Schriftsteller Thomas Mann, sein «Zauberberg» und das Waldhotel in Davos sind unmöglich voneinander zu trennen. Auch wenn das Hotel wirtschaftlich turbulente Zeiten durchmachen musste, so erwacht es doch immer wieder zu neuem Leben. Glücklicherweise! Denn nur in diesem Hotel-Juwel geniesst der Gast nachvollziehbare Thomas-Mann-Geschichte und vor allem eine grandiose Aussicht auf Davos und die Bergwelt.
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Oberhalb des sonnig gelegenen Waldhotels gibt’s nur noch Bergwald und frische Luft.

UPDATE (11.6.2021): Das Hotel war einige Zeit geschlossen und öffnet am 1.7.2021 wieder seine Türen. Wie wir vernommen haben, hat es zwischenzeitlich Umbauten gegeben, weshalb vielleicht das eine oder andere Detail in unserer Reportage nicht mehr ganz stimmt. Wir hoffen natürlich, dass wir zu gegebener Zeit das Waldhotel erneut besuchen können.

Wir haben wieder ein historisches Hotel für uns entdeckt, das mich mit dem berühmten Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann ziemlich vereinnahmt. Er liess sich nämlich im Waldhotel, das zu seiner Zeit das Waldsanatorium für Lungenkranke war, zu einem seiner berühmtesten Romane inspirieren: Der Zauberberg. Er wirkt auch heute noch im Waldhotel sehr lebendig…

Wir fahren die Buolstrasse zur Hohen Promenade hinauf und kommen rechter Hand am zweitletzten Haus, dem «Haus am Stein» vorbei, das schon einige Persönlichkeiten beherbergt hat. Beispielsweise Robert Louis Stevenson, Conan Doyle und Thomas Mann, allesamt Schreibende. Noch etwas weiter, auf der linken Seite, erhebt sich weiss und gross das Waldhotel. Darüber ist das bebaute Davos zu Ende, weshalb man das Haus direkt unter dem Waldrand von weit her gut erkennt.

Roman und Realität im Duett

Wo früher der Eingang war, ist er auch jetzt noch, nur etwas zeitgemässer. Gegenüber der Rezeption lassen wir uns in die Stühle der heutigen Krokowski Lounge mit Kaminfeuer sinken.

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In der Krokowski Bar, die früher der Gesellschaftsraum war, klingen die Tage bei einem feinen Drink am Kaminfeuer aus.

Hier war also der Gesellschaftsraum, wo sich die Patienten bzw. die Protagonisten des Zauberbergs getroffen haben. Sie waren zur Behandlung im Sanatorium von Klinikleiter Professor Jessen, der im Roman allerdings Hofrat Behrens heisst. Und das Sanatorium trägt im Zauberberg den Namen «Berghof». Thomas Mann selber war übrigens nicht lungenkrank, sondern er besuchte seine Frau, die im Waldsanatorium zur Kur war.

Wir begeben uns auf Streifzug durch das Haus, in dem man auf Schritt und Tritt Thomas Mann «verfolgen» kann. Das Büchlein «Rund um den Zauberberg» (im Hotel erhältlich) gibt viele Einblicke in das Haus, seine Geschichte und die Bezüge der Vergangenheit zur Gegenwart. So gab es zu Manns Zeiten natürlich noch kein Solebad. Das entstand erst 1987 im Neubau des Wellness-Pavillons und wurde 1999 renoviert.

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Schwimmbad im Waldhotel Davos

Im Untergeschoss, wo früher der Operationsraum von Professor Jessen war, befindet sich heute der Degustationsraum des benachbarten Weinkellers.

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Eine Degustation haben wir zwar nicht erlebt, aber beim Abendessen die feinen Tropfen aus dem Weinkeller genossen.

Unsere Junior Suite ist gemütlich und grosszügig gestaltet mit separater Sitzgarnitur und grossen Fenstern, die viel Licht in den Raum lassen. Die grossen Balkone sind dem Sanatoriumszweck zu verdanken: Dort trotzten die Patienten während ihrer Liegekuren Wind und Wetter. Im fünften Stock hat man sowohl von den Zimmern als auch von der Terasse aus eine atemberaubende Aussicht über Davos und das Landwassertal.

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Eines der Zimmer im neuen 5. Stock mit genialer Aussicht.
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Auf der Terrasse im 5. Stock kann man sich gerne einen Drink servieren lassen.

Wer nach einem abwechslungsreichen Tag und dem köstlichen Abendessen wohlgenährt und von der Weinbegleitung herrlich entspannt ins bequeme Bett fällt, wird vielleicht überrascht werden: Unter der Bettdecke befindet sich doch tatsächlich eine Wärmflasche, welche schon das ganze Fussende wunderbar gewärmt hat. Da sind gute Träume zu erwarten…

Ab in den Schnee

Am nächsten Morgen herrscht strahlender Sonnenschein – also nichts wie los ans echt reichhaltige Frühstücksbüfett und dann hinaus in die Winterlandschaft.

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Am Panoramaweg Hohe Promenade lockt eine Tafel die Spaziergänger ins Waldhotel.

Das Waldhotel liegt direkt am Panoramaweg Hohe Promenade. Sie beginnt bei der Bobbahnstrasse und führt bis zur Schatzalpstrasse immer angenehm flach dem Hang entlang.

Auch ein Ausflug auf die Schatzalp, wie ihn Thomas Mann unternommen hat, bietet sich an. Der Weg vom Waldhotel hinauf in die Schatzalp wurde zu Ehren des Zauberberg-Autoren angelegt.

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Wir besuchen die Schatzalp – leider bei schlechtem Wetter. Aber das Einkehren in diesem historischen Gebäude, das auch mit Thomas Manns Zauberberg zusammenhängt, lohnt sich auf jeden Fall.

Wir unternehmen auch einen Ausflug ins Sertigtal. Dort betreibt das Waldhotel seine Dependance, das luxuriöse Chalet Berghof. Der Name ist eine Hommage an Thomas Mann, der den Berghof für den Zauberberg erfunden hat. Ins Sertigtal kommt man per Postauto oder Pferdeschlitten (wenn’s genügend Schnee hat).

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Die Dependance des Waldhotels: Der Berghof im Sertigtal.
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Das Sertigtal ist unbedingt einen Ausflug wert – ein richtiges Winterwonderland…

Ein wenig Haus-, Dorf- und Medizingeschichte

Das Vorgängergebäude des Waldhotels, die Villa Oberhof, wurde 1989 erbaut und sechs Jahre später von Professor Friedrich Jessen samt der Villa am Stein erworben. 1910 wird das Haus abgerissen und das Waldsanatorium erstellt. Es geht in den Besitz der deutschen Adelsfamilie von Gemmingen über und nimmt 1911 den Betrieb auf.

Die Erfindung des Penicillins hat den Tourismus in Davos enorm verändert. Seit Mitte der 1950er-Jahre war es nicht mehr nötig, dass die Tuberkulose- und Lungenpatienten zur Kur nach Davos reisten. So hat sich die Familie von Gemmingen entschlossen, das Sanatorium in ein Hotel umzubauen. 1957 empfing es als Waldhotel Bellevue die ersten Gäste.

2002 übernimmt Wolf-Eckart Freiherr von Gemmingen-Hornberg in dritter Generation das Haus und baut es sorgfältig um und aus. Es bekommt einen 5. Stock, Renovationssünden werden ausgebügelt und anhand alter Bilder wird vieles aus früheren Zeiten aufgenommen, freigelegt und sogar nachgebaut. Beispielsweise die Jugendstil-Deckenlampen im Speisesaal, die Stühle in den Zimmern und auch die Balkongeländer. Seit 2006 heisst es auch nicht mehr Waldhotel Bellevue, sondern Waldhotel Davos.

Infos zum Waldhotel Davos

Waldhotel Davos
Buolstrasse 3
CH-7270 Davos Platz
www.waldhotel-davos.ch

© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch | 2017 | 2019 | 2021 |

Offenlegung: Wir waren zum Aufenthalt vom Waldhotel eingeladen.

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