Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis? Jedenfalls habe ich in einem Anfall von Übermut eine Reise gebucht, die per Flussschiff und Fahrrad ans Ziel führt.
Wenn Radeln Glückssache ist
Wenn Radeln Glücksssache ist… Hier im Unteren Odertal an der Grenze Deutschland–Polen.

Velofahren! Ausgerechnet ich! Bin ich des Wahnsinns?! Seit Jahrzehnten habe ich mich nicht mehr auf einen Drahtesel gewagt – und jetzt das! Von Berlin nach Stralsund! Mein Mann findet’s toll. Es geht ja nur geradeaus und zur Not kann ich auf dem Schiff bleiben, rede ich mir ein. Aber der Stolz lässt das dann ja doch nicht zu…

Die erste Etappe

Die erste ist gemütlich. Ich freunde mich mit meinem Fahrrad an. Bei der zweiten Etappe ist nicht das Velo das Problem, sondern mein Hintern. Kunststück – nach Jahren der «Velosattelentbehrung»! Die Angewöhnung dauert jedenfalls länger, als mir lieb ist. Woran die unsäglichen Betonplatten nicht unschuldig sind. Im Nordosten Deutschlands trifft man diese mit Löchern ausgestatteten Platten oft an. Manchmal haben sie mehr Löcher als Beton… Sie sind auf jeden Fall eine Herausforderung fürs Fahrrad wie auch für die Fahrerin. Und ich habe immer das Gefühl, diese Pisten nehmen auf unserem Weg kein Ende!

Auf Irrwegen

Das stimmt – teilweise. Wenn man irgendwo in der Pampa einer weitverzweigten Ostseeinsel in der Sackgasse eines Inselarmes landet, endet zwar die Piste, aber der Weg verdoppelt sich. Dank des iPhones bemerken wir das zufälligerweise schon in der Hälfte des Irrweges. Das macht die Sache aber nur unwesentlich angenehmer für meinen Hintern, bringt aber die Diskussion darüber auf, was hätten wir früher, im Smartphone-losen Zeitalter gemacht?! Ganz einfach: Wir wären mit Landkarte losgefahren. Und das sollte man auch heute noch machen! Mit analoger und digitaler Technik kommt man sicher an.

Eine radelnde Katastrophe

Dass ich im Grunde genommen eine radelnde Katastrophe bin, merke ich an meinem Schienbein, das von von einer etwa fünf Zentimeter langen und ziemlich tiefen Wunde geziert wird. Es ist mir ja nicht nur einmal passiert, dass ich beim Bremsen auf den letzten Zentimetern mit dem Schienbein ins Schutzblech des Vorderrades gerauscht bin, weil die Bremse des e-Bikes nichts von sanftem Abbremsen hält. Insgesamt habe ich das drei Mal geschafft! Und immer hat es die gleiche Stelle am Schienbein erwischt. Ein schönes Souvenir…

Und zum Schluss sei auch noch erwähnt, dass diese Reise – trotz «Hinternissen» – riesig Spass gemacht hat. Es lohnt sich, ab und zu etwas Ungewohntes auszuprobieren. Man muss sich ja nicht zwingend ungeschickt wie ein Esel auf dem Eis verhalten…

© Text: Inge Jucker; Foto Heinz Jucker | TravelExperience.ch | 2012

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