Eine neue limited edition verlangt nach einer Geschichte, speziell bei Whisky von Glenmorangie. «A Tale of Winter» passt prima zu Gesprächen vor prasselndem Kaminfeuer. Wir haben’s schon mal ausprobiert!
Dr. Bill Lumsden, Glenmorangie
Dr. Bill Lumsden präsentiert seine neueste Whisky-Kreation, den Glenmorangie Tale of Winter.
Man beachte das Muster vom Pullover und der Flaschenverpackung…

Wie geneigte Leserinnen und Leser schon wissen: Schottische Whisky-Wonnen gefallen mir bereits seit einiger Zeit. Für die Reportage durfte ich die Isle of Skye und Islay besuchen. Dieses Jahr ist es umgekehrt: Dr. Bill Lumsden, zuständig für die Holzveredelung der Glenmorangie-Whiskys, hat uns besucht, um seine neuste Kreation vorzustellen. Gestricktes kommt hier zwar vor, aber das alles wirkt gar nicht handgestrickt.

A Tale of Winter – eine Whisky-Wintergeschichte

Oder doch lieber ein Wintermärchen? Draussen liegt Schnee, die Welt wirkt friedlich und rein, drinnen knistert ein Holzfeuer im Kamin, zwei Sessel davor, die einladen, Platz zu nehmen, sich einzumummeln und zu einem guten Whisky ein inspirierendes Gespräch zu führen… Die Werbung erzählt diese Story – und sie geht gut aus! Schliesslich muss man berücksichtigen, dass es sich immer um ein Experiment handelt, wenn Bill Lumsden Whisky zur Veredelung in ganz spezielle Holzfässer füllt. Nicht jedes Mal gelingt’s… Doch mit A Tale of Winter hat er ins Schwarze getroffen.

Glenmorangie Distillery in Tain, Schottland, UK
In der verträumten Gegend vor den Toren der Stadt Tain in Schottland und ganz nah am Meer ist die Glenmorangie Distillery zu finden und zu besichtigen.
Foto: © Glenmorangie

Meine Degustationsnotizen

  • Farbe: heller Bernstein
  • In der Nase: Der erste Eindruck ist beinahe überwältigend, was daran liegen mag, dass die zugedeckten Degustationsgläser schon eine Weile herumgestanden haben. Beim Abnehmen des Deckels wird die Nase fast «erschlagen». Nach und nach entdecke ich Aromen von getrockneten Orangen, reifen Früchten, Karamell und etwas Zimt. Eine typische Winterkombination. Den in der offiziellen Beschreibung erwähnten Duft von Marsala (von den Marsalafässern herrührend) kann ich nicht wahrnehmen, auch nicht Lavendelhonig und Rosenduft. Aber das liegt dann wohl eher an meiner Nase…
  • Im Gaumen: Da macht sich der Wintergeschmack vollmundig breit. Zur Orange gesellt sich nun eine Pfeffernote.
  • Im Abgang: Weihnachtsgebäck, Nelken, Zimt, Ingwer, eine angenehme Würzigkeit.
  • Gesamtnote: Gut. Sehr erwärmend.

Was mir beim Marketing zuerst etwas gar kitschig vorgekommen ist, finde ich nach dem Tasting irgendwie doch ganz passend und einfallsreich: Das Muster auf Flasche und Verpackung wiederholt sich in Strickpullover und Mütze, welche für den Werbeauftritt entworfen worden sind. Nur frage ich mich, ob diese Fixierung auf eine Jahreszeit wirklich so klug ist? Zumal der Winter (jedenfalls bei mir) nur bedingt beliebt ist – nämlich an weissen Weihnachten. ;-)

Bill erzählt im Kamingespräch, dass der Single Malt zwar 13-jährig ist, sagt aber nichts dazu, weshalb eine Jahrgangsangabe auf der Flasche fehlt. Okay, es hat auch niemand gefragt… Und obwohl die Edition limitiert ist, gibt es auch dazu keine weiteren Angaben.

Das Kamingespräch

Wenn Bill Lumsden von seiner Passion erzählt, schwingt immer viel Drama mit. Um zu demonstrieren, wie überwältigt er von einer Duftentdeckung sein kann, schlägt er sich mit beiden Händen ins Gesicht. Poa! Das kommt an, da lebt er voll mit! Sein schottischer Akzent ist natürlich nicht zu überhören, auch wenn sich Bill viel Mühe gibt, verständlich zu sprechen. Nach einer Weile gewöhne ich mich aber daran. Er erzählt locker vom Sessel aus über seinen ersten Whisky, über Herstellung und Unabhängigkeit.

1960 ist er geboren und in Schottland zu einer Zeit aufgewachsen, als Whisky noch nicht ein reines Genussmittel war. Seine erste Erfahrung mit Whisky machte er mit 17 Jahren, allerdings eine von der übleren Sorte… Diese Geschichte hat er wohl schon einige Male erzählt, denn ich habe sie detailliert und vollständig auch im Internet gefunden. Egal, mit etwa 24 folgte dann die erste gute Erfahrung, selbstverständlich mit einem 10-jährigen Glenmorangie. Ein Schelm, wer da an Werbung denkt… ;-)

Bill hat einen Doktortitel in Biochemie und ist 1995 als Brennereileiter zu Glenmorangie gestossen. Er ist – wie bereits erwähnt – für die Holzveredelung zuständig und reist deshalb um die halbe Welt, um an exotische Fässer zu kommen. Dass er nicht nur ein Whisky-, sondern auch ein Weinliebhaber sei, verhehlt er nicht – schliesslich hilft ihm das auch beim Aufspüren von Fässern. Zu seiner Experimentierfreudigkeit gesellt sich zudem ein reger Innovationsgeist. Ein Beispiel dafür sei – so lese ich andernorts –, der Glenmorangie Signet, der im Jahr 2008 auf den Markt gekommen ist. In der Folge hat Bill viele Preise und Auszeichnungen bekommen. Seit 2012 ist er auch im Vorstand der Glenmorangie Company und «Director of Distilling, Whisky Creation and Whisky Stocks».

Dr. Bill Lumsden vor dem Kamin
Dr. Bill Lumsden erzählt Kamin- und Whisky-Geschichten.
(Sorry für die schlechte Bildqualität; die Lichtverhältnisse waren nicht ganz optimal.)

Er kommt auf den einzigen in der EU erlaubten Zusatzstoff im Single Malt zu sprechen: Zuckercouleur, auch mit E150 bezeichnet. Am Rande erwähnt: Der Farbstoff schmeckt nicht süss, sondern sehr bitter. Ist ein Whisky hell, so wird kein Farbzusatz verwendet. Dunklere Farben erreicht man zwar auch mit Sherry-Fässern, dennoch behilft man sich – auch bei Glenmorangie – der Vereinheitlichung wegen mit E150. «Weil die Chinesen und Russen selbst kleinste Unterschiede nicht vertragen», erklärt Bill augenzwinkernd. Tja, jedes Land hat seine Eigenheiten…

Seine Arbeit mache ihm so viel Freude, dass er noch lange nicht ans Aufhören denke, erzählt Bill weiter. Erfreut sei er auch, dass Glenmorangie finanziell gut gebettet ist. Dies zu demonstrieren springt er auf, fasst in seine Hosentaschen und meint: «Wir haben tiefe Taschen!» Herzhaft lachend fügt er an: «Ich kann das Wort Budget nicht mal buchstabieren!» Will heissen: Er hat für seine Whisky-Kreationen in jeder Hinsicht sämtliche Freiheiten und kann völlig unabhängig arbeiten. Kein Wunder, ist er im Grunde genommen das beste Aushängeschild, das man sich vorstellen kann. Authentischer geht nicht.

6 Whisky-Cocktail-Rezepte

Es gibt Whisky, den würde ich nie und nimmer für ein Mixgetränk verwenden, weil er einfach zu kostbar ist. Das sieht Bill auch so, weshalb er speziell für Bartender und Mixologen den «X by Glenmorangie» entwickelte. Von den sechs an diesem Abend zur Verkostung angebotenen Cocktails kommt dieser Whisky in zweien vor: im «Winter Apple Toddy» und im «Winter Old Fashioned», dem einzigen kalten Drink. Alle anderen – weil gewärmt – passen wunderbar auf eine winterliche Terrasse und sind eine köstliche Alternative für gewöhnlichen Glühwein.

Winter Apple Toddy

  • 50 ml X by Glenmorangie
  • 75 ml Apfelsaft naturtrüb
  • 25 ml frischen Zitronensaft
  • 1 TL Honig
  • Zimtzucker
  • Garnitur: Orangenzeste in Streifen

Zubereitung: Alle Zutaten ausser dem Whisky und Orangenzeste, in einem Topf langsam erwärmen (nicht kochen). Den Rand einer hitzebeständigen Glastasse anfeuchten, in Zimtzucker umgekehrt tauchen und den heissen Apfel-Zitronensaft eingiessen. Erst dann den Glenmorangie X dazugeben. Umrühren und garnieren.

Quinta Hot Chocolate

  • 50 ml Glenmorangie Quinta Ruban
  • 50 g dunkle Schokolade geraspelt
  • 50 ml flüssige Sahne
  • 1 Prise Salz
  • 1 TL Demerara Zucker
  • Garnitur: leicht geschlagene Sahne mit Kakao bestreut, Orangenzeste in Streifen

Zubereitung: Alle Zutaten vorsichtig erwärmen, bis die Schokolade geschmolzen ist (nicht kochen) und dann in ein Stielglas giessen.

Glenmorangie, Whisky, Winter Apple Toddy
Ein köstlicher Winter Apple Toddy, der warm genossen wird. Rechts im Hintergrund ein Quinta Hot Chocolate.

Pumpkin Scotch Latte

  • 50 ml Glenmorangie The Original 10 Jahre
  • 50 ml Espresso
  • 50 ml Monin Pumpkin Spice Sirup
  • 100 ml heisse Milch
  • Garnitur: Milchschaum, dünne Orangenscheibe mit Zimt überstäubt

Zubereitung: Alle Zutaten in ein hitzebeständiges Glas bzw. Tasse geben und gut umrühren.

Fireside Mule

  • 50 ml Glenmorangie The Original 10 Jahre
  • 125 ml Ginger Beer
  • 25 ml frischen Zitronensaft
  • 25 ml Apfelsaft naturtrüb
  • etwas Zucker
  • 1, 2 Spritzer Angostura Bitter
  • Garnitur: Ingwer-Keks

Zubereitung: Alle Zutaten in einem Topf langsam erwärmen (nicht kochen) und dann in eine Glastasse giessen.

Glenmorangie, Whisky, Winter Old Fashioned
Der Winter Old Fashioned wird eisgekühlt getrunken.

Winter Old Fashioned

  • 50 ml X by Glenmorangie
  • 1 TL Demerara Zucker
  • 3 Spritzer Angostura Bitter
  • Garnitur: Zimtstange und Orangenzeste

Zubereitung: Alle Zutaten in ein Glas geben und rühren, bis der Zucker aufgelöst ist. Mit grossem Eiswürfel weiterrühren; garnieren.

Mulled Morangie

  • 30 ml Glenmorangie Lasanta
  • 100 ml Glühwein
  • 50 ml Apfelsaft naturtrüb
  • ½ Orangenscheibe
  • 1 TL Demerara Zucker
  • Garnitur: Cocktailspiess mit Rosmarinzweig, Orangenscheibe und frischen Cranberrys

Zubereitung: Alle Zutaten langsam erwärmen (nicht kochen) und dann in eine Glastasse giessen.

Bild 8 Mulled Morangie

Glenmorangie, Whisky, Mulled Morangie
Sieht fast wie Glühwein aus (enthält er auch) und nennt sich Mulled Morangie.

© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker – wo nicht anders vermerkt! | TravelExperience.ch | 2021

Offenlegung: Wir waren zur Verkostung im Hotel Dolder Grand in Zürich eingeladen und haben zum Schluss von Glenmorangie eine Flasche Tale of Winter geschenkt bekommen.