Das Chandolin Boutique Hotel ist das einzige Hotel im gleichnamigen Ort im sonnenverwöhnten Val d’Anniviers im Wallis. Wir geniessen die Ruhe der Abgeschiedenheit und den kulinarischen Luxus auf knapp 2000 m Höhe.
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Im Garten des Chandolin Boutique Hotels hat man in der Tat einen Platz an der Sonne.

Chandolin war mir ein vager Begriff von meiner Buchrecherche her, die mich in Sachen historische Hotels im Wallis ins Val d’Anniviers führte. Damals war in Saint-Luc Ende der Reise, doch diesmal fahren wir in vielen Kurven und Kehren weiter steil bergwärts nach Chandolin, wo dann für uns wirklich Endstation ist. Und zwar im Chandolin Boutique Hotel.

An der Mini-Rezeption des 2017 eröffneten Hotels ist gerade Hochbetrieb. Aber das stört hier niemanden. Die Ruhe am «Ende der Welt» reicht bis ins Hotel hinein. Von den 30 Zimmern, darunter 3 Suiten und 5 Appartements bekommen wir Suite 101, von der wir schon auf den ersten Blick ganz begeistert sind.

Eine Suite zum Verlieben

Ein solch gemütliches Wohnzimmer mit Arbeitsecke und Wandschränken – das hätte mancher gerne zu Hause. Insgesamt zähle ich 21 Kleiderbügel! Und zwar normale, nicht diebstahlsichere Hakenmodelle. Das ist beinahe Rekord, seit ich in Hotels Kleiderbügel zähle. In etwa 80 % der Fälle stehen Anzahl Bügel in direktem Bezug zum Gesamteindruck eines Hotels – doch das ist eine andere Geschichte…

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Das gemütliche Wohnzimmer der Suite 101.

Es gibt hier viel Ablagefläche, genügend Kissen, um es sich auf dem Sofa bequem zu machen, eine Kaffeemaschine, Minibar und Fernseher. Die Minibar-Preise sind auszuhalten, nur bei den Cashew-Nüssen (11 Franken) wird etwas übertrieben. Im Sommer wird so ein Raum wohl eher vernachlässigt, aber im Winter, wenn die Abende lang sind, ist es hier umso gemütlicher.

Im Schlafzimmer, das durch die Nasszelle vom Wohnzimmer getrennt ist, möchte ich mich am liebsten gleich in die Leseecke setzen.

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Süsse Träume sollten hier eigentlich garantiert sein…

Oder doch lieber auf den kleinen Balkon mit Blick ins Val d’ Anniviers und ins Rhonetal? Und aufs Bett freue ich mich auch schon…

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Die Leseecke kann schon zum Lieblingsplatz mutieren…

Es hat überall viel Stauraum in Schubladen und Schränkchen, was im Winter, wenn die Gäste mit all ihren voluminösen Kleidern anreisen, von grossem Vorteil ist. Dass hier fast überall an USB-Anschlüsse neben den normalen Steckdosen gedacht wurde, zeugt von einem guten Hotelkonzept. Das, wie wir später erfahren, vom erfahrenen Hoteldirektorenpaar Jean-Marc Boutilly und Charlotte Renaud Boutilly quasi in letzter Minute vor der Eröffnung noch optimiert werden konnte. Zum Beispiel die Suiten, die es gar nicht gab.

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Der freundliche Haushund bewacht vor allem sein Herrchen Jean-Marc Boutilly und folgt ihm auf Schritt und Tritt.

Lesestoff, Sauna und Sprudelbad

Das viele Holz im ganzen Haus gefällt uns gut und unterstreicht den modernen Chaletstil mit seinen geraden Formen. Die tropfenförmigen Hängeleuchten, Wandlampen mit Hirschmotiven und die Schwarz-Weiss-Bilder in breite Holzrahmen gefasst, passen prima.

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Alpiner Schick und Glasdesign – Beleuchtung und Deko in einem.

Das Innendesign wurde von Extreme Artdesign Studio massgeschneidert. Und was auch auffällt: Überall gibt es Lesestoff – leider nur in Französisch –, sowohl in den Zimmern wie auch im Salon des Etoiles, dem Treffpunkt für Lese- und Spielfreudige.

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Im Salon des Etoiles kann man lesen, spielen, Kaffee trinken, plaudern, Fernseh gucken… Ein Aufenthaltsraum für alle.

Auf der gleichen Etage wie der Salon befinden sich Hammam, Sauna und Behandlungsraum für Massagen und Anwendungen aller Art.

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Ruheraum der kleinen Wellness-Anlage Altitude.

Leider war Wellnessfee Laetitia während unseres Aufenthaltes nicht am Arbeiten, deshalb sind wir «nur» in den Genuss der 30-Minuten im Privat-Jacuzzi gekommen.

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Die Aussenpools sind das grosse Highlight des Gartens.

Der steht – nebst einem grösseren Pool mit Sprudelanlage – im Garten unter freiem Himmel mit Aussicht in die Bergwelt. Und selbstverständlich bestellen wir uns ein Glas Walliser Weissweins dazu. Was für ein Vergnügen!

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Das Chandolin Boutique Hotel vom Garten aus gesehen.

Kulinarische Höhenflüge

An unserem ersten Abend dürfen wir im hoteleigenen «Le Restaurant» die mit 15 Gault-Millau-Punkten benotete Küche von Stéphane Coco ausprobieren.

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Ansprechende Einrichtung im Le Restaurant, wo Frühstück und Abendessen serviert werden.

Er hat während 12 Jahren beim französischen Sternekoch Joël Robuchon gearbeitet. Uns erwartet also ein Festessen, das Augen und Gaumen viel Freude bereitet: Carpaccio von Lötschentaler Barsch mit Kräutern und Blüten, Gaspacho von Walliser Kirschen mit Sérac (Molkenkäse) und….

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Gaspacho von Walliser Kirschen mit Sérac und Pistazien – einfallsreiche 15-GM-Punkte-Küche!

… Pistazien sowie gebratener Saibling mit kleinen Gemüsen und Alpenkräutern… Zum Hinknien – und das am Ende der Welt!

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Gebratener Saibling mit Mini-Gemüsen und Alpenkräutern – nicht nur ein Augenschmaus!

Das Restaurant war ursprünglich für 90 Plätze mit kleiner Küche konzipiert, doch die Boutillys konnten es noch rechtzeitig und nach ihren eigenen Vorstellungen in ein Lokal mit 66 Plätzen und grösserer Küche umwandeln. Hat sich gelohnt! Denn zuerst wurde der Betrieb nur mit dem Restaurant eröffnet. Die Zimmer wollte man erst anbieten, wenn alles funktionierte. Le Restaurant war aber rasch jeden Abend rappelvoll und es dauerte auch nicht lange, bis das Reservationssystem für die Zimmer geöffnet wurde.

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Von der Restaurant-Terrasse aus geniesst man – bei schönem Wetter – tolle Aussicht in die Berge.

Aber an einem Dienstag ist im Sommer, ausser dem Frühstück, nicht viel zu wollen – die Küche hat Ruhetag. Das Frühstücksbüffet hingegen lässt auch an diesem Tag keine Wünsche offen.

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Noch Wünsche?! Das Frühstücksbüfett ist wunderschön hergerichtet.

Auch das Angebot am Brot-Büffet ist überwältigend.

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Und auch an der Brotauswahl gibt es nichts auszusetzen.

Das das Restaurant am Dienstag geschlossen ist, bedeutet jedoch nicht, dass man als Gast verhungern müsste. Das «Le Chalet» im Haus nebenan gehört ebenfalls zum Chandolin Boutique Hotel. Das unkomplizierte Restaurant ist auch ein Pizza-Take-Away, der bei den Ferienhausgästen gut ankommt. Also bestellen wir uns ebenfalls Pizza – super gut, aber auch super gross…!

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Für diese Pizzagrösse muss man richtig viel Hunger mitbringen. Sie schmeckt übrigens ausgezeichnet!

Spannend ist auch, dass im Restaurant „Le Chalet“ die meisten Gegenstände, wie Gläser und Teller mit dem Hauslogo, einer Kuh, versehen sind.

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Im benachbarten Restaurant Le Chalet bewundern wir die Gläser. Einerseits des tierischen Logos wegen, andererseits weil uns die aus gewöhnlichen Flaschenunterteilen hergestellten Wassergläser faszinieren. Gute Idee. Die Trinkhalme sind übrigens aus Papier – sehr vorbildlich!

Idylle und Ruhe am Ende der Welt

Chandolin hat einen alten Dorfteil mit Kirche und einen neueren Teil, der nur touristischen Zwecken dient und vor allem aus Ferien- und Appartementhäusern besteht. Es ist eines der höchstgelegenen Dörfer Europas, die ganzjährig bewohnt sind – allerdings nur von ca. 60 Personen. Chandolin besticht auch durch viele Sonnentage, was den Sommer eigentlich attraktiv machen müsste. Dennnoch sind die Ferienhäuser ziemlich verwaist, und nur wenige Wanderer, Biker und Trottinettfahrer verirren sich hier her.

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Das Dorf Chandolin aus der Ferne betrachtet. Für 60 permanente Bewohner hat es hier ganz schön viele Häuser… Und man sieht nicht mal alle!

Man ist in Chandolin ganz klar auf Wintersport fokussiert. Im Sommer ist es, abgesehen von Events wie Bergläufen und dem Foodmarket, ganz schön ruhig. Was natürlich auch seinen Reiz hat. Hier lässt sich die lange Weile pflegen, während der Alltag irgendwo in den allfällig vorhandenen Wolken verschwindet. Eine Oase, die wir gerne weiterempfehlen.

Infos zum Chandolin Boutique Hotel

Chandolin Boutique Hotel
Route de Saint-Luc 1
CH-3961 Chandolin
www.chandolinboutiquehotel.ch

Das Haus ist an 250 Tagen pro Jahr geöffnet, von Ende Dezember bis Mitte April sowie von Ende Juni bis Mitte Oktober.

Infos zu Chandolin und Umgebung: www.valdanniviers.ch

© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch

Offenlegung: Wir waren von der Hoteldirektion für zwei Übernachtungen eingeladen. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle!

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