Bergen ist unsere Ausgangsstation für die Postschiffreise mit Hurtigruten. Bevor wir einschiffen, schauen wir uns die wichtigsten Stationen der Stadt an. Wirklich viel Zeit haben wir nicht, aber die wichtigsten Sehenswürdigkeiten schauen wir uns trotz des Regens an…
Bryggen in Bergen, Norwegen
Farbenfroh und schnuckelig sind die Holzhäuschen im Quartier Bryggen in Bergen.

Bergen eilt der unrühmliche Ruf voraus, die regenreichste Grossstadt Europas zu sein. Also wie könnte es anders sein: Als wir ankommen, regnet es in Strömen. Dank dem Flybussen kommen wir aber trockenen Fusses bis fast vor unser Hotel Havnekontoret gleich neben der berühmten Altstadt Bryggen.

Bergen, Kanaldeckel
In Norwegen begegnen wir immer wieder interessanten Kanaldeckeln. In Bergen zeigen sie die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Koselig – gemütlich ist’s in Bryggen

Die alten Holzhäuser im Hanseviertel Bryggen ziehen uns rasch in ihren Bann: Herrlich bunt, wunderbar schief und mit spannendem Innenleben. Bergen wurde anfangs des 11. Jahrhunderts gegründet und war ein wichtiger Umschlagplatz für getrockneten Fisch, Getreide, Butter und Bier. Die Kontore (Handelsvertretungen) haben sich um 1340 im Hafen angesiedelt, nachdem die «Deutsche Hanse», die Vereinigung hauptsächlich norddeutscher Kaufleute, in Bryggen ihre Zweigniederlassung einrichtete.

Bryggen, Bergen
Die schmalen Gassen in Bryggen wirken sehr gemütlich.

1702 und 1955 zerstörten Brände fast alle Häuschen. Allerdings wurden sie im alten Stil wieder aufgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Bezug zu Deutschland wegfiel, lautete der Name des ursprünglich Tyskebryggen – deutsche (Landungs)brücken – genannten Viertels nur noch Bryggen. Seit 1979 zählen die Kaufmannshöfe zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Bryggen, Bergen, Fisch-Skulptur
Mitten in Bryggen ist dieser kunstvolle Fisch zu finden.
Bergen, Bryggen
Es gibt viel zu entdecken in den Gässchen zwischen den Holzhäusern von Bryggen.

Heute beherbergen die Häuser die Hanseatischen Museen, kleine Läden, Kunsthandwerk-Ateliers und Restaurants. An schönen Tagen geht es hier sehr geschäftig zu, doch im Winter und dann erst noch bei Regenwetter haben wir die Gässchen fast für uns. Irgendwann flüchten wir uns ins Restaurant Bryggen Tracteursted. In diesem Haus befindet sich auch die Svendsgården Schøtstue (Schötsube) aus dem Jahr 1708. Solche Schötstuben dienten früher als Versammlungsorte und waren die einzigen beheizten Räume von Bryggen. Auf der Speisekarte stehen viele traditionelle Gerichte mit Zutaten aus lokaler Produktion. Uns hat’s sehr gemundet…

Restaurant Tracteursted, Bergen, Bryggen
Im Restaurant Tracteursted in Bryggen ist alles ein wenig windschief, aber das Essen schmeckt.
Bergen, Norwegen
Bergen, vom Meer aus betrachtet, wirkt sehr kleinteilig.

Aussichtsreicher Fløyen

Wetterglück sieht in der Tat anders aus, aber wir wollten unbedingt auf den Hausberg hinauf. Also sind wir mit der Fløibahn, einer Standseilbahn Schweizer Herkunft, auf den Fløyen gefahren, um einerseits die Aussicht und andererseits Kaffee und Zimtschnecken zu geniessen. Die Aussicht gab es vielleicht gerade mal eine Viertelstunde lang, dann zog Nebel auf. Dichter Nebel. Immerhin war das Restaurant nicht zu übersehen.

Bergen, Floyen, Bahn
Mit der Fløi-Bahn kommt man ganz bequem auf den Hausberg von Bergen.
Floi-Bahn, Bergen
Schon unterwegs hat man eine spannende Aussicht – und vom Regenwetter lassen wir uns einfach nicht beeindrucken.
Aussicht auf Bergen vom Floyen aus
Die Aussicht auf Bergen vom Floyen aus ist ganz schön beeindruckend.

Rosenkrantzturm – nach schottischem Vorbild

An unserem letzten, regnerischen Tag in Bergen verziehen wir uns in den Rosenkrantzturm, ein Festungs- und Wohnturm. Erik Rosenkrantz liess die Anlage um 1560 von eigens aus Schottland einberufenen Maurermeister und Steinmetzen aus bereits vorhandenen Gebäuderesten bauen. Einige Teile der alten Gemäuer, die wohl auf das 13. Jahrhundert zurückgehen, blieben dabei erhalten.

Rosenkrantzturm Bergen
Im Rosenkrantzturm dreht sich alles um die Rittersleut‘.

In den folgenden Jahrhunderten änderten nicht nur die Dachformen des Turms, auch die Geschosseinteilung war mal höher, mal niedriger. Als 1944 ein deutsches Munitionsschiff im Hafen ganz in der Nähe explodierte, wurde das Gebäude schwer beschädigt. Während der nachfolgenden Restaurierung hielt man sich wieder an die Geschosseinteilung aus dem Mittelalter, ohne die Spuren der verschiedenen Bauphasen ganz zu verwischen. Deshalb kann man hier die Baugeschichte «von den Wänden lesen»…

Rosenkrantzturm, Bergen
Das alte Gemäuer des Rosenkrantzturms ist sehr detailliert erhalten geblieben.

Wir steigen die Treppe in der Ostmauer hinauf. Die steinernen Stufen sind unregelmässig hoch und ganz schön anstrengend. Ausserdem ist es sehr eng in diesem «Treppenhaus». Im ersten Stock befindet sich eine Kapelle, welche König Magnus 1273/74 errichten liess. Im zweiten Stock hat sich möglicherweise das Schlafzimmer von Magnus befunden, und im dritten Stock liess Erik Rosenkrantz den «Herrensaal» einrichten. Ganz zuoberst gab es schliesslich einen «Kanonenspeicher» von wo man in alle Himmelsrichtungen schiessen konnte. Über den Wächtergang erreichen wir die Wendeltreppe in der Südmauer. Auf dem Weg hinunter kommen wir durch verschiedene Gemächer und erreichen schliesslich die Wachstube und den Ausgangspunkt.

Museumsanlage Rosenkrantzturm Bergen
Die Museumsanlage Rosenkrantzturm ist auch im Winter einen Spaziergang wert.
Beeindruckend auch die Håkonshalle, das Gebäude mit dem Treppengiebel.

Neben dem Rosenkrantzturm steht die stattliche Håkonshalle, ebenfalls ein Teil der Festung Bergenhus. Sie war aber leider geschlossen. Auch den Torget, Bergens farbenfrohen (Fisch)Markt haben wir verpasst. Und fürs Aquarium sowie Troldhaugen, das Zuhause des Komponisten Edvard Grieg, blieb auch keine Zeit…

So! Jetzt geht’s aber aufs Schiff! «Unser» Postschiff ist die MS Vesterålen. Wir haben bewusst ein altes Schiff gewählt, welches noch etwas Seefahrergefühl vermittelt. Noch älter wäre die MS Lofoten gewesen, aber sie hat keine Stabilisatoren. In Winterstürmen ein doch angenehmes «Accessoir»… 2020 wäre ihre letzte Saison gewesen, doch die Corona-Krise zwingt alle Hurtigruten-Schiffe in ihre Häfen.

Mehr über unsere Postschiffreise kannst Du unter diesem Link zum ersten Teil unserer Reise nachlesen: Bergen bis Trondheim Danach geht es Link um Link weiter, bis wir wieder in Bergen zurück sind. Viel Spass beim Lesen und Schauen – inkl. Nordlichter!

Landschaft nördlich von Bergen
Beschaulich ist die Landschaft etwas nördlich von Bergen, die wir an unserem ersten Reisetag geniessen.

Infos zu Bergen

ANREISE
Entweder direkt per Flug nach Bergen, oder via Oslo und von dort mit dem Zug von Bergensbanen nach Bergen. Es soll eine der schönsten Bahnstrecken Nordeuropas sein.

MOBIL VOR ORT
Vom Flughafen aus sind wir mit dem SAS-Flybussen bis quasi vors Hotel gefahren. Die Busse verkehren etwa alle Viertelstunde. Das Ticket hat 199 NOK (ca. 20 Franken) gekostet und war auch noch am Rückreisetag zwei Wochen später gültig.
Das Tram Bergen Bybanen verkehrt werktags ca. alle 5 bis 10 Minuten, an Wochenenden und Feiertagen etwas weniger fleissig. Die Fahrt vom Flughafen bis zum Stadtpark Byparken dauert wegen der 27 Haltestellen rund 44 Minuten. Zwei Zonen kosten 37 NOK
Das Taxi wäre mit 500-1000 NOK je Fahrt am teuersten gewesen. Vom Hotel zum Hafen haben wir dann doch ein Taxi genommen, weil’s mit dem Gepäck am angenehmsten war.

In Bergen selber waren wir ausschliesslich zu Fuss unterwegs.

HOTEL
Clarion Collection Havnekontoret
Slottsgaten1
NO-5003 Bergen
Tel. +47 55 60 11 02
E-Mail: cc.havnekontoret@choice.no
www.nordicchoicehotels.no

Lesetipp: Über das fantasievolle, verspielte Hotel Havnekontoret haben wir einen eigenen Beitrag geschrieben.

RESTAURANTS
Bryggeloftet & Stuen
Bryggen 11
NO-5003 Bergen
www.bryggeloftet.no
Wir haben herrliche Moules & Frites (260 NOK/Pers) gegessen und eine Flasche Ripasso (565 NOK) getrunken. Kostenpunkt für zwei: 1085 NOK (ca. 105 Franken).

Restaurant Bryggeloftet, Bergen
In einem der alten Backsteingebäude in Bryggen ist das Restaurant Bryggeloftet & Stuen untergebracht.

Bryggen Tracteursted
Bryggestredet 2
NO-5003 Bergen
www.bryggentracteursted.no
In diesem historischen Gebäude mit schiefen Wänden und Böden habe wir verschiedene norwegische Tappas wie Leberpastete und Krabbensuppe genossen. Alles in allem, inkl. Wein, haben wir 1100 NOK (ca. 107 Franken) bezahlt.

Zupperia Torget
Torget 13
NO-5014 Bergen
http://zupperia.no/restauranter/zupperia-torget/
Tom Ka Gai (185 NOK), Thai Red Curry (205 NOK), zwei Gläser Weissweinn (238 NOK) und 2 Espressi (76 NOK) – macht dann 704 NOK (68 Franken). Sehr gut und für norwegische Verhältnisse auch günstig.

Weil Norwegen ein teures Pflaster ist, haben wir es hier ausnahmsweise mit den Preisen etwas genauer genommen. (Stand: März 2019)

WEITERE ADRESSEN
Fløibanen
Vetrlidsallmenningen 23a
NO-5014 Bergen
www.floyen.no
Das Ticket auf den Fløyen hinauf und zurück kostet 149 NOK/Person (ca. 15 Franken).

Floyen Restaurant
Im Restaurant auf dem Fløyen kann man sich je nach Wetter erfrischen oder wieder aufwärmen.

Rosenkrantzturm
Bergenhus 4
NO-5003 Bergen
www.bymuseet.no/en/
Vor allem an einem Regentag lohnen sich die 100 NOK (ca. 10 Franken) Eintritt auf jeden Fall.

© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch | 2020

Offenlegung: Im Rahmen einer Reportage fürs Bucketlist Magazin waren wir von Glur Reisen zu dieser Recherchereise eingeladen. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön!

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Clarion Collection Hotel Havnekontoret, Bergen

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