Die Karibikinsel hat eine Vision: bis 2020 ein «green island» zu werden. Doch was ist mit «grün» gemeint, und kann das funktionieren?
Aruba, Arikok Nationalpark
Der Arikok Nationalpark ist ein grünes Naturschauspiel.

Trotz guter Bedingungen auf Aruba (siehe sep. Beitrag): Ganz so sorglos ist das Leben auf «One Happy Island» nicht. Auf einer Fläche, die wenig grösser als der Kanton Appenzell Innerrhoden ist, wohnen 106’000 Einwohner und verbringen jährlich eine Million Gäste ihre Ferien. Ausserdem besuchen rund 600’000 Kreuzfahrtgäste die Hauptstadt Oranjestad. Kein Wunder, fällt da viel Müll an; und je grösser die Anzahl übernachtender Gäste, desto mehr Wasser und Elektrizität werden benötigt.

Beides wird mit Hilfe von Verbrennungsmotoren produziert, die teilweise mit Schweröl betrieben werden. Dreckiger geht kaum noch – die Vision muss also rasch Realität werden! Ansporn gibt es von Sir Richard Bransons Klimaschutz-Organisation «Carbon War Room» und von National Geographic, welche Aruba letztes Jahr den «World Legacy Award» für ihre Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit verliehen hat.

Standortbestimmung

Neugierig sind wir also in die Karibik gereist, um herauszufinden, welche Ziele man konkret ins Auge gefasst hat, was schon unternommen und umgesetzt wurde und wie die Bevölkerung damit umgeht. Neben den Recherchen haben wir Aruba natürlich auch touristisch erlebt und viele schöne Erinnerungen mit nach Hause gebracht. Der Tourismus ist schliesslich – seit dem Ende der Ölindustrie – die wichtigste Einnahmequelle des Landes, das zum Königreich der Niederlande gehört und seit 1986 völlig autonom ist.

Aruba, Oelraffinerie
Auch das Paradies hat Schattenseiten: Die Ölraffinierie beim Rodgers Beach.

Innovationen im Anmarsch

Wir treffen Juliette Carvalhal, Koordinatorin der «Green Agenda» von Arubas Regierung. Sie erzählt, dass seit 1. Januar 2017 Plastiksäcke verboten sind. Läden, die sie noch abgeben, müssen mit empfindlichen Bussen rechnen. Inzwischen haben sich Mehrweg-Einkaufstaschen durchgesetzt und es wird kein Tamtam gemacht. Genauso wie in Kenia und in Mauritius. Aber in der Schweiz wird noch diskutiert…

Aruba, Juliette Carvalhal
Juliette Carvalhal ist die Koordinatorin der grünen Agenda von Arubas Regierung.

Bianca Peters, die wir im Innovationsbüro der Regierung treffen, träumt schon lange von einer nachhaltigen Welt. Jetzt laufen bei ihr alle Projektinformationen zusammen, die Aruba zu Nachhaltigkeit verhelfen sollen. Die Kommunikationsfachfrau gerät ins Feuer der Begeisterung, wenn sie von LED-Strassenbeleuchtung spricht, von Bildungsprojekten mit Schulen und vom multifunktionalen staatlichen Öffentlichkeitsbüro, das die Bevölkerung involvieren will. Sie ist überzeugt, dass Aruba bis 2020 in Sachen Energie umweltfit ist, wenn alle mitmachen.

Karibik, Aruba, Bianca Peters
Bianca Peters vom Innovationsbüro der Regierung Arubas erklärt, was in Planung ist.

Umweltfit – Swiss Paradise Aruba

Da sind auch die Hotels gefordert, ihre Anlagen aufzurüsten. Der Schweizer Jürg Brändli, der vor drei Jahren die luxuriös ausgestattete Villen- und Suiten-Anlage «Swiss Paradise Aruba» aufgebaut hat, setzt auf Isolation, biologische Reinigung des Grauwassers für die Nutzung im Garten, modernste WC-Spülungen und LED-Leuchten, vom Pool bis zur Nachttischlampe. «Und seit Frühling haben wir endlich eine 80-Kilowatt-Solaranlage auf dem Dach», erzählt der Hotelier stolz. Auf die Frage «Aruba 2020» gibt er sich allerdings skeptisch.

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Jürg Brändli, der Schweizer Besitzer der Villen- und Suiten Swiss Paradise Aruba, betreibt seine Anlage möglichst umweltfreundlich.

Arubas Umweltpionier

Genauso der Südtiroler Hotelbesitzer Ewald Biemans, der geradezu ein Umweltpionier ist. Sein Bucuti & Tara Beach Resort hat schon viele Auszeichnungen eingeheimst. Und man mag es kaum glauben: alles geht auf ein Bier im Plastikbecher zurück, das ein deutscher Gast im Jahr 1988 unappetitlich fand. Von da weg war Nachhaltigkeit Biemans‘ Thema Nummer 1. Nicht nur werden seit 23 Jahren jeden Monat mit Gästen und Schülern Strandreinigungen organisiert, auch die Hotelzimmer überzeugen mit modernen Klimaanlagen, Luftreinigern und -entfeuchtern. Dieses optimale Zimmerklima wird seit Ende 2016 mit Sonnenenergie produziert. Bewegungsmelder und Sensoren drosseln zudem den Energieverbrauch. Und: Im vorbildlichen Resort wird Abfall nach Karton, Glas und Aluminium getrennt entsorgt.

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Ewald Biemans gilt als Umweltpionier auf Aruba, weil er schon sehr früh damit angefangen hat, auf die Umwelt zu achten.

Energiequelle Abfall

Lange sind wir beim Thema Abfall irritiert im Dunkeln getappt. Die einen sagen, Abfall wird gar nicht getrennt, andere meinen, er wird von der Müllfirma getrennt und im Bucuti & Tara wird der Abfall getrennt eingesammelt. Also was stimmt jetzt?!

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Wie überall auf der Welt gelang auch in Aruba zu viel Plastikabfall in die Umwelt.

Freddy Kelkboom, Geschäftsführer von EcoGas Aruba, hat glücklicherweise Antworten. Neben EcoGas bzw. EcoTech sammelt auch der Staat den Müll ein – und bringt ihn unsortiert auf eine Müllhalde. EcoTech hingegen holt nicht nur getrennten Müll ab, sondern betreibt auch eine Mülltsortierung auf dem Firmengelände. Aluminium und Glas werden an Wiederaufbereitungsfirmen im Ausland verkauft und der organische Restmüll wird in einem Spezialverfahren verbrannt, um Naturgas zu gewinnen. Mit diesem Gas wird künftig die Energie erzeugt, die es für die Entsalzung des Meereswassers braucht.

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Freddy Kelkboom von EcoGas erklärt das neue Abfallrecycling-Konzept.

Die Anlage von EcoGas ist so gross angelegt, dass sie den ganzen Müll Arubas verarbeiten kann. Also auch jene 70 Prozent, die (noch) in der staatlichen Deponie landen. 2018 soll es jedoch soweit sein – dann wird auch kein Schweröl mehr für die Wasseraufbereitung benötigt. Weil es auf Aruba kein Quellwasser gibt, fliesst aus jeder Wasserleitung reines Trinkwasser, das aus Meerwasser hergestellt wurde. Es schmeckt erstaunlich gut.

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Der Windpark, von dem Julio hofft, dass er vergrössert wird.

Wind ist ein zuverlässiger Lieferant

Neben Sonnen- und Gas- wird vor allem die Windenergie genutzt, denn in Aruba weht der Wind sehr konstant, Tag und Nacht. Im Südosten der Insel steht der erste Windpark von Aruba, der bereits 19 Prozent des gesamten Energieverbrauchs abdeckt. Der zweite war zu nah an ein Dorf geplant, worauf sich Widerstand geregt hat. Julio Beaujon, Chef-Ranger des Arikok Nationalparks, hofft, dass der bestehende Windpark einfach vergrössert wird: «So würde nicht noch ein weiteres Stück Natur verschandelt.» Der Windpark befindet sich ganz in der Nähe des Nationalparks. Eine Führung mit Julio ist übrigens sehr zu empfehlen. Er kennt sich mit Pflanzen und Tieren gut aus und kann sein Wissen interessant und unterhaltsam weitergeben.

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Julio Beaujon, oberster Parkranger des Arikok Nationalparks, kennt sich mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit aus.

Betrachtet man also einzig die Energieerzeugung, wird Aruba das Ziel, ab 2020 für die Wasser- und Elektrizitätsproduktion kein Erdöl mehr zu verwenden, wohl erreichen. Aber damit ist Aruba ja noch nicht «grün». Nachhaltigkeit muss auch von der Bevölkerung aktiv getragen und gelebt werden – und von den Touristen genauso. Man darf also gespannt bleiben  – und wir drücken Aruba die Daumen!

Infos zu Aruba

Was die touristischen Informationen, Tipps und Adressen anbelangt, verweisen wir auf folgende Blogposts:
Aruba-Infos
Aruba – Bonbini im Paradies

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