Von wegen alles Schickimicki – Sylt kann auch anders. Was man erwartet, bekommt man auch.
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Das Wattenmeer – UNESCO-Weltkulturerbe – lässt sich geführt erwandern.

Sylt kann man nicht besuchen, ohne nach der Heimkehr an einer gewissen Sehnsucht zu leiden. Die Deutschen kennen das ja schon lange, denn die Insel ist durch alle Schichten hindurch, von Prominent bis Peter Muster als Ferienziel beliebt. Kein Wunder, denn schliesslich bietet Sylt für jeden Geschmack die passende Unterhaltung. Nur wer ein totaler Naturmuffel ist, sein Haar stets piekfein gestylt wissen will und nach einer Sonnenscheingarantie schreit, ist hier garantiert falsch.

Das Sylter Reizklima

Egal, ob man per Bahn oder per Flugzeug in Sylt ankommt: mit 95-prozentiger Sicherheit wird man beim Aussteigen erst einmal von einem Windstoss durchgelüftet. Weg mit dem Alltagsmief – rein ins rauhe, aber gesunde Sylter Reizklima! Die Luft ist jodhaltig und enthält kaum Staubpartikel. Da ist tief Durchatmen eine Wohltat. Nach dem dritten Tag – so heisst es – hat man sich ans Klima gewöhnt und beginnt zu entspannen.

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Sie trotzen jedem Wind und sorgen für die typische Geräuschkulisse: Möwen.

Wer gerne Ausschau nach Prominenten hält, findet diese in Kampen oder in der – tatsächlich tollen – Sansibar, wo die Berühmtheiten flanieren und zeigen, was sie haben. Insofern muss man sich also nicht wundern, dass Sylt ein Schickimicki-Klischee hat. Aber glücklicherweise, gibt es ja auch das andere Sylt. Das ganz normale. Und spannende.

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Der Strand bei Kampen, der Sylter Promi-Hochburg.

Luxus ohne Pomp

Ganz im Süden, wo der Wind ein wenig stärker weht, ist der Tourismus noch jung. Hörnum ist erst durch den Bau des Fünf-Sterne-Hotels Budersand mit dem dazugehörigen Golfplatz interessant geworden. Claudia Ebert, ehemalige Mitbesitzerin von Wella (Haarkosmetik), hat 50 Millionen Euro «in den Sand gesetzt», der erst einmal von Kasernen und anderen militärischen Altlasten befreit werden musste, bevor gebaut werden konnte. Und Naturschutz sei Dank, musste auch noch ein Turmfalkenpaar, das auf einem abbruchreifen Kamin wohnte, artgerecht umplatziert werden. Immerhin dankt es das Vogelpaar mit Nachwuchs im neuen «Eigenheim».

Sylt, Hörnum, Hafen
Hörnum vom Leuchtturm aus betrachtet… Hinter dem Hafen liegen das Hotel Budersand und der Golfplatz.

Der 18-Loch-Golfplatz am Fusse der Budersand-Düne ist wegen des starken Windes oft eine Herausforderung. Er ist jedenfalls beeindruckend, genauso wie das Hotel, die unaufdringliche und doch herzliche Gastfreundschaft, der auf Entschleunigung spezialisierte Spa und die grandiose Bibliothek, welche Moderatorin und Schriftstellerin Elke Heidenreich eingerichtet hat. Und nicht zuletzt hinterlässt auch die ausgezeichnete Küche eine sehnsüchtige Erinnerung. Sternekoch Jens Rittmeyer zaubert im Restaurant Kai3 stets frische Köstlichkeiten auf die Teller. Und das unglaublich lange Frühstücksbüfett lässt ebenfalls keine Wünsche offen!

Kitsch und Natur

Da kann es nicht schaden, wenn man die 95 Holzstufen auf den Hörnumer Leuchtturm unter die Füsse nimmt. Das hält fit und belohnt wird man durch eine herrliche Sicht über die Südspitze der Insel.

Sylt, Hörmum, Leuchtturm
So zeigt sich der Leuchtturm vom Wasser aus.

Im Hafenbecken von Hörnum tummelt sich der Seehund Willy und wartet auf die gütigen Touristen.

Sylt, Hörnum, Seehund Willy
Seehund Willy wartet im Hafenbecken von Hörnum auf Besucher. Man sollte den Seehund nicht mit Fischbrötchen füttern, es ist kein artgerechtes Futter.

Oder wie wäre es mit einem Spaziergang durch das beinahe kitschige Keitum mit seinen hübschen Reethäusern?

Sylt, Keitum, Reetdach
Im schmucken Keitum findet man die schönsten Reetdachhäuser der Insel.

Oder noch besser: eine geführte Wattwanderung! Da betritt man UNESCO-Weltnaturerbe und sieht es bald mit ganz anderen Augen: wo zuerst nur braungrauer Schlick war, erkennt man plötzlich auf Schritt und Tritt unzählige Lebewesen und Spuren von ihnen!

Überhaupt… die Strände… sie sind traumhaft! Schier ohne Ende, da und dort mit kleinen Buden und Restaurants bestückt. Sogar im Sommer, wenn Sylt proppenvoll ist, schafft man es, allein und einsam zu sein – wenn man das will. Natürlich meine ich ohne Menschen, denn Schafe gibt es überall.

Sylt, Schafe
Sie sind auf Sylt allgegenwärtig: Schafe!

Den Gedanken nachhängen, sie dem Wind übergeben und sich von der einzigartigen Natur reinigen und stärken lassen… Vielleicht ist es das, was die Sehnsucht nach Sylt immer wieder weckt?

Infos zu Sylt

ANREISE
Mit dem Zug
www.sbb.ch, www.citynightline.ch, www.autoreisezug.ch
oder mit dem Flugzeug
www.swiss.ch, www.lufthansa.de)

UNTERWEGS
Wer sein Auto nicht mitnehmen, keines mieten und auch nicht radeln will, kommt mit den öffentlichen Bussen auf Sylt sehr gut vorwärts.

ÜBERNACHTEN

Hotel Budersand Golf & Spa
Hörnum
www.budersand.de

Hotel Rungholt
Kampen
www.hotel-rungholt.de

KULINARISCHES
 
Sansibar
Hörnumer Str. 80
Ortsteil Rantum
www.sansibar.de
Was vor 30 Jahren als Strandhütte begann, ist heute Herbert Secklers Sylt-Imperium: Restaurant, Shop, Outlet, Wein-Club. Und: nicht nur die Curry-Wurst ist ein Hit!

Manne Pahl
Zur Uwe Düne 2
Kampen
www.manne-pahl.de
Seit über 30 Jahren ist der Schweizer Pius Regli auf Sylt und fühlt sich wohl. Sein Restaurant bietet typische Sylter Küche. Seeehr lecker!

ENTDECKEN

Sylt-Strandkörbe

Hafenstr. 10
Rantum
www.sylt-strandkoerbe.de
Wer von einem Strandkorb träumt, ist bei Willy Trautmann gut aufgehoben.

Adler Schiffe
www.adler-schiffe.de
Mit den Adler-Schiffen geht es ab List und ab Hörnum zu den Seehundbänken.

Touren mit Kapitän Falk Eitner
Erlebte Geschichte zwischen Wattküste und Kliff.
Jeden Montag 11 Uhr, Start beim Kaamp-Hüs. Tel. 0049 177 502 04 60
www.unterwegs-mit-menschen.blogspot.com

© Text: Inge Jucker; Fotos: Inge Jucker | TravelExperience.ch

Offenlegung: Diese Reise wurde unterstützt von Sylt Tourismus und dem Hotel Budersand.

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