Bei den Schweizern ist Ansbach vielleicht nicht sooo bekannt, aber in Kombination mit anderen Orten des «romantischen Frankens» ist es auf jeden Fall eine Reise wert.
Ansbach, Markgrafengruft
Fast alle Mitglieder der markgräflichen Familie derer zu Brandenburg-Ansbach werden in der Gruft in der Kirche St. Gumbertus aufbewahrt.

Als wir in Anbach ankommen, schüttet es aus Kübeln. Da gibt’s nur eins: Ab in die Residenz und diese etwas genauer erkunden. Der Prachtbau mit seinen 528 Räumen ist in mehreren Bauphasen entstanden – u.a. war von 1694–1716 auch der bekannte Bündner Baumeister Gabriel de Gabrieli daran beteiligt. (Wer meinen Eichstätt-Beitrag gelesen hat, dem kommt der Name natürlich bekannt vor.)

Unglückliche Liebe – zauberhafte Residenz

Das Gebäude war einst der Regierungssitz der Markgrafen zu Brandenburg-Ansbach und beherbergt heute die Regierung von Mittelfranken sowie 27 Museums-Räumlichkeiten, welche während einer Führung besichtigt werden können. Weil der letzte Markgraf keine Nachkommen hatte, diente die Residenz ab 1791 nicht mehr als Herrschersitz. Lange Jahre hat sich niemand mehr um das Innenleben des Hauses gekümmert, und deshalb ist es fast unverändert erhalten geblieben. Es hat doch alles auch seine gute Seite…

Ansbach, Residenz
Die Bildergalerie in der Residenz Ansbach zeugt ebenfalls von Familiensinn.

Ganz besonders eindrücklich ist der Festsaal mit seinem Deckengemälde «Buon Governo» (gute Regierung). Es wurde von Carlo Carlone mit Bezug auf den Auftraggeber, den Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich, geschaffen. Mit zwei Kaminen wurde der zweistöckige Raum einst geheizt und die Frage ist wohl durchaus berechtigt, ob es in diesem riesigen Saal im Winter jemals richtig warm geworden ist? Die Frage, weshalb es in der Residenz so viele Stühle ohne Armlehnen gibt, ist einfacher zu beantworten: Das liegt an der damaligen Mode. Die ausladenden Röcke der Damen wären durch Armlehnen eingeengt gewesen.

Ansbach, Residenz
Die Wände des Fliesensaals werden von 2881 bunten Ansbacher Fliesen geziert.

Im Fliesensaal, der für die Zeit des Barock und Rokoko typisch ist, sind die Wände vom Boden bis fast zur Decke mit 2881 bunten Fliesen verziert, welche vornehmlich Tiere und Landschaften zeigen. Die handgemachten Fliesen stammen aus der Fayence-Manufaktur Ansbach, die 1839 den Betrieb einstellte.

Ansbach – sogar bei Regen interessant 1
Der Fliesensaal macht bei genauem Hingucken seinem Namen alle Ehre!

Ganz anders die Wände beispielsweise des «grünen Gastzimmers» bzw. Familienzimmers: hier dominieren eine grüne, textile Wandbespannung und verschiedene Porträts der Markgrafen- und königlich preussischen Familie. Voltaire schrieb einst, man lebe hier wie Feuer und Wasser, wie Hund und Katze, denn Carl Wilhelm Friedrich und Friederike Luise waren ein unglücklich verheiratetes Markgrafenpaar.

Ansbach, Residenz
Im Spiegelkabinett wird dem Betrachter fast schwindlig: 166 Meissner Porzellanfiguren spiegeln sich.

Im Spiegelkabinett kommt man gar nicht aus dem Schauen heraus – hier spiegeln sich 166 Meissner Porzellanfiguren. Und über allem wacht im Deckengemälde die Pallas Athene, Göttin der Künste und Wissenschaften. Was es mit dem Plumpsklo auf sich hat und andere kleine Geheimnisse erfährt man während der Führung.

Gruselige Markgrafengruft

Der Blick durchs Fenster zeigt, dass der Regen etwas nachgelassen hat. Ausserdem erwartet uns der Mesner und Gästeführer Holger Lang, der uns die Kirchen St. Johannis und St. Gumbertus mit der Markgrafengruft zeigt. 25 Särge sind dort vereint, und jeder ist «bewohnt», wie die Restaurationsarbeiten gezeigt haben. Nur in einem Sarg befindet sich lediglich ein Herz. Der Weg vom Schlachtfeld nach Ansbach war zu weit, und so hat man nur das Herz des Gefallenen mitgenommen.

Ansbach Kirch St. Johannis
Die Markgrafengruft befand sich früher unter dem Chor der Kirche St. Johannis.

Sogar ein oranges Kleid mit Silberstickereien ist in einem Sarg gut erhalten aufgefunden worden. Es wird aber nirgends ausgestellt. Von der hier vereinten markgräflichen Familie fehlt einzig Karl Alexander, der letzte Markgraf von Brandenburg-Ansbach, denn er wanderte nach England aus und wurde auf seinem Landsitz Benham on Speen beerdigt.

Ansbach, Markgrafengruft
Um die Särge vor dem Verrotten zu retten, wurden sie in die Gruft von St. Gumbertus gezügelt.

Hier geht’s um die Ansbacher-Wurst

Metzger Maurer weiht uns schliesslich in die Geheimnisse des fränkischen Nationalgerichtes ein – die Bratwurst. Die Nürnberger ist mit etwa 8 cm Länge eher kurz, die Coburger mit 32 cm dafür ziemlich lang, und jene auf meinem Teller liegt mit 18 cm im Mittelfeld. Weil sie etwa drei Zentimeter dick ist, bleibt das mit Salz, Pfeffer, Majoran und Piment gewürzte Schweinefleisch schön saftig. Dazu reicht man Sauerkraut und Schwarzbrot oder den fränkischen Kartoffelsalat. Und nie, aber gar nie Senf!

Der 72-Jährige Metzger Maurer zählt zu den letzten drei Metzgern in der Altstadt und stellt jede Woche 500 bis 600 Ansbacher Würste her, kleine, grosse, solche mit weisser «Naht», geräucherte und jene mit rohem Inhalt, der mit Zwiebeln und Paprika als «Katzbrot»-Aufstrich dient (leeecker…!).

Zu Gast beim deutschen Baristameister

Nach einem deftigen Essen braucht man einen anständigen Espresso, weshalb wir im Café und Shop Green & Bean des deutschen Baristameisters Thomas Schweiger einkehren – und auch gleich noch einen Crashkurs in Sachen Kaffee geniessen. Der ehemalige Kinderkrankenpfleger machte 2004, als die Coffeeshop-Szene aktiv wurde, sein Hobby zum Beruf.

Ansbach, Barista Deutscher Meister, Thomas Schweiger
Thomas Schweiger, Deutscher Baristameister, führt das Café Green & Bean und die Kaffeeschule.

2006 nahm er an seiner ersten Baristameisterschaft teil – und wurde Letzter. Das liess er natürlich nicht auf sich sitzen. 2010 holte er sich zum ersten und 2012 zum zweiten Mal den deutschen Meistertitel. Inzwischen gibt er sein Wissen in seiner Kaffeeschule weiter, und in seinem Café gibt’s Kaffee tassen- und säckeweise zu kaufen.

Wo man so richtig gut isst und köstliche Wein bekommt, verrate ich in einem separaten Beitrag über das La Corona.

Infos zu Ansbach

ANREISE
Mit der Bahn oder – viel einfacher – mit dem eigenen Auto.

BESTE REISEZEIT
Ansbach kann zu jeder Jahreszeit besucht werden, wobei Frühling bis Herbst klimamässig natürlich etwas angenehmer sind.

UNTERKUNFT
Ich habe nicht in Ansbach übernachtet, empfohlen wird aber immer wieder das
Hotel Schwarzer Bock
Pfarrstrasse 31
D-91522 Ansbach
Tel. +49 981 421 240
www.schwarzerbock.com

ESSEN & TRINKEN
Gasthaus zum Mohren

Pfarrstrasse 9
D-91522 Ansbach
Tel. +49 981 966 93
www.zummohren.de

La Corona – Restaurant und Vinotek
Johann-Sebastian-Bach-Platz 20
D-91522 Ansbach
Tel. +49 981 909 01 30
www.lacorona.de

Thomas Schweiger
Green & Bean
– Kaffeeschule
Pfarrstrasse 6
D-91522 Ansbach
www.greenandbean.de

SEHENSWÜRDIGKEITEN
Residenz Ansbach

Promenade 27
D-91522 Ansbach
Tel. +49 981 953 83 90
www.schloesser.bayern.de/deutsch/schloss/objekte/ansbach.htm

Synagoge Ansbach
Rosenbadstrasse 3
D -91522 Ansbach
www.synagoge-ansbach.de

Bereits 1732 erteilte der Ansbacher Markgraf der jüdischen Gemeinde in Ansbach die Erlaubnis, ein eigenes Bethaus zu bauen. Es sollte, so die Bestimmung des Markgrafen, ein „versteckter Winkel in der Stadt“ sein und die Synagoge solle von außen nicht als jüdisches Bethaus zu erkennen sein. Die barocke Synagoge überlebte die dunklen Jahre der Nazi-Herrschaft unbeschadet.

BUCHTIPPS
«Residenz Ansbach mit Hofgarten und Orangerie», neu bearbeitet von Christoph Graf Pfeil, Amtlicher Führer von der Bayerischen Schlösserverwaltung herausgegeben. ISBN 978-3932982-58-3

«Kaffeeschule, der Weg zum perfekten Kaffee» von Thomas Schweiger, Ars Vivendi Verlag, ISBN 978-3869131-85-6

WEITERE DESTINATIONSINFOS
www.ansbach.de
www.frankentourismus.de

© Text & Fotos: Inge Jucker | Travel-experience.ch

Offenlegung: Die ist Teil 3 meiner Reise durch Frdanken, welche vom Tourismusverband Franken und von RailTour unterstützt wurde.

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