Lausanne: Eintauchen im Aquatis

Der Schweiz grösstes Süsswasseraquarium heisst Aquatis und bietet eine aussergewöhnliche Erkundungsreise durch die Unterwasserwelt.
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Löffelstöre sind wahre Urviecher und gehören im Lausanner Aquatis zu den eher aussergewöhnlichen Geschöpfen unter den Süsswasserfischen.

Publiziert am 26. März 2019

Hoch über Lausannes Altstadt, direkt an der Autobahnausfahrt, liegt das im Oktober 2017 eröffnete Aquatis Süsswasser Aquarium-Vivarium. Das gut durchdachte, gemeinnützige Projekt hat wissenschaftlichen Hintergrund und dient einerseits der (pädagogischen) Wissensvermittlung, andererseits der Forschung.

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Die Plättchen der Aussenhülle des Aquatis bewegen sich im Wind und erinnern so an Wasser und an Fischschuppen.

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Projektionen und Kunstbauten führen in die Gletscherwelt der Rhone.

Ein kleines Zahlenspiel:

• rund 2 Millionen Liter Wasser
• 20 Ökosysteme
• 46 Aquarien, Vivarien und Terrarien
• 300 Pflanzenarten
• 100 Reptilien und Amphibien
• 10 000 Fische aus
• 5 Kontinenten sind auf
• 2 Etagen zu einer spannenden, interaktiven Sehenswürdigkeit vereint.


Manche Grossaquarien sind schlicht langweilig aufgebaut und profitieren lediglich von ihren tierischen Bewohnern. Nicht so Aquatis! Es überrascht mit vielen Details, welche spielend dafür sorgen, dass die Besucher quasi von der Unterwasserwelt aufgesogen werden.

Schon von aussen sieht man dem Gebäude an, dass es mit Fischen zu tun haben muss: 100 000 schillernde Plättchen an der Fassade erinnern an Fischschuppen – bei Tag und bei Nacht ein faszinierender Anblick. Auf geht’s! Wir erobern die europäischen Biotope, denen die ganze erste Etage gewidmet ist.

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Die Bachforelle mit ihren pinkfarbenen Punkten ist eine Bewohnerin des oberen Rohneabschnitts.

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In unseren alpinen Flüssen sind auch Krebse heimisch.

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Eher unscheinbar: Der Süsswasserschleimfisch, so genannt, weil er keine Schuppen hat, sondern durch eine Schleimschicht geschützt wird.

EUROPÄISCHE BIOTOPE

Wir folgen dem Verlauf der Rhone, die im Kanton Wallis am Fusse des Rhonegletschers entspringt und in der Camargue ins Mittelmeer fliesst. Eine «Eisgrotte» mit ihren Inszenierungen veranschaulicht die klimatischen Zusammenhänge von Eiszeiten und Wärmeperioden. Gletscher sind quasi das Klimagedächtnis und berichten von grossen Veränderungen – ein brandakutelles Thema…

Auch dem Genfersee ist eine Ausstellung gewidmet und natürlich der Camargue, die Rastplatz für viele Zugvögel ist und wo das Süsswasser der Rhone auf das Salzwasser des Mittelmeeres trifft. Während viele Süsswasserfische in unseren Seen und Bächen eher unscheinbar wirken, punktet immerhin die Bachforelle mit ihren roten Flecken. Nur während gewissen Zeiten verfärben sich einige Fische, beispielsweise das Bitterling-Männchen, dessen Rücken und Hinterkörper während der Laichzeit grün schillert sowie Kehle und Brust sich rötlich färben. Je näher schliesslich das Mittelmeer rückt, desto bunter wird auch die Unterwasserwelt.

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Der Spinosaurus, als Sinnbild für Evolution gedacht, bildet den imposanten Übergang von der europäischen Unterwasserwelt in die Gewässer der übrigen Kontinente.

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In die gleiche Kategorie wie der Saurier, nämlich irgendwie vorsinthflutlich, gehören diese Ungetüme: Die Löffelstöre werden bis zu 1,8 m lang und wohnen im Mississippi-Fluss. Die gefährdeten Tiere sehen zwar unheimlich aus, sind aber völlig ungefährlich. Sie haben nicht einmal Zähne, sondern durchpflügen mit offenem Rachen das Wasser, um mit den Kiemenfortsätzen kleine Krebse und Plankton herauszufiltern.

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In der afrikanischen Welt angekommen, staunen wir über die bunten Fische, die den Malawisee bevölkern. Dazu gehören: der Blauschwarze Utaka, der bläuliche Schmalbarsch, der knallgelbe Goldene Labidochromis und der seltsame Beulekopfmaulbrüter.

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In Afrika begegnen wir natürlich auch den Krokodilen...

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... und den überaus putzigen Zwergmangusten.

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Eine Projektion von Reisterrassen führt nach Asien.

TIERISCHE LEBENSRÄUME IN ÜBERSEE

Zwischen der europäischen und der Restwelt-Etage bummeln wir durch das Thema Evolution, genauer gesagt: durch die prähistorische Zeit, zu der einige Tiere den Lebensraum Wasser verlassen haben. In Afrika bestaunen wir bunte Fische des Malawisees, träge Krokodile und quirlige Zwergmangusten, während in der asiatischen Ausstellung der Mekong im Zentrum steht. Der Strom durchquert sechs Länder mit unterschiedlichen Kulturen, Naturreligionen, Landwirtschaften, Kolonisationsvergangenheiten und Konflikten. In Ozeanien bewundern wir die Bewohner des Meerwasserbeckens und beschäftigen uns mit den gefährdeten Korallenriffen. Ausserdem zeigt uns der Blauzungenskink seine Zunge und der Komodowaran grinst freundlich in unsere Kamera. Den Abschluss unserer Entdeckungsreise bildet Amazonien mit einem grossen, zweistöckigen Tropenhaus in dem 28 Grad und 80 % Luftfeuchtigkeit uns umfangen.

Wir sind ob der Vielseitigkeit und Fülle von Informationen sehr beeindruckt. Im Aquatis ist es nicht eine Sekunde langweilig, vor allem wenn man sich darauf einlässt, andere Standpunkte zu betrachten, zu reflektieren und nicht zuletzt: einfach zu staunen!

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Der neugierige Bindenwaran sieht sehr sympathisch aus.

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Und dieser Komodowaran ist hier der kleine Star. Er wirkt gemütlich und als würde er sich über die Besucher amüsieren, aber in freier Wildbahn kann er ganz schön angriffig sein. Diese Tiere zählen ebenfalls zu den gefährdeten Arten.

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Ein Ruheraum mit Projektionen entführt je nach Einblendung in die Antarktis oder in die Unterwasserwelt des Barrier Reef.

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In Australien ist denn auch der Blauzungenskink zu Hause, der uns brav seine Zunge zeigt, die bei der Namensgebung massgeblich war.

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Dieses Pfeilgiftfröschchen gehört hingegen nach Südamerika, das im Aquatis in einem Tropenhaus untergebracht ist.

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Auch die Piranjas sind Flussbewohner des südamerikanischen Kontinents.

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Wer im Aquatis-Hotel übernachtet, erlebt die nächtlichen «Fischschuppen» ganz anders...

INFOS ZU AQUATIS, LAUSANNE


ANREISE
Wie wäre es denn, für einen Tagesausflug ein SBB-Sparbillett zu lösen? Gut, einige Tage sollte man im voraus planen, denn man muss das Reisedatum angeben und die Anzahl dieser Tickets ist beschränkt, aber sie lohnen sich. Vom Bahnhof aus führt die rote Metro m2 hinauf nach Croisette, direkt ins Aquatis.

ÖFFNUNGSZEITEN
1. November bis 31. März: 10–18 Uhr
1. April bis 31. Oktober: 9–18 Uhr
Am 24., 25. und 31. Dezember wird jeweils schon um 17 Uhr geschlossen.

TICKETPREISE
Für Erwachsene: 29 Franken
Kinder von 6–15 Jahren: 19 Franken
Jüngere Kinder: kostenlos
Für weitere Ticketarten wie Familientickets etc. bitte die Homepage von Aquatis konsultieren (s. u.).

ÜBERNACHTEN
Zum Gebäudekomplex des Aquariums gehört praktischerweise auch das 3-Sterne-Superior-Hotel Aquatis ((www.aquatis-hotel.ch)). Wenn man länger bleiben und Lausanne erobern möchte (darüber berichten wir später), ist die Lage mit der direkten Metro-Anbindung natürlich perfekt. Die Zimmer sind auch schön, da gibt es nichts zu meckern, aber während unseres Aufenthaltes zeigten sich die Mitarbeiter höchst unmotiviert. Einen simplen Aperitif nur schon zu bestellen brauchte extrem Geduld. Teuer war er dann auch noch. Inzwischen soll die Direktion aber gewechselt haben. Wir hoffen sehr, dass jetzt auch Freundlichkeit, Servicebereitschaft und Zuvorkommen Einzug gehalten haben.

WEITERE INFOS
Aquatis Aquarium-Vivarium

Route de Berne 144
1010 Lausanne
www.aquatis.ch 


© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | travelexperience.ch

Offenlegung: Wir waren von Aquatis zu einer Führung eingeladen und durften im Aquatis-Hotel übernachten. Lausanne Tourisme hat den Aufenthalt mit einem Rahmenprogramm unterstützt, über das wir später berichten.



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