Von Schriftstellern, Kochkünsten und einer Besitzerfamilie, die es versteht, ein Hoteljuwel zu pflegen und bewahren.
Davos – im Waldhotel bei Mann & Co. 2
Oberhalb des sonnig gelegenen Waldhotels gibt’s nur noch Bergwald und frische Luft.

Wir haben wieder ein historisches Hotel für uns entdeckt, das mich mit dem berühmten Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann ziemlich vereinnahmt. Er liess sich nämlich im Waldhotel, das zu seiner Zeit das Waldsanatorium für Lungenkranke war, zu einem seiner berühmtesten Romane inspirieren: Der Zauberberg. Er wirkt auch heute noch im Waldhotel sehr lebendig…

Wir fahren die Buolstrasse zur Hohen Promenade hinauf und kommen rechter Hand am zweitletzten Haus, dem «Haus am Stein» vorbei, das schon einige Persönlichkeiten beherbergt hat. Beispielsweise Robert Louis Stevenson, Conan Doyle und Thomas Mann, allesamt Schreibende. Noch etwas weiter, auf der linken Seite, erhebt sich weiss und gross das Waldhotel. Darüber ist das bebaute Davos zu Ende, weshalb man das Haus direkt unter dem Waldrand von weit her gut erkennt.

Roman und Realität im Duett

Wo früher der Eingang war, ist er auch jetzt noch, nur etwas zeitgemässer. Gegenüber der Rezeption lassen wir uns in die Stühle der heutigen Krokowski Lounge mit Kaminfeuer sinken.

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In der Krokowski Bar, die früher der Gesellschaftsraum war, klingen die Tage bei einem feinen Drink am Kaminfeuer aus.

Hier war also der Gesellschaftsraum, wo sich die Patienten bzw. die Protagonisten des Zauberbergs getroffen haben. Sie waren zur Behandlung im Sanatorium von Klinikleiter Professor Jessen, der im Roman allerdings Hofrat Behrens heisst. Und das Sanatorium trägt im Zauberberg den Namen «Berghof». Thomas Mann selber war übrigens nicht lungenkrank, sondern er besuchte seine Frau, die im Waldsanatorium zur Kur war.

Wir begeben uns auf Streifzug durch das Haus, in dem man auf Schritt und Tritt Thomas Mann «verfolgen» kann. Das Büchlein «Rund um den Zauberberg» (im Hotel erhältlich) gibt viele Einblicke in das Haus, seine Geschichte und die Bezüge der Vergangenheit zur Gegenwart. So gab es zu Mann’s Zeiten natürlich noch kein Solebad. Das entstand erst 1987 im Neubau des Wellness-Pavillons und wurde 1999 renoviert.

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Schwimmbad im Waldhotel Davos

Im Untergeschoss, wo früher der Operationsraum von Professor Jessen war, befindet sich heute der Degustationsraum des benachbarten Weinkellers.

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Eine Degustation haben wir zwar nicht erlebt, aber beim Abendessen die feinen Tropfen aus dem Weinkeller genossen.

Die Zimmer sind gemütlich und grosszügig gestaltet mit separater Sitzgarnitur und grossen Fenster, die viel Licht in den Raum lassen.

Schweiz, Davos, Waldhotel, Zimmer 206
Unser Zimmer Nr. 206, in dem wir uns sehr wohl gefühlt haben.

Die grossen Balkone sind dem Sanatoriumszweck zu verdanken: dort trotzten die Patienten während ihrer Liegekuren Wind und Wetter.

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Und das unser Balkon mit toller Sicht auf Davos und in die Berge.

Im fünften Stock hat man sowohl von den Zimmern als auch von der Terasse eine atemberaubende Aussicht über Davos und das Landwassertal.

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Eines der Zimmer im neuen 5. Stock mit genialer Aussicht.
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Auf der Terrasse im 5. Stock kann man sich gerne einen Drink servieren lassen.

Kulinarische Höhenflüge

Die Küche, die ein enges und verwinkeltes Reich ist, wird diesen Winter erstmals von Chef Jeroen Achtien und seinem Team in Beschlag genommen. Der Niederländer, der in Gourmetkreisen als Nachwuchstalent gilt, hat im Schwesterhotel Vitznauerhof den Sommer über sein Können bewiesen und ist mit 15 Gault-Millau-Punkten belohnt worden.

Das Gourmetrestaurant «Sens» ist nun für die Wintersaison vom Vierwaldstättersee nach Davos umgezogen, wo es «Sens 1605» heisst.

Wer nach dem Abendessen dann wohlgenährt und von der Weinbegleitung herrlich entspannt ins bequeme Bett fällt, wird vielleicht überrascht werden: Unter der Bettdecke befindet sich doch tatsächlich eine Wärmflasche, welche schon das ganze Fussende wunderbar gewärmt hat. Da sind gute Träume zu erwarten…

Ab in den Schnee

Am nächsten Morgen herrscht strahlender Sonnenschein – also nichts wie los ans echt reichhaltige Frühstücksbüfett und dann hinaus in die Winterlandschaft.

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Am Frühstücksbüfett hat man die Qual der Wahl bei den Broten…
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…, aber auch bei Käse, Früchten und Gemüse.

Das Waldhotel liegt direkt am Panoramaweg Hohe Promenade.

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Am Panoramaweg Hohe Promenade lockt eine Tafel die Spaziergänger ins Waldhotel.

Sie beginnt bei der Bobbahnstrasse und führt bis zur Schatzalpstrasse immer angenehm flach dem Hang entlang.

Auch ein Ausflug auf die Schatzalp, wie ihn Thomas Mann unternommen hat, bietet sich an. Zu Ehren des Zauberberg-Autoren wurde der Weg vom Waldhotel hinauf in die Schatzalp angelegt.

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Wir besuchen die Schatzalp – leider bei schlechtem Wetter. Aber das Einkehren in diesem historischen Gebäude, das auch mit Thomas Manns Zauberberg zusammenhängt, lohnt sich auf jeden Fall.

Wir machen auch einen Ausflug ins Sertigtal. Dort betreibt das Waldhotel seine Dependance, das luxuriöse Chalet Berghof. Der Name ist eine Hommage an Thomas Mann, der den Berghof für den Zauberberg erfunden hat. Ins Sertigtal kommt man per Postauto oder Pferdeschlitten (wenn’s genügend Schnee hat).

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Die Dependance des Waldhotels: Der Berghof im Sertigtal.
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Das Sertigtal ist unbedingt einen Ausflug wert – ein richtiges Winterwonderland…

Ein wenig Haus-, Dorf- und Medizingeschichte

Das Vorgängergebäude, die Villa Oberhof, wurde 1989 erbaut und sechs Jahre später von Professor Friedrich Jessen samt der Villa am Stein erworben. 1910 wird das Haus abgerissen und das Waldsanatorium erstellt. Es geht in den Besitz der deutschen Adelsfamilie von Gemmingen und nimmt 1911 den Betrieb auf.

Die Erfindung des Penicillins hat den Tourismus in Davos enorm verändert. Seit Mitte der 1950er-Jahre war es nicht mehr nötig, dass die Tuberkulose- und Lungenpatienten zur Kur nach Davos reisten. So hat sich die Familie von Gemmingen entschlossen, das Sanatorium in ein Hotel umzubauen. 1957 empfing es als Waldhotel Bellevue die ersten Gäste.

2002 übernimmt Wolf-Eckart Freiherr von Gemmingen-Hornberg in dritter Generation das Haus und baut es sorgfältig um und aus. Es bekommt einen 5. Stock, Renovationssünden werden ausgebügelt und anhand alter Bilder wird Vieles aus früheren Zeiten aufgenommen, freigelegt und sogar nachgebaut. Beispielsweise die Jugendstil-Deckenlampen im Speisesaal, die Stühle in den Zimmern und auch die Balkongeländer. Seit 2006 heisst es auch nicht mehr Waldhotel Bellevue, sondern Waldhotel Davos.

Infos zum Waldhotel Davos

Waldhotel Davos
Buolstrasse 3
CH-7270 Davos Platz
www.waldhotel-davos.ch

Das Waldhotel ist jeweils nur in der Wintersaison geöffnet. Im Sommer ist das ganze Team im Vitznauerhof für das Wohl der Gäste besorgt.

Vitznauerhof
Seestrasse 80
CH-6354 Vitznau
vitznauerhof.ch

© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch

Offenlegung: Wir waren für den Aufenthalt im Waldhotel eingeladen.

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