Sonne dunkel gebrannten Holzhäuser erwecken den Eindruck, als würden sie sich aneinander kuscheln. Und zwischen diesen Chalets sind die Durchgänge, mit grossen Bollensteinen gepflastert, wirklich nur noch zu Fuss zu bewältigen. Mitten in diesem alten, traditionellen Haufendorf ragt wie ein weisser Mahnfinger der moderne Turm der Kirche in den Himmel. Die alte ist einem Erdbeben zum Opfer gefallen, mit der neuen, 1959 errichtet, muss man sich halt irgendwie geschmacklich arrangieren. Das Kirchenschiff erinnert an eine Arche.

KRÄUTER – ZUM HEILEN UND WÜRZEN

Sozusagen eine Arche für Bergkräuter ist die Heilkräuterschule in Albinen. Thomas Pfister und Fides Auf der Maur, welche den Garten und die Schule liebevoll aufgebaut haben, führen uns durch ihr duftendes und summendes Reich. Zur Begrüssung gibt es aber erst mal einen hausgemachten Eistee. Wie viel besser der doch schmeckt, als diese eintönigen Fertigprodukte! Und gesünder ist der selbstgemachte Tee sowieso! Weil die vielen Kräuter auch heilende Eigenschaften besitzen, kann man den für sich passenden Tee selber herstellen. Zu den Heilkräutern hat Thomas Pfister zusammen mit weiteren Autoren ein reich bebildertes Buch herausgegeben, das viele gute Tipps enthält.

Wie die beiden sympathischen Kräuterfreaks mit ihrem Buch «Aromatische Bergkräuter» beweisen, gibt es auch unzählige Möglichkeiten, Schweizer Bergkräuter in unsere Gerichte zu integrieren. Wie wäre es mit Kräuterfondue, Kräuter-Quiche oder Steak mit Kräuterkruste...? Zieht da nicht ein Duft durch die Nase...? Also wer während des Spaziergangs durch den steilen Kräutergarten nicht hungrig geworden ist, der wird es garantiert beim Durchblättern des Buches über die aromatischen Bergkräuter – Rezepte inklusive!

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Thomas Pfister und Fides Auf der Maur sind sehr sympathische Gastgeber. Ihr Kräuterwissen ist enorm und sie geben es auch gerne weiter.

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Blick von oben auf den steilen Garten der Heilkräuterschule.

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Prächtiger Roter Sonnenhut.

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Shop und Schulzimmer der Heilkräuterschule in einem.

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Hier trocknen die gesammelten Kräutchen.

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Wilder Thymian – er duftet verführerisch... Das finden wohl auch die Kaisermantel-Schmetterlinge und die Bienen.

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Logisch, dass dieses Kräuterbuch den Weg zu uns nach Hause gefunden hat.

Wir stillen unseren Hunger in der gemütlichen Godswärgjistubu in Albinen, wo Kräuterfrau Hannelore Tsohkim-Bumann das Küchenzepter schwingt. Sie kennt viele alte Walliser Rezepte und weiss sie aufs beste umzusetzen. Vielleicht steuern ja auch die Godswärgjini noch eine magische Zutat bei? Wer weiss...

Bekanntlich fühlen sich nicht alle zum Kräutersammeln berufen. Deshalb haben sich Fabio Kuonen und Severin Hermann, zwei junge Albiner, zusammengetan, um auf den Garten- und Ackerflächen rund um Albinen Heil- und Gewürzkräuter anzupflanzen. Diese hegen und pflegen sie nach alter Väter Sitte und verkaufen schliesslich ihre Arbignon-Produkte im Albiner Dorfladen und im 500 Jahre alten Haus Rosutrukelti, das im alten Dorfkern von Albinen liegt.

KULTUR- UND KRÄUTERWEG

Wären wir zur richtigen Zeit da gewesen, wären wir auch noch auf dem neuen «Egguweg» gewandert. Der Rundweg, der in Albinen startet und endet, führt zu den Natur- und Kulturschätzen im Dorf und in seiner näheren Umgebung. An 17 interessanten Ecken («Eggu») werden diese Schönheiten erklärt. Mit diesem Projekt will man das Dorf und den Tourismus fördern, und selbstredend sind alle, die in Albinen mit Kräutern zu tun haben, in dieses Gemeinschaftsprojekt involviert.

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Godswärgjistubu: In dieser historischen Walliser Stube von 1636 kann man sich typisch einheimisch bekochen lassen.

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Herrlicher Blick auf die Majingalp und das Montanji-Tal.

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Braucht schon etwas Kraft und Übung, das Hantieren mit der Käseharfe...

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Später werden die Käselaibe mit einem (natürlich!) geheimen Wässerchen gebürstet.

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Ausser den Milchkühen toben auch Geisslein auf der Majingalp herum.

Die Bergkräuter sind wohl auch «Schuld» daran, dass die Käse von der Majingalp so vorzüglich schmecken. Oder haben auch da wieder die Godswärgjini ihre Fingerchen im Spiel? Egal, wir schauen dem Käser eine Weile bei seinem Handwerk zu, versuchen Kühe und Geisslein zu streicheln und dürfen natürlich auch die Alpkäse probieren. Mmm... fein! Da wandert doch gleich ein Käslein in den Rucksack. Als Souvenir – wohlverstanden! – nicht als Notproviant; denn im Wallis verhungert man ganz sicher nicht!

Wir verlassen die Majingalp, um ein gutes Stück talwärts im Restaurant Weidstübli einzukehren. Nein, Hunger haben wir nicht wirklich, aber die Köstlichkeiten, die hier aufgetischt werden, die muss man einfach probiert haben. Tatar und Röschti stimmen uns auf einen langen Abend ein, denn es ist der 1. August. Schweizer Nationalfeiertag. Und der wird in Leukerbad immer mit einem tollen Feuerwerk und der rot beleuchteten Gemmiwand gefeiert. Was für ein Abschluss dieses grandiosen Kräutertages!

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Nicht weit von der Majingalp entfernt, etwas weiter im Tal unten, ist das Restaurant Weidstübli zu finden.

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Rindstatar – schön frisch und schmackhaft!

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Die Älplerrösti ist ein echter Genuss!

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Der festliche Abschluss unseres Wochenendes: Das 1.-August-Feuerwerk!

 

INFOS ZU ALBINEN


UNTERKUNFT
Wir haben anlässlich des Gemmifests in Leukerbad übernachtet, und zwar im
Parkhotel Quellenhof
Promenade 7
CH-3954 Leukerbad
www.parkhotel-quellenhof.ch

RESTAURANTS
Godswärgjistubu

Lüübuweg 2
CH-3955 Albinen
www.godswaergjistubu.ch
Reservationen Restaurant:
Tel: +41 27 473 21 66 oder +41 79 684 12 80
Reservationen Bed&Breakfast (Ja, man kann dort auch übernachten!):
+41 76 499 04 55

Restaurant Weidstübli
CH-3954 Leukerbad
Tel. +41 76 399 19 72
www.weidstuebli.ch
Das Restaurant ist über drei Wege zu erreichen:
1. über den atemberaubenden Thermalquellensteg Richtung Majingsee (ca. 1h30m)
2. vom Dorfplatz aus mit dem Ringjet-Bus zur Haltestelle Lärchenwald, dann dem Torrentweg entlang (ca. 30 Min.)
3. von der Rinderhütte zur Rückfahrtpiste durch den Tunnel nach Folljeret (ca. 2h)

KRÄUTER- UND ANDERE ADRESSEN
Heilkräuterschule Albinen

Thomas Pfister & Fides Auf der Maur
Torrentstrasse 24
CH-3955 Albinen
www.heilkraeuterschule.ch
An dieser aussergewöhnlichen Schule kann man spannende Kurse buchen, aber auch Konzerte besuchen. Das volle Programm gibt's auf der Homepage nachzulesen.

Arbignon Heilkräuter
im Rosutrukelti
Kirchgasse 19
CH_3955 Albinen
www.arbignon.ch
Nebst Kräuterprodukten kann man hier auch einheimisches Kunsthandwerk erstehen.

Majingalp
Man erreicht die Alp ab dem Restaurant Weidstübli zu Fuss oder per Auto auf dem Kiesweg nach gut 500 Höhenmetern regelmässigen Anstiegs durch lichtes Waldgebiet.

Egguweg
Start und Ende des neuen, 2,8 km langen Rundwegs ist bei der Bushaltestelle Post in Albinen. Hier steht ein Dispenser mit Miniguides zur Verfügung. Zeitbedarf: Zwei Stunden, wer einkehren möchte, sollte besser vier Stunden veranschlagen.

Beteiligt am Egguweg sind die Gemeinde Albinen, der Naturpark Pfyn-Finges, Leukerbad-Albinen-Tourismus, Kultur- und Förderverein Altes Albinen AA+, die Heilkräuterschule und der Heilkräutergarten Albinen, die Arbignon AG sowie die Gastrobetriebe Seminar-Hotel Rhodania, Wirtshaus Godswargjistubu und Restaurant Sunnublick.


WEITERE INFOS
Leukerbad Tourismus

www.leukerbad.ch


© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | Travel-Experience.ch

Offenlegung: Wir waren von Leukerbad Tourismus zu diesen Erlebnissen eingeladen.


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